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Test: Phil Jones Bass CUB Pro BG-120, Bassverstärker

31. Juli 2022

Handgepäck für Bassisten!

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Kleiner, leichter, transportabler – so könnte man die Entwicklung im Segment der Amps und Boxen in den letzten Jahres zusammenfassen. Schwer tragen möchte heute eigentlich niemand mehr, die Zeiten, in denen Gitarristen und Bassisten ihre großen Anlagen in Clubs geschleift haben, sind vorbei, zumal digitale Preamps und In-Ear-Monitoring teilweise günstiger sind als konventionelles Equipment. Entsprechend haben alle großen Hersteller in der Zwischenzeit eine „light“ Variante ihrer Produkte am Start, die Auswahl auf dem Markt ist riesig. Oft gibt es dieselbe Box in verschiedenen Gewichtsklassen und nicht selten ist man etwas ratlos, welche man denn nun auswählen soll? Testet man diese dann gegeneinander, stellt man immer wieder fest, dass die schwere Version für den Bass in der Regel besser klingt als die leichten Kisten. Kein Wunder, sie wurde ja meistens auch zuerst entwickelt und optimal auf den Klang angepasst, um danach wieder abgespeckt zu werden. Am Ende findet man häufig Produkte, die irgendwie einen Kompromiss zwischen Klang, Lautstärke und Gewicht darstellen.

Dem im Jahre 1954 in London geborene Phil Jones war das nicht gut genug, deswegen hat er sich nach vielen Jahren als erfolgreicher Entwickler im Audiobereich seiner eigentlichen Liebe gewidmet hat, dem Bau von Amps und Boxen für E-Bassisten. Im Jahr 2002 gründete er seine Firma mit den gleichen Namen und verfolgte von Beginn an das Konzept Leichtbau. Wurde er am Anfang dafür noch ein wenig belächelt, gehört er heute zu den Global Playern und kann auf Endorser wie Nathan East, Pino Palladino, Hugh McDonald und Bakithi Kumalo verweisen – eine beeindruckende Liste! In seinem Portfolio finden sich Amps, Boxen, Combos und Effekte, die alles eines gemeinsam haben: Sie wurden von Beginn mit möglichst wenig Gewicht geplant und gebaut. Zeit, das wir uns das mal etwas genauer ansehen!

Durchdachter Bassverstärker – Features

Der Bass CUB Pro BG-120 ist ein kleiner und kompakter Combo im handlichen Format. Obwohl bestückt mit zwei 5er Speaker und 240 Watt an 4 Ohm ist er nicht größer als ein klassischer Koffer für das Handgepäck im Flieger und mit 7,6 kg dürfte es sogar problemlos mit an Bord genommen werden. Das Design ist schlicht und schick. Auf der Vorderseite erkennt man die beiden Lautsprecher hinter dem Gitter, die das Logo von Phil Jones einrahmen. Die Verkleidung des Amps ist hochwertiges Tolex, das in den Farben Rot und Schwarz erhältlich ist und sehr ordentlich verarbeitet wurde. An den Kanten wurde nochmals ein extra Schutz aus Metall angebracht, dazu gibt es bombenfest verschraubte Füße auf der einen und einen Griff auf der anderen Seite. Ganz klar, hier wurde an Qualität nicht gespart, der Amp wurde gemacht, um überall mitgenommen zu werden.

Auf der Oberseite finden sich alle Bedienelemente, die in 4 Sektionen aufgeteilt und optisch voneinander getrennt wurden. Oben links liegen Input und Gain mit Clipping-Anzeige sowie ein Schalter, mit dem die Empfindlichkeit des Eingangs gewählt werden kann. Hier wurde mitgedacht, denn neben den üblichen aktiv/passiv Anpassungen kann man den Gain auch komplett stummschalten, was das Kabelziehen ohne Veränderung des Pegels möglich macht. Direkt rechts daneben findet wir die Sektion „Effekte“, die jeweils einen Send- und Return-Eingang beinhalten sowie einen Dry/Wet-Regler, mit dem das Effektsignal stufenlos zum Original hinzugemischt werden kann. Dieses Feauture ist genial und würde ich mir viel öfter bei Amps wünschen, denn es eröffnet einen unglaublich feine und genaue Kontrolle des Sounds. Gerade beim Bass hat man häufig das Gefühl, dass der verwendete Effekt zwar gut klingt, aber den Sound zu sehr dominiert und so wichtige Fundament im Ton gefährdet. Genau hier kommt der Regler ins Spiel, egal ob Zerre, Flanger, Phaser, Chorus, Hall oder Compression, man kann den Sound einfach nach Belieben beimischen und so den optimalen Sweetspot zwischen cleanem Signal und Effekt finden. Gut mitgedacht, Herr Jones!

Direkt darunter befindet sich eine große Sektion für den EQ. Mit dem Phil Jones BG-120 hat man nicht 3, nicht 4 sondern ganze 5 Regler zur Verfügung, über die der Hersteller leider keine genaueren Angaben macht, sondern lediglich mit den Namen Lo-Bass, Hi-Bass, Lo-Mid, Hi-Mid und Treble beschriftet hat. Was am Anfang erst mal kompliziert aussieht, ist in der Praxis sehr einfach und intuitiv zu bedienen – doch dazu später mehr. Als nächste Sektion kommt der Aux-In, der einen Miniklinkenanschluss hat und über einen Volume-Regler verfügt. Ganz rechts finden wir noch einen Ausgang für Kopfhörer, eine LED, diee uns anzeigt, ob der Amp in Betrieb ist sowie der Mastervolume-Regler.

Auch die Rückseite des Combos bleibt übersichtlich. Auf der linken Seite finden wir einen DI-Ausgang, einen Ground-Lift-Schalter, einen Line-Ausgang sowie zwei Speakon-Ausgänge, die für zusätzliche Boxen (einer davon speziell abgestimmt auf die In-Ear-Box aus gleichem Hause) genutzt werden können. Auf der rechten Seite haben wir den On-Off-Schalter, die Eingangsbuchse für den Netzstecker sowie einen Schalter, um die richtige Spannung einzustellen.

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Wie klingt der Phil Jones Bass CUB Pro BG-120?

Wie klingt nun unser kleines Handgepäckstück? Um das zu testen, habe ich den Amp erst mal bei mir zu Hause im Übungsraum aufgebaut und eine Vielzahl an Bässen angeschlossen. Der erste Eindruck kann sich hören lassen, aus der kleinen Kiste kommt richtig viel heraus, er klingt weitaus größer, bassiger und lauter, als man es erwartet hätte. Die Abstimmung des Amps würde ich als neutral mit ein wenig Kompression bezeichnen, letzteres dürfte wohl an den kleinen 5er-Lautsprechern liegen. In jedem Fall macht er zu Hause richtig Spaß, selbst das Low B des 5-Saiters kommt satt und druckvoll rüber und lässt mich stauen. Wie machen die das? Auch der Fretless, der Akustikbass sowie der Kontrabass funktionieren einwandfrei. Besonders letzterer profitiert durch den vielseitigen EQ enorm!

Überhaupt ist der EQ wirklich gut zu bedienen, die vielen Regler sind zwar am Anfang etwas abschreckend, aber in der Praxis hat man – Achtung schlechter Wortwitz – schnell den Dreh raus, den man wohin wie bewegen muss. Um die Funktionsweise dieser zu verdeutlichen, habe ich hier alle mal ganz spartanisch mit leeren Saiten auf dem E-Bass aufgenommen. Ich empfehle, unbedingt Kopfhörer zu benutzen, um die unterschiedlichen Frequenzen auch wirklich zu hören.

Clean, Low Bass Boost, High Bass Boost, Both Bass Boost

 

Clean, Low Mid Boost, High Mid Boost, Both Mid Boost

 

Treble Boost

 

Der Sound der DI gibt natürlich nicht den akustischen Klang des Amps wieder, das kann man auch nur ganz schwer aufnehmen, denn der Bass muss bekanntlich auch gefühlt werden. Man hört hier bei Aufnahmen aber deutlich, wie die Regler beim Sound eingreifen und sich somit sich alles nach den eigenen Wünschen formen lässt. Beim Kontrabass ist dies noch besser zu hören, in diesem Beispiel sind alle Varianten in einer Datei zusammengefasst:

clean, Low Bass Boost, High Bass Boost, Low Mid Boost, High Mid Boost, Treble

Phil Jones Bass CUB Pro BG-120 – Fallbeispiele

Auf weitere Aufnahmen habe ich in diesem Test verzichtet, da der BG-120 vor allem ja für Live gedacht ist und dieser Sound über den DI nicht wiedergegeben wird. Über diesen gibt es auch nicht viel zu erzählen, er ist sauber und klar, ohne Rauschen oder Nebengeräusche, eben im besten Sinne neutral. Interessanter ist es, den Phil Jones in verschiedenen musikalischen Settings zu testen, weswegen ich ihn in den Testwochen in folgenden Situationen am Start hatte:

Bandprobe im akustischen Quartett, Besetzung mit Kontrabass, Gitarre, Holzblasinstrument und Gesang: Hier wurde überwiegend Latin und Jazz gespielt, klassische Dinner-Musik und bisschen Pop-Rock, alles geschmackvoll arrangiert und selten wirklich laut. In diesem Umfeld spielt der Phil Jones alle seine Stärken aus und mischt sich perfekt mit dem natürlichen Klang des Kontrabasses, egal ob mit den Fingern oder dem Bogen gespielt. Klein und unauffällig arbeitet er neben dem Gitarrenamp und viele Zuschauer bemerkten gar nicht, dass der Bass elektrisch verstärkt wurde. Den Amp hatte ich selbst auf ca. 1/3 bis 1/2 des Volumes eingestellt, die Bässe etwas angehoben, die Mitten etwas herausgenommen, Aufbau und Einstellung des Sounds dauerten keine Minute. Sehr zufriendstellend.

Big Band in klassischer Besetzung, E-Bass und Kontrabass: Auch hier machte der Phil Jones eine gute Figur, allerdings kam er schon deutlich näher an seine Grenzen. Der 5-Saiter kam in der hohen Laustärke nicht mehr so fett und satt rüber wie zu Hause, auch hatte ich das Gefühl, zu viel Kompression im Ton zu haben. Zur Verteidigung des Geräts muss man aber sagen, dass der Gig Open-Air war und viele Amps auch ihre Probleme gehabt hätten. Trotzdem war alles noch im grünen Bereich, ich konnte mich gut hören und vom Drummer gab es auch keine Beschwerden. Der Mute-Schalter war beim ständigen Wechseln zwischen E- und Kontrabass Gold wert!

Soul-Pop Band mit Piano/Keys, E-Gitarre, Drums und E-Bass: Der Club, in dem wir spielten, ist für seine miese Akustik bekannt. Auf der Bühne hört man nichts und im Saal ist wiederum alles zu laut. Aus dem Grund gibt es immer bisschen Stress mit dem FoH, der ist bekannt chronisch schlecht gelaunt, niemand ist zufrieden. Ich habe mir direkt beim Aufbau von hinten ein Case gegriffen und den Phil Jones auf diesen angewinkelt aufgestellt. Selbst stand ich keine 30c m davon entfernt, so dass der Sound wunderbar direkt in den Rücken und an die Ohren abstrahlte. Zum ersten Mal konnte ich mich gut hören, ohne Probleme mit dem FoH zu haben – Jackpot! Die Lautstärke des BG-120 war fast an der Grenze, aber noch im Rahmen, was der Amp liefern kann, ohne dass es nicht mehr klingt. Das hat gepasst!

PartyRockband, 2 Gitarren, Drums, Organ, Brass-Section: Manchmal mache ich es noch, ein Kollege bittet mich um den Gefallen und man findet mich als Sub am Bass auf einem Schützenfest. Das Programm ist bekannt, das Ziel, die Party und die Bühne entsprechend mit Subwoofern bestückt. Auch wenn In-Ear gefragt war, hatte ich den Phil Jones dabei, allerdings hattte er keine Chance. Nach dem ersten Set packte ich den BG-120 wieder ein, hier kann er nichts mehr ausrichten. Im Prinzip war das auch vorher klar, aber ich wollte es mal testen. Zum Glück war der Transport nicht allzu beschwerlich …

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Fazit

Phil Jones hat es sich zur Aufgabe gemacht, kleines, leichtes und transportables Equipment für Bassisten zu entwickeln, ohne dabei Verluste im Sound in Kauf zu nehmen. Ich würde sagen, das hat er geschafft, der BG-120 ist ein toller Amp mit viel Klang und Power, der für viele Situationen ausreicht und in seiner Größen- und Gewichtsklasse unschlagbar ist. Eine intuitive Bedienung und hohe Qualität bei der Verarbeitung machen ihn zu einer echte Waffe für Bassisten, die unterwegs sind und wenig schleppen wollen.

Plus

  • schönes Design
  • hochwertig verarbeitet
  • Bedienung einfach und übersichtlich
  • sinnvoller EQ
  • großer, voluminöser Sound
  • leicht

Minus

  • -

Preis

  • 859,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Klaus B.

    Ich bin seit Jahren bekennender PJB-Fan und überzeugter Nutzer unter anderem des Briefcase-Combos (der mit der Batterie). Dass der BG-120 im „ambitionierten“ Umfeld an seine Grenzen stößt, überrascht mich nicht. Interessant wäre das Zusammenspiel mit z.b. einem CAB67 oder Compact8 Cabinet gewesen … ohne jede Zusatzbox wird ja auch das gesamte Potential nicht abgerufen, was die Komfortzone einfach limitiert. Innerhalb dieser Zone ist der Komfort aber unschlagbar.

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