Test: PSI Audio A23-M, Midfield-Studiomonitor

6. April 2020

Schweizer Luxus-Abhöre

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PSI Audio A23-M, Midfield-Studiomonitor

Die PSI Audio A23-M sind die neusten Midfield-Studiomonitore des schweizerischen Traditionsunternehmens Relec SA, das seit 1977 HiFi-, PA- und Studiolautsprecher produziert. Neben der hauseigenen Marke PSI Audio baut Relec SA auch Boxen für Rowen und fertigte sogar über 10 Jahre lang Aktivmonitore für Studer.

Als kompakte, modernisierte Version der etablierten A25-M bieten die A23-M neben der bewerten AOI- und CPR-Technologie einen neu entworfenen Mitteltöner. Der Signalpfad ist, wie bei allen anderen Produkten von PSI Audio, vollständig analog und als Verstärker kommen eher selten vertretene Class-G/H-Schaltungen zum Einsatz.

PSI Audio A23-M

PSI Audio A23-M in Weiß

PSI Audio A23-M auf den ersten Blick

Entsprechend dem Design der kompletten A-Serie, werden die A23-M standardgemäß in einer dunkelroten Lackierung ausgeliefert, die bei näherem Betrachten – je nach Lichteinfall – einen leichten, matten Glitzer-Effekt hat. Wem diese Farbe nicht so sehr gefällt, kann die A23-M aber auch in Metallic-Schwarz oder einem schlichten Weiß bestellen. Unabhängig von der Farbwahl prangt auf der linken Außenseite stets das überaus großzügig dimensionierte Firmenlogo in Form eines Ausrufezeichens.

Fast alle Bauteile fertigt PSI Audio in Handarbeit, so auch das robuste, aus MDF bestehende Gehäuse, dessen Kanten sorgfältig abgerundet sind. Seine Maße betragen 50 cm in der Höhe, 28 cm in der Breite und 34 cm in der Tiefe, während das Gewicht pro Box 18 kg ausmacht.

Auf der Vorderseite dominiert optisch ein 6,7 Zoll großer Konus-Tieftöner, unter dem der Bassreflexkanal liegt. Die Trennwand zwischen den Mündungen des Kanals ist so breit, dass darauf eine kleine Version des Firmenlogos und eine LED als Aktivitäts- und Überlastungsanzeige angebracht sind.

PSI Audio A23-M

Der Bassreflexkanal

Über dem Basslautsprecher befinden sich ein 2,2 Zoll großer, eigens für die A23-M entwickelter Kalotten-Mittentreiber wie auch ein 1 Zoll breiter Tweeter, der schon für die A25-M verwendet wurde. Beide sind in einer separaten Metallplatte eingelassen, wobei es sich um ein ziemlich praktisches Feature handelt:

Damit die A23-M nicht nur vertikal, sondern auch horizontal aufgestellt werden können, lässt sich die mit vier Schrauben befestigt Platte lösen und um 90 Grad drehen, so dass die Hoch- und Mitteltöner stets übereinander lagern, um einen optimalen Klang zu gewährleisten.

Sehr übersichtlich gestaltet ist die Rückseite, die mit einem Metalldeckel verschlossen ist, auf dem alle Anschlüsse und Bedienelemente sitzen. Dazu zählen neben der Netzkabelbuchse, dem Ein- und Ausschalter und dem XLR-Audioeingang, zwei einfache Kunststoffpotentiometer, mit denen mittels eines Schlitzschraubendrehers die Lautstärke (0 bis -20 dB) und der Rolloff (0 bis – 10 dB) im Bassbereich justiert wird.

PSI Audio A23-M

XLR-Anschluss, Level- und Rolloff-Einstellung

Die Verstärker der Studiomonitore

Jeder der drei Treiber verfügt über eine eigene Endstufe. Für den Tief- und Mitteltöner benutzt PSI Audio selbstentwickelte Class G/H-Schaltungen, die grundsätzlich die Eigenschaften eines Class A/B-Verstärkers besitzen, aber mit komplexeren Netzteilen arbeiten. Diese liefern, abhängig von der Lautstärke, niedrigere oder höhere Spannungen, wodurch nicht nur Strom gespart, sondern auch die Wärmeentstehung reduziert und eine geringere Verzerrung bei der Wiedergabe erreicht wird.

Der Amp für den Tieftöner hat eine Leistung von 140 Watt und der des Mitteltöners 70 Watt. Für die Verstärkung des Tweeters kommt eine klassische Class-A/B-Schaltung mit 50 Watt zum Einsatz.

PSI Audio A23-M

PSI Audio A23-M von rechts

Technische Details der PSI Audio-Speaker

Abhängig von der Einstellung des Rolloffs reicht das Frequenzspektrum der A23-M von maximal 34 Hz bis 23 kHz. Die Übergänge des Mittentreibers zu dem Tief- und Hochtöner liegen bei 620 Hz und 3,2 kHz, die maximale Leistung eines Boxenpaares beträgt 109 dB (SPL). Bei Überlastungen schaltet sich automatisch ein Limiter ein, um Beschädigungen an den Lautsprechern zu vermeiden.

Zur Optimierung des Klangverhaltens setzt PSI Audio eigens entwickelte Technologien ein, die auch bei den anderen Modellen der A-Serie verwendet werden:

  • Um frequenzbedingte Verschiebungen der Laufzeit auszugleichen, sorgt das hauseigene CPR (Compensated Phase Response) -System bei der Verteilung des Eingangssignals für ein ausgeglichenes Phasenmaß der drei Treiber. Als Ergebnis soll der Klang klarer, brillanter und die Stereowiedergabe differenzierter sein.
    Zum Beispiel bewerkstelligt HEDD Audio die Frequenz- und Phasenlinearisierung bei ihren analogen Monitoren mit einem Plugin (HEDD Lineariser), das in dem Mix-Bus einer DAW zum Einsatz kommt, dabei allerdings eine Latenz von bis zu 100 ms verursacht. PSI Audio haben dieses Problem erstaunlicherweise mit analogen Komponenten intern lösen können, wobei lediglich eine Verzögerung von 0,6 ms entsteht.
  • Das AOI (Adaptive Output Impedance) System prüft wiederum die Bewegungen der Membran im Verhältnis zum Eingangssignal. Durch das kontrollierte Beschleunigen und Abbremsen der Chassis soll die Impulstreue verbessert und Klangfärbungen, die an dieser Stelle entstehen können, vermieden werden.
  • Da die A23-M vor der Auslieferung in einem reflexionsfreien Raum manuell kalibriert werden, ist ein Boxenpaar von Werk aus kombinierbar, ebenso mit anderen Modellen der A-Serie für Mehrkanalanwendungen.
PSI Audio A23-M

PSI Audio A23-M in horizontaler Position

Klang und Praxis

Zu Beginn des Tests werden die A23-M in einer akustisch optimierten Regie mit einer Größe von 25 qm aufgestellt. Um die ideale Abhörposition zu finden, empfiehlt PSI Audio bei dieser Lautsprechergröße einen Abstand von 1,5 bis 2,5 m.

Selbst bei einer Distanz von jeweils 1 m zu der Rückwand und den Seitenwänden haben die A23-M beim aller ersten Anhören einen übermäßig ausgeprägten Bassanteil, der mittels einer Absenkung der tiefen Frequenzen von -6 dB per Rolloff kompensiert werden muss – auch darauf weißt PSI Audio in der Bedienungsanleitung hin.

Sobald die tiefen Frequenzen gebändigt sind, präsentieren sich die A23-M mit einem beeindruckend vollmundigen und ausgewogenen Klang. Sie haben einen überaus sanften und edlen Charakter, der das Eingangssignal – unabhängig vom Genre oder der Produktionsart – stets sehr musikalisch wiedergibt.

PSI Audio A23-M

6,7 Zoll großer Tieftöner

Insgesamt wirkt das Klangbild äußerst linear und alle Frequenzbereiche werden gleichberechtigt abgebildet.

Das Low-End ertönt schön kräftig, aber nicht überbetont und hat eine klar differenzierte Kontur. Auch die üppige Form der oberen Bässe sorgt für ein druckvolles und behagliches Hörerlebnis. Nicht minder beeindruckend ist die differenzierte Darstellung der verschiedenen Mittenbereiche:
In den unteren Mitten klingen die A23-M schön warm und satt, während sich in den oberen Mitten der Sound deutlich öffnet. Gesang, Lead-Instrumente und Snares erscheinen sehr klar artikuliert und treten plastisch hervor.

Etwas behutsamer und zurückhaltender sind dann wiederum die Höhen. Sie haben eine samtige, weiche Beschaffenheit, die stets sehr angenehm klingt und das Gehör nicht stresst.

Auch bei der Tiefenstaffelung kristallisieren sich feine Nuancen detailliert heraus, die Räume und Hallfahnen lassen sich überaus leicht beurteilen und dementsprechend bearbeiten. Bei der Verteilung von verschiedenen Spuren im Panorama kann man die Positionen sehr genau orten, das Gleiche gilt für die Phantomschallquelle in der Mitte.

Alle genannten Klangeigenschaften haben sowohl bei einer geringen als auch hohen Lautstärke Bestand und ermöglichen ein entspanntes, professionelles Arbeiten mit den A23-M, ohne dass das Gehör überreizt wird oder gar schnell ermüdet.

PSI Audio A23-M

Mittentreiber (2,2 Zoll) und Tweeter (1 Zoll)

PSI Audio A23 vs. Adam S3H

Während des Tests bestand die Möglichkeit für einen kurzen Vergleich mit den Adam S3H, über die AMAZONA.de erst neulich berichtete. Mal abgesehen davon, dass ein Paar der A23-M rund 2.800,- Euro teurer ist, treffen hier zwei Lautsprecher aufeinander, die nicht unterschiedlicher geartet sein könnten. PSI Audio setzt bewusst auf einen puren Analogsound, Adam hingegen auf die Vorzüge der digitalen Technik – und das ist in beiden Fällen unüberhörbar.

Insgesamt erscheinen die A23-M wärmer und vollmundiger, was insbesondere an den oberen Bässen und unteren Mitten liegt, die deutlich satter und mit mehr Sustain ertönen. Gerade in diesem Bereich sind die S3H schlanker, aber auch analytischer: Der Bauch einer Snare ist nicht so opulent, hat dafür aber eine präzisere Kontur. Dagegen erreicht wiederum ein E-Bass auf den A23-M mehr Druck und Fülle, was musikalischer wirkt. Das Gleiche gilt für verzerrte Gitarren in Rockproduktionen, die in den unteren Mitten wesentlich kräftiger erscheinen.

PSI Audio A23-M

PSI Audio A23-M von links

Ähnlich ist es bei dem Panorama und der Darstellung der Tiefenstaffelung: Während die A23-M eine wohlig, weichen Hintergrund schaffen, wird dieser beim Umschalten auf die S3H plötzlich in einer schonungslosen Präzision wiedergegeben, die sicherlich nicht so charmant ist, aber dafür viel transparenter.

Die S3H klingen in den oberen Mitten und Höhen präsenter und offener, was vor allem an den überaus schnellen Transienten der Airmotion-Transformer liegt, die für eine plastischere Abbildung sorgen. Zum Beispiel lösen sich Hi-Hats und Becken regelrecht von den Hochtönern und treten dreidimensionaler im Raum hervor als bei den A23-M, die diese wieder wesentlich weicher, seidiger darstellen und in ihr Klangbild einbeten, wobei sie an den Lautsprechern „haften“ bleiben.

Man könnte noch viele ähnliche Beispiele nennen, was nichts daran ändern würde, dass hier zwei sehr gute, aber grundverschiedene Boxen verglichen werden. Am Ende muss jeder Anwender subjektiv und entsprechend dem eigenen Geschmack entscheiden, welche Eigenschaften der persönlichen Arbeitsweise am besten entsprechen.

PSI Audio A23-M

PSI Audio A23-M

Fazit

Bei den PSI Audio A23-M handelt es sich um exzellente, aktive Midfield-Studiomonitore für professionelle Anwendungen.

Sie haben einen edlen, vollmundigen, analogen Ton mit einem überaus ausgewogenen, linearen Frequenzspektrum, wodurch das Hören und Arbeiten zum Genuss wird. Dabei decken sie breitbandig den wahrnehmbaren Frequenzbereich ab und geben diesen auf eine eigenständige und erhabene Art und Weise wieder.

Auch die Verarbeitung der Boxen ist sehr hochwertig, zudem verwendet PSI Audio fast ausschließlich eigens entwickelte, analoge Komponenten, die in Handarbeit gefertigt werden.

Alle diese Faktoren zeichnen nicht nur den hervorragenden Klang, sondern natürlich auch den verhältnismäßig hohen Preis der A23-M aus. Sämtliche Produkte von PSI Audio haben übrigens eine Herstellergarantie von 5 Jahren.

Plus

  • warmer, vollmundiger, analoger Klang
  • lineares Frequenzspektrum
  • sehr gute Stereo- und Tiefendarstellung
  • Verarbeitung

Preis

  • A23-M (rot): 4.189,- Euro (Stückpreis)
  • A23-M (schwarz): 4.699,- Euro (Stückpreis)
Forum
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      Herr Mikrobi  

      Falscher Betrachtungswinkel: die rote ist 500eur billiger (weil hässlich) und die weisse kostet als Ausgleich dafür nütsch!

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        a.e.neumann  

        Dem weinroten farbton liegt ein wortspiel zugrunde.
        Der gründer und langjährige chefentwickler von Relec/PSI heisst Alain Roux. „Roux“ bezeichnet auf französisch zugleich die rötliche farbnuance der grundversion der PSI-Monitore.
        Die schwarze variante kam erst später hinzu; sie wird vor allem von aufgeklärteren audiophilen kunden bevorzugt, die realisiert haben, dass studio-hardware in dieser qualität einen wesentlich reelleren gegenwert bietet als fast alles, was unter Hi-Fi verkauft wird.
        Trotz aufpreis für den WAF.
        (WAF = Wife Acceptance Factor)

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    teofilo  

    Das ist nicht nur ein „verhältnismäßig“ hoher Preis, sondern auch ein „absoluter“;o)

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    a.e.neumann  

    Ich hatte mich gefreut, die A23 am vergangenen wochenende in Greifensee bei Zürich zu hören, doch fiel die veranstaltung der Coronavirus-sperre zum opfer.
    Auf PSI bin ich seit Studer-zeiten angefixt. Von den neueren stehen die kleinen A14, die mittleren A17 sowie die schlanken D‘Appolito midfield-säulen A215 bei mir seit einem dutzend jahren tag und nacht im dauereinsatz. Die nacht betone ich deshalb, weil mir keine anderen monitore bekannt sind, welche auch bei niedrigem pegel gleich linear und ausgewogen klingen. Nächtliche hörer staunen immer, dass ausser dem verringerten schalldruck keinerlei informationen verloren gehen.

    Die werthaltigkeit der analogen elektronik der PSI-monitore hat sich im vergleich zu — exzellenten — digitalen komponenten, die ich auch einsetze, etwa von Weiss oder Prism, als weise vorausschauend bestätigt. Während schnittstellen wie FireWire obsolet (gemacht) oder treiber inkompatibel werden (Crapalina!), können wechselnde anschlussmoden diesen boxen nichts anhaben. XLR rein, fertig, egal welche elektronik vorgeschaltet ist. (Nur anständig muss sie sein, die PSI sind recht entlarvend.)

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      AMAZONA Archiv

      Deinem Kommentar schließe ich mich gerne an. Der Preis ist in der Tat sehr hoch, aber es ist wirklich eine Manufaktur , ohne wenn und aber. Nahezu alles Handarbeit, auch das Lackieren. Ich habe eine 17er und freue mich auf die neuen 25 , die im Spätsommer erscheinen sollen. Ich hoffe, ich bekomme das Geld zusammen, 8260 und 8351 werden dafür verkauft. PSI ist für mich die perfekte Balance zwischen absoluten Hörvergnügen und Analytics. Ich habe bisher nichts vergleichbares gehört. Allein die 17 er ist ein Erlebnis. Und: Das Schwarz – Metallic (!) der Monitore ist wie beim Autokauf aufpreispflichtig, leider. Daher habe ich auch kein Auto mehr.

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        Skriabin

        Woher wissen Sie, dass der neue PSI A25-M im Spätsommer erscheinen soll? Ich habe derzeit die A23-M und die „alten“ A25-M, fantastische Monitore! Der neue Mitteltonbereich des A23-M ist unglaublich detailliert!

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    iggy_pop  AHU

    Geht es nur mir so, oder fühlen sich auch andere an den Klein & Hummel O96/O300 erinnert, was die Gestaltung der Frontseite angeht (sieht man mal von der Bassreflexöffnung ab)?

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      AMAZONA Archiv

      Nein, ich „fühle“ mich nicht erinnert. 3 Wege, vollends andere Symmetrie , vom Klang mal ganz abgesehen.

      Vielleicht löst ja nur der Dome Mitteltöner bei Dir diese „Gefühle“ aus ? Dann musst Du aber auch ATC, Quested usw. mitfühlen. … und bitte, nimm doch mal diese kindischen Mittelfinger runter; das ist so unhöflich, zumal es sich noch nicht einmal um Deine eigenen handelt.

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        iggy_pop  AHU

        Ich hatte ernsthaft ganz kurz darüber nachgedacht, aber: Dein Kommentar hat mich in meinem Handeln bestätigt und mir gezeigt, daß ich es genau richtig mache.

        Ich danke Dir für den kompetenten Rat bei der Entscheidungsfindung und wünsche Dir noch einen schönen Abend.

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          AMAZONA Archiv

          Was meinst Du denn damit , wenn Du sagst „Dein Kommentar hat mich in meinem Handeln bestätigt und mir gezeigt, daß ich es genau richtig mache.“ (?)
          Das erschließt sich mir nicht, nimms mir bitte nicht übel. Meinst Du meinen eher schmunzelnden Hinweis auf die Stinkefinger von Iggy Pop in Deinem Bild ? nix fieses. Alles Gute, ein Ex OWLler ;-)

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