Test: Dynaudio Core 59, Midfield Studiomonitor

3. Februar 2020

Dänische Oberliga mit Digitaleingängen!

dynaudio core 59

Dynaudio Core 59, Midfield Studiomonitor

Der dänische Hersteller Dynaudio dürfte in der oberen und obersten Klasse nahezu jedem Studiobetreiber ein Begriff sein. Laut Recherche in weit über 10.000 professionellen Tonstudios weltweit verbaut und OEM-Audio-Supplier der Beschallungssysteme von Volvo und Volkswagen, kommt man selten um die Marke herum, sobald man seine Brötchen im Studio verdienen muss. In der letzten Zeit setzte die Firma neben der digitalen Signalbearbeitung zudem durchgehend auch auf digitale Frequenzweichen, wie sie ebenfalls in der zum Test vorliegenden Dynaudio Core 59 verwendet werden. Auf geht’s!

Dynaudio Core 59 Front Liegend

Die Konstruktion der Dynaudio Core 59

Schon beim Auspacken der Dynaudio Core 59 wird sehr schnell deutlich, dass wir es hier nicht mit einem Nahfeldmonitor zu tun haben. Mit den Abmessungen 380 x 550 x 390 mm und einem Gewicht von 25 kg haben wir es auch aufgrund der Leistung von insgesamt bis zu 1.150 Watt eindeutig mit einem Midfield-Monitor zu tun. Mit einem Ladenpreis von knapp 2.700,- Euro pro Box setzt der digitale 3-Wege-Monitor entsprechende Duftmarken, die das Budget eines Projektstudios ohnehin in den meisten Fällen sprengen wird.

Das Gehäuse besteht aus schwarz lackierten MDF-Platten und ist tadellos gefertigt. Überhaupt hinterlässt die in Dänemark gefertigte Box auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck. Wie bei Dynaudio allgemein üblich, werden auch bei der Dynaudio Core 59 alle Treiber von Hand in Dänemark gefertigt, wobei sich die auf einem eigenen Kreiselement angebrachte Hochton-/ Mitteltonkombination beliebig drehen lässt.

So lässt sich auch der liegende Betrieb sowohl im Links- als auch im Rechtsbetrieb oder gar ein „Kopfstandbetrieb“ problemlos realisieren. Um die mitgelieferten aufklebbaren Gummifüße perfekt zu positionieren und an ihrem zugewiesenen Punkt zu halten, befinden sich auf beiden Seiten der Unterseite und auch der Oberseite entsprechende Vertiefungen zum Aufnehmen der Klebefüße.

Dynaudio Core 59 Oberseite

Um den Hochtöner gegen Transportschäden zu sichern, befindet sich während des Transports ein von außen magnetisch gehaltener, knallgelber Kunststoffdeckel auf dem Hochtöner. Die oben genannten 1.150 Watt rekrutieren sich aus je 500 Watt für den 9,5 Zoll großen Bass- und den 5 Zoll großen Mitteltöner zzgl. 150 Watt für den Hochtöner, wobei der Hochtonbereich und insbesondere der Mittenbereich somit über einen ungewöhnlich hohen Headroom verfügen. Der Frequenzgang beträgt laut Hersteller 42 Hz bis 21 kHz, die Crossover-Frequenzen wurden bei 385 Hz und 5,1 kHz gesetzt.

Dynaudio verweist in seinem Benutzerhandbuch ausdrücklich darauf, dass das System erst eingespielt werden muss und nach ca. 12 Stunden Dauerbetrieb seinen endgültigen Klang erreicht hat. Eine Überbetonung der Höhen und ein „steifes“ Klangbild zu Beginn des Betriebs möge man bitte ignorieren.

Die Rückseite samt den Anschlüssen

Die Eingangs- und Filtersektion der Dynaudio Core 59 ist erwartungsgemäß sehr umfangreich ausgefallen, zumal das System sowohl über analoge als auch digitale Eingänge und zusätzliche DSP-Funktionen verfügt. Entsprechend der Leistungsklasse wurde als analoger Eingang nur XLR verbaut, TRS oder gar RCA sucht man vergebens.

Digital wird sowohl als Eingang als auch als Ausgang ebenfalls auf XLR gesetzt, wobei das System bis 192 kHz und Singlewire AES3 ausgelegt ist. Es findet intern keine Samplerate-Konvertierung statt, stattdessen übernimmt der DSP die angelieferten Samplerates 1:1. Ein Umschalter namens „Digital Channel“ regelt im Digitalmode auch die Rechts/Links-Positionierung der Box. Zusätzlich ist auch noch ein BNC-Anschluss für Wordclock verbaut. Der zusätzliche USB-Anschluss ermöglicht keine weitere Kalibrierung des Systems, sondern ist nur für Wartungsarbeiten vorgesehen. Bei Verwendung der analogen Inputs arbeitet die Box durchgehend auf 192 kHz.

Über zwei Schieberegler mit den Namen „Analogue Input Sensitivy“ und „SPL Level“ kann man nunmehr seinen Arbeitspegel perfekt auf die anliegenden und ausgehenden Ströme anpassen. Auch wurde vier Bohrungen für einen VESA Mount vorgesehen, wobei ich mir kaum vorstellen kann, dass jemand diese Kolosse fliegend betreiben möchte. Auch der Desktop-Betrieb ist nahezu ausgeschlossen, hier sind entsprechende Stative für den Betrieb vorgesehen, aber man weiß ja nie, auf was für Ideen die Nutzer so alles kommen.

Die Dynaudio Core 59 verfügt über ein Multispannungsnetzteil, was einen weltweiten Betrieb ermöglicht, entsprechend liegend dem System die wichtigsten Netzkabel mit den entsprechenden Netzsteckern bei. Über einen echten On/Off-Schalter verfügt die Dynaudio Core 59 nicht, lediglich ein Auto-Standby-Mode lässt sich per Schieberegler aktivieren. Als Abschluss gibt es noch einen Kaltgerätestecker, eine Anzahl von Kühlrippen und eine umfangreiche Filtersektion, der wir uns nunmehr etwas genauer zuwenden wollen.

Dynaudio Core 59 Rückseite

Die Filtersektion

Trotz des anvisierten Anwenderkreises des professionellen Betriebs haben sich die Dänen bei der Dynaudio Core 59 einer Art Plug-and-Play mit reduzierten Editierungsmöglichkeiten verschrieben, wenngleich die DSP-Ausrichtung einen deutlich intensiveren Griff in die Prozessorabteilung zulassen würde. Folgende Einstellungen lassen sich per Schieberegler aktivieren:

Position 1: Man kann zwischen „freistehend“, „an der Mauer“ und „in der Ecke“ wählen, wobei Dynaudio als Basis die 50 cm Regel verwendet. Weniger als 50 cm von einer Wand entfernt bedeutet „Wall“, weniger als 50 cm von 2 Wänden entfernt bedeutet „Corner“. Der Prozessor errechnet die entsprechenden Überlagerungen und senkt mit gleich mehreren Filtern im Bassbereich ab.

Position 2: Hier kann man die Platzierung im Bezug auf den Einbau der Box kompensieren, wobei die Stellungen „Soffit“ (Wandeinbau), „Desk“ (Platzierung auf Meterbridge mit Kompensierung der Pultreflektionen) und „Anechoic“ (frei stehend auf Stativen o. ä.) wählen kann.

Sound Balance: Über die Positionen „Bright“, „Neutral“ und „Dark“ kann man den Grundklang des Systems voreinstellen. „Bright“ setzt auf eine Höhenbetonung bei 20 kHz (+1,5 dB) bei gleichzeitiger Absenkung bei 20 Hz (-1,5 dB). Bei „Dark“ tritt das Gegenteil ein, sprich -1,5 dB bei 20 kHz und +1,5 dB bei 20 Hz. In der „Neutral“-Position bleiben die Klangregelungen erwartungsgemäß unangetastet.

Bass Extension: Ein Hochpassfilter, das im Subwoofer-Betrieb aktiviert werden soll. Eine Eckfrequenz konnte nicht ermittelt werden, wird sich aber bei der 3-Wege Konstruktion erfahrungsgemäß wohl zwischen 70 – 90 Hz abspielen.

Dynaudio Core 59 Profilansicht

Praxiseinsatz

Zunächst gilt es, die finale Position der Boxen zu finden und sich im „Gummiaufkleben“ zu entscheiden. So sehr man auch die Flexibilität in Sachen 16 Klebepunkte auf den ersten Blick zu schätzen weiß, das Festlegen auf eine Klebeseite mit Gummifüßen ist nicht wirklich das, was man von einem Produkt knapp unter 2.700,- Euro erwartet. Fest verbaute Gummipads an allen relevanten Seiten wären eine Cent Investition und sollten hier eigentlich zur Grundausstattung gehören.

Klanglich präsentiert sich die Dynaudio Core 59 auf den ersten Höreindruck sehr neutral. Keine Überpräsenz in Höhen, Mitten oder gar Bässen, eher ein straffer, klarer Grundklang, der genau den Zweck erfüllt, den ein Studiomonitor der Oberliga erfüllen muss. Das System hat einen sehr differenzierten Klang, was das Aufspalten des anliegenden Materials in seine Klangästhetik deutlich einfacher gestaltet als die „Schönfärber“-Fraktion, die zwar auf den ersten Eindruck mehr „drückt“ und „knallt“, bei genauerem Hinhören jedoch die Analyse des Materials deutlich erschwert.

Insbesondere der Bassanteil des Systems wurde sehr „trocken“ angelegt, meines Erachtens eventuell sogar ein wenig zu zurückhaltend. Einen echten Bassboost gibt es nicht, lediglich im „Dark“-Mode kann man den Grundklang etwas mehr Richtung Bassfixierung ausrichten, ohne jedoch den „musikalischen“ Bassbereich letztendlich zu erreichen.

Letztendlich bleibt dieser Bereich Geschmacksache, zumal der Mitten- und Höhenbereich auch aufgrund der immensen Leistungsreserven extrem entspannt daher kommt. Insbesondere der Mittenbereich weiß zu gefallen, zumal auf die gerne verwendete Scoop-Charakteristik bewusst verzichtet wurde. Für mittenlastige Instrumente, wie z. B. E-Gitarren ein echter Segen, aber man sollte sich gerade im Mixdown immer vor Augen führen, dass nur wenige Abhören auf der Consumer-Seite über ein solch präsente Mittenwiedergabe verfügen.

Die Abmessungen des Systems an sich geben den Einsatzbereich eigentlich vor, der Klangeindruck hingegen manifestiert das Ganze zudem. Wer die Dynaudio Core 59 im Nahfeldbereich von 50 – 70 cm fährt, tut sich klanglich keinen Gefallen. Zu aufdringlich wirkt der Hochmitten-/Hochtonbereich, zu angespannt gestaltet sich der Klang, der sich auf diese Distanz entwickelt. Erst wenn man das System in seinen eigentlichen Aufgabenbereich, dem Midfield, bewegt, kann die Box ihre eigentlichen Stärken ausspielen. Das Verwirbeln des erhöhten Luftanteils nimmt ungemein Spannung aus dem anliegenden Signal und liefert ein deutlich runderes Klangbild mit hervorragender Balance auch bei schwierigem Ausgangsmaterial.

Interessanterweise beherrscht die Dynaudio Core 59 aufgrund ihrer Leistungsangaben zwar den Faktor „Laut“, jedoch nicht den Plattenfirmen-A&R-Vorbeischau-Angeber-Modus „Sehr Laut“. Ob diese Modi heutzutage überhaupt noch von Bedeutung sind, mag man ohnehin bezweifeln. Fakt ist jedoch, dass sich 500 Watt im Bassbereich im P.A. Sektor anders anfühlen als im Studiobetrieb.

Dynaudio Core 59 Front stehend

Fazit

Mit der Dynaudio Core 59 hat die dänische Firma einen Leistungsträger in seinen Reihen, der in der gehobenen Oberliga eine hervorragende Figur abgibt. Das System gibt sich sehr rund, klanglich exzellent abgeglichen mit jeder Menge Optionen im digitalen Eingangsbereich. Kleine Wermutstropfen wie die aufklebbaren Gummifüße und einem Bassbereich, der ausschließlich auf Absenkung hin konzipiert wurde, können den ausgezeichneten Gesamteindruck kaum schmälern.

Plus

  • sehr gut abgestimmtes System
  • großer Headroom
  • sehr gute Verarbeitung
  • analoge und digitale Eingänge

Minus

  • Klebefüße

Preis

  • 2.699,- Euro pro Stück
Forum
  1. Profilbild
    bluebell  

    Oh wie schön, keine App, mit der sich das System einstellen und nach ein paar Jahren nie mehr umstellen lässt, weil der Hersteller das Wettrennen mit iOS und Android nicht mehr mitmacht und die App irgendwann nicht mehr anpasst.

    Aber sind da wirklich keine Gitter oder sonstiger Kram zum Schutz der Membranen dabei? Es ist doch nie ausgeschlossen, dass kleine Kinder oder Bassisten im Studio rumwieseln :D

    • Profilbild
      Axel Ritt  RED

      nein, keinerlei Gitter im Lieferumfang enthalten, aber das hat man bei Studiomonitoren wenn überhaupt nur bei einigen wenigen Herstellern im Hochtonbereich.

      P.S. Kleine Kinder haben im Studio generell nichts verloren, für den Spieltrieb zeichnet der Betreiber selber verantwortlich :-)

      P.P.S. Bei Bassisten kann man evtl. noch eine Ausnahme machen, man sollte sie allerdings nie unbeaufsichtigt lassen :-))

      • Profilbild
        bluebell  

        Und dann gibt es noch die Kurzstreckenraketen nervöser Drummer, die im Regieraum Air-Drums mit echten Sticks spielen :-)

        Ich finde die Gitter bei den Neumann KH 120 sehr gut. Auch wenn man eine Preisklasse höher geht zu den KH 310, dann sind Mitteltöner und Tieftöner in der Grundausstattung zwar ungeschützt, aber es gibt laut Neumann ein optionales Schutzgitter.

  2. Profilbild
    SoundForger2000

    Habe ich mich verlesen oder war hier tatsächlich von Frequenzganganpassungen von +/- 1.5dB bei 20Hz und 20 kHz die Rede ?

    Wer bitteschön soll diese Unterschiede denn wahrnehmen ?

    Noch praxisungerechter geht es wohl kaum !
    Sollte da dann wirklich ein Unterschied wahrnehmbar sein, so sicherlich nicht aufgrund der genannten Amplitudenkorrektur.

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