Test Focal Trio11 Be, Midfield-Monitore

12. August 2019

Große Midfield-Studiomonitore von Focal

focal trio11 be

Focal Trio11 Be, Midfield-Monitore

Das Publikum schweigt in freudiger Erwartung – nur vereinzelte Klatscher und Pfiffe sind wahrzunehmen. Eine breite Synthesizerfläche erfüllt das Roundhouse, einen ehemaligen Lokschuppen in London. Einige Konzertbesucher erkennen den Song und beginnen zu klatschen – trotzdem ist die Spannung fast fühlbar. Dann die berühmten vier Bassdrum-Schläge: Dam-dam-Damdam. Das Publikum jubelt. Auf dem vierten Takt ertönt ein Sound, wie von einem Blitzeinschlag, begleitet von einem grellen Blitz der Scheinwerfer über der in dunkles Blau gehüllten Bühne. Dann ein einfacher Bühnenscheinwerfer, der Midge Ure von hinten beleuchtet. „Walked in the cold air – Freezing breath on a window pane“ – so baut sich die New Romantic Hymne bis zu ihrem Höhepunkt auf: „This means nothing to me – oh Vienna“.

Gänsehaut. Die Haare im Nacken kräuseln sich und Endorphine durchströmen den Körper beim finalen Akkordwechsel und der damit verbundenen Auflösung der Spannung. Das alles in einem abgedunkelten Raum mit geschlossenen Augen vor einem Paar Monitorlautsprecher vom Typ Focal Trio11 Be.

Inspiriert durch den fantastischen Artikel „MAKING OF: ULTRAVOX – VIENNA“ von unserem Autor „costello“ hat der neue Referenzmonitor der Franzosen mit nur einem Song klar gemacht, was in modernem Lautsprecherbau möglich ist.

Hatte ich mir im Test der KRK ROKIT Monitore nicht gewünscht, High-End-Monitore zu testen? Die Redaktion hat mich erhört und schon stehen zwei jeweils fast 40 kg schwere Brocken vor mir: die brandneuen Focal Trio11 Be Referenzmonitore aus Frankreich. Der Hersteller Focal ist ein alter Bekannter für mich. Ich selber besaß schon mehrere dieser Speaker aus Saint-Étienne – zuletzt die wirklich empfehlenswerten Focal Alpha 65 Monitore. Ich habe auch schon viele Stunden vor einer Focal Utopia verbracht, die in der 180.000,- Euro Preisklasse zu finden ist. Ob im Entry-Bereich oder im High-End: Focal kann Lautsprecher – das kann ich mit voller Überzeugung sagen.

Focal Trio11 Be: Die Technik

Tatsächlich ist die Trio11 Be vergleichsweise einfach aufgebaut: Drei Wege mit einem Class-A/B Verstärker (100 W) für den Hochtonbereich und zwei Class-G Verstärkern für den 5“ Mitteltöner (150 W) und 10“ Tieftontreiber (300 W). Class-G ist eine Variante der A/B-Technik, bei der mit höheren Amplitudenaussteuerungen gearbeitet wird. Grundsätzlich wird aber auch hier im unteren Pegel in Class-A gefahren und bei hoher Signalstärke in die Class-B Technik gewechselt.

Focal trio11-be_front

Eine DSP-Steuerung findet man bei der Focal Trio ebenso vergeblich, wie eine digital gesteuerte Raumanpassung. Focal verlässt sich hier auf die Physik und ihre Erfahrung. Die Chassis an sich sind – wie bei Focal üblich – kleine Kunstwerke: Bei Tief- und Mitteltöner kommt ein sogenannter W-Composite Verbundstoff zum Einsatz, bei dem zwei Glasgewebeplatten sandwichartig mit einem Strukturschaumkern verbunden sind. So erreicht man ein Massen/Festigkeitsverhältnis, das über dem von Kevlar/Aramid Chassis liegt und dazu ein optimales Verhalten bei Impulsen ermöglicht. Des Weiteren konnte durch die Mischung und Durchmesser der Schichten die Dämpfung des Konus präzise gewählt und ein optimales Phasenverhalten gewährleistet werden. Kurzum: Hier wird die Werkstofftechnik auf ein höchstes Niveau getrieben – ebenso wie beim Beryllium Tweeter – einem der Markenzeichen hochwertiger Focal Speaker.

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Focal Trio11 Be: Beryllium

Beryllium ist ein Erdalkalielement der zweiten Hauptgruppe des Periodensystems. Es besitzt einige bemerkenswerte Eigenschaften – darunter eine höhere Elastizität als Stahl und eine sehr hohe Schwingungsdämpfung. Leider ist der Herstellungsprozess kompliziert und die Verarbeitung höchst gesundheitsschädlich und deshalb findet man in der Verpackung der Trio11 Be auch diverse Sicherheitshinweise und Warnungsaufkleber. Aber um es in kurzen Worten zu sagen: Wenn Sie nicht täglich an dem Tweeter lecken oder ihr Müsli mit feinen Beryllium-Spänen garnieren, dürfte einem langen gesunden Leben mit den Focal Monitoren nichts im Wege stehen. Nur bei einem Bruch des Tweeters sollte man sofort in Kontakt mit seinem Focal Händler treten – es wird einem dann sofort geholfen!

Akustisch leistet der Beryllium-Hochtöner in der Tat erstaunliches: Er ist in der Lage, fünf Oktaven von 1.000 Hz bis zu 40 kHz abzudecken. 40 kHz? Wozu das denn? Das können sie am Ende des Tests nachlesen …

Ich gehe davon aus, dass der Übergang zum 5“ Mitteltöner aber höher als 1 kHz gewählt wurde – nicht nur um die maximale SPL von 118 dB zu erreichen. In der High-End-Szene ist der Beryllium-Tweeter übrigens legendär und wird dort als das Beste aus einem belastbaren Kalotten-Hochtöner und einem hochauflösenden Elektrostaten bezeichnet.

Focal Trio11 Be: Das Gehäuse

37,5 kg pro Lautsprecher in einem Gehäuse mit den Abmessungen 635 (H) x 345 (B) x 450 (T) mm: Das bedeutet massiven Materialeinsatz. Die Wandstärke wird mit 21 – 30 mm angegeben und die Lautsprecher sind innen zusätzlich verstrebt. Aktuell ist der Lautsprecher ausschließlich in sehr schöner roter Esche mit schwarzer Front zu haben. Werkseitig sind zwei Abdeckungen montiert, die die edlen Speaker schützen sollen, aber im Betrieb unbedingt abgenommen werden müssen.

Unter dem 10 Zoll Tieftöner befindet ein Bassreflex-Port und links und rechts neben dem 5“ Mitteltöner sind ebenfalls zwei Öffnungen untergebracht. Das liegt daran, dass die gesamte Mittel/Hochton-Einheit im System gekapselt ist – den Grund dafür finden Sie im nächsten Kapitel.

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Auf der Rückseite keine Überraschungen: Ein Eingangsempfindlichkeitswahlschalter (+4 dBu/-10 dBV), ein Low-Shelving-Filter (+/-3 dB von 35 bis 250 Hz), ein High-Shelving-Filter (+/-3 dB von 4,5 bis 40 kHz) und ein Pegelsteller für niedrige bis mittlere Frequenzen (+/-3 dB bei 160 Hz, Qualitätsfaktor = 1). Der Eingang ist eine symmetrische XLR-Buchse mit 10 Kiloohm Impedanz. Neben dem Kaltgeräteanschluss (mit automatischer Standby-Schaltung) dann noch ein interessantes Feature: der sogenannte Focus-Modus.

Focal Trio11 Be: Der Focus-Modus

Eine Besonderheit der Focal Trio11 Be ist der Focus-Modus – so kann man die Lautsprecher in zwei Betriebsarten betreiben: Im Fullrange-Modus und im Focus-Modus, bei dem faktisch der Tieftöner abgeschaltet wird und das System sich wie ein „kleines“ 2-Wege System mit einem 5“ Tiefmitteltöner verhält. Dazu ist, wie oben erwähnt, die Mittelhochtoneinheit wie ein Speaker im Speaker abgekapselt und besitzt eigene Bassreflexrohre. Diese Einheit lässt sich durch das Lösen von vier Inbusschrauben um 90 Grad drehen und ermöglicht so einen horizontalen Betrieb.

Focal_Trio11BE_Mitteltöner

Cool: Man kann diesen Focus-Mode bei der Trio11 Be per Fußschalter anwählen: Ein Druck: 2-Wege System, noch ein Druck: Fullrange. Uncool: Leider liegen für einen Listenpreis von 8.300,- Euro pro Paar dieser Fußschalter oder die Kabel nicht dabei. Positiv dagegen ist, dass man dafür jeden herkömmlichen A/B-Schalter verwenden kann (bei mir ein BOSS FS 6). Aber ganz ehrlich: Für den Preis hätte auch eine App Steuerung für den Focus-Modus drin sein können.

Man könnte noch viel über einige technischen Finessen schreiben, aber in diesem Bericht möchte ich das Hauptmerk auf den Klang legen. Natürlich muss man den Lautsprecher selber probehören, bevor man so tief in die Tasche greift. Die Zielgruppe für Speaker in dieser Preisklasse hat in der Regel auch schon genug Erfahrung, um herauszufinden, ob die Trio11 Be das optimale Tool für das individuelle Einsatzgebiet ist und/oder in das Studio passt.

Focal Trio11 Be: Der Klang

In meinem Studio habe ich die großen Focal Trios an einem Allen & Heath QU 16 Digitalmixer, einem SSL SixX und einem Presonus StudioLive 64S betrieben. Dabei wurde sowohl mit Musik aus der Konserve (unkomprimierte FLAC Files & iTunes), als auch die Wiedergabe des Instrumentenklangs und der Stimmwiedergabe getestet. Zum Vergleich standen meine KS Digital C88 Reference zur Verfügung, die mit ihrer DSP-Steuerung einen völlig anderen Ansatz haben als die eher konventionellen Franzosen. Über die Aufstellung möchte ich hier nicht viele Worte verlieren: Wer Lautsprecher in dieser Preisklasse kauft, der muss sich schon einige Zeit mit der Aufstellung und dem Anwinkeln der Speaker nehmen. Ach ja: Ich habe die Speaker auch 20 Stunden eingespielt. Über Sinn und Unsinn dieser Maßnahme kann man gerne diskutieren. Meine Ansicht dazu würde diesen Artikel sprengen und kann an anderer Stelle erläutert werden.

Mein Höreindruck bei den folgenden drei Tracks ist dabei exemplarisch für das Klangpotenzial der Focal Trio11 Be:

Yazoo: „Midnight“ (Upstairs at Eric‘s, 1982): Bei diesem Track zeigt Alison Moyet, dass sie sich stimmlich nicht hinter einer Adele verstecken muss. Gerade dieser Song bringt die Explosivität und Farbenfreude ihrer Stimme zum Leuchten. Schon bei den ersten gesungenen Zeilen zeigt die Focal, was in ihr steckt: Man kann den Raum, das Reverb und die Mikrofonposition vor der britischen Sängerin mühelos erhören. Das Atmen und die phrasierte Rauheit der Stimme perlen aus den Lautsprechern, bis dann das Arpeggio beginnt und die einzelnen Töne wie Farbtupfer in den Raum gesetzt werden. Dann setzen die 808 Drum-Machine und der ARP 2600 Bass ein und die Focal Trio11 Be zeigt ihre große Bandbreite. Andere Lautsprecher können zwischen den statischen Drums und der nuancierten Stimme nicht sauber abgrenzen und die Dynamik verschmiert. Die Trio behält hier stets die Übersicht und bildet das Geschehen souverän ab.

Dire Straits: “Romeo and Juliet” (Alchemy, 1984): Die Alchemy ist einer der besten Live-Aufnahmen der 80er und 90er Jahre. Mark Knopfler und seine Kollegen waren in bester Spiellaune und das Publikum hat in den ruhigen Passagen überwiegend die Klappe gehalten (was einem Live-Recording natürlich gut tut). Die Aufnahme bietet eine tolle Bühne und eine selten gehörte tonale Balance eines Live-Acts. Ein Zeichen für den Perfektionismus Knopflers. Das über 8 Minuten lange Epos sprüht vor Dynamik und intimen, leisen Passagen.

„Now all I do is miss you
And the way it used to be, you know
And all I do is keep the beat
I keep bad, bad company
And all I do is kiss you
Through the bars of this rhyme
When, Julie, I’d do the stars with you, anytime”

Wenn die Focal Trio11 Be diese Zeilen wiedergibt, dann stehen einem die Tränen in den Augen. Nur die leise Hi-Hat im Hintergrund und der Sprechgesang des damals 35-jährigen Knopfler lässt einen vor den Speakern emotional berührt verharren und erst wenn der letzte Akkord verklungen ist, macht man einen tiefen Atemzug. Die Lautsprecher schaffen bei diesem Track den Spagat, auch in den lauten Passagen nicht zu grell zu klingen – ein Verdienst des Beryllium Tweeters, der mit genügend Reserven ausgestattet ist und sowohl beißen als auch streicheln kann.

Bedřich Smetana, „Die Moldau“ (Wiener Philharmoniker & James Levine, 2011): Ein Orchester ist nach wie vor die Königsdisziplin für Lautsprecher. Die Abbildung, das Frequenzspektrum, die Dynamik und die Details – bei solch dichten Tonspektren verlieren viele Lautsprecher die Übersicht und vor allem die Ruhe. Schnell wird es hektisch, laut und unangenehm. Nicht so die Focal: Die Geschichten rund um den Fluss, der die Tschechische Republik durchquert, werden lebendig und dynamisch erzählt. Wenn das Hauptthema des berühmten Werkes die Chassis der Focal Trio11 Be in Bewegung versetzt, dann schwappt der Klang wie eine warme, weiche Welle über den Zuhörer. Von der Triangel bis zum Kontrabass: Die Französin schenkt jedem Instrument und dabei allen Frequenzbereichen die ihr gebührende Aufmerksamkeit.

Wie? Sie finden, das ist alles esoterisches High-End-Gequatsche, das in einem Studio und Musikerportal nichts zu suchen hat? Ich darf Ihnen, verehrter Leser, bei allem gebührenden Respekt widersprechen. Wenn die Wiedergabequalität eines Lautsprechers es zulässt, dass man das Gehörte nicht einfach nur in Frequenzen, Transienten und Resonanzen beschreibt. Wenn man nicht über Schwächen im Mittelton oder schwammige Basswiedergabe spricht, sondern über die Emotion, die man beim Hören eines Musikstücks fühlt, dann ist man in der obersten klanglichen Liga angekommen.

Und: Ist es nicht Aufgabe einer Band und eines jeden Toningenieurs, die Musik aus ihren Einzelteilen so zu verschmelzen, dass man nicht über die Qualität der Instrumente oder die Mikrofonierung spricht, sondern man sich dem Gehörten hingeben kann. Und wenn die Aufnahme gut genug ist, dann zeigen die Focal Monitor-Flaggschiffe, was sie können.

 Focal trio11-be_Studio03

Natürlich habe ich die Trio11 Be ausführlich gegen meine KSD Digital C88 Ref. im Vergleich gehört. Das ist insofern spannend, weil KSD einen gänzlich anderen Ansatz fährt und das Signal durch ein komplexes DSP-Netzwerk schickt und dabei insbesondere die Membranbewegungen kontrolliert. Und tatsächlich bildet die KSD im Vergleich zur Focal den Raum nochmals schärfer ab und lässt nicht den geringsten Zweifel über die Positionierung von Instrumenten und Interpreten. Hier zeigen sich der enorme Aufwand und die Erfahrung, die das Team rund um Johannes Siegler in seinen Speakern realisiert. Allerdings sind die nur rund 1.200,- Euro/Stück teuren C88 in den anderen Gebieten keine echten Gegner für die wuchtige Focal (da hat auch KSD andere Lautsprecher im Angebot). Klar ist: In Sachen Natürlichkeit ist die Trio11 Be eine Macht.

Nur kurz zum Focus Modus: Ein Tritt auf den Taster und der Klang wird gefühlt 5 Klassen kleiner. Die Charakteristik bleibt natürlich erhalten, aber unterhalb von 90 Hz kommt dann kaum noch was. Als Simulation für einen kleinen Speaker ist das natürlich sehr praktisch, auch wenn es zunächst seltsam ist, wenn aus den großen Kisten dann nur so ein im Vergleich dünner Sound rauskommt. Das Problem: Mit dem Tritt auf den Focus-Modus sollte man natürlich auch seine Hörposition verändern und näher an die Speaker heranrutschen. Durch die ziemlich breite Schallwand ist das dann vom Raumeindruck aber nicht vergleichbar mit guten kleinen Monitoren, denn für das klassische Nearfield ist die Trio11 Be nicht geeignet. Aber für den tonalen Eindruck ist die Funktion sehr hilfreich.

Kritik an der Focal Trio11Be

Da gibt es nicht viel, wenn auch eine Eigenschaft viele potenzielle Käufer beachten sollten: Die Focal Trio11 Be klingt ein wenig nach Hi-Fi – nein, nicht erschrecken! Ich meine nicht schönfärberisch, sondern es fehlt für einen Monitor etwas die Direktheit und die manchmal notwendige Nüchternheit, die einem bei der Beurteilung eines Mixes hilft. Der Klang ist immer etwas distanziert und einen Hauch unverbindlicher als bei meinen C88. Ich möchte diese Aussage auch gleich relativieren, denn wir reden hier von einem der besten Monitor-Speakern am Markt und in dieser Preisklasse. Vielleicht liegt es an der Herkunft des Herstellers aus dem Hi-Fi/High-End-Bereich, aber die potenziellen Käufer sollte sich mal Lautsprecher von „klassischen Monitorherstellern“, wie Neumann, KS Digital etc. im Vergleich anhören und für sich entscheiden, wo das persönliche Wohlbefinden liegt.

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Wie ist das jetzt mit den 40 kHz?

Der Beryllium-Hochtöner ist in der Lage, Frequenzen bis zu 40.000 Hz wiederzugeben, also das Doppelte des sogenannten Hörschalls, der bei 16 Hz bis 20 kHz liegt. Jetzt fragen sie sich natürlich: Wozu? Die Antwort darauf ist vielschichtig. Hier einige Erklärungsversuche, die auch auffordern sollen, selber zum Thema nachzuforschen. Wir reden hier von relativ neuen Forschungsergebnissen, die erst nach dem Jahr 2000 gemacht wurden. Aber der Reihe nach:

  1. Wenn der Hochtöner 40 kHz wiedergeben kann, wird er auch in der Lage sein, bei 20 kHz genügend Schalldruck zu produzieren. Im Gegensatz zu vielen Hochtönern, blendet der Focal Hochtöner nicht langsam bei 16 kHz aus, sondern „marschiert“ tapfer weiter und bietet durch seinen hohen erreichbaren Schalldruck die Sicherheit, dass auch wirklich das gesamte – durch das Ohr – hörbare Spektrum abgedeckt wird.
  2. Das The Journal of the Acoustical Society of America hat eine Reihe von Artikeln herausgegeben, die sich mit der Thematik „Ultraschall“ befassen. In einem Artikel hat man beschrieben, dass auch Ultraschall über Knochenleitung am Kopf wahrgenommen wird. Allerdings sind dazu hohe Schalldrücke notwendig.
  3. Es gibt mittlerweile einige Studien, die sich mit der Auswirkung von Ultraschall auf den Menschen befassen. So konnte in Studien statistisch ermittelt werden, dass Menschen bei dauerhafter Beschallung im Hochfrequenzbereich physisch und psychisch reagieren, also z. B. mit Kopfweh oder Konzentrationsstörungen.
  4. Es gibt auch Hinweise, dass Modulationseffekte am Trommelfell solch hohe Frequenzen „erzeugen“, wobei dies ja nichts mit der originären Schallwelle zu tun hat, also für Musik keine Bedeutung hat.
  5. In eher unbestätigten Berichten nutzt der menschliche Organismus die hohen Frequenzanteile für die Ortung einer Schallquelle. Einige Lautsprecherhersteller nutzen dies als Argumentation für die Wiedergabefähigkeit ihrer Systeme.

Allerdings – und hier sollte man die Kirche im Dorf lassen – braucht man erstmal ein Medium und eine Wiedergabekette, die solche Frequenzen linear reproduzieren können. Sobald MP3, iTunes und Co. im Spiel sind, kann man das Thema getrost vergessen. Sie benötigen also mindestens ein Musikstück im Audioformat FLAC, ALAC, DSD etc. Dann muss das Musikstück auch Frequenzen im Ultraschall aufweisen. Also keine Gitarre oder Saxophon, sondern Becken oder (idealerweise) Synthesizer, die ganz oben auch den entsprechenden Schalldruck bringen. Ein Flügel kann das auch, aber dessen Frequenzen über 20 kHz sind unterhalb der Wahrnehmungsschwelle.

Focal trio11 be

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es durchaus Spezialfälle gibt, bei denen Ultraschallfrequenzen wahrgenommen werden können, aber ich sehe es etwa so wie bei der Astrologie: Natürlich kann ich mir viel Gedanken darüber machen, ob irgendein Saturnmond meine Stimmung beeinflusst. Aber wäre es nicht sinnvoller, sich einmal im Kreis zu drehen und zu sehen, ob nicht irgendein Kollege oder das schlechte Wetter der Grund für meine schlechte Laune sind?

Sprich: Ein Lautsprecher wird nicht besser, weil er Ultraschall wiedergeben kann – schaden tut es aber bestimmt auch nicht.

Fazit

Die Focal Trio11 Be sind fantastische Monitore, die auch höchsten Ansprüchen gerecht werden. In allen relevanten Disziplinen schneidet die Focal Trio11 Be souverän ab: Neutralität, Präzision, Schalldruck, Langzeittauglichkeit – allenfalls bei der räumlichen Abbildung können DSP-gesteuerte Systeme noch schärfer zeichnen. Das ist aber wirklich Jammern auf allerhöchstem Niveau. Von der Charakteristik spielen die Französinnen eher sanft und nehmen sich zurück. Wer eher eine „in your Face“ Abstimmung sucht, der wird an anderer Stelle fündig. Ich hatte sehr angenehme und produktive Stunden vor den Focals und gebe sie nur ungern her – nicht nur weil ich einfach panische Angst vor dem Runterschleppen der schweren Teile habe.

Plus

  • Klangqualität
  • sehr hoher erreichbarer Schallpegel
  • tolle Verarbeitung
  • hoher Materialaufwand = viel Technik fürs Geld

Preis

  • Ladenpreis: 3.499,- Euro (Stückpreis)
Forum
  1. Profilbild
    Danny Who  AHU

    Hallo Jörg, Danke für den tollen Bericht. In der Klasse schreit es ja eigentlich geradezu nach einem Vergleich mit der Neumann 420. kennst du die vom hören und kannst etwas berichten aus der (natürlich verzerrten) Erinnerung?

    • Profilbild
      Jörg Hoffmann  RED

      Hey, Danke für das Feedback!
      Die Neumann 420 kenne ich leider nicht – nur die 310er. Die 420 wäre wirklich ein würdiger „Gegner“, wobei es in dieser Klasse nicht um besser oder schlechter geht, sondern ob der Monitor zum Studio, zum produzierten Musikstil und den persönlichen Geschmack passt. Ich muss zugeben, dass ich nie ein besonderer Neumann Fan war – mir fehlte da immer die Musikalität. Aber das ist auch gleichzeitig eine Konsequenz aus der stringent durchgezogenen Neutralität.

  2. Profilbild
    DrSpan  

    Danke für den schönen Test. Das mit den 40khz finde ich immer so lustig. Ich meine die meisten Mixengineers und Tonmeister sind ….etwas Älter. Ich glaube nicht das viele von denen über 12-14khz Hören können. Wegen meiner arbeit habe ich schon einige erlebt. Was „Knochenultraschallwahrnehmung“ jemanden der einen eingebauten Tiefpassfilter im Ohr hat bringen soll bleibt ein Rätzel.
    Spaß bei seite, ein so weiter übertragungsbereich ist vielleicht nicht immer wahrzunehmen jedoch ist es meistens ein indicator für die mechanische leistung und die fertigungsqualität eines treibers. Obwohl man sagen muss das es schon ein unterschied macht wie dieser „Ultraschall“ bereich aussieht-ausklingt. Es gibt solche und solche. Ich finde es viel wichtiger das ein HT linear ausklingt selbst wenn er schon ab 18khz abfällt und nicht unruhig bis 30 Khz geht.

    • Profilbild
      Jörg Hoffmann  RED

      Vielen Dank und ich bin ganz Deiner Meinung. Die Stärken eines Lautsprechers sollte man nicht jenseits von 20 kHz suchen…

  3. Profilbild
    Stephan Merk  RED

    Hallo Jörg, sehr schöner Test, bezüglich der Klangbeschreibungen möchte ich als fast blinder, auditiver Mensch etwas widersprechen. Recht hättest Du, wenn man nicht weiß, welchen Lautsprecher man hört und diese Erfahrungen macht, nicht aber, wenn man genau weiß, welcher Lautsprecher spielt, was er kostet und können muss. Auch wir Tester unterliegen einer gewissen Suggestion, weshalb ich persönlich damit sehr vorsichtig bin. Das gilt auch für meine eigene Wahrnehmung, denn ich merke mir Details, die ich nahezu dann auch immer heraushöre. Bezüglich des Hochtonbereichs bin ich als Funkamateur, der sich etwas mit resonierenden Antennen auskennt, immer skeptisch bei Weitbereichsangaben. Denn auch wenn die Qualität sicher stimmt, ist der Abfall auch nur einer von vielen Parametern und selbst 20 KHz liegt bei den meisten älteren Menschen außerhalb der hörweite. Nebenbei kann eine Aufnahme nur das abbilden, was Mikrofon und A/D-Wandler festhalten, ich bin diesbezüglich schon sehr skeptisch.

    • Profilbild
      Jörg Hoffmann  RED

      Puh, das ist einem Kommentar gar nicht so leicht zu beantworten. Natürlich: Die Erwartung, dass ein 8000 Euro Speaker besser klingt, als ein billiges System ist da. Ich habe schon vielen Blindtests, etc. beigewohnt und sehr viele A/B Tests gemacht. Ich mache das auch schon seit über 35 Jahre. Ja, die Psychologie ist wichtig und auch gut so – denn sobald Menschen im Spiel sind, gibt es keine echte Objektivität. Und deshalb „darf“ man auch vor einem teuren Speaker mehr Spass haben. Aber die von mir 100x oder gar 1000x gespielten Songs, die ich in uns auswendig kenne: ich weiß, wie die klingen können und worauf hier zu achten ist und da unterscheiden sich dann gute von besseren Lautsprechern.
      Wir wissen: Klang ist abstrakt. Jeder empfindet das anders. Der Test ist ein Versuch, dem Leser die Faszination dieses High End Monitors näherzubringen. Wenn die Systeme schlecht gewesen wären, hätte ich das auch klar geschrieben. Wenn man die Anschaffung der Trio11 Be erwägt, dann muss man die Dinger sowieso zuhause / im Studio hören. Aber letztlich sind es wirklich sehr hochwertige und toll singende Systeme, die ich wahrlich empfehlen kann.

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