Test: KSdigital A-100, Studiomonitor

25. Februar 2019

Ein neuer Einstieg in die A-Klasse

KSdigital A-100

Mit der KSdigital A-100 bringt der Hersteller dieses Jahr neben der Koaxialbox C8 einen weiteren Lautsprecher mit 8 Zoll Basstreibern auf den Markt, der zwei Wege und rückseitige Reflexöffnungen beinhaltet. Dieser ist im klassischen Tweeter-oben Basstreiber-unten Design konstruiert und wurde bis auf wenige elektronische Komponenten komplett in Deutschland gefertigt.

Des Weiteren befinden sich innerhalb des Lautsprechers DSPs, die eigens entwickelte Filter und Laufzeitkorrekturen beinhalten. Johannes Siegler, Gründer und Geschäftsführer von KS Digital, entwickelte seinerzeit das FIRTEC System (Finite Impulse Response Filtering) und implementierte es in seine PA-Lautsprecher. Da ihm fortlaufend auffiel, dass diese digital basierten und in der Laufzeit korrigierten Systeme viel besser dazu in der Lage sind impulstreu abzubilden, entschloss er sich 1996 mit seinem Partner Dieter Klein, die KSdigital GmbH für den Studiomonitor-Sektor zu gründen. Diese gilt somit nicht nur als erster Implementor der FIR-Technologie, sondern auch als der erste Lautsprecherhersteller, der DSP-basierte Systeme in seine Studiomonitore einbaut.

Das Unternehmen fertigt jeden seiner Lautsprecher in Handarbeit in Saarbrücken. Jeder einzelne Lautsprecher wird nach der Fertigung individuell vermessen und mittels DSP in der Frequenz und Phase linearisiert. Nicht zuletzt Peter Gabriel war begeistert von den Produkten der Marke, die mit dem Flaggschiff Linemaster auch einmal schnell einen Stückpreis von über 20.000 Euro überschreiten können. Die KSdigital A-100 richtet sich mit einem voraussichtlichen Stückpreis im niedrigen vierstelligen Bereich an den anspruchsvolleren Produzentenmarkt. Was die auf den ersten Blick hochwertig verarbeitete und stilistisch zeitlos anmutende Box zu leisten im Stande ist, ergründet sich im folgenden Test.

Außen- und Innenleben der KSdigital A-100

Zunächst besticht der Lautsprecher durch seine eigenständige und dennoch absolut zeitlos und ansprechend gestaltete Optik. Das messerscharf ausgestanzte Logo des Unternehmens thront, hinterlegt durch eine angenehme, nicht zu hervorstechende „milchglasig“ weiße LED Beleuchtung, unterhalb der Holzabdeckung auf der Frontplatte. Bei der Inbetriebnahme der Box pulsiert es kurz, bis durch ein kurzes Klicken der Endstufen die Treiber zum Leben erwachen. Das hübsche Kirschholz der Frontplatte stammt vom 30 km vom Produktionsort entfernten Schreiner und gibt dem Lautsprecher augenscheinlich eine fantastische Tiefe und optische Qualität, nicht zuletzt auch, weil diese Holzfront durch den leichten Überhang im Verhältnis zu den Gehäuseecken noch schmeichelnd hervorgehoben wird. Passt einem das nicht ins Studio, so sind sie auch in schlichterem Schwarz zu erstehen.

KSdigital A-100

Auch in schlichterem Schwarz erhältlich: die KSdigital A-100

Doch es wird noch interessanter: Anstelle von MDF verwendet der Hersteller für das Gehäuse des Lautsprechers Stahlblech, das innenseitig mit Antidröhnmatten ausgekleidet wurde. Die Seitenteile, sowie Ober- und Unterseite des Gehäuses sind übergangslos und in einem Guss aus derselben Platte gefertigt, vorne und hinten sind Holz sowie weitere Blechplatten eingefasst. Vorne befinden sich die beiden Treiber, eine 8 Zoll umfassende, mit Schaumstoff umkleidete Basskalotte und ein recht wohl dimensionierter Konus-Tweeter, der über diesem im Gehäuse sitzt und in einem akustisch leitendem aus Vollaluminium gedrehtem Waveguide platziert ist.

Auf der Rückseite befindet sich unterseitig die rechteckige Reflexöffnung. Diese wurde, so beschrieb Johannes Siegler es in einem kurzen telefonischen Interview, innerhalb des Gehäuses gebogen konstruiert, um der entstehenden Vibration weiterhin vorbeugen zu können. Ansonsten gestaltet sich die Rückseite so spartanisch wie sinnvoll: Lediglich einen symmetrischen XLR-Eingang findet man hier zur Speisung des Lautsprechers mit Audiosignalen.

KSdigital A-100

Die aufgeräumte Rückseite der KSdigital A-100

Links daneben positioniert befindet sich ein Ethernet-Port: Dieser ist zur Verbindung von KSdigitals markeneigenem Monitorcontroller KSdigital KSD-RC via Netzwerkkabel gedacht. Entscheidet man sich dazu, in eine optionale netzwerkbasierte Fernbedienung des Unternehmens zu investieren, bekommt man in einem die Möglichkeit, anhand dessen den verbauten DSP manipulieren zu können.

So bekommt man beispielsweise 6 unterschiedliche parametrische, laufzeitkorrigierte Equalizer-Bänder zur Raumanpassung geboten, um den Lautsprecher auf die jeweilige Regie, in der er betrieben wird, abstimmen zu können.

KSdigital A-100

Der KSdigital KSD-RC Controller

In diesem Gerät verbaut befindet sich ein klassischer Monitorcontroller mit samt Monitoring – Optionen. Auf Anfrage verleiht der Hersteller dieses auch für die einmalige Optimierung des Systems. Unter einer kleinen Plexiglasabdeckung rechts neben dem Ethernet-Port befinden sich Justierungsmöglichkeiten für Hi- und Lo-Shelf (mechanische Filter scheint es im LS also auch noch zu geben) sowie für die manuelle Lautstärke Kalibrierung. Neben dem Kaltgerätestecker-Eingang und dem An/Ausschalter befinden sich sonst keine weiteren Ein- oder Ausgänge oder weitere Optionen hinten an der Box, manche Leute wünschen sich häufig zusätzlich einen unsymmetrischen Eingang, ich gehöre zu dieser Gruppe allerdings nicht.

Sinnvoll und durchdacht wie simpel und schön wirkt die Konstruktion dieses Lautsprechers, von der generellen tadellosen Verarbeitung und Fertigung gar nicht zu reden. Links und rechts mittig platziert auf den Gehäuseseiten befinden sich noch durch kleine Gummifüßchen geschützte Fassungen für die werkseigenen entgratenden Lautsprecherständer. Im Lieferumfang enthalten sind nebst Kaltgerätekabel und Kurzanleitung noch jeweils vier selbstklebende Gummifüßchen, die man bei Bedarf am Boden des Lautsprechers anbringen kann.

Technische Spezifikationen der KSdigital A-100

Auf Anfrage bei Herrn Siegler ließ dieser mir freundlicherweise vorab das Datenblatt für den Lautsprecher zukommen. Mit seinen Maßen von 24 x 37 x 30 cm und einem Gewicht von 13,5 kg pro Lautsprecher bekommt man einiges für sein Geld. Die bei KSdigital immer ungeschönten und reellen Wattzahlen bestätigen das noch: Der 8-Zoll Basstreiber wird mit rund 175 Watt befeuert, der 1,2 Zoll große Hochtöner wird mit einem zweiten Verstärker mit 70 Watt gespeist.

Durch den analogen Input betrieben wird dessen Eingangsinformation unverzüglich in ein digitales Signal umgewandelt, das mit 24 Bit und einer Wortbreite von 192 kHz prozessiert wird. Sämtliche Wandlungsprozesse sind weitest möglich minimiert worden, die AD-Wandlung muss selbstverständlich irgendwo erfolgen, die DA-Wandlung übernimmt der LS selbst. Ein linearer Frequenzgang wird hier ab – sage und schreibe – 35 Hz bis 22 kHz gewährleistet.

Gibt es zwar mittlerweile auch einige andere DSP-gestützte Lautsprecher, ist es in einem trotzdem bemerkenswert und spannend, wie sich Design und Konstruktion des Lautsprechers klar und offenkundig bewusst von der preislich ähnlichen Konkurrenz abhebt, die eigenständige Attitüde der Box imponiert auf Anhieb. Ob und inwiefern sich das auch im Abstrahlverhalten der KSdigital A-100 widerspiegelt, ergründet sich im folgenden Praxisteil.

KSdigital A-100

Die EQ-Settings an der KSdigital A-100

Forum
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    sub out  

    Vielen Dank für den Test! Ein Vergleich zu der APS Klasik würde mich hier wirklich mal interessieren.

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      Vincent  RED

      Hi Marbeso,

      echt ein super Gedanke! Das sind sozusagen direkte Konkurenten wenn du mich fragst. Mal schauen, vielleicht geht da ja was! ;)

      Vince

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        EugenKid  

        Das mit direkten Konkurunten war doch ironisch gemeint, oder?
        €995/Paar vs. €2000/Paar ist ja nicht gerade sehr fair zu vergleichen… ;-)

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    DrSpan  

    Ich denke mal es wird ein super monitor sein. Nur dieser Korb vom Tieftöner…. meine Güte ist der häßlich mit diesem schaumstoff rundherum. Siehr echt billig aus. Der Monitor ist so shclicht und elegant mit der Holzfront und dann dieser Korb….Sieh voll nach den 80ern aus und damit meine ich die sachen der 80er die in den 80ern bleiben sollten :-) Ich könnte nimals den ganzen tag diesen schaumstoff anschauen.

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      Vincent  RED

      Hi DrSpan!

      Vielleicht kannst Du dir ja mal den Lautsprecher in Natura anschauen. Mir hatte die Art und Form der Sicke eigentlich stilistisch imponiert, kann deinen Gedankengang aber irgendwie trotzdem nachvollziehen! :D

      Vince

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        DrSpan  

        :-)
        Da fällt mir ein schöner Französischer Spruch über Schönheiten und Entfehrnungen ein den ich aus Gedächnis nicht wiedergeben kann aber die bedeutung ging sowas wie “ Von weitem schön aber weit von schön „….

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    Jörg Hoffmann  RED

    Sehr schöner Artikel – danke! In welcher Hörplatzentfernung hast Du die A100 betrieben? Ich selber habe die C88 Ref. und habe im Nearfield große Vorteile durch die Koax Konfiguration wahrgenommen. Meine alten 2 Wege Monitor mit klassischer Chassisanordnung haben nie so „auf den Punkt“ gespielt, wie die C88, insbesondere bei der Lokation von Schallquellen im virtuellen Raum.

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      Vincent  RED

      Hi Firstofnine!

      Bin so bei 110 x 110 x 110 mit meinem Dreieck hier in meinem relativ kleinen Raum. Die Koax Konfi in Kombination mit Laufzeitkorrektur ist meiner Meinung nach schon auf dem Papier die sinnreichste Konfi fürs Nahfeld, genau wie du sagst, aufgrund der Ortbarkeit und Phasenstarre. Ich arbeite in einem Studio dessen Raumakustik sich an der Abhörposition orientiert und hatte schonmal die C8 hier (reicht dicke für meinen kleinen Raum, C88 wären schlicht zu groß), ebenfalls absolut geniale und für mich noch besser einsetzbare Lautsprecher! Versteht nur nicht jeder. Bin gerade schwer am überlegen. :)

      Vince

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        Jörg Hoffmann  RED

        Kann ich gut verstehen. KSD ist meiner Meinung nach ziemlich in der Top Liga bei Nearflied Monitoren. Erst im Vergleich mit anderen (auch guten) Lautsprechern merkt man, wie weit die mit der DSP Technologie vorne sind.
        Viele Grüße, Jörg

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