Test KRK Systems ROKIT RP5 G4, RP7 G4, Nahfeldmonitore

15. Juli 2019

Die Studiomonitore mit der gelben Optik

krk systems rokit rp5 rp7 g4

KRK Systems ROKIT RP5 G4, RP7 G4, Nahfeldmonitore

Acht gelbe Chassis schauen mich an – die brandneuen KRK Systems ROKIT Modelle 5 und 7 der vierten Generation und mir ist da ein bisschen mulmig zumute. Warum? Eins nach dem anderen:
Die E-Mail kam im Sinne von „Hey Jörg, hättest du Lust, die neuen KRK ROKITs zu testen?“ Ja klar, Lautsprechertests mache ich besonders gerne. Gut, als Tester sehnt man sich natürlich nach den High-End-Modellen im Multi-Tausend-Euro-Bereich. Aber dann wurde mir bewusst: Die Modelle der ROKIT Serie sind laut Hersteller KRK Systems die meistverkauften Monitore der letzten Jahre.

Preislich bewegen wir uns im Bereich von 200,- Euro (ROKIT 5) bis 250,- Euro (ROKIT 7) pro Stück – also die Einstiegsklasse für Nearfield-Monitoring. Somit ist so ein Test auch eine Herausforderung, den kleinen schwarz-gelben Teilen gerecht zu werden. Und da geht es schon los: objektiv. Das geht bei Klang eigentlich nicht. Jeder hört anders, jeder hat andere Kriterien für einen guten Klang und was ich vielleicht als Nachteil sehe, ist für andere ein Killerkriterium für den Kauf. Und somit schlucke ich noch mal, atme tief durch und mache mich an die Arbeit.

KRK ROKIT RP5 G4 und RP7 G4: Die Ausstattung

Wir reden hier von zwei konzeptionell sehr ähnlichen Monitorlautsprechern: Beides sind 2-Wege-Systeme mit Bi-Amping Class-D-Verstärkern. Bei den kleineren ROKIT RP5 beträgt die Systemleistung 55 Watt und bei den RP7 sind es sogar 145 Watt, wobei diese auch einen 7“ Mittel-Tieftontreiber befeuern müssen. Die ROKIT RP5 haben nur einen – sie werden es erraten – 5“ Treiber. Die Hochtöner der Modelle sind identisch und wenn man die technischen Daten der beiden Lautsprecher vergleicht, dann sind hier auch wenige Unterschiede zu finden. Nur bei den Abmessungen, dem Gewicht (4,85 kg vs 7,60 kg pro Lautsprecher) und der maximalen Lautstärke (104 dB vs. 110 dB SPL) sieht man, dass das größere Modell über mehr Reserven verfügt und somit für größere Räume geeignet ist. Oberhalb der hier getesteten Modelle gibt es noch das 2-Wege Modell RP8 und die RP10, die für Near- und Midfield-Einsatz geeignet sind.

KRK ROKIT G4 Family

Die ROKIT Familie der 4. Generation

Die Chassis der KRK RP5 G4 und RP7 G4

Das Chassis-Material beider Lautsprecher ist identisch. Sowohl die 1“ Hochtöner als auch die Tief-/Mitteltöner sind aus Kevlar, genauer gesagt einem Glas-Aramid-Verbundstoff. Der Vorteil: Wenn sie in Ihrem Studio eine Schießerei haben, dann empfehle ich, sich hinter den KRKs in Sicherheit zu bringen. Das verwendete Material kommt beispielsweise auch bei schusssicheren Westen zum Einsatz.

KRK ROKIT Close Tweeter

Der Kevlar Tweeter in der Nahaufnahme

Der Nachteil sind die diffizile Fertigung des Faserverbundstoffs und die komplizierte Weiterverarbeitung. KRK Systems stellt die Chassis selber her und man macht hier ganz augenscheinlich einen sehr guten Job: Rein optisch wirken die Chassis robust und sehr hochwertig verarbeitet. Nicht nur in dieser Preisklasse ein großes Plus für die Speaker aus Nashville, Tennessee.

Der 1“ Hochtöner soll bis 40 kHz hinauf gehen und durch die Tatsache, dass Tieftöner und Hochtöner aus demselben Material sind, verspricht man sich bei KRK ein homogeneres Klangbild über das gesamte Frequenzspektrum hinweg. KRK spricht hier von „Matching“, was aber nicht ein paarweises Selektieren von Chassis bedeutet, sondern nur den Einsatz desselben Lautsprechermaterials für HT und TMT. Ein echtes Matching darf man in dieser Preisklasse nicht erwarten.

Abschließend gibt es noch eine Option, Lautsprechergitter zum Schutz der aufwendigen Chassis zu montieren. Über Preis und Lieferdatum der Gitter gab es zum Testzeitpunkt noch keine Information.

krk rokit rp5 rp7 g4

Hoher Wiedererkennungswert

Die Gehäuse der Nahfeldmonitore

Die Gehäuse der KRK Systems ROKIT RP5 G4 und ROKIT RP7 G4 sind sehr hochwertig und routiniert gefertigt und der „Handtest“, also das Handauflegen bei der Wiedergabe von sehr basslastigem Klangmaterial, gibt einen Hinweis darauf, dass die Gehäuse sehr stabil und vor allem resonanzarm sind. Das mag zwar sehr wenig wissenschaftlich klingen, aber die Erfahrung hat gezeigt, dass Lautsprechersysteme deutlich räumlicher und exakter klingen, wenn die Gehäuse sich bei der Wiedergabe ruhig verhalten. Damit ist übrigens nicht irgendein Dröhnen gemeint, denn davon sind die Speaker von KRK weit entfernt.

Apropos dröhnen: Toll finde ich übrigens das resonanzhemmende „EVA-Schaumpolster“ unter den Lautsprechern, das für stabilen Stand und gute Entkoppelung sorgt: Selbst bei Betrieb direkt auf dem Studiotisch haben sich die Vibrationen sehr zurückgehalten. Eine gute Lösung gerade für Lautsprecher, die in kleineren Studios mit latentem Platzmangel eingesetzt werden.

Hier die Abmessungen der beiden Monitore:

ROKIT 5 G4; 28,5 x 19,0 x 24,1 cm (H x B x T)

ROKIT 7 G4: 33,9 x 22,5 x 28,4 cm (H x B x T)

KRK ROKIT 5&7

Platziert auf meinem Studiotisch

Anschlüsse und DSP-Display der ROKIT G4 Speaker

Die Rückseiten der KRK Systems ROKIT RP5 G4 und ROKIT RP7 G4 präsentieren sich aufgeräumt: Eine XLR/Klinken-Kombibuchse (symmetrisch), ein Display und ein Drehregler findet sich dort gemeinsam mit dem Kaltgeräteanschluss und dem Power-Schalter. Die KRKs verfügen über einen (abschaltbaren) Standby-Modus, der in Kraft tritt, wenn 30 Minuten kein Signal anliegt. Das äußert sich darin, dass das beleuchtete KRK-Symbol auf der Vorderseite im Ruhezustand leicht pulsiert. Liegt wieder ein Signal an, so melden sich die ROKITs ohne Ploppen zurück. Fein gemacht. Das leuchtende Logo lässt sich übrigens auch dimmen oder ganz deaktivieren.

KRK ROKIT G4 Rückseite

Ein schöner Rücken …

Und nun kommen wir zum „Magic Word“: DSP. Das ist die digitale Signalbearbeitung durch einen Prozessor. Allerdings wird dieser Begriff im Zusammenhang mit Studiomonitoren meist im Umfeld von Anpassung der Laufzeiten von Chassis, Phasenkorrekturen und Impulsregelschleifen verwendet. Meine KSD C88 Reference verfügen über so eine „echte“ DSP-geregelte Steuerung, was allerdings auch den Nachteil einer gewissen Latenz bedeutet. Zwischen anliegendem und ausgegebenen Signal liegen meist ein paar Millisekunden Verzögerung, die durch die Prozessorzeit verursacht wird (bei den KSD übrigens sehr geringe 5 ms).

Die KRK ROKIT G4 Modelle haben keinen solchen DSP. KRK spendierte aber jedem Modell der ROKIT Generation 4 Serie ein kleines Display zum Einstellen und zur optischen Kontrolle der eingestellten EQ-Werte. Dieser digital gesteuerte Equalizer nimmt über einen Prozessor Einfluss auf den Frequenzgang der Class-D-Endstufen. Das ist eigentlich keine Hexerei, aber in dieser Preisklasse  eine kleine Sensation. Bei den meisten Monitorspeakern in diesem Segment kann man den Frequenzverlauf nur über Treble- und Bass-Regler analog vornehmen.

KRK ROKIT Display EQ

Der DSP-Equalizer der ROKIT G4

Im Unterschied zu dieser klassischen analogen Variante kann man bei den KRKs jeweils fünf Einstellungen für den Tieftonbereich und fünf Varianten für den Mittel/Hochtonbereich auswählen. So kann man z. B. die Bässe um 2 dB anheben und bei den Mitten/Höhen 2 dB im Präsenzbereich betonen und dazu noch die obersten Höhen wie ein Shelving Filter („Kuhschwanz“) anheben. Diese Presets decken einen breiten Anwendungsbereich ab und können die Speaker recht gut auf die Abhörposition abstimmen.

Warum das nicht immer hilft, werden wir nachher bei den Höreindrücken sehen.

Über das rückseitige Display lassen sich übrigens auch andere Funktionen und Grundeinstellungen, wie der Standby-Modus oder das beleuchtete Logo einstellen.

KRK Systems ROKIT RP5 G4, RP7 G4, Nahfeldmonitore

ROKIT RP7 G4

Die App der KRK ROKIT RP5 und RP7

Leider zum Testzeitpunkt noch nicht lieferbar ist die KRK Audio Tools App, die es für Android oder für Apple iOS geben wird. Diese soll Unterstützung bei der Aufstellung der Monitore, Lautstärkeabgleich, Polarität und Equalizer-Einstellungen geben. Da die Lautsprecher weder über USB, Bluetooth noch über WLAN verfügen, kann es sich hierbei nur um eine rein „händische“ Unterstützung handeln.

krk rokit rp5 rp7 g4 app

 

Wenn ich raten müsste (Achtung: SPEKULATION): Die App simuliert im Wesentlichen einen Rauschgenerator (rosa Rauschen) und kann mithilfe eines Real-Time-Analyzers Empfehlungen über die EQ-Einstellungen der ROKITs geben. Oder in einfachen Worten: Die App erzeugt ein Rauschen und nimmt dieses gleichzeitig wieder auf. Aus der Differenz werden Rückschlüsse über die Raumakustik gezogen. Auch ein Einpegeln der ROKITs wird so möglich sein. Ich gehe davon aus, dass die App einem dann die optimalen Werte für die Presets des digitalen Equalizers vorgibt.

Sobald die App verfügbar ist, werden wir hier ein Update liefern.

KRK ROKIT RP5 G4 und ROKIT

RP7 G4: Vergleich zu den Vorgängern der dritten Generation

Die ROKITs der dritten Generation waren im Vergleich zu den G4-Modellen noch eher klassische Hausmannskost: analoge Regler zur Einstellung des Systempegels (Volume), der Höhen und der Bässe. Dazu hatten die „alten“ Modelle noch einen Textilhochtöner und die Verstärker liefen im eher konventionellen Class-A/B-Mode, während die neuen ROKITs auf moderne Class-D-Technologie setzen, die auch mehr Leistung bereithalten.

KRK bezeichnet die neueste ROKIT Generation als komplette Neuentwicklung und nicht als Evolution der G3-Baureihe und dem kann ich nur zustimmen: Neue Gehäuse, neue Verstärker, neuer Hochtöner und Raumanpassung per App – da blieb kein Stein auf dem anderen und das macht natürlich neugierig auf den Hörtest.

KRK ROKIT RP5 G4 und ROKIT RP7 G4: Der Klang

Also dann: Was können sie, die Nachfolger der „#1 Selling Monitors in the World“?

Gemach, gemach. Erst sollten sie ja wissen, wie ich teste: Die Monitore wurden sowohl direkt auf meinem Zaor MIZA Studiotisch, sowie auf den IsoAcoustics Tischstativen verwendet. Sie wurden mit dem Main-Out und dem Alt-Out meines Allen & Heath QU16 Digitalmixers verbunden. Als Quelle dient ein MacBook Pro, das über USB das A&H Pult als Soundkarte verwendet. Die Musik lag als unkomprimierte FLAC-Files vor. Optional wurden auch digitalisierte Songs von Langspielplatten verwendet. Dazu habe ich einige Zeit mit den KRK Systems ROKIT 5 G4 und ROKIT 7 G4 über Apple Logic Pro X gearbeitet und die Speaker für Mixing und Mastering verwendet.

KRK ROKIT Full Table

Testaufbau mit Vergleich zu den KSD C88 Ref.

Mein Hörraum ist ein ca. 30 qm großes Dachstudio mit etwa 3 m Höhe und einer Dachschräge. Der Raum wurde weitestgehend optimiert – nur eine gruselige 110 Hz Resonanz muss noch gebändigt werden. Diese habe ich pegelseitig mit dem Global-EQ des Digitalmixers abgesenkt (nicht optimal, aber immerhin).

Verglichen habe ich die KRK ROKITS mit den Focal Alpha 65, die mir ein Bekannter zum Test geliehen hatte (und ich selber lange besessen habe) und – sozusagen als Benchmark – die KSD C88 Reference.

Focal Alpha 65

Zum Vergleich: Die Focal Alpha 54

Fangen wir bei den Basics an, d. h. alle Einstellung auf flat:

Insgesamt klingen beide Modelle ausgewogen mit leicht heller Charakteristik, ohne dabei zu nerven. Der Unterschied im Bassbereich ist bei normalen Pegeln kaum wahrnehmbar und man hat bei den kleinen 5ern nicht den Eindruck, dass sie bei Zimmerlautstärke den 7ern unterlegen sind.

Auffallend ist die tolle räumliche Abbildung der Lautsprecher. Bei 1 m Hörabstand findet das Klangbild sofort zueinander, wirkt sehr homogen und weiträumig. Die Lokalisierung der Instrumente und Interpreten im Raum ist mühelos möglich und hier scheint die Rechnung von KRK aufzugehen, dass die neue Konstruktion hier dem Vorgänger weit überlegen ist. Live-Konzerte oder kleine Jazzquartetts machen mit den ROKITs wirklich Spaß. Klar, das ist nicht so holografisch, wie es die KSD C88 vermögen, aber nicht nur gemessen am Preis schon eine bewundernd hochgezogene Augenbraue Wert.

KRK ROKIT G4

Die KRK ROKIT 5 G4

Die Höhen erscheinen sehr detailliert, aber auch mit einem Hauch Schärfe. Allerdings kann das im Laufe des Einspielvorgangs noch besser werden. Mir fehlt hier das Seidige der Focal Hochtöner, die aber mehr nach Hi-Fi als nach Monitor klingen. Im direkten Vergleich sind die Focal Alpha 65 weicher, unverbindlicher, gefälliger mit einer gehörigen Portion Langzeithörbarkeit. Die KRKs spielen da eher mehr „in your Face“, was beim Mischen aber ein deutlicher Vorteil ist. Ein möglicher Vergleich wäre der Unterschied zwischen einem offenen Kopfhörer (Focal Alpha 65) und einem geschlossenen (KRK ROKIT) System.

Im Basskeller sind die ROKITs eher schlank, dafür schnell und präzise. In einem kleineren Hörraum ist das sicher eine sehr ausgewogene Angelegenheit. Um in meinem Studio genügend Luft zu bewegen, sind die Chassis aber schlicht zu klein. Ich habe mir die Mühe gemacht, die KRKs in das 13 qm Büro meiner Frau zu bugsieren und siehe da, das Volumen und die notwendige Wärme sind ausreichend vorhanden.

Zu den Unterschieden der beiden KRK ROKIT Modellen: Die größeren 7er sind leider im Präsenzbereich etwas unterbelichtet und das bewirkt, dass menschliche Stimmen immer etwas mumpfig klingen, als ob in ein gedämpftes Rohr gesungen wird. Die kleinen 5er sind da deutlich ausgewogener, was mich auch dazu veranlasst hat, einen Frequenzschrieb zu machen (REW Software, Messmikrofon, Abstand 1 m auf Achse). Und tatsächlich: Die Delle der 7er bei 1,5 – 3kHz ist deutlich sichtbar, während die 5er in diesem Frequenzbereich genügend Schallenergie freigeben.

KRK ROKIT G4 Frequenzschrieb

Achtung, jetzt kommt Technik-Kram!

Nun werden viele sagen, EQ rein und „fettisch“. Nein, das ist nicht die Lösung. Ein Lautsprechersystem, egal ob aktiv oder passiv, ist ein komplexes System aus schwingenden Massen. Der Frequenzschrieb eines Sinus-Sweep ist das Ergebnis des Systems ohne Oberwellen.

Das gibt zwar nicht die Klangfarbe wieder, aber zumindest das Verhalten des Speakers im Grundtonbereich. Ein gutes Chassis wird sich somit in Verbindung mit der Frequenzweiche und einem entsprechend abgestimmten Gehäuse innerhalb seines Einsatzgebietes recht linear verhalten. Wenn ich nun, wie bei der KRK ROKIT RP7, eine Frequenzdelle habe und diese mit einem EQ (bei mir z. B. mit dem parametrischen EQ des Allen & Heath Mixers) anhebe, dann zwinge ich praktisch den Lautsprecher zur Linearität, was zwar dem Frequenzschrieb gut tut, aber dem Klang gar nicht hilft. Auch das belegt der Hörtest seht gut: Sobald das Geschehen im Mittenbereich dichter wird (Stimme, Gitarren, Keyboard), klingt die 7er mit EQ-Unterstützung sehr schnell angestrengt und nervig. Sie verliert den Überblick und die Räumlichkeit bricht in sich zusammen. Da behält die ROKIT RP5 noch sehr gut den Überblick. Ihre Grenzen sind eher durch die limitierte Lautstärke des kleineren Basschassis gesetzt.

Interessanterweise ist der Effekt dann sehr ähnlich: Geht man bei der kleinen 5er über den Wohlfühl-Pegel hinaus, sind die klanglichen Auswirkungen ähnlich, wie bei der 7er mit EQ Unterstützung im Mittenbereich: verwaschen und angestrengt.

Der Grund für dieses Verhalten liegt darin begründet, dass das Chassis durch den EQ gegen sein „natürliches“ Resonanzverhalten gezwungen wird und so gegen Druckmaxima im Gehäuse arbeiten muss. Das kostet zum einen Verstärkerleistung und behindert zum anderen das freie Schwingen des Chassis, was sich klanglich ziemlich deutlich auswirkt.

OK, dann versuchen wir es mit den Presets der DSP-EQ-Einheit. Hier muss man sich vor Augen halten, dass die Eingriffe des eingebauten EQs im Bereich von plus/minus 2 dB liegen, also eher subtil sind. In meinem Raum konnte ich bei der 5er eine Verbesserung des Volumens mit einer Anhebung des Subbasses (Shelv-Filter) erreichen.

Die 7er habe ich in der Präsenz und in den Höhen etwas unterstützt und der oben genannte Effekt (mumpfige Stimmwiedergabe) konnte dadurch zwar abgemildert werden, aber verschwand nicht wirklich. Das 6,5“ Chassis der 7er hat wohl Schwächen beim Übergang zum Tweeter und verliert dort zu schnell zu viel Pegel. Deshalb liegt meine Empfehlung ganz klar bei den KRK ROKIT RP5: Diese klingen ausgewogen, räumlich und bieten gerade in kleineren Räumen einen tollen Klang für die Musikwiedergabe, dem Mixing und dem Mastering.

KRK ROKIT mit KSD C88

Die KRK ROKIT in Vergleich mit der KSD C88

Abschließend noch eine Relativierung im Vergleich zu den KSD C88 Ref: Das ist klanglich (und natürlich auch finanziell) ein sehr großer Schritt. Um das zu hören, muss man kein Fanboy sein oder stolz seine Kaufentscheidung rechtfertigen. Der Zuwachs im Frequenzspektrum, der Raum zwischen den Instrumenten, das Herausarbeiten von kleinsten Klanginformationen und die erwähnte, fast holografische Räumlichkeit sind eine völlig andere Liga. Das mag bei einem fast fünffachem Preis nicht verwundern, zeigt aber, wie viel Luft hier noch nach oben ist.

Das soll aber die Qualitäten der KRKs keineswegs schmälern: Was dort an Technik, Verarbeitungsqualität und Klangqualität zumindest bei den kleineren 5ern geboten wird, rechtfertigt den Titel „#1 selling Monitor Worldwide“ auf jeden Fall.

Bei den 7ern empfehle ich einen ausgiebigen Test. Ich würde mit dem zurückgenommenen Präsenzbereich nicht glücklich werden. Gerade hier ist das menschliche Ohr sehr sensibel und kann kleinste Details wahrnehmen – bei Mixing und Mastering wird die höchste Aufmerksamkeit verlangt und hier kann die 7er für mich einfach nicht performen.

Das nächste größere Modell, die ROKIT RP8, kostet 310,- Euro pro Stück (+60,- Euro) und verfügt über einen 8 Zoll Tiefmitteltöner, der noch mal ein paar Hertz tiefer in den Keller steigt. Vielleicht ist die 8er ja die bessere 7er?

krk systems rp5 rp7 g4

ROKIT RP5 G4

Fazit

Exklusive Kevlar-Chassis, Raumanpassung über einen digitalen Equalizer, Display und eine Optik mit sehr hohem Wiedererkennungswert: KRK legt mit seiner ROKIT Serie der vierten Generation ganz schön vor und zeigt, was technologisch in der unteren Preisklasse heute möglich ist.

Klanglich zeigt sich ein gemischtes Bild: Während die größere ROKIT 7 mit einer Schwäche im oberen Mittenbereich etwas enttäuscht, überzeugt die kleinere ROKIT 5 auf ganzer Linie: Ausgewogen, sehr räumlich und dazu sehr musikalisch und farbenfroh. Dieser Lautsprecher setzt ein Statement für kleine Nahfeldmonitore im unteren Preissegment und ist somit eine klare Empfehlung!

Plus

  • hochwertige Verarbeitung
  • ausgewogener Klang (ROKIT 5 G4)
  • ausgeprägte Räumlichkeit
  • viel Technologie fürs Geld

Minus

  • Schwächen im Mitteltonbereich (ROKIT RP7 G4)

Preis

  • Ladenpreise:
  • KRK ROKIT RP5 G4: 189,- Euro
  • KRK ROKIT RP7 G4: 259,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Hectorpascal  AHU

    Habe die alten G6 und kann alles so bestätigen. Die großen 7-8 klingen mumpfig und von 5-6 ist es ausgewogen bis richtig gut. Rock und Gitarre an sich würde ich nicht darauf mischen wollen aber alles mit Elektronik ist wiklich 1a für den Preis. Hatte mir stundenlang Roger Waters auf Focal, Neumann und KRK gegeben bis ich bei den G6 geblieben bin. Für meinen Geschmack, Daumen hoch!

  2. Profilbild
    Jörg Hoffmann  RED

    Ich habe ehrlich gesagt auch lange an meinem Hörraum und Equipment rumgedoktert, bis ich dann auch mit reinem Gewissen dies in den Test geschrieben habe, dass die 7er eine Schwäche in den Mitten habe. Deshalb habe ich auch eine Testreihe mit dem Frequenzschrieb gemacht.
    Aber ich freue mich, dass Du diese Erfahrung auch gemacht hast!

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      Hectorpascal  AHU

      Gerne hätte ich was über die kleine 5er im Zusammenspiel mit einem Sub gelesen, auch wenn ich Subs zum mischen nicht mag. Zum Musikhören allerdings schon! ;)

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        Jörg Hoffmann  RED

        Hm, wie soll ich das nur kurz beantworten. Ja, ich habe auch mit einem Sub gegengehört. Bei einer Übergangsfrequenz von 60Hz und einem steilen Filter war das Ergebnis „OK“. Das Problem: Ein Subwoofer klingt praktisch zu 80% nach Raum, deswegen kann man die Dinger auch so schlecht testen bzw. der Test ist im eigenen Studio nicht reproduzierbar. Was im perfektenStudio knackig klingt, kann im eigenen Raum matschig sein, weil vielleicht die Raummode mit dem langen Nachhall alles versaut.
        Dann: Die „Satelliten“ nach unten begrenzen, oder nicht? Ich sage: Nein, denn der Filter macht den Grundton kaputt und der Übergang zum Pub klingt nie völlig natürlich.
        Um „mal eben“ Musik zu hören – kann man machen. Aber für high-endige Wiedergabe empfehle ich grundsätzlich integrierte Systeme. Auch Double Bass Arrays oder frequenzoptimierte Systeme kommen i.d.R. da nicht ran. Da kann man so viel messen, wie man mag….
        Ich hoffe, das macht für Dich Sinn?

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          Hectorpascal  AHU

          Alles so wie ich das auch sehe. Ich würde den auch eher komplementär mit Hand am Hard-Bypass nutzen und wenn Raummoden zu heftig sind das Ding zurückschicken. Spinnerei halt. Manche Tracks möchte man in den eigenen 4 Wänden auch mal mit voller Energie hören können aber es gibt selten eine Lösung für alles.

  3. Profilbild
    JensNieco

    Irgendwas stimmt da bei deiner Messung nicht.
    Ich hab hier mehrere REW Messungen mit vergleich zu meiner Reference und hier gibt es bei 1-2khz keine delle, ganz im gegenteil ich habe hier ein buckel bei ca. 1.3 und 1.6khz aber noch unter 3db.

    Vielleicht sind um 100db und mehr für die amps zu viel um da noch linear spielen zu können ansonsten wird das dein Raum sein.
    Bei wie viel Oktave ist diese Messung, 12db?
    mfg

        • Profilbild
          Jörg Hoffmann  RED

          Ja, 12 dB. Dazu habe ich dieses Ergebnis ja zuerst gehört, bevor ich gemessen habe – es ist also eine Bestätigung des Hörtests. Mikrofon kalibriert, Hörraum mehrfach gemessen. Ich denke schon, dass die Messung valide ist. Hast Du auch die 5er und 7er KRK Rokit der 4ten Generation getestet? Alles auf Flat?

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