Test: EVE audio SC204, Nahfeldmonitor

17. Juni 2019

Zwergenbox mit Riesensound!

eve audio sc204

EVE audio SC204, Nahfeldmonitor

Machen wir uns nichts vor, wir alle stehen doch auf fette Midfield Monitore, die gerne auch als A-Abhöre bezeichnet werden und durch massiven Schalldruck bzw. druckvolle Bässe ohne zusätzlichen Subwoofer sowohl Kundschaft als auch Fachpersonal gleichermaßen beeindrucken. Echter Umsatz/Gewinn wird heutzutage allerdings zumeist in ganz anderen Sparten generiert, deren Monitore zwar auch ein Maximum an klanglicher Güte hervorbringen sollen, jedoch ein Manko meistern müssen, das sich zuweilen diametral zu ihrem Einsatzgebiet verhält.

Die Rede ist von dem zur Verfügung stehenden Raum und den damit einhergehenden Abmessungen der Boxen. Sich dessen bewusst, hat der Berliner Hersteller EVE Audio, der insbesondere am dicken Ende der Skala mit seinen Produkten in der letzten Zeit mächtig Eindruck geschunden hat (siehe EVE audio SC408 Test), auch jenes Segment im Blick und deckt mit seiner EVE Audio SC204 auch das andere Ende der Skala in Sachen Abmessungen ab.

Eve Audio SC204 Profilansicht

Eve Audio SC204 Profilansicht

Das Einsatzgebiet der EVE Audio SC204

Überfliegt man die Abmessungen der EVE Audio SC204, so stutzt man kurz, ob es sich nicht doch aus Versehen um PC-Lautsprecher handelt. Ein Breite von 145 mm und eine Höhe von 230 mm könnte auch noch auf die eine oder andere Boxenkonstellation links und rechts des persönlichen Laptops zutreffen, lediglich die Tiefe von 195 mm oder die optisch sehr hochwertige Erscheinung lässt sehr schnell erkennen, dass man es hier nicht mit einem „Elektromarkt-Top-Deal-Plastikschrott“ zu tun hat.

In der Tat handelt es sich bei der EVE Audio SC204 um die kleinste Variante aus dem EVE Audio Portfolio, die noch unter dem Begriff „Studiomonitor“ geführt wird. Die Einsatzgebiete von Monitoren dieser Größenordnung sind mannigfaltig. In Post-Produktionen, Videoschnitt, Podcasts, mobiles Recording, Broadcast, 5:1 oder 7:1 Surround Satelliten oder auch als B-Abhöre in größeren Studios müssen sich solche Winzlinge dieser Art behaupten und allesamt müssen die gleichen Frage über sich ergehen lassen, als da wäre „Hat die Box denn überhaupt Bässe?“.

Nicht einmal ein völliger Tonlaie würde von einem 4 Zöller ein massives Bassfundament erwarten, selbiges ist physikalisch nicht umsetzbar, aber ein gleichmäßiger Grundklang bis an die 100 Hz, bei Bedarf durch einen Subwoofer aufgeblasen, würde bei solchen Abmessungen das Tontechnikerherz schneller schlagen lassen. Laut Hersteller liefert die EVE Audio SC204 einen Frequenzgang von 64 Hz – 21 kHz, wobei das Frequenzdiagramm eine geradezu lineare Linie mit einem kleinen Hub bei ca. 100 Hz und einer kleinen Senke um die Trennfrequenz bietet. Beeindruckend! Zudem, wer braucht z. B. im Videoschnitt das volle Pfund unter 60 Hz? Von daher, lösen wir unseren Fokus einmal vom Bass und schauen uns die restliche Ausstattung der EVE Audio SC204 an, die, so viel sei vorweg genommen, noch einige Besonderheiten zu bieten hat.

Eve Audio SC204 auf Hochstaaender

Eve Audio SC204 auf Hochständer

Die Konstruktion der EVE Audio SC204

Bei der EVE Audio SC204 handelt es sich um einen aktiven 2-Wege Monitor mit je 50 Watt Leistung auf dem Tweeter und dem Woofer, wobei die Crossover-Frequenz bei 3 kHz liegt und ein intern verbauter Limiter das System vor dem Kollaps bewahrt. Apropos Hochtöner, ein Blick oberhalb des Tieftöners und dem Fachmann gleitet das Synonym für Bändchenhochtöner schlechthin, der Name ADAM, durch die Gehirnwindungen. Interessanterweise wurde die Firma Eve Audio von Roland Stenz ins Leben gerufen, der früher auch als Geschäftsführer der Firma Adam Audio verantwortlich zeichnete.

Selbiger Hochtöner mit der Bezeichnung AMT RS1 kann bei Bedarf mit einem Schutzgitter, hier als „Grid“ bezeichnet, gegen versehentliche Beschädigung geschützt werden. Das Gitter haftet magnetisch an der Hochtönereinfassung, wobei das Benutzerhandbuch explizit darauf hinweist, das Gitter nicht in der falschen Rasterung einzusetzen. Der Schalldruck des Systems liegt bei maximal 96 dB SPL. Wer hier die Stirn runzelt, möge sich noch einmal kurz vor Augen halten, wie weit der Lautsprecher in der Praxis von dem Gehör entfernt platziert wird. Um die Box rudimentär von ihrer Stellfläche zu entkoppeln, wurden 4 aufklebbare Gummifüße beigelegt.

Bei einem Gewicht von gerade einmal 3,8 kg ist man geneigt, das System auch für geflogenen Betrieb einzusetzen. daher verfügt die EVE Audio SC204 neben einem Mikrofonstativgewinde auf der Unterseite des Gehäuses auch über 2 Mounting-Points auf der Rückseite des Gehäuses. Gegebenenfalls auftretende Resonanzfrequenzen, wie sie bei rückseitiger Montage und entsprechend naher Wandplatzierung auftreten können, lassen sich über eine umfangreiche Frequenzkorrektur in den Griff bekommen, wie der spätere Praxistest noch zeigen wird. Verarbeitungstechnisch gibt es im Übrigen nichts an der EVE Audio SC204 zu kritisieren. Die passgenauen MDF-Platten samt sauber aufgetragenem Strukturlack schließen nahtlos mit den front- und rückseitig angebrachten Metallplatten ab. Maximale Qualität!

Eve Audio SC204 Anschlussfeld

Eve Audio SC204 Anschlussfeld

Die Vorderseite der EVE Audio SC204

Der untere Bereich der EVE Audio SC204 Frontplatte, der optisch zudem metallisch silbern abgesetzt wurde, beinhaltet rechts unten einen gerasterten Multifunktions-Push-Pull-Button, mit dem sich gleich mehrere Einstellungen vornehmen lassen. Zum einen fungiert er als Stand-by Schalter, der in Zusammenarbeit mit dem rückseitig angebrachten Netzschalter das System schlafen legt oder aufweckt. Dies geschieht optisch sehr ansprechend mit einem LED-Kranz, der je nach Funktion rechts- oder linksläufig den Status des Systems anzeigt. Natürlich, es ist nur Optik, aber es sieht schon sehr edel aus.

Durch normales Drehen regelt man die Lautstärke der Box, wobei von -80 dB bis -48 dB je 1 Step einen Wert von 2 dB, von -48 dB bis -20 dB je 1 Step einen Wert von 1 dB und von -20 dB bis 0 dB (Maximum) einen Wert je Step von 0,5 dB abbildet. Je 4 Steps lassen eine LED weiterspringen.
Durch einfaches Drücken erreicht man das Soundmanagement, das über einen DSP verwaltet wird. Zunächst hat man die Möglichkeit, ein Shelving-Filter für den Hochtonbereich zu aktivieren, das oberhalb von 3 kHz mit -5 dB bis +3 dB zu Werke geht. Selbige Werte gibt es auch für ein Bass-Shelving-Filter, das sich der Frequenzen unterhalb 300 Hz annimmt.

Des Weiteren können bei der Platzierung der EVE Audio SC204 auf dem Schreibtisch oder der Meter-Bridge noch ein Desk-Filter aktiviert werden, wobei dieses Filter eine Kombifunktion übernimmt. Unterhalb der 0-Markierung senkt es mit einem Bandpass-Filter die Frequenzen um 200 Hz ab, oberhalb der Markierung boostet es ebenfalls mit einem Bandpass den Bereich um 80 Hz.

Die Rückseite der EVE Audio SC204

Um bei Bedarf auch Consumer-Geräte verstärken zu können, verfügt die EVE Audio SC204 neben dem obligatorischen XLR-Anschluss auch über einen entsprechenden RCA-Input. An der Oberseite der Box befindet sich auch die Bassreflexöffnung des Systems. Ansonsten geht es auf der Rückseite der EVE Audio SC204 sehr aufgeräumt zu, lediglich drei kleine DIP-Schalter sorgen für Neugierde. Ihre Funktion ist schnell erklärt und von simpler Effektivität. Sie stellen eine elektronische Sperre dar, damit die einmal gefundenen Einstellungen nicht vom Studiopraktikanten oder anderen Personen versehentlich verstellt werden können. Dabei arbeitet ein DIP für die Lautstärke, einer für die EQ-Settings, der dritte hat in dieser Baureihe keine Funktion.

Eve Audio SC204 Rueckseite

Eve Audio SC204 Rückseite

Die EVE Audio SC204 in der Praxis

Das Einschalten und Hochfahren des Systems geht völlig geräuschlos vonstatten. Was dann allerdings aus den Boxen an Signalqualität kommt, hätte ich nicht erwartet. Bereits bei neutraler EQ-Einstellung verfügt die EVE Audio SC204 über einen sehr „erwachsenen“ Klang mit deutlich mehr Volumen, als es die Systemgröße erwarten lässt. Die Monitore klangen extrem homogen und ausgewogen, wie man es sonst nur von deutlich größeren Modellen her kennt.

Allen Usern, die bei dem Thema Air Motion Transformer noch den Klang der ersten Generationen in den Ohren klingelt, kann ich jede Sorge nehmen. Der Hochtöner macht einen hervorragenden Job in Sachen Färbung und Transparenz. Nichts erinnert an die Schärfe, wie sie bei einigen Adam oder Kopisten Produkten der früheren Generationen vorkamen. Im Gegenteil, die EVE Audio SC204 verfügt über ein hervorragendes Stereobild und Tiefenstaffelung, insbesondere wenn man die Abmessungen des Systems berücksichtigt. Phantommitte, Impulsverhalten, alles sehr großes Kino!

Jetzt aber zu der großen Bassfrage. Auch hier muss ich dem System in Anbetracht der Abmessungen ein hervorragendes Klangbild bescheinigen. Nachdem ich einige Zeit mit dem Shelving- und Desktop-Filter verbracht habe, gelang es mir sogar, einen sehr ausgewogenen Bassanteil aus dem 4-Zöller zu kitzeln. Selbst eine ausgewachsene Audio-Produktion lässt sich in moderatem Rahmen mit diesen Winzlingen umsetzen, ein Fakt, den ich nicht für möglich gehalten hätte. Für mich ganz klar die zurzeit besten Monitore, die es in dieser Klasse zu erwerben gibt!

Einzig in der Endlautstärke der SC204 gilt es, eine gewisse Disziplin zu bewahren. Überschreitet man eine kräftige Zimmerlautstärke und fährt das System in die Sättigung, quittiert es die Handhabung einem Aufschrei gleich mit einem harschen Sound.

Eve Audio SC204 im Studioeinsatz

Eve Audio SC204 im Studioeinsatz

Fazit

Mit der Eve audio SC204 hat das Berliner Unternehmen ein ganz hervorragendes Produkt in der Kleinstmonitorabteilung am Start. Ob für Post-Produktionen, Videoschnitt, Podcasts, mobiles Recording, Broadcast, Surround-Satelliten oder auch als B-Abhöre in größeren Studios, das System erzeugt ein Vielfaches des Volumens, das man dem Winzling auf den ersten Blick zugetraut hätte.

Absolute Kaufempfehlung!

Plus

  • voluminöser Klang
  • kleine Abmessungen
  • saubere Verarbeitung
  • umfangreiche Filtersektion

Preis

  • Ladenpreis: 244,- Euro (Stückpreis)
Forum
  1. Profilbild
    bluebell  

    Mit relativ kleinen, aber guten Lautsprechern loszulegen, ist eine pfiffige Lösung.

    Wünscht man sich später noch mehr Fundament, kann man sich einen Subwoofer dazuholen. Nach meinem Erfahrungen klingt das Gesamtergebnis noch offener, will heißen, es hört sich noch weniger danach an, dass der Ton aus zwei Kästen kommt. So ging es mir jedenfalls.

    Man muss dabei aber beachten, dass ein Subwoofer nur dann nicht enttäuscht, wenn man seinen Abhörraum geignet behandelt hat, z.B. mit Bassfallen in den Ecken. Die Kosten sollte man gleich einplanen, oder man hat mit dem Subwoofer keine Freude.

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