Test: HEDD Type 05, Studiomonitor

28. Januar 2019

Klein, aber oho

HEDD Type 05

HEDD Type 05

Das Unternehmen HEDD wurde im Oktober 2015 von Klaus Heinz, einem Gründungsmitglied der Lautsprechermarke Adam Audio und seinem Sohn, Dr. Frederik Knop, gegründet. Seit über 40 Jahren arbeitet Klaus Heinz in der Lautsprecherentwicklung, sein Sohn ist als Mastering-Engineer und Musikwissenschaftler tätig. Mit dem Ziel, einen möglichst akkuraten und abbildungstreuen Lautsprecher auf den Markt zu bringen, der für den professionellen Anwendungszweck gedacht ist, erweckte Klaus Heinz die Berliner Firma HEDD (Heinz Electrodynamic Designs) zum Leben. In diesen Lautsprechern implementiert er die von ihm entwickelten Waveguide-geleiteten Faltungsmembranen (bei Adam hießen diese X-Art, jetzt in der Weiterentwicklung bei HEDD „Air Motion Transformer“) als Hochtöner in weiter entwickelter Form, sowie auch sonst neue und interessante Materialien für Gehäuse und Membran. Die HEDD Type 05 stellt die kleinste und günstigste Box der Serie mit drei Modellen dar, trotzdem beherbergt sie alle Schlüssel-Features dieser.

HEDD Type 05

Der HEDD Type 05 in der Totalen

Im digitalen Sektor bringt HEDD im Studio-Monitor-Ressort nie Dagewesenes: Als erstes Lautsprechersystem der Welt lässt sich dieses über einen Kartenslot namens „HEDD Bridge“ mit digitalen Audio-Protokollen beschicken. Hiermit ergibt sich fortan die Möglichkeit, die Boxen in komplexen digitalen Umgebungen und Setups wie Dolby Atmos oder Auro 3D zu verwenden sowie die vollen Konfiguration- und durch die Schnittstelle bedingt auch Routing-Möglichkeiten in komplizierteren Setups zu nutzen. Von Audio-over-IP bis zu Dante soll hier alles möglich sein! Praktisch, wenn man das Gerät beispielsweise in multi-funktionalen Venues nutzen möchte, ohne seine Hardware-Konfiguration ständig ändern zu müssen. Gerade die kleine HEDD Type 05 eignet sich mit Sicherheit sehr gut für Auro-Anwendungen.

Das HEDD Lineariser Plugin für die HEDD Type 05

Als weitere und vielleicht größte Besonderheit des Lautsprechers gilt das für die Lautsprecherserie entwickelte VST-Plugin namens HEDD Lineariser, das mit den HEDD Type 05, den Type 07 und dem Flaggschiff Type 30 funktioniert. Dieses ist dazu in der Lage, ein großes Problem der klanglichen Abbildungstreue von Lautsprechern zu dezimieren: Die frequenzbezogene Laufzeitverschiebung des Klanges, bedingt durch die unterschiedliche Schnelligkeit der abgebildeten Frequenzen von Schallquelle zu Gehör (Stichwort Fourier). Bisher ist kein Lautsprecher dazu in der Lage gewesen, unterschiedlich schnell schwingende Frequenzen exakt phasen- und damit gleichzeitig abzubilden, HEDDs Lineariser VST-Plugin räumt dieses Problem laut Hersteller zu 99 % aus dem Weg und sorgt für das lineares Abstrahlverhalten zum Preis einer auftretenden Latenz zwischen 5 ms und 100 ms. Das Plugin lässt sich selbstverständlich immer deaktivieren, befindet man sich beispielsweise in einer Tracking-Situation.

HEDD Type 05

Das Lineariser Plugin für die HEDD Type 05

Wohin die Reise gehen könnte …

Als Tester der Box bin ich extrem gespannt darauf, exakt das zu erleben und herauszufinden, ob dieser Plan aufgeht und wie sehr sich das im Klangbild niederschlägt. Seltener finden sich solche Systeme in vereinfachter Form in Lautsprechern mit DSP, als Plugin gab es das bisher noch nicht. Eine Wunschvorstellung wäre natürlich eine Open-Source Variante dessen, sodass theoretisch jeder Lautsprecher gemessen und Laufzeit-korrigiert werden könnte, bis auf die Messung an sich wäre es sicherlich nicht schwierig, so etwas zu realisieren.

Äußerliches an der HEDD Type 05

Schaut man sich die HEDD Type 05 von vorne an, so entdeckt man auf Anhieb einige Parallelen zur Adam AX Serie. Hier wurde Bewährtes aufgegriffen, so befinden sich genau wie bei der A5X die zwei Bassreflexöffnungen unten am Gehäuse. Auch erinnert natürlich der Hochtöner stilistisch an den der Adam Serie, dieser sitzt nun lediglich deutlich tiefer im Gehäuse. Dessen Fassung, die als Waveguide fungiert, ist jetzt nach innen gewölbt und scheint so augenscheinlich wirkungsvoller konstruiert. Das Frontgitter des Tweeters ist in hervorstechendem Weiß gehalten und greift so stilistisch auf schöne wie simple Weise das Firmenlogo auf.

HEDD Type 05

Die AMT Treiber der HEDD Type 05

Darunter befindet sich die 6 Zoll große Tief-/Mitteltöner-Membran. Diese ist, genauso wie der Hochtöner und die unter der Membran befindlichen Status-LEDs, vorderseitig mit Torx-Schrauben mit dem Gehäuse verschraubt. Aus einem ultraleichten Material namens „Ultra Honeycomb Composite“, einer Art wabenförmigem Karbon, besteht die Konusmembran. Das Gehäuse an sich ist aus einem oberseitig gummiert wirkendem Material erschaffen, dieses schließt komplett bündig mit dem ganzen Gehäuse ab, sodass es wie aus einem Guss geschaffen wirkt. Diese Art des Lackes, welche aber definitiv Substanz hat und beim Druck aufs Gehäuse leicht nachgibt, wurde laut HEDD zusammen mit dessen Hersteller auf Langwierigkeit und Haltbarkeit geprüft. Es fühlt sich extrem robust und wertig an, was auch immer es genau ist und tut mit Sicherheit auch dem Abstrahlverhalten gut. Darunter befindet sich ganz normales MDF.

Durch das angenehm hohe Gewicht von rund 6,7 kg pro Box manifestiert sich das Gefühl der Wertigkeit. Die Ober- und Unterseiten der Gehäusefronten sind leicht abgerundet, das kommt sicherlich ebenfalls dem Abstrahlverhalten der hohen Frequenzen zugute. Mittig zwischen den beiden Bassreflexöffnungen befindet sich eine eingeschraubte Plakette mit drei darauf befindlichen Status-LEDs und dem Firmenlogo, das eben wie die farbliche Invertierung des Tweeters und dadurch etwas wie ein Bienenstock aussieht.

HEDD Type 05

Konusmembran der HEDD Type 05

Im größeren Modell der Serie, der Type 07, gibt die linke Status-LED Aufschluss darüber, ob der verbaute Limiter aktiv ist oder nicht, diese ist aufgrund des in der HEDD Type 05 nicht verbauten Limiters bei dieser Box ohne Funktion. In der Mitte leuchtet eine grüne LED, die Aufschluss über den Betriebsstatus gibt und die rechte leuchtet weiß, sobald man von der HEDD Bridge Gebrauch macht.

Einzig rückseitig wird das komplett bündige Gehäuse durch eine großflächige Metallplatte gebrochen, welche mit dem Gehäuse verschraubt ist und auf welcher sich sämtliche Einstellmöglichkeiten, Ein- und Ausgänge sowie die Ein/Ausschalter befinden. Der Lautsprecher wirkt wie nach dem goldenen Schnitt konstruiert, das Design der box ist schlicht und funktional sowie unauffällig und in einem logisch-ästhetisch, das erweckt auf Anhieb Sympathie.

Rückseite und Details des HEDD Type 05

Oberhalb auf der Metallplatte befinden sich Low- und Highshelfing-Equalizer, mit denen sich hoch- und tieffrequente Anteile der Box ab den Gabelfrequenzen von 200 Hz und 2 kHz um jeweils 4 dB anheben oder absenken lassen. Darunter befindet sich der Gain-Regler. Mit diesem kann man die Lautstärke der Box zwischen -30 und +6 dBfs anpassen. Sowohl Gain- als auch EQ-Regler sind nicht gerastert, was beim Pegeln und Anpassen gewisse Unsicherheiten entstehen lässt.

HEDD Type 05

Equalizer-Feineinstellungen an der HEDD Type 05

Unterhalb dieser Regler ist ein kleiner Kippschalter zum Auswählen der Schallquelle angebracht, hier kann man entscheiden, ob man das Eingangssignal des symmetrischen oder des unsymmetrischen Einganges oder eben das der HEDD Bridge hören möchte. Der unsymmetrische Eingang ist mit einer RCA-Buchse umgesetzt, der symmetrische Eingang klassisch als XLR Eingang unten auf der Platte. Links neben diesem befinden sich sowohl An/Ausschalter als auch Kaltgeräte-Anschluss.

Die rückseitig verbauten Ein/Ausschalter stoßen bei der kleinen, handlichen 308 mm x 180 mm x 228 mm großen Box etwas sauer auf, hier wäre eine automatische Lautsprecherabschaltung ein hilfreiches Feature gewesen. Oder eben einfach vorderseitig verbaute Schalter. Mit dem Lösen zweier Torx-Schrauben lässt sich der Kartenslot des Lautsprechers freilegen. Hier findet sich ein Breitbandkabel, an das sich die jeweilige Karte stecken lässt. Zwischen USB, AES3, AES67 sowie Dante soll sich hier alles realisieren lassen.

HEDD Type 05

Die HEDD Bridge am HEDD Type 05

Bei den HEDD Type 05 handelt es sich um offene Lautsprecher mit jeweils zwei Reflex-Röhren, welche entgegen den alten Adams in einer Kurve verlaufen, um der Gehäusevibration weiter entgegenzuwirken. Die Nahfeldabhöre besitzt einen Operationsverstärker pro Membran, sowohl für Tweeter als auch für den Mitten- und Basstreiber gibt es jeweils 50 Watt an Ausgangsleistung. Die Weichenfrequenz von Bass und Mitten- zu Tweeter-Treiber beträgt 2,3 kHz. Die kleine Box besitzt einen linearen Frequenzgang von 45 Hz bis 50 kHz, diese Zahl beeindruckt zunächst nachhaltig. Der maximale Ausgangslautstärke SPL-Peak beim Boxenpärchen aus 1 m Abstand soll ganze 111 dB betragen, was fast noch mehr beeindruckt und lauter ist als viele 3-Wege-Systeme.

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