Test: QSC KW122, Aktivboxen

11. Januar 2013

Die Trümpfe auf der Hand

Was hat sich in Sachen Beschallung nicht alles in den letzten Jahren verändert. Aktivboxen von einem Drittel Manneshöhe arbeiten mit Leistungen im Kilowattbereich, teilweise in Preisregionen, wo man früher vielleicht gerade mal 6 Kästen Bier für bekommen hätte. Aufgrund asiatischer Fertigung hat man sich insgeheim schon an diese Preisregionen gewöhnt, und es mag für den einen oder anderen eher ungewöhnlich erscheinen, warum Produkte der oben genannten Kategorie ursprünglich im vierstelligen Eurobereich angesiedelt waren oder sind.

Umso erstaunlicher war es für mich, ein Produkt aus dem voran genannten Segment mit dem Vermerk „Made in USA“ von einem Hersteller zu erhalten, den ich bisher nur aus dem Endstufenbereich her kenne. Eben eine Selbige des amerikanischen Herstellers QSC erledigt seit über 20 Jahren einen tadellosen Job in meinem Tonstudio. Eine Freude zweifelsohne, ein Mitglied aus der neuen House-Of-K Familie kennen zu lernen, das neben seinem ungewöhnlichen Fertigungsgebiet noch mit ein paar anderen nicht minder ungewöhnlichen Features aufwarten kann.

QSC KW122

QSC KW122

Konstruktion

Bei der QSC KW122 handelt es sich um ein aktives Multifunktions-Fullrange System, ein Zweiwege-System, bestehend aus einem 1 Zoll Hochtontreiber und einem 12 Zoll Basslautsprecher. Die Lautsprecher werden von einem extrem stabilen Gitterblech geschützt, das restliche Gehäuse ist mit einem widerstandsfähigen Strukturlack überzogen. Drei sehr stabile Griffmulden erlauben eine gute Handhabung der Konstruktion, zudem befindet sich ein Direct Tilt Hochständerflansch an der Unterseite des Gehäuses, der einen geraden Aufbau oder eine Neigung in 7,5 Grad zulässt. Die gesamte Verarbeitung des Gehäuses ist als vorbildlich und sehr massiv zu bezeichnen.

Allen Modellen aus der K-Serie ist die Leistung von 1000 Watt gemeinsam. Bei der Bezeichnung W werden die Gehäuse zudem aus vergleichsweise leichten aber stabilen Birkensperrholz gefertigt, eine Bauweise, wie sie auch bei Marshall 4×12″ Gitarrenboxen verwendet wird. Ungewöhnlich ist die Aufsplittung zu gleichen Teilen von je 500 Watt auf den Hoch- und Tieftöner, was jedoch zu einer verstärkten Absicherung des Hochtöners vor Clipping-Spitzen führt. Erwartungsgemäß wird die Leistung durch eine Class D Endstufe erzeugt, die sich durch kompakte Bauweise und geringe Wärmeentwicklung auszeichnet. Sollte es dennoch zu einem Wärmestau kommen, greift das firmeneigene GuardRail System und ein Lüfter ein.

In Sachen Abmessungen verfügt das Produkt über die Maße 660 x 381 x 391 mm bei einem Gewicht von vergleichsweise moderaten 22,2 Kilogramm. Die technische Eckdaten sind schnell abgehandelt. Laut Herstellerangaben verfügt die Konstruktion über einen Frequenzgang von 53 Hz – 18 kHz bei -10 dB und einem maximalen Schalldruck von 131 dB Peak, gemessen in 1 Meter Abstand. Das System verfügt über insgesamt acht M10 Flugpunkte und kann daher in jeder Ausrichtung im Flugbetrieb positioniert werden. Durch ihre Trapezform kann die KW122 zudem als leistungsfähiger Floorwedge verwendet werden. Wenngleich die Leistungsabgabe auch die Vermutung nahe legt, als Drumfill würde ich das System aufgrund des verwendeten 12″ Tieftöners nur im Notfall empfehlen.

Auffällig für ein System dieser Bauart ist die umfangreiche Anschlussperipherie des Systems, wobei gerade auf den Daisy Chain Einsatz großer Wert gelegt wurde. Zwei unabhängige Kombibuchsen lassen sowohl einen Konsolenanschluss, als auch den Direktanschluss eines Mikrofons bzw. eines hochohmigen Instrumentes wie zum Beispiel eine Akustikgitarre zu. Beide Eingänge sind in ihrem Pegel unabhängig voneinander über einen Drehschalter in 20 Schritten regelbar. Die Signale können bei Bedarf über zwei XLR-Ausgänge direkt zu einem weiteren Baustein durchgeschleift werden. Über einen dritten XLR-Ausgang wird zudem das gemischte Signal bei Bedarf ausgegeben. Für den Anschluss eines MP3-Players oder Vergleichbarem stehen zwei Cinch-Buchsen zur Verfügung. Für Festinstallationen lässt sich über einen dreipoligen Remote Gain ein externer 10 kOhm Lautstärkeregler anschließen.

Über zwei Schieberegler lassen sich die beiden Treibersektionen in verschiedene Presets unterteilen. Für den Bassbereich unterscheidet man die Einstellungen „NORM“ (Standard Fullrange), „EXT SUB“ (Subwoofer Betrieb, Crossover Frequenz bei 100 Hz) und „DEEP“, (Bassboost mit interner Limiterschaltung als Schutz vor Verzerrungen). Für den Hochtontreiber stehen die Einstellungen „FLAT“ und „VOCAL BOOST“, einem Filterpreset, das speziell die Stimme betreffende Frequenzen anhebt. Die blaue LED auf der Frontseite des Gehäuses kann wahlweise den Betriebszustand oder aber den Einsatz des internen Limiters anzeigen.

QSC KW122

QSC KW122

Praxis

Erstes Testgebiet: ein MP3-Player. Was als erstes auffällt, ist der auffällig große Lautstärkensprung zwischen der Rasterung 2 auf 3. Bei Anschluss eines Mischpultes mit separater Lautstärkenregelung ist dies kein Problem, bei einem Anschluss eines nicht regelbaren Ausgangs jedoch könnte die gelieferte Lautstärke für Pausenmusik im Hintergrund in Position 3 bereits zu laut, in Position 2 jedoch kaum wahrnehmbar sein.

Die Signalqualität jedoch, die aus den Lautsprechern schallt, ist von sehr hoher Güte. Ein sehr druckvoller Bass, der bereits ohne die Deep-Schaltung einen weichen, aber dennoch definierten Tieftonbereich liefert, eine gelungene Übergangsfrequenz, die nicht das berüchtigte Mittenloch beinhaltet, das gerne bei einer 1″/15″-Kombination auftritt und einem Hochtonbereich, der dank überdimensionierter Leistungsreserven nie im Grenzbereich arbeitet. Überhaupt scheint man die Leistungsreserven im Hochtonbereich förmlich zu spüren, zu keiner Zeit, auch nicht bei starker Beanspruchung, wirkt der Hochtonbereich eckig oder gar kantig.

Auch beim Mikrofoneinsatz gibt es keine Ausfälle zu berichten. Die Wiedergabe ist ausgewogen, die Sprachverständlichkeit gut. In Sachen Abstrahlverhalten weiß insbesondere der konisch geformte und auf 75 Grad ausgerichtete Hochtontreiber zu überzeugen. Man merkt, dass QSC die beiden Lautsprecher aufeinander abstimmt, d.h. beide Lautsprecher haben ein identisches Abstrahlverhalten. Die akustische Raumausleuchtung ist ungewöhnlich gleichmäßig, auch starke seitliche Abstrahlungen werden innerhalb des voran genannten Winkels sehr gut gemeistert und sorgen für gutes Klangbild auch im Nahbereich der Box.

QSC KW122 + Subwoofer

QSC KW122 + Subwoofer

Fazit

Mit der K-Serie hat QSC einen echten Trumpf in der Hinterhand. Das System ist ausgereift, schnell erweiterbar und von sehr hoher Qualität, sowohl akustisch, als auch verarbeitungstechnisch. Durch eine problemlose Daisy Chain Erweiterung kann das System nahezu beliebig erweitert werden, zumal bis zu fünf Lautsprecher an einer 10 A, 230 V Leitung betrieben werden können.

Die KW 122 ist ein vergleichsweise kleiner, aber ungemein leistungsfähiger Aktivlautsprecher, der durch flexible Einsatzmöglichkeiten eine große Bandbreite im professionellen Einsatz abdeckt.

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • Flexibilität
  • Ausstattung

Preis

  • UVP: 1545,- Euro
  • Straßenpreis: 1249,- Euro
Forum

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