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Test: RCF ART 712-A MK 4, Aktivboxen

15. Dezember 2017

FiRPHASE on board

RCF ART 712-A MK 4

Wenn man von Traditionsherstellern bei Lautsprechersystemen spricht, darf RCF nicht fehlen. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Italien, dem Land, das auch für hervorragendes Design und schnelle Autos bekannt ist. Die sehr erfolgreiche ART-Serie von RCF hat ein optisches Facelift bekommen, äußerlich erkennbar am neuen Logo und der jetzt schwarzen Farbgebung. Aber im Innern hat sich noch viel mehr getan. Die klangliche Abstimmung erreicht durch die neue FiRPHASE Technologie ein höheres Niveau. Wir testen die RCF ART 712-A MK 4 Aktivbox und wollen dabei auch herausfinden, was es mit FiRPHASE und dem neuen Sounderlebnis auf sich hat.

RCF ART 712-A MK 4

RCF ART 712-A MK 4

Wer die Art 712 bereits kennt, wird sich vielleicht über den Zusatz MK 4 wundern – das Vorgängermodell war schließlich in der Version MK 2 erhältlich. Aber das hat alles seine Richtigkeit, ein Update verpasst haben wir also nicht.

Neues Logo

Das neue Logo sitzt unten

Über die Jahre bewährt

Das Basiskonzept dieser RCF Aktivbox mit Multifunktionsgehäuse hat sich über die Jahre bewährt. Die ART 7-Serie steht für einfache Bedienung, guten Klang sowie robuste Bauweise und ordentlich Leistung. Positiv auffallend ist bei der ART 712-A MK 4 auf den ersten Blick die neue Farbgebung, die sich mit dem nun schwarzen Gehäuse aus widerstandsfähigem Polypropylen in zeitgemäßer Optik präsentiert. Das Logo auf dem Frontblech ist dezenter geworden und ist jetzt an der unteren Kante zu sehen. Was mir beim Vorgängermodell gefallen hat, war die kreisrunde Form dieses Emblems. Nun ist es ein Kreis, der wiederum auf einem Quadrat angeordnet ist. Sicherlich eine Kleinigkeit, aber wenn man bedenkt, dass dieses Lautsprechergehäuse einmal mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnet worden ist, vielleicht nicht die allerbeste Lösung.

Unterschiedliche Positionierungen

Das Multifunktionsgehäuse ermöglicht die stehende Position, dazu befinden sich an der Unterseite vier gummierte Füße, die dabei helfen, die Box vom Untergrund zu entkoppeln. Der übliche Einsatz wird aber bestimmt auf dem Boxenhochständer sein oder auf der Distanzstange, wenn die ART 712 für noch mehr Wumms im Bassbereich in Kombination mit einem Subwoofer betrieben wird. Der Hochständerflansch ist aus Metall gearbeitet, hat aber leider keinen Feststellmechanismus. Abschrägungen auf der Rückseite ermöglichen den Einsatz der Zwei-Wege-Box als Bodenmonitor, wahlweise mit dem Hochtöner auf der linken oder auf der rechten Seite.

Guter Tragegriff

Ergonomisch geformter Tragegriff

Das Gehäuse misst 637 x 387 x 363 mm (H x B x T). Mit 18 kg gehört unser Testkandidat nicht zu den schwersten Vertretern seiner Gattung. Zum Transport gibt es drei ergonomisch gut geformte Tragegriffe, zwei an den Seiten und einen direkt oben. Die Griffmulden sind auch für kräftige Hände ausreichend groß bemessen. An den Griffen sorgen gummierte Einlagen für rutschfesten Halt – sehr gut. Zwei M10 Flugpunkte lassen einen optional erhältlichen Bügel für die Festinstallation oder anderes Flugzubehör anbringen.

Griff oben

Oberer Griff

Bewährtes Zwei-Wege-System

Das markante Gesicht der RCF ART 7 ist natürlich geblieben, die Bassreflexöffnungen an allen vier Ecken. Verbaut ist für den Bassbereich ein 12-Zoll Woofer mit 2,5-Zoll Schwingspule. Hinter dem Hochtonhorn sitzt der 1-Zoll Kompressionstreiber mit 1,75-Zoll Schwingspule. Die horizontale Abstrahlung des Horns beträgt weite 90°, in der Vertikalen sind es 60°. Guten Schutz bietet dem Tieftöner ein robustes Lochblech. Ein feines, aber dennoch stabiles Lochblech ist als schützende Wand vor dem Kompressionstreiber angebracht. Wird der RCF ART 712-A MK 4 als Bodenmonitor eingesetzt, sollte der Anwender beim Posen mit dem Fuß auf dem Lochblech des Tieftöners etwas sorgsam sein. Das Schutzschild ist zwar stabil und steckt Fußtritte bestimmt gut weg, hat aber keine Hinterspannung, die feinen Schmutz oder Flugbier zurückhalten könnte.

Knackige Bässe dank 12-Zoll Woofer

12-Zoll Woofer für knackige Bässe

Die Frequenzweiche setzt die Trennung der beiden Treiber bei 1600 Hz. Der Frequenzgang soll laut Datenblatt 50 Hz bis 20 kHz betragen. Weitere Angaben sind hier eine Gesamtleistung der RCF ART 712-A MK 4 von maximal 1400 Watt Peak und 700 Watt RMS. Das ist schon ein ordentliches Pfund. Die RMS-Leistung teilt sich auf in 200 Watt RMS für den Hochtöner und 500 Watt RMS für den Basslautsprecher. Der interessantere Wert, der Schalldruck, ist mit 129 dB Max SPL angegeben.

Hochtonhorn

Hochtonhorn mit guter Dispersion

Das wichtigste Update der MK 4-Serie

Die neue FiRPHASE Technologie steckt auch in dieser ART 712-A. Wie muss man sich das vorstellen? Durch das Bauprinzip von Konuslautsprechern, Hochtontreibern, dem Gehäuse und der eingesetzten Frequenzweichen kommt es zwangsläufig zu geringfügig zeitversetzter Wiedergabe einzelner Frequenzbereiche. Das führt zwar nicht zu grundsätzlich schlechtem Klang, kann sich aber in einem leicht verwaschenem Sound, der kaum wahrnehmbar ist, bemerkbar machen. Nur im direkten Vergleich wird der Unterschied deutlich.

RCF ART 712-A MK 4

RCF ART 712-A MK4 von hinten

Bei der ART 712-A MK4 ist das anders. Die im DSP verbauten FirPHASE Algorithmen korrigieren den zeitlichen Versatz, das heißt, sie gleichen Nichtlinearitäten im Phasengang kontinuierlich aus. Das Ergebnis ist ein besserer Klang mit neutraler Mittenwiedergabe, detailreichen und sehr klaren Höhen und knackigen Bässen. Es sollen zudem mehr Details im Klangmaterial zu hören sein. Außerdem wird durch die besondere Filterung das Stereobild optimiert, also insgesamt Eigenschaften, wie man sie von hochwertigen Hi-Fi Lautsprechern erwartet. Man kann sagen, dass die FiRPHASE Technologie der RCF Art-Serie nun High Definition Audiowiedergabe ermöglicht. Bei Aktivlautsprechern, die auch für die Bühne gemacht sind, eine Besonderheit. Planer von Festinstallationen werden sich über das neue Klangerlebnis sicherlich ebenso freuen, ebenso wie Zuhörer von Live-Shows oder deren Interpreten.

Anschlüsse

Die Schaltzentrale

Keine Veränderungen

Auf der Rückseite der neuen ART 712 MK 4 hat sich im Vergleich zum Vorgänger nichts verändert. Die Ansicht wird dominiert durch das Verstärkermodul mit dem glatten Aluminium-Kühlkörper zur Wärmeableitung. Verbaut sind Neutrik Buchsen als XLR-Eingang mit Verriegelung und XLR-Ausgang zum Durchschleifen des Signals an einen Subwoofer oder eine weitere Aktivbox (zum Beispiel Monitorbetrieb). Eine zusätzliche 6,35 mm Klinkenbuchse nimmt unsymmetrische Signale auf. Für den Statusbericht ist eine Ampel aus drei LEDs zuständig. Flackert die Limit-LED, ist die Soft Clipping-Funktion aktiviert, leuchtet sie dauerhaft, sollte das Eingangssignal zurückgenommen werden. Die Signal-LED zeigt, dass ein Signal in den beiden Endstufen ankommt und die Status-LED zeigt Einsatzbereitschaft.

Mit dem sicher gegen versehentliches Umschalten versenkten Schalter Line/Mic wird die Eingangsempfindlichkeit verändert (-2 dBu/+4 dBu). So können auch dynamische Mikrofone direkt angeschlossen werden. Weiterhin gibt es die Option, eine Loudness-Schaltung (Boost) zu aktivieren. Hier wird der Klang von Konservenmusik bei geringer Lautstärke optimiert. Für den normalen Einsatz zum Beispiel als FOH für Livemusik oder das Monitoring sollte dieser Schalter besser in der Position Flat stehen. Dennoch, hier gilt es auszuprobieren und dem eigenen Geschmack zu folgen. Ein kleiner Drehregler ist zur Anpassung der gewünschten Lautstärke vorgesehen.

Kaltgerätekabel

Leider nur ein „normales“ Kaltgerätekabel

Im unteren Bereich des Verstärkermoduls befinden sich der Netzschalter sowie die Buchse für das Kaltgerätekabel. Das mitgelieferte Anschlusskabel ist überdurchschnittlich lang, was sehr erfreulich ist. Beim Update auf MK 4 hätte RCF dieser Box aber durchaus eine verriegelnde Buchse samt Volex-Stecker spendieren können oder noch besser einen PowerCON-kompatiblen Anschluss. Nicht zuletzt deshalb, weil die ART 712-A schließlich auch den professionellen Installationsbereich im Blick hat.

RCF Logo

Logo im Kühlkörper

Der Klang in der Praxis

Bei ersten Praxishörtest geht es zunächst um Musik aus der Konserve, in diesem Fall von Audio-CDs. Dazu wird der Empfehlung gefolgt und die Boost-Funktion aktiviert. Zum Einsatz kommt eine reiche Auswahl an gut produzierter Musik von zum Beispiel Dire Straits, Simply Red, Robert Miles, die sparsam arrangierte Musik von Ed Sheeran oder das Bluesfeeling von Jonny Lang. Wie ich es von High End Lautsprechern aus dem Hi-Fi-Bereich kenne, überzeugt mich die RCF ART 712-A MK 4 durch ein präzises Klangbild. Die Tiefenstaffelung der Musiker und die räumliche Positionierung der Instrumente im Panorama sind ausgezeichnet. Der Aktivlautsprecher überzeugt durch exklusiven Sound auch bei geringen Lautstärken.

Wo spielt musikalische Dynamik eine größere Rolle als in der klassischen Musik? Jetzt muss sich die neue ART 712 auch in diesem Genre beweisen. Als Herausforderer tritt an das New Philharmonia Orchestra des Royal Opera House, Covent Garden. Kompositionen von Léo Delibes und Charles Gounod stehen jetzt auf dem Programm. Der Valse aus der Coppelia Suite (Delibes) zeichnet sich durch erhebliche Sprünge in der Dynamik aus. Das New Philharmonia Orchestra verteilt sich über zwei ART 712 abgehört hervorragend im Panorama. Und auch hier ist die Tiefenstaffelung der einzelnen Musiker erlebbar. Nicht anders ist es bei der Ballettmusik No.1 Les Nubiennes aus Faust von Charles Gounod. Auch in der fordernden Kategorie der klassischen Musik also ein klarer Sieg für unseren Kandidaten.

Das dynamische Mikrofon SM58 steht schon in der Warteschleife. Dazu werden die Boost-Funktion deaktiviert und die Eingangsempfindlichkeit auf die Position Mic gestellt. Letzteres ist gar nicht so einfach, denn ohne ein Hilfsmittel lässt sich der tiefergelegte Schalter nicht bewegen. Diese einfache, aber sichere Position bewahrt auf jeden Fall vor Überraschungen bei der Anpassung. Der Klang des Mikros ist sehr gut, die erreichbare Lautstärke ebenfalls. Zum klanglichen Vergleich wird auch der Boost-Modus geschaltet. Doch jetzt ist mir die Basswiedergabe etwas zu dominant, was schließlich durch den typischen Nahbesprechungseffekt des SM58 noch verstärkt wird.

Bei der Bandprobe einer Bluesband beweisen die beiden Kandidaten abschließend ihr Können. Und auch hier gibt es nur Gutes zu berichten. Der Sound steht wie eine Eins, über Mangel an Lautstärke braucht man sich keine Gedanken zu machen. Die zweimal 700 Watt RMS reichen allemal und bieten für den Auftritt in Klubs oder kleineren Hallen noch ordentliche Reserven.

Flansch

Hochständerflansch

Fazit

Aktivboxen sind heutzutage nicht mehr nur Rock ’n‘ Roll. Hochwertige Technik hat Einzug gehalten und ermöglicht Sounds, wie man sie bisher nur von Hi-Fi-Anlagen kennt. Die neue FiRPHASE Technologie der RCF ART 712-A MK 4 bringt den Klang dieser Box auf ein neues Level. Bewährte Technik, sehr gute Treiber sowie langjährige Erfahrung von RCF im Bereich professioneller Beschallung sind weitere Punkte auf der langen Liste positiver Eigenschaften. Mit der RCF ART 712-A MK 4, einem Aktivlautsprecher mit Multifunktionsgehäuse in der dritten Generation, kann man nichts falsch machen. Da stimmt alles, bis auf den Netzanschluss ohne Verriegelung.

Plus

  • Klang
  • Lautstärke
  • FiRPHASE Technologie
  • neue Farbgebung
  • langes Netzkabel
  • gute Tragegriffe

Minus

  • Netzanschluss ohne Verriegelung

Preis

  • Ladenpreis: 599,- Euro
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