Test: Rockett Mr. Moto, Effektgerät

19. März 2019

Surfen mit Mr. Moto

J. Rockett Mr. Moto

Rockett Mr. Moto Effektgerät

Das Motto von Mr. Moto lautet: Habt Spaß mit dem Meer! Das kleine orange Kästchen bietet uns zwei (digitale) Effekte unter einer Haube: Ein Tremolo sowie einen Hall, die beide auch unabhängig voneinander genutzt werden können und die die Fans von Surfsounds und darüber hinaus befriedigen sollen. Was unter der Haube des Metallkistchens steckt, wollen wir uns nun im Folgenden einmal betrachten.

J. Rockett Mr. Moto – Facts & Features

J. Rockett Audio Designs gehört zur sogenannten Sparte der Boutiquepedal-Hersteller, dementsprechend muss man sich bei den in Handarbeit hergestellten Effekten der US-Firma auf etwas höhere Preise einstellen. Obwohl sich die Sache beim Rockett Mr. Moto schon wieder relativiert, da wir ja hier ja gleich zwei Effekte auf einmal bekommen.

Wenn einem der Bassist, Drummer, Sänger oder wer auch immer mal schräg kommt, dann sollte man ihm nur einen Wurf mit dem Rockett Mr. Moto Effektgerät androhen, denn der kann sehr schmerzhaft ausgehen! Ich möchte mal behaupten, dass diese massive Metallkonstruktion mit einem Gewicht von über 700 Gramm nicht nur als Wurfgeschoss dienen könnte, sondern auch allen Eventualitäten eines rauen Daseins zwischen feuchten Proberäumen und hektischen Bühnenbetrieb über Jahrzehnte mühelos trotzen wird. Einen weiteren Pluspunkt fährt das Pedal ebenfalls gleich auf den ersten Blick ein, denn die drei Buchsen, eine für den Audioeingang, eine für den Ausgang und eine weitere für den Anschluss des Netzteils, wurden an der Stirnseite untergebracht.

Das sorgt für einen platzsparenden Einsatz auf dem Pedalboard, ohnehin beansprucht Mr. Moto durch seine bescheidenen Maße von 102 x 59 x 32 mm nur sehr wenig Raum zwischen den Füßen. Ein Netzteil befindet sich nicht im Lieferumfang, aber auch hier wieder dient der gute alte Ibanez/Boss-Standard zum Anschluss eines 9-Volt-Adapters.

J. Rockett Mr. Moto connection

Die Anschlüsse an der Stirnseite des J. Rockett Mr. Moto

Rockett Mr. Moto – Bedienung und Möglichkeiten

Die vier Potis auf der Oberseite mit ihren griffigen, beigefarbenen Plastikköpfen entsprechen den Erwartungen an ein Pedal aus der „Boutique-Liga“ vollkommen. Sie wurden sicher mit einer Sechskantmutter im Gehäuse gesichert, liegen durch das Minidesign allerdings gefährlich nahe am Metallschalter, mit dem sich Mr. Moto aufwecken lässt. Nach den ersten positiven Eindrücken folgt beim Schalter ein kleiner Rückschlag, denn dieser ist nur ein ganz normaler Mechanischer. In dieser Preiskategorie würde man sich schon einen Softklicktypen wünschen, der das Pedal ohne ein nerviges Krachen zum Leben erweckt.

Dem Tremoloeffekt gebühren drei Regler auf der Oberseite: Speed für die Geschwindigkeit der Modulation, Depth für die Intensität sowie die Art der Schwingungsform (Wave) des LFOs können eingestellt werden. Es stehen Sinus und Rechteck zur Verfügung, zwischen denen stufenlos übergeblendet werden kann. Der Hall hingegen besitzt nur einen einzigen Regler, es gibt auch keine Möglichkeiten, dessen Setting (oder generell irgendwelche weiteren Einstellungen) im Innern des Pedals zu ändern bzw. zu manipulieren. Einige andere Hersteller, besonders die aus der Boutiquepedal-Szene, bieten ihren Benutzern ja noch dieses kleine Stückchen Freiheit mehr, um den Klang weiter den persönlichen Bedürfnissen bzw. den Gegebenheiten anzupassen.

Hier muss man mit einer Federhallsimulation auskommen, aber es ist nicht die Schlechteste, wie wir gleich hören werden. Obwohl man auch ganz ehrlich sagen muss, dass dieser sogenannte Spring-Reverb mit dem Klang einer echten Federhallspirale nur wenig gemeinsam hat, aber dennoch weit mehr als ausreichend ist, den Hall im eigenen Verstärker zu ergänzen oder sogar ganz zu ersetzen. Die Qualität ist da über jeden Zweifel erhaben und entspricht vollkommen den Anforderungen an ein Pedal dieser Preisklasse.

So weit also eigentlich alles vorhanden, was man für einen guten Surfsound braucht. Es bleiben aber auch noch Wünsche offen, wie zum Beispiel eine Stereosignalführung oder die Möglichkeit, die Modulationsgeschwindigkeit per Fuß einzugeben. Doch dafür gibt es keine Möglichkeiten, entsprechende Anschlüsse fehlen am Gehäuse. Aber auch ohne diese Zusatzfeatures bietet das Rockett Mr. Moto Effektgerät einen feinen Sound, wie wir uns jetzt im Praxisteil anhören werden!

Rockett Mr. Moto bottom

Der Rockett Mr. Moto in der Praxis

Zunächst einmal hört man nach dem Einschalten des Effekts rein gar nichts, lediglich die orangene LED deutet durch ein rhythmisches Pulsieren die Betriebsbereitschaft des Rockett Mr. Moto an. Das Nebengeräuschverhalten ist ganz hervorragend, selbst bei voll aufgeregelten Potis entweicht dem Lautsprecher nur ein laues Lüftchen. Der Klang des Tremolos dürfte nicht nur Fans von Surf-Sounds begeistern, der Effekt kann auch durchaus für „schaurige und gruselige Sounds“ benutzt werden, wobei die entstehende Dynamik der Modulation beachtlich ist: Es pumpt und wabert aus dem Speaker, dass es eine wahre Freude ist!

Der Hall steuert ein wohliges Ambiente bei und ergänzt das Vibrato gut, jedoch hätte man ruhig die Halldauer zugunsten eines Signals mit mehr Tiefe ändern können. So ist der Hall, speziell bei nur wenig aufgeregeltem Reverb-Poti, nicht immer gut wahrzunehmen.

Die möglichen Kombinationen der beiden Effekte sind natürlich riesig. Für die folgenden Klangbeispiele habe ich zwei der Möglichkeiten aufgenommen (Track 1 und Track 2 mit jeweils unterschiedlichen Geschwindigkeiten des LFOs). Track 3 und 4 zeigen das Rockett Mr. Moto in seinen Einzeldisziplinen Hall bzw. Vibrato. Für die Audiofiles wurde das Pedal in den Effektweg meines Orange Micro Dark gelegt, der wurde betrieben mit einer 1×12″ Celestion V-30-Box und abgenommen mit einem AKG C3000 Mikro.

Fazit

Sicherlich sind 229,- Euro kein Pappenstiel für einen Fußtreter mit Hall und Tremolo an Bord. Die Qualität aber, mit der das Rockett Mr. Moto hinsichtlich der gebotenen Sounds und seiner „überrobusten“ Verarbeitung erscheint, ist wirklich beeindruckend und kann mit ruhigem Gewissen mit einem „sehr gut“ ausgezeichnet werden.

Plus

  • vielseitiger Klang
  • perfektes Rauschverhalten
  • mehr als robustes Design

Minus

  • kein Softklick-Schalter
  • leider nur mono

Preis

  • Ladenpreis: 229,- Euro
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