Test: Roland FP-90, Stagepiano

19. April 2017

Neue Optik, besserer Sound?

Mit dem Roland FP-90 möchte der japanische Hersteller im oberen Preissegment der Stage- und Digitalpianos punkten. Ein etwas anderes Design und neue Sounds sollen die Käufer anlocken. Wie sich das Roland FP-90 in der Praxis schlägt, haben wir für euch herausgefunden.

Roland FP-90

Design ist alles

Auf AMAZONA.DE haben wir ja bereits eine Vielzahl von Stage- und Digitalpianos getestet. Das Design eines Produkts spielt da natürlich eine Rolle, wobei man festhalten muss, dass sich die meisten Pianos doch sehr ähnlich sehen. Jeder Hersteller hat zwar seine Eigenarten, aber prinzipiell gibt es da auch viele Gemeinsamkeiten. Liegt ja auch irgendwie an der Produktart, wirklich bahnbrechende neue Funktionen, die dazu das Design maßgeblich verändern, braucht man hier nicht zu erwarten.

Roland traut sich mit dem FP-90 mal etwas Neues auszuprobieren. Obwohl die Grundfunktionen natürlich ähnlich zu preislich vergleichbaren Pianos sind, macht das FP-90 schon alleine aufgrund des futuristischen Designs auf sich aufmerksam. Anstatt klassischer, nach oben abstehender Buttons sind beim FP-90 alle Drucktaster ins Gehäuse eingelassen. Lediglich die Fader kommen etwas aus dem Gehäuse raus, aber nur 1-2 mm. Farblich spielt Roland bei diesem Piano mit der klaren schwarz-weiß Trennung. Das kommt bei meinem Testgerät in Weiß noch mehr zum Ausdruck als beim in schwarz erhältlichen Modell.

Die Bedienoberfläche ist klar strukturiert und die Bedienelemente sind über die komplette Breite des Instruments verteilt. Mittig prangt ein grafikfähiges LC-Display mit 132 x 32 Zeichen. Dies ist durch die leichte Neigung der gesamten Bedienoberfläche nach vorne sehr gut ablesbar, für meinen Geschmack aber etwas zu klein geraten. Innerhalb des Menüs bewegt man sich mit den beiden Cursor Tasten links vom Display, Einträge auswählen bzw. verändern bewerkstelligt man mit den beiden Plus/Minus-Tastern rechts des Displays.

Auf der linken Seite der Bedienoberfläche findet man die sechs Taster für die Soundkategorien, die Siebte ist für die maximal 30 Registrierungen zuständig, über die man die persönlichen Lieblingskombinationen speichern kann. Split/Dual und Transpose Tasten folgen ebenso wie die beiden Fader zur Einstellung des Lautstärkeverhältnisses zwischen den gesplitteten bzw. gelayerten Sounds. Sehr schön, das muss sonst immer in den Tiefen des Menüs eingestellt werden, beim Roland FP-90 geht das im Direktzugriff. Ein 3-Band-Equalizer kann auf gleiche Weise mit drei Reglern eingestellt werden, es folgt noch der Lautstärkeregler und die Taste zum Aktivieren des Ambience-Effekts (Reverb).

Rechts des Displays befinden sich die Funktionstasten des Metronoms, der internen Begleitrhythmen, des Recorders sowie die Lautstärkeregler für Song- und Mikrofon-Level. Richtig gehört, das Roland FP-90 bietet einen Mikrofoneingang, so dass man den eigenen Gesang nicht über ein Mischpult führen muss, sondern er direkt über das Piano mit dem Piano-Sound zusammen ausgeben werden kann. Für das Mikrofonsignal stehen drei dedizierte Effekte zur Verfügung: Kompressor, Doubling und Echo. Einziger Wermutstropfen: Angeschlossen werden kann ein Mikrofon nur über eine regelbare Klinkenbuchse, Phantomspeisung für Kondensatormikrofone steht nicht zur Verfügung.

Damit sind wir dann auch bei den Anschlüssen angekommen.

Anschlüsse

Neben dem Klinkeneingang für das Mikrofon bietet das Roland FP-90 noch einen weiteren Stereoeingang. Über eine 3,5 mm Miniklinke kann man zusätzliche Line-Signale einführen, um beispielsweise zu Songs/Playbacks live mit zu spielen. Als Ausgänge steht ein Stereo-Paar im Klinkenformat zur Verfügung. Drei Pedale (Damper, Sostenuto, Soft) können am FP-90 betrieben werden, hier lässt sich bei Positionierung auf dem optionale erhältlichen Holzunterbau auch die darin integrierte 3-fach Pedaleinheit anschließen. Ein MIDI-Duo sowie zwei USB-Ports für Speichermedien und Computerverbindung komplettieren die Rückseite. Strom bezieht das Roland FP-90 über ein externes Netzteil. Für mich ein Unding in dieser Preisklasse. Zwei Kopfhöreranschlüsse (1x 6,3 mm Klinke, 1x 3,5 mm Klinke) befinden sich praxisgerecht auf der Vorderseite.

Zum Lieferumfang des FP-90 gehört ein farblich passender Notenständer, ein Haltepedal sowie eine mehrsprachige, gedruckte Bedienungsanleitung.

Sounds

Satte 350 Sounds hat das Roland FP-90 unter der Haube. Die maximale Polyphonie liegt bei 384, wobei diese beim Spielen bestimmter Piano-Sounds verringert. Nähere Angaben dazu macht Roland nicht. Die wichtigsten Sounds eines Stage-/Digitalpianos sind natürlich die akustischen und elektrischen Pianos. Hiervon bietet das neue Roland 13 (A-Pianos) bzw. 16 (E-Pianos) und zwei Harpsichords. Streicher-Presets gibt es 11, 15 Orgeln, 15 Pads und 278 andere Klänge wie Bläser, Gitarre, Bass, Orchester etc.

Traditionell heißt der Haupt-Flügelsound bei Roland Concert Piano und diese Tradition wird auch beim FP-90 fortgesetzt. Schon beim ersten Anspielen wird klar, Roland setzt auch klanglich die Tradition fort. Viele Sounds stammen aus den mir bekannten Digitalpianos der HP-Reihe, neue Sounds kommen beim FP-90 laut Roland nicht zum Einsatz. Nichts Verwerfliches daran, die Sounds bieten allesamt eine sehr hohe Qualität und durch die 13 unterschiedlichen Varianten ist genug Klangfundus dabei, um ein großes Repertoire abzudecken. Sehr gut ist die Möglichkeit, den Piano-Sounds mit Hilfe der Funktion „Piano Designer“ anzupassen. Hier lassen sich viele Parameter wie Saitenresonanz, die Öffnung des virtuellen Klavierdeckels oder die Pedalgeräusche hinzufügen bzw. steuern.

Die E-Pianos kommen überraschend frisch daher und Roland bietet hier ebenfalls eine große Bandbreite. Mein persönlicher Favorit ist gleich der erste Eintrag, das 1976 Suitcase Preset. Leider mischt Roland ab Werk bereits eine ordentliche Portion Hall dazu, den sollte man also zunächst rausdrehen und ggf. über die Registrierungen separat speichern. Schön kantig und mit drei Velocity-Layern ausgestattet, kann man damit schon gut was anfangen. Auch das Wurly200 Preset gefällt mir sehr gut. Insgesamt auch hier eine hohe Qualität.

Das Qualitätsniveau setzt sich auch bei den Streichern und Orgeln fort. Viele Auswählmöglichkeiten sind überall zu Genüge vorhanden. Die 278 Others Sounds sind bei den Roland Produkten in der Regel eine große Sammlung diverser Presets. Da steht das Roland FP-90 seinen Brüdern und Schwestern in nichts nach. Die Klangqualität sinkt hier allerdings zeitweise etwas ab, das gute bis sehr gute Niveau kann hier nicht überall gehalten werden. Obwohl das FP-90 als Stagepiano nicht unbedingt über ein Pitch Bend- bzw. Modulationsrad verfügen müsste, hätte es im Angesicht der vielfältigen Sounds aus dem Lead- und Pad-Bereich durchaus Sinn gemacht. Ich bezweifele zwar, dass die Mehrheit der FP-90 Kunden ein Synthesizer-Solo auf die Tasten zimmern, denkbar und machbar wäre es aber gewesen. Aus genannten Gründen werte ich das aber nicht als Minuspunkt.

Lautsprechersystem und Verarbeitung

Sehr druckvoll kommt der Sound des Roland FP-90 an die Ohren des Spielers. Dafür sorgen die insgesamt vier Lautsprecher, zwei für den Bass-/Mittenbereich sowie zwei neu entwickelte Hochtöner. Auch im Bassbereich kann das FP-90 mit ordentlichem Druck aufwarten, auch bei voller Verstärkung fängt hier nichts an zu zerren.

Das Gehäuse des FP-90 besteht aus einem Metall-/Kunststoff-Mix, der einen sehr robusten Eindruck macht. Das FP-90 ist demnach absolut nicht für einen Transport zu schade. Daran könnte höchstens das Gewicht von 23,6 kg etwas ändern. Allerdings muss man damit einfach leben, sofern man denn ein gut verarbeitetes Piano mit auf Reisen nehmen möchte.

Extras

Wie eingangs bereits erwähnt, verfügt das Roland FP-90 über die Möglichkeit ein Mikrofon anzuschließen. Damit einhergehend macht es natürlich Sinn, dass das FP-90 auch die Möglichkeit bietet, das eigene Spiel samt Mikrofonsignal über USB aufzuzeichnen. Einen kleinen Auftritt für sich selbst oder die Nachwelt mitzuschneiden, ist somit kein Problem, sehr gut. Aufgezeichnet wird entweder im WAV (16 Bit/44,1 kHz) oder im MP3-Format, sehr gut. Auf Wunsch lässt sich das eigene Spiel aber auch als MIDI-Song aufnehmen.

Neben den drei Mikrofon-Effekten bietet das Roland FP-90 wie gesagt einen Ambience (Reverb) Effekt sowie einen 3-Band-Equalizer. Für die Orgel-Sounds steht zusätzlich ein Rotary-Effekt zur Verfügung, die E-Pianos darf man mit „Modulation Speed“ anreichern. Wieso man diese nur diesen beiden Soundkategorien vorbehält, verstehe ich allerdings leider nicht.

Zu guter Letzt bietet das Roland FP-90 eine Bluetooth-Schnittstelle, über die man das Piano mit Smartphone oder Tablet verbinden kann. Hier war Roland vor einigen Jahren Vorreiter im Bereich der Digitalpianos, daher bietet der Hersteller mittlerweile auch relativ viele passende Apps zum Steuern und Spielen des Pianos über Smartphone/Tablet an.

Fazit

Insgesamt schneidet das Roland FP-90 in unserem Test mit sehr gut ab. Die gebotenen Funktionen, die große Soundauswahl und die vermeintlichen Kleinigkeiten wie der zusätzliche Mikrofoneingang machen es zu einem empfehlenswerten Stage-/Digitalpiano. Einsetzen kann man das FP-90 sowohl auf der Bühne, bei der Probe als auch zu Hause, dann beispielsweise mit dem optional erhältlichen Unterbau.

Das sehr gute Testergebnis wird letztlich nur durch Kleinigkeiten getrübt, die für den ein oder anderen Kunden keine entscheidende Rolle spielen. Das externe Netzteil passt für meinen Geschmack nicht zu einem Piano für aktuell rund 1.800,- Euro. Das es keine Phantomspeisung bietet, kann unter Umständen auch vernachlässigt werden. Daher Note 1-.

Plus

  • Soundauswahl
  • Mikrofoneingang
  • Split/Layer-Volume direkt steuerbar
  • Design

Minus

  • keine Phantomspeisung für Kondensatormikrofone
  • externes Netzteil

Preis

  • Ladenpreis: 1.799,- Euro
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