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Test: SPL Charisma 2

2. November 2009

SPL Charisma 2

OK, Jungs, jetzt mal Butter bei die Fische. Wer von euch hatte denn bisher in seinem Leben einmal das Vergnügen, eine Audio-Cassette auf einem Tapedeck aufzunehmen?

Ja, da lichten sich schon die Reihen ganz gewaltig unter den interessierten Lesern. Warum ich im Zeitalter der Bits und Bytes mit einer solchen analog implizierten Einleitung daher komme?

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Nun, im Gegensatz zur digitalen Aufnahme, wo eine möglichst hohe Aussteuerung hin zur 0 dB Grenze lediglich eine maximale Transparenz und Toninformationen aufgrund einer möglichst hohen I/O Dichte ermöglicht, führt die analoge Aufnahmetechnik ein höchst extravagantes Eigenleben jenseits des (angeblichen) Maximalpegels.

Schon als nervender Teenie entdeckte ich mehr durch Zufall, dass meine Überspielungen von Vinyl auf Cassette deutlich „besser“ klangen, wenn man die ersten 1-2 roten Balken des (damals brandneuen) LED-Balkens bei lauten Passagen (damals wurden die Produktionen noch nicht dynamisch tot-gemastert) zum Aufleuchten brachte.

Die Sättigung des Magnetbandes sorgte seiner Zeit für eine Zunahme der Lautheit und einer Verdichtung des Signals, klein-Axel hatte seinen ersten hauseigenen „Mini-Mastering-Prozess“ in die Wege geleitet, wohlweislich nicht wissend, was er da eigentlich macht und warum das Ergebnis dem menschlichen Ohr so schmeichelt.

Basierend auf dieser analogen Klangbearbeitung und ihrer damit einhergehenden Signalveränderung versucht die Aufnahmetechnik seit Dekaden eine Fusion der beiden Konservierungsverfahren zu erreichen.

Niemand will (bzw. kann!) heutzutage mehr auf die Editierungsmöglichkeiten der Digitaltechnik verzichten, aber jeder ernstzunehmende Tontechniker bewegt sich nahe des audiophilen Freundentaumels, sobald er sich mit entsprechend analog hochwertiger Hardware über ein wertiges Signal, zumindest in seiner Aufnahmephase, hermachen darf.

Ein Produkt aus dieser Kategorie ist der Charisma aus dem Hause SPL, welcher oben genannte Bandsättigungseffekte analoger Bandmaschinen und das harmonische Zerrverhalten von Röhren generiert, um den von Natur aus eher leblosen Digitalsignalen die Erdigkeit, respektiv „Dichte“ einer Analogaufnahme einzuhauchen.

 

1_Charisma2.jpg

 

Konstruktion

Der Charisma 2 kommt mit einer 1 HE, einer Einbautiefe von 23,7 cm und einem Gewicht von 3,5 kg daher.

Leuchtet man an den Seitenschlitzen in das Gehäuse, erkennt man, dass der Charisma seine Prozessorfunktion nicht aus massiven CPU-Logarithmen errechnet, vielmehr verrichten 2 echte Vorstufen-Röhren (dem Anschein nach Typ 12AX7) im Inneren ihre Arbeit.

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SPL sicherte sich für diesen Prozessor unter anderem die Dienste von Röhren-Spezialist Manfred Reckmeyer, welcher sich als Amp-Tuner in Gitarristenkreisen einen hervorragenden Ruf erarbeitet und auch für mich 1992 einen 69er Marshall Head komplett umgebaut hat.

Abgesehen von der charakteristisch messing-farbenen Frontblende kommt der Prozessor optisch recht unspektakulär daher und verfügt pro Kanal lediglich über 3 Regler, 2 LEDs und einen Bypass-Schalter.

Die Funktionsweise der Regler im Einzelnen:

Drive: regelt die Ansteuerung der Röhrenelektronik. Je höher der Wert, umso höher die Anzahl der harmonischen Obertöne und umso stärker der Limiting-Effekt.

Charisma: variiert das Sättigungsverhalten der Röhre. Einstellbar von „Soft“ (weiche, langsame, leicht gedämpfte Einpegelung der harmonischen Strukturen) bis „Hard“ (recht spätes Einsetzen der harmonischen Verzerrung, dafür sehr direkt am Pegel ähnlich eines Hard-Limiters).

Output: regelt die Ausgangslautstärke und dient zur Anpassung des nachgeschalteten Gerätes.

Process LED: leuchtet auf, sobald das Gerät einen bestimmten Prozentsatz an Harmonischen produziert.

Max LED: zeigt die obere Grenze des Processings an

Auf der Rückseite des Gerätes befinden sich pro Kanal symmetrische Ein- und Ausgänge in Form von Klinke- und XLR-Buchsen. Zudem befindet sich hier noch ein Ground Lift sowie der Kaltgeräte-Buchse.

 

2_Charisma2_R.jpg

 

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    diminu

    Leider wurde in den Tonbeispielen 4 und 6 wieder der alte Trick der Lautstärkenerhöhung angewandt, was eine tatsächliche Beurteilung des Sättingungsverhaltens zumindest erschwert. Das Drumbeispiel 2 geht so in Ordnung, allerdings fällt der Sättigungseffekt auch gleich viel weniger dramatisch aus.

    • Profilbild
      Dantschge

      Ich habe die Aussteuerung der Klangbeispiele überprüft und konnte lediglich beim Beispiel Nr. 3 eine niedrigere Aussteuerung von -3,6 dB feststellen, alle anderen Klangbeispiele sind auf 0 dB normalisiert. Der Effekt ist aber nach dem Normalisieren des Tonbeispiels Nr. 3 auf 0 dB immer noch sehr deutlich zu hören. Ich finde jedoch, dass die Aussteuerung der Röhre bei den Beispielen Nr. 4 und 6 etwas übertrieben wurde und gefühlsmäßig schon Verzerrungen zu hören sind, die man auch in der Wave-Darstellung sehen kann (nahezu abgeschnittene Spitzen). Dennoch finde ich die klanglichen Verbesserungen erstaunlich und werde mir statt teurer Röhren-Mic-Preamps oder noch teurerer Röhren-Mics diesen multifunktionellen Zauberkasten besorgen, sobald wieder Geld in der Kasse ist.

      • Profilbild
        Steppenwolf  

        klingt nach einem plan, ich werde das gerät auf jeden fall antesten und sehr wahrscheinlich sparen bis ichs kaufen kann :)

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          Dantschge

          Hatte den SPL Charisma kurz zum Ausprobieren bestellt und bin gar nicht glücklich, da ich vorwiegend akustische Musik aufnehme. Beim kleinsten Aufdrehen des Effekts hat leider sofort eine Übersteuerung stattgefunden, die für meine vorwiegende Musikrichtung leider nicht zu tolerieren ist. Ich habe den Charisma zurückgeschickt und bin nun stolzer Besitzer eines SPL GoldMike MKII, der als Hybrid-Preamp hervorragende Dienste leistet. Zusätzlich habe ich mir den sehr musikalisch komprimierenden SPL DynaMaxx gekauft, der einen sehr neutralen, aber deutlich hörbaren Verdichtungseffekt (Kompression) erzeugt, der für akustische Musik deutlich verträglicher arbeitet, als der SPL Charisma.

      • Profilbild
        Johnnie Beamer

        Die „Normalisieren“-Funktion hilft in so einem Fall leider nicht weiter.

        Entscheidend für das Lautstärkeempfinden ist der RMS-Wert, bzw wenn man’s noch genauer beziffern will, der LUFS-Wert.

        Ich messe bei Beispiel 3 (unkomprimiert) einen RMS-Wert von -25,7 dB.
        Bei Beispiel 4 (komprimiert) sind es -14,2 dB. Macht also einen Unterschied von fast 12dB!

        Um ohne den trügerischen Lautheitsunterschied vergleichen zu können, muss man das komprimierte Beispiel also um knapp 12dB leiser machen.

        Beim Synthi-Beispiel sind es -23 und -15 dB. Also 8dB Unterschied.

        Selbst wenn die Unterschiede nur 1-2dB betragen würden, würde man sich u.U. davon zu einem falschen Urteil verleiten lassen, weil unser Gehört das lautere primär als besser beurteilt. Um die wirklichen Klangunterschiede unbeeinflusst von der Lautstärke beurteilen zu müssen, ist also eine penible Lautheitsangleichung immens wichtig.

        Wieso man solche Beispiele nicht vor dem Veröffentlichen nach RMS (bzw LUFS) angleicht, ist mir schleierhaft. Ein ernsthafter Tester sollte sich über die Relevanz der Lautheitsunterschiede bewusst sein und diese nicht einfach ignorieren.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ich habe Charisma 1 und kann den gewünschten Effekt so richtig erst nur über die XLR I/O hören.
    Daher erscheinen mir die Klinkeanschlüsse nicht so sinnvoll. Da merkt man wirklich nicht einen starken Effekt.
    Ansonsten gebe ich Diminu recht.

  3. Profilbild
    Steppenwolf  

    Eine kleine Korrektur des schlauen Artikels:

    The Charisma’s two channels have identical sets of controls. Its internal circuitry features a pair of dual-triode ECC83 valves running at 230V (though the input and output circuitry is solid state and uses SSM 2141 and 2142 balancing drivers, which permit unbalanced use without level loss).

    Also 12AX7 wird in einem Gerät welches zum Mastern verwendet wird doch wohl eher zu finden sein oder? Haben die nicht ein gewisses höheres Grundrauschen von Natur aus?

    Gruß
    Steppenwolf von Mensch

  4. Profilbild
    SFieldy

    Mit nem herkömmlichen Software-EQ, Software Brickwall Limiter und (für Bsp. 5/6) nem Software Saturator erzielt man qualitativ das selbe Ergebnis. Habe ich gerade im Ableton direkt verglichen.
    Warte sehnsüchtig auf den vor ein paar Tagen bestellten Charisma und
    kann deswegen nur hoffen das diese Beispiele nicht ernst gemeint sind.

  5. Profilbild
    BetaDance  AHU

    Ich habe den SPL Charisma 2 seit beginn
    und bin immer noch vollstens zufrieden!
    10 Minuten Zeit zum aufheizen für die Röhren
    und los geht’s.
    Hardware ist und bleibt g… . :)

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