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Test: Sterling by Music Man CT50 Cutlass SGN, E-Gitarre

9. Mai 2017

Surfgrünes Leichtgewicht

Die von Leo Fender gegründete Firma Music Man baut Instrumente, die sich zwar an klassischen Vorbildern orientieren, aber sich dennoch aufgrund von interessanten neu entwickelten Features und Weiterentwicklungen von diesen unterscheiden. Schon damals in den 80ern des vergangenen Jahrhunderts, als ich die Modelle Sabre und Stingray von Music Man zu Gesicht bekam, war ich von deren Features und Aussehen sehr angetan. Später begann Music Man dann, für etliche Weltstars (Eddie Van Halen, Albert Lee, Steve Morse, Steve Lukather, John Petrucci u. a.) erfolgreich Signaturmodelle zu entwickeln, die die persönlichen Bedürfnisse der jeweiligen Künstler berücksichtigten und ihnen gleichermaßen auf den Leib geschnitten sind.

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Wer schon immer von einer echten Music Man Gitarre geträumt hat, aber nicht das nötige Kleingeld besaß, sich diese zu leisten, hat jetzt Gelegenheit, sich diesen Traum dennoch zu verwirklichen, da z.B. die Sterling by Music Man CT50 Cutlass nun auch in Fernost, genauer gesagt China, gefertigt wird und somit zum deutlich erschwinglicheren Preis angeboten werden kann. Hierbei ist zu erwähnen, dass alle Instrumente nach der Fertigung in Fernost vor dem Verkauf in den U.S.A. noch einmal einen Qualitätscheck durchlaufen, geprüft und eingestellt werden. Somit wird ein gewisser Qualitätsstandard garantiert. Wir sind gespannt, ob und welche Unterschiede zu den teureren Modellen aus reiner USA-Fertigung bestehen. Unsere CT50 Cutlass lediglich als Strat-Kopie einzuordnen, würde ihr nicht gerecht, da man hier vergleichsweise doch einige Weiterentwicklungen untergebracht hat.

Facts & Features

Unser Testmodell orientiert sich optisch an den ersten Gitarrenmodellen (Sabre bzw. Stingray) aus eigener Fertigung und hat eine freundliche, hellgrüne Farbgebung (Seafoam Green). Sie ist jedoch auch in den Farben 3-Tone Sunburst, Weiß, Fiesta Red und Schwarz erhältlich.

Aus Kostengründen wird die Gitarre im schlichten Karton ausgeliefert, auf einen Koffer bzw. Gigbag müssen wir demnach leider verzichten. Zum Lieferumfang gehören natürlich die Schlüssel zum Einstellen des Halsstabes und die Inbusschlüssel zur Justage der Brücke (Bolzen bzw. Saitenreiter). Die Gitarre kam, was die Bundreinheit und Saitenlage betrifft, vernünftig eingestellt ins Haus, wobei bei Letzterem noch etwas Luft nach oben besteht, vorausgesetzt, man mag niedrige Saitenlagen und leichte Bespielbarkeit.

Der Korpus der Sterling by Music Man CT50 Cutlass

Die Korpusform unserer CT50 ähnelt der einer Stratocaster, unterscheidet sich aber in einigen Merkmalen wiederum vom Klassiker. Die Cutaways verlaufen geringfügig anders, die Gitarre wirkt etwas schlanker. Die Korpusstärke beträgt 43 mm und fällt somit minimal geringer aus.

Auch das Thema Rückenfreundlichkeit wurde berücksichtigt. Die Gitarre bringt lediglich 3,4 kg auf die Waage, das mag seine Gründe auch im Korpus aus Linde haben. Dieses inzwischen häufiger bei Gitarrenkorpussen anzutreffende Holz ist mittlerweile für seine klanglich guten Eigenschaften bekannt. Es ist weicher als z.B. Erle, Esche oder Mahagoni, aber bei sauberer Lackierung ist das Holz ausreichend gut gegen äußerliche Einwirkung geschützt.

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— Der „Flutschfinger“ erleichtert das Spiel in hohen Lagen —

Der Hals wurde mit fünf Schrauben mit dem Korpus verschraubt. Für eine bessere Bespielbarkeit der hohen Lagen wurde der Übergang vom Korpus zum Hals abgerundet. Auch die verchromte Halsplatte weist die entsprechende Form auf. Ein absolut sinnvolles Feature, obgleich die Idee schon länger existiert. Bereits in den 80er Jahren gab es beim hannoveraner Gitarrenshop Rockinger, den sogenannten „Flutschfinger“ zu erstehen. Dieser war nichts anderes als eine Halsplatte mit Vierpunktbefestigung, bei der man eine Ecke beschnitten hatte, um den Zugang zu den hohen Lagen zu erleichtern. Die Music Man Variante ist jedoch etwas ausgereifter und eleganter.

Der Hals der Sterling by Music Man CT50 Cutlass

Der Hals wurde aus Ahorn gefertigt und mit einem aufgeleimten Griffbrett gleichfalls aus Ahorn versehen. Er wirkt zunächst recht kräftig, die Halskontur ist stark v-förmig. Die Griffbrettkanten könnten nach meinem Empfinden etwas mehr abgerundet sein, was dem Spielkomfort zugute käme, aber bei dem relativ geringen Preis dieser Gitarre muss sich diese wohl auch in einigen Punkten von den deutlich höherpreisigen Kollegen aus eigenem Haus unterscheiden. Die Mensur beträgt 648 mm und ist somit vergleichbar mit den klassischen Fender Modellen. Das Finish des Halses ist matt gehalten, der Lack ist ausgesprochen sparsam aufgetragen, für meinen persönlichen Geschmack zu dünn.

— Typische Music Man Kopfplatte —

Der Griffbrettradius beträgt 12 Zoll, somit ist eine gute Bespielbarkeit gegeben, auch das Saitenziehen einer kleinen oder auch großen Terz (z.B. der Saiten G bzw. H,) stellt bei guter Einstellung kein Problem dar. Dem Hals der Sterling by Music Man CT50 Cutlass wurden 22 Bünde spendiert, die Medium-Bundstäbchen (Breite 2,4 mm, Höhe 1,2 mm) sind nicht wirklich fett, sondern eher vintagemäßig gehalten.

Zur Einstellung des Halsstabes kommt das sehr schöne und komfortable von Music Man entwickelte Patent (das nun abgelaufen ist und mittlerweile auch von anderen Herstellern kopiert wird) zum Einsatz. Hierbei lässt sich am Halsfuß das leicht zugängliche Rädchen drehen. Der Korpus weist die entsprechende Fräsung auf und auch das Schlagbrett ist entsprechend ausgeschnitten, um den leichten Zugang zum Rädchen zu ermöglichen.

— Typische Music Man Kopfplatte mit Locking-Mechaniken —

Der Hals hat natürlich die typische Music Man Kopfplatte, die sich schon dadurch rein optisch von allen anderen Firmen unterscheidet, da auf der Oberseite vier und der Unterseite zwei Mechaniken sitzen. Diese sind „Locking“ Typen, beim Saitenwechsel werden die Saiten also einfach nur durch die Bohrung in der Mechanik gezogen und anschließend mit der Rändelschraube mithilfe der Finger angezogen. Somit spart man Zeit beim Aufziehen und erhält eine etwas bessere Stimmstabilität.

Ein kleiner wertvoller Tipp am Rande: Man sollte vermeiden, die Saiten nach dem Aufziehen mit einem Saitenschneider abzuknipsen. Das sieht unsauber aus und führt oft zu Verletzungen an den Fingern, weil man dort beim Stimmen gerne mal hängen bleibt und sich verletzen kann. Viel besser ist es, die Saiten durch mehrfaches Abknicken, direkt an der Mechanik, dazu zu bewegen, irgendwann an der „Sollbruchstelle“ abzubrechen. Dieses Verfahren erzeugt eine absolut saubere und weiche Bruchkante. Probiert es einfach mal aus.

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Klangbeispiele
Forum
    • Profilbild
      Johannes Krayer  RED

      Hallo Carsten,
      mit den Soundbeispielen ist alles o. k.. Meine MP3’s habe ich allerdings nicht normalisiert, komprimiert etc, deswegen erscheinen sie möglicherweise etwas leiser. Ich habe auch nicht so viel Hall verwendet.
      Gruß,
      Johannes

      • Profilbild
        ctrotzkowski  

        ..tja, dann ist es um so seltsamer. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, daß zwei Gitarren aus der selben Baureihe so dermaßen konträr klingen sollen. Die ältere warm und ausgewogen, die neue – wie soll ich sagen – wie durch ein altes Tefon aufgenommen :-)
        Ich hab mir grad den Spaß gegönnt, die Soundbeispiele der beiden Tests in der DAW zu vergleichen. Während in Stefan’s Test die Wellenformen/Spektren durchgängig rund mit leichter Welligkeit durch die Obertöne sind, werden bei Deinem Test die Grundwellen stets von den Obertönen geradezu zerrissen, und das Spektrum ähnelt eher weißem Rauschen als einer Glocke. Und das deckt sich m.E. mit dem Höreindruck, daß ich denke, daß starkes Aliasing die Samplerate-Conversion dominiert hat und unharmonische Verzerrung erzeugt.

        Übrigens den Testbericht an sich finde ich sehr gut und ausgewogen geschrieben. Daher haben mich die Beispiele so irritiert.

        Gruß,
        Carsten

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