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Test: Steven Slate Drums 5, Drum Plugin, Sound-Library

26. Juli 2019

Artikulierte Drum-Kollektion für die DAW

steven slate drums 5

Steven Slate Drums 5, Drum Plugin, Sound-Library

Mit Steven Slate Drums 5 liegt nun die neuste Iteration des Drum-Plugins aus dem Hause Slate, das u. a. auch bekannt ist für die übergroßen Touch-Screen-Konsole Raven MTi2. Der Firmengründer, Steven Slate ist aber als Drummer groß geworden und so verwundert es nicht, dass er dieser Leidenschaft auch weiterhin gewissenhaft nachgeht.

Nach der Installation und Registrierung über iLok stehen einem über 15 GB an Samples zur Verfügung. Gute Nachricht für die Nutzer der vorherigen Slate Drums: Die alten Kits wurden alle übernommen und stehen unter SSD Deluxe 1 und SSD Classic weiterhin zur Verfügung. Die Neuentwicklung betrifft die Kits der Library SSD Deluxe 2. Die neuen Kits unterscheiden sich hauptsächlich in der Anzahl der Artikulationen, also ob man eine Snare z. B. in der Mitte oder am Rand des Fells anschlägt, ob eine Hi-Hat offen oder geschlossen gespielt wird etc. Zusätzlich gibt es noch einen „Rim Shot Mode“, bei dem die höchsten Velocity-Werte als Rim-Shot ausgegeben werden.

Steven Slate Drums 5 - Outputs

Kanäle satt

Diese Artikulationen sind aber nicht wie oft üblich über Key-Switches erreichbar. Stattdessen werden sie einzelnen MIDI-Noten zugeordnet. Intern wird dann alles über den Instrumenten-Editor zusammengeführt – für jedes Schlagwerk einzeln. Maximal fünf Artikulationen können einem Instrument zugewiesen werden. Selbstverständlich gibt es mehrere Samples für eine MIDI-Velocity, so dass kein Repetiereffekt auftreten kann.

Damit sind wir auch schon bei der zentralen Einheit der Steven Slate Drums 5, dem Instrumenten-Editor. Man erreicht ihn über den Mixer, da hier auch die Kanalzuweisungen der einzelnen Mikrofone vorgenommen werden. Steven Slate Drums 5 bietet intern 16 Stereo- und 16 Mono-Kanäle. Dazu kommt noch eine unbestimmte Anzahl an internen Aux-Kanälen – ich habe nach 36 Stück aufgehört zu zählen. Bei dieser großen Zahl wäre es praktisch gewesen, hätte man sie benennen können.

Instrumenten-Editor von Steven Slate Drums 5

Im Instrumenten-Editor kann man für jede Artikulation Lautstärke und jedes Mikrofon Lautstärke und Panorama einstellen. Das Gesamtpanorama verstellt man dann am Kanalzug des virtuellen Mischpultes, das die untere Hälfte einnimmt. Leider wirkt die Optik der ganzen Oberfläche reichlich altbacken und man findet sich teilweise schwer zurecht, da einem die Bedienelemente förmlich anspringen – hier wären andere Skins nett. Trotzdem verrichtet sie ihren Dienst und man hat die Elemente des Instrumenten-Editors schnell im Griff.

Steven Slate Drums 5 - Instrument Editor

Instrumenten Editor

Vor allen Dingen ist es wichtig, dass man die Velocity-Kurve mit vier Parametern (Dynamics, Velocity, Range Max/Min) angleichen kann. So kann aus einem verhaltenen Beat ein aggressiver werden und umgekehrt. Und gerade im Zusammenspiel mit E-Drums ist diese Einstellmöglichkeit für ein natürliches Spielgefühl sehr wichtig. Um bessere Kontrolle über die Transienten zu haben, wurde jedem Instrumenten-Editor noch eine ADSR-Hüllkurve mitgegeben, die sowohl über lineare, als auch exponentielle Kurven verfügt.

Der Vorteil der benutzten Artikulationsmethode: Man kann einfach eine zweite Snare, Hi-Hat oder Bass-Drum zum Set hinzufügen und die Artikulationen stimmen überein. Der Nachteil ist die Inkompatibilität mit vielen anderen Librarys. Zu diesem Zwecke hat Steven Slate Drums 5 aber das Kit Mapping entwickelt, hier werden erstens die Mappings vorgenommen und zweitens kann der Input Converter nicht nur MIDI-Noten, sondern auch MIDI-CC konvertieren. Für einige E-Drums, z. B. Roland TD-30 gibt es bereits ladbare Mappings.

Steven Slate Drums 5 - Input Converter

Steven Slate Drums 5 – Input Converter

Die Library der Slate Drums 5

Die neue Steven Slate Drums 5 Deluxe 2 Library hat einen starken Fokus auf Rock Kits – insgesamt 14 Stück gibt es davon. Dann gibt es noch fünf Vintage– und sechs Metal-Kits. Hier gibt es vor allem die ballerharten Kicks, die beinahe nur aus Attack-Sound bestehen. Man kann das Kit in einer fotorealistischen Ansicht bearbeiten. Über die Einstellungen kann man auf die pragmatischere Zellenansicht wechseln, wobei jedes der 32 Instrumente als kleine Ikone abgebildet ist – gerade für das Layern die bessere Wahl. Der Tatsache, dass Mr. Steven Slate eben selbst Drummer ist, ist es auch wohl geschuldet, dass die Voreinstellung für das Stereobild immer aus Drummer-Sicht heraus eingestellt ist, d. h. die Hi-Hat sitzt im Stereobild immer links.

Steven Slate Drums 5 - Kit Auswahl

Einfache Zusammenstellung

Das Zusammenstellen eines Kits ist dabei denkbar einfach: Library auswählen, Kategorie auswählen und dann das gewünschte Set. Hat man einmal ein Kit, so kann man genauso einfach einzelne Instrumente ersetzen oder hinzufügen. Das funktioniert auch während der Wiedergabe, wobei sich Steven Slate Drums 5 dabei nicht verschluckt. Auch ganze Kits können im Betrieb geladen werden. Dabei dauert es von einer HDD mit ca. 50 MB/s etwa 40 bis 100 Sekunden, bis ein Set vollständig geladen ist.

Slate Drums 5 – Groovy

Steht das Kit, kann das Programmieren losgehen. Da Artikulationen über verschiedene MIDI-Noten ausgelöst werden, aber auf dem gleichen Instrumentenkanal ausgespielt werden, sind die Steven Slate Drums 5 einfacher zu handhaben als andere Drum-Librarys. Benötigt man schnell einen Backing-Track, bedient man sich an den ordentlich eingespielten Grooves. Von Jazz über Pop, R&B und Soul bis hin zu Rock findet man in der Library hunderte Grooves, die immer in Intro, Verse, Chorus, Bridge etc. eingeteilt sind – praktisch. So kommt man schnell zu einem Song-Gerüst, wenn es denn eilt. Die Grooves werde einfach aus der Library in die DAW gezogen, wo sie sich dem aktuellen Tempo anpassen.

Steven Slate Drums 5 - Groove Library

Auf die Schnelle Grooves

Wie klingt Steven Slate Drums 5?

Alles, was ich so gehört habe, klingt amtlich und vor allem passen die Namen der Kits gut zum Gehörten. Das Vintage Kit Loose Vintage klingt dann eben auch fluffig und old school. Während das Metal Kit Aggressive voll auf die Zwölf gibt und schon gut mit EQ und Kompressor bearbeitet wurde, damit es schneller im Mix sitzt. Wenn überhaupt, gibt es einen Kritikpunkt für zu viel EQ und Kompressor. Auf der Website steht sinngemäß, es wurde nur ein Hauch von EQ und Kompressor eingesetzt – ich finde es bei vielen Sets von Steven Slate Drums 5 beinahe zu viel. So hat man etwas mehr Probleme, den Klang den eigenen Bedürfnissen anzupassen – zumal es ja keinen Onboard-EQ gibt.

Fazit

Für 144,- Euro bekommt man mit den Steven Slate Drums 5 ein sattes Paket Drums, das vor allem durch seine einfache Bedienung und dem Studio-Sound out-of-the-box punktet.

Das Nachsehen hat man hingegen bei der Optik, die doch arg angestaubt wirkt, und beim fehlenden On-Board-EQ/Kompressor. Da man aber alles leicht auf andere Spuren in der DAW leiten kann, sehe ich hier kein allzu großes Problem. Auch bietet der Input-Konverter eine Möglichkeit, auf andere Groove-Librarys zurückgreifen zu können, ohne dass man die eigentlichen MIDI-Daten bearbeiten muss.

Das Einzige, was ich noch vermisst habe, ist eine globale Einstellung, die bestimmt, ob man das Drum-Set vom Drummer oder vom Zuschauer aus hört. Ansonsten eine sehr gute Drum-Library.

Plus

  • unkomplizierte Handhabung
  • einfaches Layern von Drums
  • Input-Konverter erlaubt die Nutzung anderer Drums-PlugIn-Grooves /E-Drum-Hardware
  • kein interner EQ oder Kompressor

Minus

  • Stereobild standardmäßig „vom Drummer aus“
  • altbackene Oberfläche ist etwas unübersichtlich
  • keine Gruppierung von Fadern (nur über externes Routing)
  • interne AUX-Wege können nicht benannt werden
  • Sounds deutlich vorverarbeitet mit EQ und Kompressor

Preis

  • Ladenpreis: 144,- Euro
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