Test: Pearl Mimic Pro, E-Drum Modul

7. Juni 2019

E-Drum Modul der obersten Klasse

pearl mimic pro

Neben der Vielzahl an E-Drum Komplett-Sets und Multi-Pad-Controllern am Markt bietet der Herstellers PEARL nun interessanterweise ein Drum-Modul ohne jegliche Peripherie – sprich Pads – an. Das PEARL Mimic Pro E-Drum Modul bewegt sich zudem preislich oberhalb von Mittelklasse Komplett-Sets und dient ausschließlich als Steuerzentrale für ein E-Drum Setup. Somit stellt sich die Frage, was das Pearl Mimic Pro so alles an Bord hat und für wen es überhaupt gedacht ist.

Nachdem PEARL das E-Live Pro mittels der Tru-Trac Lösung (ein analoges Drumkit wird anstatt mit regulären Fellen mit den elektronischen Tru-Trac Pads zur Montage auf den herkömmlichen Kesseln und Becken-Pads ausgestattet), verzichtete man mit dem Mimic Pro nun völlig auf die „Vorgabe“ von Pads bzw. Triggern, sondern konzentrierte sich ausschließlich auf die Entwicklung des Herzstücks zur Steuerung eines Setups.

Dass die Entwickler sich dennoch umfassende Gedanken über die angeschlossene Peripherie gemacht haben, mag man zuerst einmal nicht vermuten. So gesehen wirkt das E-Live Pro im Nachhinein eher als „Entwicklungsschritt“ zwischen analogen und digitalen Drumsets und „limitiert“ quasi die Anwendbarkeit der digitalen Bestandteile auf die vorgegebenen analogen Trommeln und Becken. Da das Thema „Hybrid-Drumming“ in jüngster Zeit einen enormen Aufschwung erlebte und der Sound-Mix zwischen analogen und digitalen Klängen immer mehr „en vogue“ wird, stellt sich weiterhin die Frage, in wieweit PEARL auch diese Thematik in ihrem Modul aufgegriffen hat.

PEARL Mimic Pro – Homescreen

Das Mimic Pro kommt in einem schicken schwarzen Karton daher. Beim Öffnen frage ich mich: Und das soll alles sein? Neben dem schicken in elegantem Schwarz gehaltenen Modul von 32 x 16 cm Abmessungen aus Kunststoff und Metall, das allein schon durch seine stolze 2,5 kg Gewicht Eindruck macht, finde ich in der Verpackung nur noch das Netzteil und ein paar Marketing-Flyer.

Layout und Aufbau des PEARL Mimic Pro Soundmoduls

Offenbar ist man beim Hersteller gehörig stolz auf die Neuentwicklung denn die nach vorne geneigte Oberseite ziert neben einem rechteckigen mittig platzierten Bildschirm gleich zweimal den Schriftzug der Modellbezeichnung mit dem Hinweis „powered by Slate“. Steven Slate – bei Drum Sound Libaries ist dies sicherlich kein unbekannter Name. Der prominent gestaltete Begriff „PRO“ springt ebenso ins Auge – ein Bekenntnis, das es zu beweisen gilt. Das mittig platzierte Pearl-Logo gerät hier schon fast zur Nebensache. Glücklicherweise hat die Designabteilung beide Schriftzüge ganz weit nach rechts und links außen an die Ränder des Gehäuses angebracht, weshalb rund um den Monitor noch genügend Abstand herrscht, um das Auge beim Bedienen nicht abzulenken. Der ebenfalls ganz in Schwarz gehaltene Drehknopf neben dem Display wird nur durch einen schlichten weißen Kreis und dem Hinweis auf die Druckfunktion hervorgehoben. Ich muss zugeben, das sieht schon echt schick aus.

Dass die anderen Seiten der Kommandozentrale hingegen nicht auf optischen Eindruck, sondern auf Zweckmäßigkeit und Logik ausgelegt sind, ist gleich positiv anzumerken.

PEARL Mimic Pro – Rückansicht links

Die Rückseite wurde vollständig mit Anschlussbuchsen ausgestattet – hier bleibt kein Zentimeter ungenutzt. Von der linken Seite her geht es mit den Eingängen los – 16 (!) an der Zahl. Hier kann also eine stolze Zahl an Equipment angeschlossen werden: neben Kick-Drum und Snare finden sich die zwei Eingänge für eine Hi-Hat (davon einer für den Hi-Hat-Controller), zwei für das Ride (zur Unterstützung von Beckenmodellen mit drei Sounds), vier Toms, zwei Crashes sowie 5 (!) weitere durchnummerierte AUX-Buchsen, womit wir zwischenzeitlich schon in der Mitte des Moduls angekommen sind. Alle Eingänge sind als 6,3 mm Stereo-Klinkenbuchsen (symmetrisch) ausgelegt und ermöglichen Fell- und Rim-Sounds. Zudem unterstützen alle Becken-Inputs die Choke-Funktion.

PEARL Mimic Pro – Rückansicht rechts

Von der rechten Seite zur Mitte hin befinden sich die Buchse für das 12 Volt Netzteil (inklusive Sicherungsschlaufe für das Kabel), der Kopfhörerausgang, ein Stereo-AUX-Eingang sowie sechs Line Outs, die allesamt als 6,3 mm Stereo-Klinke ausgelegt sind. Line Out 1 und 2 sind mit Master Out L und R gekennzeichnet. Damit jedoch nicht genug! Es gibt acht weitere Line-Ausgänge, die zusammengefasst über eine DB25-Schnittstelle (besser bekannt als SCSI-Buchse) herausgeleitet werden. Neben MIDI In- und Out-Buchsen runden noch ein USB-Anschluss und eine RJ45-Buchse (sogenannte Netzwerk-Buchse) das Steckfeld ab.

PEARL Mimic Pro – Ansicht linke Seite

Die linke Seite des Moduls offeriert den Ein- und Ausschalter (sehr gut – endlich mal nicht fummelig auf der Rückseite zwischen eingesteckten Kabeln!), eine rote Boot-Taste (für Software-Updates) und einen SD-Kartenslot.

Die Unterseite bietet ein quadratisches Feld zur Montage der Modulhalterung mittels vier Schrauben. Eine Lösung, die mittlerweile bei vielen Multi-Drum-Pads zu finden ist. Zwar wird auf dem Mimic Pro nicht getrommelt, jedoch ist das Eigengewicht im Vergleich zu reinen Kunststoff-Modulen nicht zu unterschätzen und eine sichere Befestigung wichtig. Montiert werden kann die (leider extra zu erwerbende) Befestigungsplatte beispielsweise auf einer Rack-Klemme oder an einer Multiklammer eines separaten Stativs.

Die rechte Seite und die untere Frontseite sind ohne Buchsen oder Bedientasten ausgelegt. Somit kann das Modul beispielsweise bei der Verwendung an einem E-Drum-Kit linksseitig neben der Hi-Hat montiert und entsprechend nah an diese bzw. nah an den Nutzer platziert werden, ohne etwaige unbeabsichtigte Kontakte befürchten zu müssen.

Sollte das Mimic Pro hingegen im Studio als reines Soundmodul ohne Drum-Kit eingesetzt werden, kann es ebenso als Tischgerät dienen. Robuste Gummifüße sichern es vorm Wegrutschen.

Der Start mit dem PEARL Mimic Pro Sound Modul – los geht’s in 5 Schritten!

Nach dem Auspacken (1) folgt das Verkabeln mit den Pads (2) sowie das Verbinden mit dem Kopfhörerausgang (3), der seinen eigenen Mixer zur unabhängigen Justierung der Instrumenten-Lautstärke besitzt. Dann soll die Verbindung zu anderem Equipment hergestellt werden (z. B. Master Out oder Line Outs) und ggf. der AUX-Input mit einem Monitor-Mix, vorhandenen Backing-Tracks oder Play-Alongs ergänzt werden (4), bevor die Stromverbindung hergestellt und das Modul eingeschaltet wird (5).

Das Stromkabel zum 12 V Netzteil weist eine Verriegelungstaste auf, damit die Stromverbindung nicht unbeabsichtigt getrennt wird. Sehr lobenswert!

PEARL Mimic Pro – verkabelt und startklar!

Die Standard-Ansicht des Bildschirms bietet einen Überblick über alle wesentlichen Funktionen, die allesamt als einzelne Felder angezeigt werden: das ausgewählte Kit samt Bezeichnung, das eingestellte Tempo des Clicks (samt Taktart), eine ggf. angelegte Setlist, die Lautstärkenverhältnisse der Instrumente, des Clicks und der weiteren Eingangskanäle, der Play- und Loop-Funktionen, die Gesamtlautstärke und den Zugriff auf die Bereiche Einstellungen, Trigger, Recorder, Kit-Bearbeitung und dem Output-Mixer sowie dem Home-Button.

Bedienung des Mimic Pro

Beim Einschalten erscheint nach einem angenehm kurzen Aufleuchten des PEARL-Logos mit dem Zusatz „powered by Steven Slate“ sofort die Basis-Ansicht auf dem 7“ großen Touchscreen. Also kaum angeschaltet, schon betriebsbereit – super!

Die meisten Einstellungen sind entweder mittels Antippen der einzelnen Quader, durch doppeltes Antippen oder durch Ziehen umsetzbar. Recht gut gestaltet sich auch das beidhändige Bedienen: Mit rechts tippe ich auf den Touchscreen und mit links nutze ich das Drehrad samt Druckknopf-Funktion. Auch die farbliche Darstellung ist in sich logisch. So wird etwa die Lautstärkeneinstellung als blauer Balken hinter der Bezeichnung eines Instrumentes oder einer Instrumentengruppe angezeigt – natürlich analog zu seiner Lautstärke. Weitere Beispiel: Alle Editiermöglichkeiten haben die Farbe Grün oder alle Instrumente eines Herstellers haben eine eigene Farbgebung.

Öffne ich einen Menüpunkt, so sind alle Unterpunkte als Registerkarten verfügbar und ich kann diesen mit Antippen auswählen und mittels Drehrad die Werte einstellen. Eine Vorgehensweise, die ganz intuitiv und auch ohne Zeitverzögerung erfolgt.

Erste Einstellungen

Bevor es ans Spielen geht, ist es wichtig, die Trigger-Inputs zu definieren. Wie eingangs bereits angedeutet, haben sich die Entwickler hier wirklich Gedanken hinsichtlich praktikabler Vorgehensweise gemacht. Die Unterpunkte werden auf dem Standard-Screen eingeblendet und können somit direkt angetippt werden und werden nach Beendigung wieder ausgeblendet. Damit ist Schluss mit endlosem Durchklicken von Menüpunkten!

PEARL Mimic Pro – Auswahl Eingänge

Jedem Eingang kann direkt ein Pad-Preset aus einer Liste zugeordnet werden – auch wenn hier die Namen der gängigen Hersteller nicht ausgeschrieben werden, so sind die Typ- und Modellbezeichnungen doch schnell zu verstehen. Sind die angeschlossenen Pad-Typen in der Liste vorhanden, verspricht das Handbuch, dass keine weiteren Einstellungen notwendig sind.

PEARL Mimic Pro – Auswahl Pads

Hierbei gibt die Anleitung zu bedenken, dass Pads eines gleichen Modells je nach Alter und Abnutzung auch unterschiedliche Charakteristika aufweisen können und hier dann beispielsweise ein geringerer Ausgangspegel vorliegt. In diesem Falle kann ich im Menüpunkt zusätzlich Dynamik und Schwellenwert anpassen – etwa durch fünf „strong center hits“ für den Center-Piezo und ebenso für den Rimshot-Piezo. So können die Lautstärkenverhältnisse zueinander eingestellt werden. Auch das ergibt Sinn, es schlägt schließlich jeder Trommler die Pads anders an. Ich tippe mich hierzu von Input zu Input – dank der „Save & Next“-Funktion ist das vergleichbar mit einem Soundcheck: erst die Kick Drum, dann die Snare, dann die Hi-Hat und so weiter. Diese Features unterstreichen ganz eindeutig das Konzept, dass hier die Elektronik auf den Trommler angepasst wird und sich nicht der Trommler auf die Reaktivität der Elektronik einstellen muss. Prima!

Allein die Hi-Hat soll noch kalibriert werden – hierzu gibt es eine komfortable Anzeige der Schwellwerte zwischen „ganz geöffnet“, „geschlossen“ und „extra fest geschlossen“. Klingt fürs Erste zu kompliziert? Ist es aber nicht. Das Mimic Pro „liest“ die Bewegung des Hi-Hat Pedals aus und übersetzt es in Daten für die Ansteuerung. Und das klappte außerordentlich gut.

PEARL Mimic Pro – Auswahl des Instrumententyps

Erweiterte Einstellungen beim Nutzen von Pads

Ok, eins vorneweg – ich versuche mich kurz zu fassen, denn die weiteren Einstellungen sind recht umfangreich. Folgende Pad-bezogene Möglichkeiten stehen zur Auswahl:

Komfortabel sind die Einstellungen hinsichtlich Reaktionszeit, zur Vorbeugung von Fehl-Triggern bei normalen Drumheads sowie der Zeitverzögerung zwischen zwei Schlägen und der Eingangsempfindlichkeit pro Kanal. Ebenso kann der Schwellenwert beim Rimshot sowie der Abgleich zwischen Fell- und Rim-Ansprache definiert werden. Dazu ist es möglich, diese drei Zonen (Center, Rim und Rimshot) hinsichtlich der individuellen Lautstärke zueinander zu definieren. So kann ich etwa „schwach“ gespielte Rimshots durch Anheben der Lautstärke ausschließen. Des Weiteren kann ich die Dynamik mit Attack, Release, Response und der Velocity-Kurve beeinflussen.

Das Mimic Pro erlaubt bei der Kick-Drum und der Snare das sogenannte Sound-Layering. Das bedeutet, ich kann hier zwei Sounds übereinanderlegen und dies noch abhängig vom angeschlagenen Bereichs des Pads definieren.

Abgerundet werden die Einstellungen mit den Zuweisungen von MIDI-Kanal und MIDI-Note (hier auch wieder unterschiedlich zwischen Fell, Rand und Rimshot) und der sogenannten Trigger-Einstellungen bezogen auf das Übersprechen zwischen den einzelnen Pads. Na klar, wer kennt das nicht – an einem Stativ sind mehrere Trommeln oder Becken angebracht und wenn eines davon geschlagen wird, klingen die anderen eben gerne mal mit. Das Mimic Pro „lernt“ quasi durch das Anschlagen eines Pads, ob andere Pads ebenso ansprechen und schaltet das Übersprechen einfach aus. Eine hilfreiche Sache!

Generelle Einstellungen der Eingänge

Je nachdem welche Hardware ich an die Eingänge anschließe, kann ich im Menüpunkt „Inputs“ pro Kanal die Zuordnung vornehmen. So kann ich hier auch beispielsweise definieren, ob nun ein 1-Kabel Becken mit 2 Sounds oder ein 2-Kabel-Becken mit 3 Sounds angeschlossen ist und wie das Mimic Pro das Input-Signal verarbeitet werden soll. Habe ich etwa nur 1-Kabel Rides, dann kann ich die Eingänge Ride 1 und Ride 2 für zwei Becken mit zwei Sounds verwenden!

Die Zuordnungen der Instrumente zu den Eingängen sind sehr übersichtlich gestaltet. Auf zwei Ansichten verteilt werden zuerst einmal die Sound-Zuordnungen mit einer Abbildung und dem Soundnamen für den Grund-Sound dargestellt. Auf der zweiten Seitenansicht lassen sich etwa der Rim-Sound oder der Sidestick-Klang bei der Snare einstellen.

PEARL Mimic Pro – Masters Kit

Die Sounds des PEARL Mimic Pro Drum Moduls

Das PEARL Mimic Pro verfügt über 120 verschiedene Sounds und bietet Platz für weitere Sample-Packs. Jeder Sound ist „multi-mikrofoniert“ – das bedeutet, der Klang kann aus Close Up-, Overhead- und Raumklang zusammengestellt werden. In der Effektsektion stehen Kompressor, Equalizer und Reverb zur Verfügung – jeweils für jeden Kanal regelbar.

Im Mixer gibt es dann pro Sound noch das Modeling. Hier kann ich mit „Tune“ die Tonhöhe des Instruments verändern und mit „Range“ die Soundgestaltung hin zu einem „softeren“ Klang – ohne Dynamikverlust. Bei Cymbal-Sounds definiert die „Swell“-Funktion die Dynamik des anschwellenden Klanganteils – je nachdem ob man mehr oder weniger Klangvolumen bevorzugt. Natürlich gehören hier noch die Lautstärkeeinstellungen und die Panoramaverteilung hinzu.

Auch wenn andere Module mitunter wesentlich mehr Sounds mitbringen, legt PEARL hier klar den Fokus auf Qualität anstatt auf Quantität! So ist jeder Sound eindeutig mit Größe und Typ benannt und die Auswahl an Kicks, Snares, Toms, Splashes, Crashes, Hi-Hats, Chinas und der Cowbell klingen wirklich hervorragend. Natürlich sind wie zu erwarten die Vielzahl der Samples PEARL Drum Sounds – hier gibt es neben Brush-Sounds auch verschiedene Kessel wie Birke und Maple oder die Reference Serie. Ebenso finden sich unter den Bezeichnungen auch Abkürzungen wie Drw, Tma, Yha, Gth und Lwg und bei den Becken geben sich Zld, Sbn, Pst und Slt die Ehre. Leider gibt es bislang mit der Ausnahme der Cowbell keine Percussion-Sounds an Bord. Aber PEARL stellt bereits mit zukünftigen Updates zusätzliche Instrumente in Aussicht. Hier bin ich sehr gespannt, welche Sounds sich noch hinzugesellen.

Weitere Features

Praktisch sind die vorhandenen Play- und Loop-Funktionen, die auf dem Start-Bildschirm direkt anwählbar sind. Hier können etwa Backing-Tracks von einem USB-Flash-Drive abgespielt oder nach einem Import auf die interne SSD-Festplatte „abgefeuert“ werden. Möchte ich spontan zu einem Song auf meinem mobilen Player spielen – so schließe ich diesen an den AUX-Input an, pegele den Level ein und los geht die Sause! Alternativ kann ich mit dem Songplayer auch WAV-Dateien vom USB-Stick abspielen. Generell spielt der Player alles von mono bis stereo und von MP3 bis WAV bis zu 24 Bit / 44,1 kHz Samplerate ab.

Ich kann das auf dem Metronom eingestellte Tempo des Clicks samt Taktart sowie eine gegebenenfalls dazu angelegte Setlist sehen. Das macht beim Gig schon fast weitere Songnotizen überflüssig, denn ich kann den Songs auch die Kits zuordnen. Eine komfortable Sache, wenn ich nicht erst daran denken muss, die Led Zeppelin-Snare für den folgenden Jazz-Standard umzustellen!

Der Recorder erlaubt mir meine Drum-Performance aufzunehmen – einmal nur das E-Drum, dann das Mimic Pro plus die externe Klangquelle am AUX IN sowie auch nur den AUX IN alleine. Die Aufnahmen werden als Klangkurve angezeigt und diese ist auch zoombar. Speicherbar sind die Aufnahmen entweder intern oder auf einem USB-Flash Drive.

PEARL Mimic Pro – Ansicht Master Mix

Der Output-Mixer sei noch erwähnt, da dieser einen separaten Mix für die Master-Outputs erlaubt. Das bedeutet, alle für den Drummer sichtbaren „blauen“ Lautstärkeeinstellungen auf der Standard-Ansicht beziehen sich auf den eigenen Mix im Kopfhörer, der ohne Reverb erfolgt. Logisch und sinnvoll kann ich da nur sagen. Auch kann ich im Abschnitt „Monitors & Settings“ den Gesamtklang mittels EQ separat für den Kopfhörer und den Master einstellen – welch ein Luxus!

Abschließend drehen wir noch eine kurze Runde über die Systemeinstellungen. Hier kann das allgemeine Routing bearbeitet werden – oder anders gesagt: welches Instrument soll an welchen Ausgang gesendet wird – das ist natürlich für das Mehrkanal-Recording durchaus wichtig.

Es folgen Einstellungen zum File-Transfer (ich kann hier Importe und Exporte von Daten und Instrumenteneinstellungen vornehmen – so lassen sich die Einstellungen auch per USB sichern), den System- und Soundupdates, die Kontrast- und Helligkeitsregler für das User-Interface, die Anpassungen des Startbildschirms sowie die Zeitdauer des Screensavers oder dessen Deaktivierung. Manche Unterpunkte sind erst durch Bestätigung („push to unlock“) verfügbar – so kann aus Versehen nichts verstellt werden.

Play the Future?

Nach den Basiseinstellungen funktionierten die im Test verwendeten Pads tadellos. Bereits ohne weitere Einstellungen der Eingangskanäle ließ sich ein passables Drum-Ergebnis ohne Fehl-Trigger realisieren.

Beim feinen Justieren wurde tatsächlich klar, wie unterschiedlich sensibel die baugleichen Pads aus Altersgründen reagieren und sich im Output-Level unterscheiden. So konnten Fehl-Trigger und unterschiedliche Lautstärken bei den Tom-Pads minimiert werden.

Beim Wechsel der Sound-Kits dauert das Laden zwei bis drei Sekunden, bis alle Sounds des Kits zur Verfügung stehen. Wobei hier stets der Bass-Drum-Sound als letzter vollständig geladen war. Befinde ich mich im Edit-Kit, dann sehe ich anhand der einzelnen Felder, welche Sounds bereits geladen sind – denn sie erscheinen erst nach dem Ladevorgang als grafische Abbildung samt Bezeichnung. Beim Umschalten der Kits vom Home-Screen aus sehe ich dies allerdings nicht – an dieser Stelle eignet sich die kurze Anzeige der Aktivität des Ladevorgangs.

Bei den Sounds hat das PEARL Kit der Masters Serie sehr gut gefallen – vor allem die präsenten Tom-Sounds. Das Vintage-Kit bietet einen enormen Raumklang bei den Trommeln und ermöglicht Rocksounds früherer Zeiten. Das Drumming mit den Sticks wird vom Brush-Kit sehr gut umgesetzt – ebenso beim Jazz-Kit. Alle Sounds klingen sehr gut und erlauben eine lebendige Spielweise. Selbst kleinste Schläge auf die Rims der Toms werden reproduziert und nicht weggemutet. Es geht jedoch auch anders herum: So ist etwa das Mitschwingen des Snareteppichs im Mixer über das Regeln der Overhead-Klänge steuerbar.

Fazit

Das PEARL Mimic Pro stellt mit seiner exzellent klingenden Sample-Library an akustischen Drum-Sounds wirklich viele Sound-Module ins Abseits. Kein Wunder – so hat man sich für das Mimic Pro mit Steven Slate für ein fulminantes Tool für E-Drummer zusammengetan! Auch wenn die 120 „PRO“- Sounds noch vergleichsweise überschaubar und Percussion-Instrumente noch nahezu unbekannt sind, zeigen die vielen Editiermöglichkeiten der Mikrofonie-Einstellungen (wie der Name „Mimic“ auch klar machen soll), welchen Anspruch PEARL hier verfolgt.

Auch das Bedienkonzept mittels Touchscreen zeigt sich auf der Höhe der Zeit. Kein Schmalspur-Produkt, sondern Qualität! Man darf gespannt sein, welche Sounds bei den bereits angekündigten Updates hinzukommen. Nicht nur als Profi-Soundmodul fürs Studio, sondern auch für anspruchsvolle Drummer mit hochwertigen E-Drums ist das Mimic Pro eine Überlegung wert, denn „PRO“ steht hier auch für „Profi“-Niveau bei akustischen Drum-Sounds.

Den Hybrid-Ansatz sucht man vergebens, denn elektronische Sounds sind nicht enthalten. Immerhin bietet das Sound-Layering von Kick-Drum und Snare eine Option für den experimentiervollen Drummer. Das Zusammenspiel mit Komponenten anderer Hersteller hat sich in puncto zweilagigen Mesh-Head Drum-Pads und 2- bis 3-Zonen Becken dank der eingespeicherten Preset-Listen als ausgesprochen mühelos dargestellt.

Plus

  • exzellente akustische Drum-Sounds in 24 Bit Studioqualität aus SSD 4 und 5
  • vielfältige Editiermöglichkeiten ermöglichen individuelle Klangeinstellungen
  • durchdachtes Bedienkonzept mit Touchscreen
  • hohe Zahl an Ein- und Ausgängen
  • Presets für verschiedenste Pads/Trigger
  • optionale Erweiterungsmöglichkeiten via USB, Netzwerk und SD-Card Drive

Minus

  • hoher Preis
  • ausschließlich akustische Sounds
  • Halteplatte PEMM Mount muss extra erworben werden
  • detaillierte Bedienungsanleitung nur in Englisch verfügbar

Preis

  • Ladenpreis: 2.459,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Stephan Merk  RED 1

    Hallo und danke für den spannenden Test. Ja, die Soundqualität klingt zwar irgendwie beeindruckend, höre ich unter Anderem jedoch Beispiel 2, fällt mir zumindest auf, dass offenbar je Lautstärke nur ein Sample zur Verfügung steht. Für Wirbel hat man offenbar eigene Samples erstellt, das Modul scheint schon gut auszuwerten, was gespielt wird. Aber gerade bei den Cowbells und manchen Snares wirkt das irgendwie gemessen am Preis zu statisch. Mehr Samples, zwischen denen zufällig gewechselt wird, also etwas mehr KI, hätte dem Ganzen etwas organisches verliehen. Vielleicht hört man das aber auch nur eigenständig und würde im Mix gar nicht so auffallen.

    • Profilbild
      Christian Herrmann  RED

      >Vielleicht hört man das aber auch nur eigenständig und würde im Mix gar nicht so auffallen.
      Hallo Stephan,
      ja das denke ich auch. Lass‘ dich von den gleichen Lautstärken nicht in die Irre führen – ich habe die Beispiele versucht recht gleichmäßig einzutrommeln um soundmäßig zueinander einen guten Vergleich zu zeigen.
      Viele Grüße

  2. Profilbild
    vssmnn  

    Schade, bei einem uralten Clavia DDRUM 4 (welches immer noch im Einsatz ist und gerade live auch immer noch beeindruckend gut klingt) kann man die Sound umschalten ohne Zwangspause.
    Warum das Thema bei aktuellen Synthies und E-Drums im, Jahr 2019 immer noch ein technologisches Problem ist, welches nicht gelöst wird, ist mir ein Rätsel und sorgt für Unverständnis.

  3. Profilbild
    Numitron  AHU

    Endlich gibt es e drums die besser klingen.
    Das hat mich bisher vom Kauf abgehalten.
    Gewa hat auch ein ähnliches Modul.
    Bin gespannt, wann das in der 1000€ klasse kommt.

  4. Profilbild
    dAS hEIKO  

    Interessant, dass Pearl nach 30 Jahren wieder die Digitaldrum rausholt.
    Bei zweieinhalb Tausend Euro wird klar, dass man in der Liga der ehrwürdigen clavia-E-Drums spielen möchte. Bei dem Preis sollte dann allerdings nichts (außer dem Preis) im Minuskasten stehen. Außerdem finde ich das Tabletdesign mit Touchbedienung ohne Regler etwas antiquirt, um nicht zu sagen: soooo 80er.
    Aber sonst: Schön, dass es da wieder mal was professionellen gibt.

    • Profilbild
      Numitron  AHU

      Tabletdesign 80er mäßig?
      Bei tron gab es diese touchtische, aber sonst wird das eher rar gewesen sein damals.

      • Profilbild
        dAS hEIKO  

        Was ich meine ist beispielsweise die Oberfläche, wie sie ein Yamaha DX7 Salonfähig gemacht hat: Beinahe ohne Regler, Schalter, Fader. Und wenn ich halt beim Gig feststelle, dass die Claps zu laut sind, habe ich lieber einen Schieberegler, als die Möglichkeit, in einem Menü ohne Slider zu stecken. Geil aussehen und geil bedienen ist nicht das gleiche. Wer sich nach 20 Jahren mal ein Neues Auto oder nen neuen Fernseher oder ne neue Stereoanlage gönnt, weiß vermutlich wovon ich rede.

        Trivia: Die einzig (für mich) überzeugende Umsetzung von Dreh- und Schiebereglern auf einem Touchscreen habe ich beim Korg Trinity gefunden und seither niergends mehr gesehen (auch nicht auf Nicht-Instrumenten). Und das auch noch ohne Farbe (Ja. das funktioniert) …und selbst die würde ich einem Fader aus „Fleisch & Blut“ im Liveeinsatz nicht vorziehen.

        Kurz und gut: Als Zeitzeuge bin ich es noch gewohnt, in Testberichten negative Anmerkungen für eingeschränkte Bedienungsmöglichkeiten zu lesen.

  5. Profilbild
    Yannick

    „Nachdem PEARL das E-Live Pro mittels der Tru-Trac Lösung (ein analoges Drumkit wird anstatt mit regulären Fellen mit den elektronischen Tru-Trac Pads zur Montage auf den herkömmlichen Kesseln und Becken-Pads ausgestattet), verzichtete man mit dem Mimic Pro nun völlig auf die „Vorgabe“ von Pads bzw. Triggern, sondern konzentrierte sich ausschließlich auf die Entwicklung des Herzstücks zur Steuerung eines Setups.“
    Mit dem Satz stimmt was nicht ;)

    • Profilbild
      Christian Herrmann  RED

      Hallo Yannick, sorry – du hast recht, da ist etwas „verschluckt worden“.
      Hier die Korrektur:
      „Nachdem PEARL das E-Live Pro mittels der Tru-Trac Lösung (ein analoges Drumkit wird anstatt mit regulären Fellen mit den elektronischen Tru-Trac Pads zur Montage auf den herkömmlichen Kesseln und Becken-Pads ausgestattet) vorgestellt hat, verzichtete man mit dem Mimic Pro nun völlig auf die „Vorgabe“ von Pads bzw. Triggern, sondern konzentrierte sich ausschließlich auf die Entwicklung des Herzstücks zur Steuerung eines (vorhandenen) Setups an Pads und Becken.“
      Viele Grüße
      Christian

  6. Profilbild
    Frank_co

    Hallo Christian, ein schöner Bericht nur… Habe ich folgende Feststellung mit dem Mimic gemacht. Der erste Punkt ist ich finde kein Midi Thr. Auch nicht als Softwarelösung, der zweite ist das Gerät streut in anderen Geräten Störfrequenzen ein. Ich habe in meinem Rack ein Td50 und das habe ich auch hinbekommen, spiele im Studio beide Module. Zu Hause steht zusätzlich ein Td12 und das kann ich nur noch anschauen. Testet das mal. .-) und mit der Eingeschränkten Midi Funktion ist das Gerät auf der Bühne mit anderen Geräten fast nicht zu gebrauchen. Klar habe ich mit ESI Geräten und RME Geräten eine Lösung gefunden aber für den Aufbau auf einer Bühne furchtbar.

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