Test: Steinberg Groove Agent 5, Drum-Software

15. März 2019

Mit der Lizenz zum Grooven?

 Steinberg Groove Agent 5

Steinberg Groove Agent 5

Der Steinberg Groove Agent 5 läutet die neue Runde der virtuellen Drum-Workstation aus Hamburg ein. Über 30 neue Drumkits, Features wie Decompose und 20 neue MIDI-Styles kann sich der Update-Willige freuen. Klar werfen wir einen Blick auf den groovigen Agenten.

Groove Agent 5 - Decompose

Der erste Eindruck von Steinberg Groove Agent 5

Die stolzen 35 GB Content des Steinberg Groove Agent 5 können bequem heruntergeladen (32 GB als Download) oder über Datenträger auf den heimischen Studiorechner geschaufelt werden. Die Ansage, dass mehr als 37.000 Einzelsampels im Paket enthalten sind, wirkt schon einmal sehr beeindruckend – da scheint es was zu geben fürs Sauerverdiente.

Steinberg Groove Agent 5 - Download

So klingt der Steinberg Groove Agent 5

Klanglich bleibt der Steinberg Groove Agent 5 – wie auch schon die Vorgänger – der altbekannten Soundästhetik treu. Wer Halion kennt, weiß, was ich meine. Die Synth-Drum-Sounds klingen sehr nach sauberen Synth, wenig „Schmutz“ im Sound. Die „echten“ Drumkits (wie bspw. „The Kit“) klingen sehr sauber, fast schon steril.
Eventuell ist der Spagat, den die Steinberger hier machen wollen, doch etwas zu viel! Mit den meisten Sounds zielt man auf den „klassischen“ Drummachine-Markt ab, der – zumindest wenn es um Software geht – derzeit von Battery angeführt wird. Zum anderen wird mit „The Kit“ klar auf den Markt von EZ Drummer, DFH und BFD gezielt. Was „echte“ Drumkits angeht, haben die genannten Vertreter aber die Nase uneingeschränkt vorne.

Steinberg Groove Agent 5 - Der Mixer

Der interne Mixer hat es in sich!

Mir persönlich ist der Groove Agent etwas zu „clean“ und zu „over-produced“, was den mitgelieferten Content angeht.

Neu an Bord des Steinberg Groove Agent 5

Mit das wichtigste Feature in der fünften Inkarnation des Groove Agent ist The Kit. Ein akustisches Drumset, das extra in den Teldex Studios aufgenommen wurde. Mit (bis zu) fünf Round-Robins, 20 Velocity-Layern und knapp 50 Artikulationen bringt das Drumkit ordentlich was mit. Klanglich geht „The Kit“ voll in Ordnung, wenn es mir auch etwas zu „clean“ ist:

Neben „The Kit“ sind noch weitere neue Drumsets mit dabei. Elektronische Musik steht dabei im Fokus: EDM, Trap usw. Man hat extra entsprechende Künstler für die Produktion der Drumkits angeheuert:

Neue MIDI-Styles sollen Songwritern helfen, sofort loslegen zu können. Ich persönlich habe solche Styles eher selten genutzt, schaden tun diese aber keinesfalls, denn diese sind – durch die Bank – gut und professionell.

Steinberg Groove Agent 5 - Decompose

So werden Sounds zerlegt.

Mit Decompose kann der geneigte Sound-Tüftler einen Drumsound in den Geräuschanteil und den tonalen Bestandteil zerlegen. Gerade die Kollegen aus dem Game/Film-Sounddesign dürften so auf Groove Agent aufmerksam werden. Hier sind ein paar wenige Klangbeispiele. Erst das Original, dann tonal, dann Geräusch:

Wie das Soundbeispiel nahelegt, sind so völlig ungehörte Sounds möglich. So ist das leidige Thema von nicht 100%ig passenden Drumsounds schnell Geschichte. Denn auch das Mischungsverhältnis zwischen tonalem und geräuschartigem Klanganteil ist nun vollkommen flexibel.

Die neue Pitch-Modulation ist auch ein sehr zeitgemäßes Feature und erlaubt „lebendige“ Sounds, auch – und besonders – für elektronische Drums. Passend wurde dazu die Pitch-Hüllkurve überarbeitet.

Neu ist auch die Funktion „Live-Sampling“. So lassen sich direkt Samples aufnehmen und in Steinberg Groove Agent 5 integrieren. Ganz ehrlich: Braucht man das? Ich betreibe den Groove Agent doch innerhalb eines Sequencers und kann dort (deutlich bequemer) aufnehmen und per Drag’n’Drop in den Agenten exportieren.

Steinberg Groove Agent 5 - Initial

Es kann losgehen

Wie voll ist im Vergleich die Batterie?

Die Parallele zum Marktführer von Native Instruments aus Berlin drängt sich geradezu auf! Nicht nur die GUIs scheinen miteinander gut bekannt zu sein, auch das Konzept ist nicht so weit weg voneinander.
Vergleicht man die reinen Fakten, schneidet Steinberg Groove Agent 5 gut bis sehr gut ab: So ist der Listenpreis des Hamburgers etwas niedriger, der mitgelieferte Content deutlich umfangreicher, das Plugin technologisch weiter entwickelt, bietet mehr Optionen und löst manche Aufgabenstellungen etwas eleganter (bspw. Round-Robin). Gerade die Durchsuchbarkeit (zum Beispiel nach Stilen) ist deutlich besser als beim Berliner Pendant.
Auf der anderen Seite bietet Battery mehr Übersichtlichkeit, da nicht so viele Funktionen in das Interface integriert sind, dafür ist die Durchsuchbarkeit des Content bei den Steinbergern deutlich besser. Darüber hinaus scheinen mir die Sounds des Platzhirschen von Native Instruments etwas reifer und deutlich vielfältiger zu sein.
Beim Thema Import-Filter hat Battery die Nase sehr deutlich vorne!
Ich persönlich tendiere eher zu dem Produkt der Berliner von Native Instruments.

Steinberg Groove Agent 5 -

Gut gerüstet

Fazit

Mit dem Steinberg Groove Agent 5 haben die Software-Gurus aus Hamburg fraglos ein sehr gutes Produkt vorgelegt. Die Features sind durchdacht und ausgereift. Die Durchsuchbarkeit der Patches und Sounds ist ganz gut. Die Sounds selbst allerdings überzeugen mich maximal zu 90 %.
Decompose macht speziell dem Sounddesignern und Tüftlern Spaß – das ist recht innovativ, bitte mehr davon.

Was Melodie-Sequenzen und Bässe in einer Drum-Workstation zu suchen haben, leuchtet mir allerdings ganz und gar nicht ein. So tun die Hamburger nichts für Übersichtlichkeit des Groove Agents, schade. Und genau hier liegt der „Hase im Pfeffer“: Steinberg Groove Agent 5 ist kein sehr übersichtliches Plugin. Viel zu viele Features überfrachten die GUI. Da hilft auch die Option, einzelne Teile in ein separates Fenster zu legen, nur bedingt weiter.

Plus

  • VST3-, AU- und AAX-Version des Plugins verfügbar
  • Decompose-Funktion
  • 32 Einzelausgänge
  • The Kit
  • GUI skalierbar & HiDPI-Support
  • umfangreicher Content

Minus

  • die mitgelieferten Sounds sind nicht ganz auf Augenhöhe mit Mitbewerbern
  • teilweise (latent) unübersichtlich
  • teilweise etwas überladen

Preis

  • Ladenpreis: 175,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Mick  AHU

    Danke Florian!
    Das habe ich genauso schon einmal im Steinberg Forum angeprangert, statt endlich Cubase und die Dickschiffe wie Halion und GrooveAgent abzuspecken, wird immer mehr drauf gepackt und man verliert den Überblick, klickt sich von Reiter zu Reiter, und von Untermenü zu Untermenü.
    Mit Cubase 10 ist es etwas besser geworden, aber Halion und GrooveAgent werden Anfänger nicht in ihren Bann ziehen können!

    • Profilbild
      tsching

      @Mick, da hast Du sicherlich Recht, allerdings finde ich die Möglichkeiten für fortgeschrittene Anwender enorm. Ein Anfänger kann ja erstmal prima Presets laden und diese Nutzen. Wenn man aber sehr viel anpassen oder eigene Drumsets bzw. Pattern erstellen will, kommt man mit dem GA (auch schon dem SE) sehr viel weiter als bei den meisten Mitbewerbern.

    • Profilbild
      basemaker

      so ist es, habe gerade die 30 Tage Testversion installiert und bin nach längerem Editieren von den vielen zu kleinen Icons, Buttons, Menüs etc. (die ja anscheinend nicht skalierbar sind) kopf- augenmäßig sehr angestrengt, das bringt keinen Spaß.

      Edit: Ich wollte mich eigentlich auf Micks Text beziehen, hat irgendwie nicht geklappt

  2. Profilbild
    defrigge  

    Die größte Stärke des Groove Agent ist nicht die akustische Abteilung (obwohl das neue Kit sehr praxistauglich ist), sondern der Beat Agent. Und jeder, der sich mal die Mühe macht, sich da reinzuarbeiten, wird feststellen, dass der an Workflow in Cubase ALLES schlägt, was der der Markt sonst zu bieten hat. Ich hab mich jahrelang mit der grottenschlechten und unnütz überladenen Integration von Maschine in Cubase rumgeschlagen, hab versucht auf Arturia Spark und andere Plugins auszuweichen und war nie zufrieden. Der Beat Agent in Groove Agent 5 bietet einen mit Abstand(!) besseren Workflow in Cubase und verdient aus meiner Sicht ein glattes Sehr Gut, weil er schlicht ALLES praxisnah standalone oder in Cubase bietet, was vom Drum-Sample-Gebrauch über den idealen Midi-Workflow bis hin zum Wunschlos-glücklich-Routing gebraucht wird: alles, was man zum Groove-Machen von Electronica bis HipHop braucht, flüssig unter einem Dach, als hätte man die besten Elemente von Battery (in dem man keine Midi-Grooves vorhören kann!) und Maschine in einem schlanken Plugin vereint.
    Holgers Tutorial hat mir sehr geholfen, schnell den nötigen Überblick in einem bisher von mir völlig unterschätzten und beiseite gelassenen Groove Agent zu finden!
    Es wäre das Sahnehäubchen, wenn Yamaha dafür einen voll integrierten Controller anbietet und mehr aktuelle Erweiterungen kämen (Future Bass, Hip Hop-Varianten etc.)

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