Test: Wave Alchemy Evolution, Drum Software

21. Januar 2018

Neues Jahr, neue Beats

Neues Jahr, neue Beats

Wave Alchemy Evolution ist laut Herstellerangaben das bis dato ambitionierteste Produkt von Wave Alchemy. Zigtausend Stunden arbeiteten die Sound-Ingenieure an der neuartigen Drum Engine, die von Haus aus mit über 25.000 elektronischen und akustischen Drum-Samples aufwartet. Hervorzuheben ist die intuitive und schick designte Benutzeroberfläche, die Drum-Layering-Engine, der dynamische Browser, das umfangreiche Makro-System, die integrierten Effekte und der Pattern- und Modulations-Sequencer. All das verspricht einen einfachen Workflow.

Installation

Einfach ist die Installation: Nach dem Kauf stehen die gezippten Dateien zum Download bereit, müssen gemeinsam entpackt werden und da Wave Alchemy Evolution auf der Native Instruments Kontakt Engine basiert, muss die Library über Native Access registriert werden und kann dann einfach im Kontakt Player oder der Vollversion als Library hinzugefügt werden. Der Vorteil: Evolution ist damit auch NKS-kompatibel.

Wave Alchemy Evolution Mixer

Die intuitive Benutzeroberfläche des Mixers bietet schnellen Zugriff auf die wichtigsten Parameter

Der erste EinDRUCK

Die Samples klingen durch die Bank weg druckvoll, crisp und modern. Das Geheimnis ist, dass jede Voice – wie die einzelnen Instrumente bei Evolution genannt werden – aus drei Engines generiert werden: Drum, Transient und Layer. Jede Engine ist mit einem Klick anwählbar, wodurch sich die Klangparameter super schnell modifizieren lassen.

Wer sich einen Überblick über die Einsatzgebiete/Musikgenres machen möchte, ist beim Preset-Browser richtig. Die Presets sind nämlich nach den Genres Abstract & Experimental, Drum & Bass, Electronica, Garage, Hip Hop, House, Pop & Indie, Techno und Trap geordnet. Ein guter Startpunkt, aber natürlich kann man auch einfach auf dem leeren weißen Blatt Papier oder besser gesagt im leeren Sequencer starten. Dieser ist nämlich sehr übersichtlich gestaltet. Man sieht links eine Übersicht der einzelnen Sample-Spuren, von denen insgesamt 12 zur Verfügung stehen. Unter jedem Instrument befinden sich drei Buttons. Über den ersten (X) kann man die Spur bereinigen, über den zweiten (Würfel) randomisieren und über den dritten (+) Button öffnet sich die Zoom-Ansicht, um feingranulare Einstellungen vorzunehmen.

Wave Alchemy Evolution Sequencer

Mit dem übersichtlich gestalteten Sequencer lassen sich im Handumdrehen eigene Drumsequenzen erstellen.

Finetuning

Für jede Voice stehen in Wave Alchemy Evolution darüber hinaus unzählig viele Bearbeitungsmöglichkeiten zur Verfügung. In der Zoom-Ansicht lässt sich nämlich nicht nur das Pattern finetunen, sondern man hat viele Einstellungsmöglichkeiten, die den gesamten Groove beeinflussen. So lässt sich natürlich die Velocity modulieren, aber man kann auch über den Regler Slop die Taktgenauigkeit regeln. Aus einem akkurat, statisch computergesteuertem Pattern wird so im Handumdrehen ein natürlich gespielter Groove mit charmanten Ungenauigkeiten. Mit dem Regler Accent lässt sich die Velocity zwischen -6 dB und +6 dB randomisieren.

Noch mehr Modifikationsparameter gibt es in einem weiteren Untermenü, in dem man auch die Effekte, den Pitch, die Filter usw. modulieren kann. Insgesamt stehen übrigens 12 Patternspeicher zur Verfügung.

Wave Alchemy Evolution Sequencer Zoom

Dank der Zoom-Ansicht im Sequencer lassen sich auch feinste Nuancen einstellen.

Filter und Effekte

Für jede Voice-Spur kann man in der Mixer-Ansicht individuell den Equalizer, Compressor und das Shaper-Modul bedienen und nach Belieben einstellen. Es stehen verschiedene Filtertypen zur Verfügung, zwei Compressor-Typen (Solid und Feedback) und mit dem Shaper-Modul lassen sich Distortion- und Saturation-Effekte erzielen.

Waves Alchemy Evolution EFX

In der Effektsektion befinden sich die Parameter für Equalizer/Filter, den Compressor und das Shaper-Modul

Im Send-Menü stehen mit Delay, Reverb 1 und 2 insgesamt drei Send-Effekte zur Verfügung. Im Untermenü gibt es zahlreiche Auswahlmöglichkeiten, darunter Plates, Rooms, analog emulierte und digitale Effekte.

Wave Alchemy Evolution Sends

Mit Delay, Reverb 1 und 2 stehen drei Sends zur Verfügung

Makros satt

Dass sich die Soundtüftler von Wave Alchemy sehr viele Gedanken zur intuitiven Benutzeroberfläche gemacht haben, sieht man in jeder Oberfläche der drei Hauptmenüpunkte. Auch im Makro-Menü mit der Bezeichnung X+Y hat man nämlich Zugriff auf die wichtigsten Mixer-Parameter und sogar die Sequencer-Programmierung. Letztere wird durch die untere Leiste mit den Nummern dargstellt, über die man in simplifizierter Form die programmierte Sequenz abändern kann. Mithilfe des X+Y-Pads kann man stufenlos zwischen den drei Engines Drum, Transient und Layer wechseln, wodurch sich im Live-Betrieb oder durch Automation interessante, sehr lebendige Drumpatterns erstellen lassen. Die Intensität der Modulationen, Effekte und Klangparameter lassen sich auf der Makro-Page übrigens für jede der drei Engines separat einstellen, wodurch granulares Sounddesign möglich wird.

Waves Alchemy Evolution XY-Pad

Auch komplexe Makros lassen sich mithilfe des XY-Pads einfach steuern und automatisieren.

Mix it

Wave Alchemy Evolution eignet sich für den Live- und Studiobetrieb. Im Live-Modus kann man Patterns loopen, die Reihenfolge triggern und natürlich in Echtzeit an den Reglern schrauben. Für den Studiobetrieb ist es erfreulich, dass man über Kontakts-Multiple-Output die 12 individuellen Voice-Spuren an 12 einzelne DAW-Spuren routen kann, wodurch man jede Spur mit weiteren Plug-ins bearbeiten oder auch den finalen Mix in der DAW vornehmen kann. Sehr durchdacht ist zudem die Option, dass man auch alles als MIDI-Datei aus Evolution heraus exportieren kann. Das geht erfreulicherweise auch noch vorbildlich einfach. Man muss lediglich den MIDI Exp. Button aktivieren und kann dann per Drag ’n‘ Drop die gesamte MIDI-Sequenz einfach in die DAW ziehen.

Fazit

Chapeau! Wave Alchemy liefert mit Evolution eine rundum gelungene Drum Engine. Das Interface sieht nicht nur verdammt gut aus, sondern ist durch und durch für einen schnellen Workslow konzipiert. Die vielen Bearbeitungsmöglichkeiten und Onboard-Effekte sollten auch bei Soundtüftlern keine Wünsche offen lassen und bei den über 25.000 analogen und elektronischen Drum-Samples hört man die Liebe und den Anspruch für hohe Qualität. Eigene Samples lassen sich nicht importieren. Evolution versteht sich nicht als Sampler, sondern als eigenständiges Instrument. Aber das tut einer klaren Kaufempfehlung keinen Abbruch. Wer nach einer modernen Drum Engine sucht, die nicht die X-te Kopie der analogen Vorgänger ist, kann bei Evolution bedenkenlos zugreifen.

Plus

  • umfangreiche Sound-Libary (über 25.000 Samples)
  • schickes, intuitives User-Interface
  • durchdachte Bearbeitungsmöglichkeiten
  • schneller Workflow
  • hochwertige Sounds
  • für Live- und Studio-Einsatz konzipiert

Minus

  • eigene Samples können nicht importiert werden

Preis

  • Ladenpreis: 149,95 britische Pfund (ca. 170,- Euro)
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Mick  AHU

    Es ist mir immer noch unerklärlich, warum Native Instruments so etwas nicht für Battery herausbringt! Nicht jeder will eine Maschine auf seinem Schreibtisch!

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    laesic

    Hm, so ganz bin ich nicht überzeugt, aber vielleicht hab ich auch noch nicht alles entdeckt. Was nützt es mir mit dem internen Effect-sequencer Beats zu bauen bei dem ich zB. partiell Filter- und Delay-fahrten generiere, wenn ich diese später nicht mehr beim MIDI-Export der Sequenz im meiner DAW dabei hab, und dort erneut mit Automationskurven nachbauen müsste.

    Abhilfe könnte hier ein besserer interner Sequenzer bzw. Arranger schaffen in dem ich selbst festlegen kann wie oft und wie lang und wann die jeweiligen Pattern spielen sollen, aber auch das fehlt soweit ich das sehe (man kann nur Pattern 1 – 12 nacheinander, jeweils max. 2 Bars lang abspielen lassen)

    Für den Livebetrieb bei dem man munter zwischen den Pattern hin- und her klickt mag das ja ganz wunderbar funktionieren, für ein Song Arrangement allerdings scheint es mir nicht wirklich zu taugen, es sei denn man verzichten von Anfang an auf den internen Effect-Sequencer, mappt sich alle Parameter die man brauch und automatisiert alles eigenhändig in seiner DAW….wozu hab ich dann aber den Sequencer?

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      laesic

      ..ok, meine Meinung hat sich gebessert. Man hat die Möglichkeit in seiner DAW die Noten von F2 bis F3 in beliebiger Länge und Reihenfolge zu setzen, um damit die 12 Pattern zu triggern. Quasi ein Arranger von außerhalb. Ich weiß nicht ob das generell bei allen Drum-Step-Sequencern so ist, oder nur hier. Somit kann man es jetzt auch problemlos in sein Song-Arrangement integrieren.

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