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Test: Victory Amplifiers V45C The Count, Gitarrenverstärker

2. Mai 2017

Sieg auf ganzer Linie

— Victory Amplifiers V45C The Count —

Victory Amps ist eine noch recht junge englische Firma, deren Mastermind Martin Kidd mit seinem Team Gitarrenverstärker auf Röhrenbasis in Handarbeit herstellt. Die Firma ist von der Qualität und der Haltbarkeit ihrer Produkte wohl so überzeugt, dass sie jedem Verstärker fünf Jahre Garantie mit auf den Weg gibt. Was zunächst wieder nach einem unerschwinglich teuren Spaß aus der „Boutiqueamp Ecke“ klingt, entpuppt sich beim Betrachten des Preises doch eher fast schon als Schnäppchen. Rund 1500,- Euro für einen in Handarbeit hergestellten Röhrenverstärker – und dann auch noch so gut ausgestattet? Der Grund ist ein ganz einfacher: Victory Amps geben ihre Produkte direkt ab Werk ohne Zwischenhändler direkt an den Musikfachhandel ab, somit entfällt ein in aller Regel noch mal deftiger Aufschlag für den Distributor.

Aus dem stetig wachsenden Sortiment der Röhrentops und Combos des Herstellers haben wir uns für einen Test den Victory Amplifiers V45C The Count direkt von der Insel einfliegen lassen – und den werden wir nun genau mit Augen und vor allem Ohren begutachten.

Facts & Features

Der Victory Amplifiers V45C The Count ist ein zweikanaliger Röhrencombo mit einer Leistung von 40 Watt, die durch einen 12″ Celestion Lautsprecher abgegeben wird. Entsprechend der Röhrenschaltung mit ihren schweren Trafos erwartet den Besitzer ein Gewicht von immerhin 18 kg beim Transport des Verstärkers, was man dem nur 425 x 465 x 255 mm großen Gehäuse kaum zutrauen würde. Schutz für alle Ecken gegen Stöße bieten Kantenschoner, für das Abführen der entstehenden Warmluft wurden zwei Öffnungen mit Gittern unterhalb des Transportgriffs angebracht, der dem Gewicht des Verstärkers ganz locker gewachsen ist.

— Für die Abluft und den Transport ist ausreichend gesorgt —

Die Frontplatte mit dem eingebauten Celestion Vintage 30 Speaker wurde leicht angewinkelt in das Gehäuse eingesetzt, um dem Lautsprecher ein besseres Abstrahlverhalten zu ermöglichen. Somit kann auf Bierkisten und/oder andere wackelige Unterlagen zur besseren Ortung der Gitarre im Bandgefüge weitestgehend verzichtet werden. Zumindest dann, wenn man sich ein paar Meter weit weg vom Verstärker befindet. Und um jegliche Bedenken in puncto Power des kleinen Amps bereits im Keim zu ersticken: In Sachen Durchsetzungsfähigkeit dürfte dem Victory Amplifiers V45C The Count so schnell kein weiteres Instrument in die Quere kommen, das kann man hier ruhig schon mal vorab verraten!

Die Rückwand mit den Anschlüssen des V45C The Count

Bevor wir uns mit dem Bedienpanel auf der Oberseite des Gehäuses befassen, zunächst ein Blick auf die Rückseite des Verstärkers, an der sich eine Menge nützlicher Anschlüsse befinden. Allerdings könnte dem einen oder anderen beim Anschließen der Kabel die Geduld ausgehen, denn die Anschlüsse befinden sich nicht an, sondern UNTER der Rückseite. Der Grund dafür ist, dass der V45C The Count die gepimpte Comboversion des Röhrentopteils V30 The Countess Head des Herstellers ist und ein neues Layout speziell für eine Combovariante wohl zu kostenintensiv gewesen wäre.

Gut, kann man mit leben und sich dran gewöhnen, zumal man ja auch nicht ständig dort hinten beschäftigt ist und die Tretminen zudem ganz bequem durch den geöffneten Teil der Rückwand im Innern des Gehäuses abgelegt werden können. Mit Kabeln, dem Bier und was eben sonst noch so nötig ist. Ein Blick in das Innere des Gehäuses zeigt auch hier die sehr hochwertige Verarbeitung des Verstärkers, die Verstrebungen sind sauber und rückstandslos verleimt und auch der schwarze Tolexüberzug wurde bis in die letzten Winkel und Rundungen perfekt aufgeklebt. So, nun aber endlich zu den Anschlussmöglichkeiten, die der V45C The Count seinem neuen Besitzer bietet.

— Das rückseitige Anschlussfeld im Detail —

Da wäre zunächst der Anschluss für einen Fußschalter, mit dem sich die zwei Kanäle wechseln und der (digitale) Hall zuschalten lässt. Der befindet sich aber leider nicht im Lieferumfang, sodass man hier ein paar Euros dem Zubehörmarkt spendieren muss, sollte man den Verstärker außerhalb der eigenen vier Wände, sprich bei Proben oder Gigs, einsetzen wollen. Zum Umschalten der Kanäle kann man aber auch auf den Miniswitch am Bedienpanel zurückgreifen, dazu kommen wir später. Weiter geht es mit den zwei Buchsen des Einschleifwegs (RETURN/SEND), gefolgt von einem Metallschalter, der eine der beiden Endröhren deaktiviert (Single Ended Mode). Die Leistung der Endstufe ist bis hinunter auf läppische 1,4 Watt regelbar, was die Nerven der Nachbarn beim Üben mit dem Amp zu Hause nur schonen dürfte.

Der Rest vom Schützenfest

Drei Lautsprecherausgänge stehen zur Verfügung, wobei die mit 16 Ohm Widerstand gekennzeichnete Buchse bereits mit dem verbauten 12″ Celestion verbunden ist. Bleiben also noch zwei und an diese können Boxen mit einem Lastwiderstand von minimum 8 Ohm angeschlossen werden.

— Sorgt für die Kirmes: der eingebaute 12″ Celestion Vintage 30 Speaker —

Der V45C The Count bietet die Möglichkeit, zur Änderung der Klangcharakteristik die ab Werk verbauten 6L6-Röhren der Endstufe gegen Modelle des Typs EL34 zu tauschen. Sollte man von dieser Option Gebrauch machen, so trifft ein entsprechender Schalter hier die Vorauswahl für den eingesetzten Röhrentyp. Der Hersteller empfiehlt dringend, nach der Prozedur den Bias (Ruhestrom) der Glastrichter von einem Fachmann neu justieren zu lassen, andernfalls könnte es zu einem minderwertigen Sound und erhöhtem Verschleiß der Röhren kommen.

Ein wenig schade ist das schon und dürfte viele Benutzer vermutlich abschrecken, hier auf klangliche Entdeckungsreise zu gehen. Denn jedes Mal beim Wechsel den Amp zum Service zu bringen und auf ihn zu verzichten, kann auf Dauer schon nerven und den Geldbeutel strapazieren. Andere Anbieter sind da schon weiter und bieten eine automatische Anpassung des Ruhestroms der Röhren, ganz ohne Service und Wartezeiten.

Den Abschluss macht schließlich der Anschluss für das in praxisgerechter Länge mitgelieferte Netzkabel, der Zugang zur Hauptsicherung sowie ein Netzspannungsregler („Voltage Selector“), der ein Anpassen zwischen unseren heimischen 220 Volt und 100 Volt für alle anderen Fälle erlaubt. Ach so, nicht zu vergessen sei natürlich der Netzschalter, der wohl auf dem Bedienpanel anscheinend keinen Platz mehr gefunden hat. Das Panel schauen wir uns nun an.

— Immer dran denken! Dezenter Hinweis auf der Rückseite des V45C —

Das Bedienpanel des Victory Amplifiers V45C The Count

Ob das versenkt von oben im Gehäuse eingesetzte Bedienpanel nun auf die nach wie vor sehr beliebte Retro-Optik oder eher aus Gründen des Schutzes der verbauten Potis und Schalter zurückzuführen ist, sei mal dahingestellt. Vielleicht ist es ja ein wenig von beidem? Tatsache ist jedoch, dass sämtliche Bedienelemente denen eines Boutiqueamps vollkommen gerecht werden. Die Regler laufen wie in Butter auf ihren Achsen und die zwei Metallschalter rasten satt und sicher ein. Die beiden Kanäle teilen sich eine Dreiband-Klangregelung mit Bass, Middle und Treble, pro Kanal gibt es je dazu einen Gain- und einen Volumeregler.

Der Kleinere der beiden Metallschalter ermöglicht das Umschalten der beiden Kanäle, das geht also nicht nur mit dem Fuß. Der größere Schalter hingegen ist eine Kombination aus Standby- und Powerschalter, der die Endstufenleistung des  V45C The Count von nominell 42 Watt auf zahme 9 Watt drosselt. Zusammen mit dem Abschalten einer der Röhren, das mithilfe des Single-Ended-Schalters geschieht, kann so die Endstufe des Verstärkers gar auf flüsterleise 1,4 Watt heruntergeregelt werden. Die purpurfarbene Betriebsleuchte strahlt erfreulicherweise nur so hell wie nötig, von daher ist das Ablesen der Potis auch in dunkler Umgebung problemlos möglich.

Zwischenzeugnis

Einen Schönheitspreis wird der V45C The Count sicher nicht gewinnen, dafür aber ist alles an der richtigen Stelle und in ausgesprochen hoher Qualität vorhanden. Das fängt an mit dem stabilen Gehäuse, geht weiter über die robusten Potis und Schalter und führt hin bis zu der guten Ausstattung mit zwei Kanälen, einem Hall und dem Effektweg beispielsweise. Nicht zu vergessen sei natürlich die Option, durch ein Tauschen der Endröhren dem Klang des Verstärkers ein etwas anderes Gesicht zu verpassen, auch wenn diese Prozedur, wie im Text weiter oben beschrieben, nicht ganz so schnell vonstattengeht. Hören wir ab der nächsten Seite nun rein in den Sound des Victory Amplifiers V45C The Count.

Sound & Praxis mit dem Victory Amplifiers V45C The Count

Wenn es einen Preis für wahres Understatement gäbe – der V45C The Count wäre ein ganz heißer Anwärter für die Poleposition. Kaum zu glauben, was aus dieser unscheinbaren und eher bieder wirkenden „Hasenkiste“ nach Umlegen des Standby-Schalters für eine Vielfalt an Sounds ertönt! Beginnen wir die klangliche Exkursion mit dem Cleanchannel, dessen Ton aufgrund der enormen Gesamtlautstärke des Verstärkers bis zum Ohrenklingeln stets sauber und frei von Verzerrungen bleibt. Zumindest dann, wenn der Pegel des Gain-Potis nicht zu sehr angehoben wird. Zum Cleansound gesellt sich im folgenden Klangbeispiel der integrierte Hall, der für einen Gitarrenverstärker fast schon zu sauber klingt.

Für alle folgenden Klangbeispiele wurde eine H & K GL112 mit einem 12″ Celestion Vintage 30 Speaker verwendet, als Mikro diente ein AKG C3000.

Klangbeispiel 2 zeigt den V45C The Count im Crunch-Channel mit einem mittelstarken Overdrivesound. Der EQ befindet sich in 12-Uhr-Stellung.

Der gleiche Sound nun mit einzeln angespielten Licks, anstelle eines Riffs.

Kommen wir nun zur Highgain-Abteilung. Hier bietet der kleine Victory weit mehr, als man in aller Regel gebrauchen würde. Im folgenden Klangbeispiel wurde das Gain-Poti noch nicht einmal voll aufgeregelt (nur 3/4 seines Regelwegs), trotzdem ist die Zerrung barbarisch hoch – aber zugleich auch immer noch gut in der Dynamik kontrollierbar.

Und weil es so schön ist, auf dem V45C The Count Metal zu spielen, dann zum Schluss doch noch einmal ein Riff mit voller Verzerrung und etwas zurückgenommenen Mitten.

Alle Sounds besitzen zudem einen enormen Bassschub, der selbst beim Jammen unterhalb der Zimmerlautstärke immer deutlich wahrnehmbar ist.

Fazit

Boutiqueamp-Sound zum fairen Preis – so kurz und knapp könnte das Fazit über den Victory Amplifiers V45C The Count ausfallen. Neben dem vielseitigen Klang zwischen Funk, Rock, Blues und Metal überzeugen die hochwertige Verarbeitung genau so wie die reichhaltige Ausstattung an Anschlüssen. Allenfalls einen Fußschalter für die Kanalumschaltung dürfte man sich wünschen, dann könnte man mit dem V45C The Count direkt die nächstbeste Bühne entern und mit ihm zusammen dem Publikum ein ordentliches Pfund liefern. Ein klasse Amp mit viel Potenzial, daher unbedingt antesten!

Plus

  • sehr flexibler Klang
  • hohe Lautstärke/Schalldruck
  • kompakt
  • gute Ausstattung
  • rauscharm
  • sehr gute Verarbeitung

Minus

  • -

Preis

  • Ladenpreis: 1529,- Euro
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