Test: Vienna Symphonic Library, Special Edition 3 und 4, String-Library

18. Juli 2012

Streicher-Auswahl in höchster Perfektion

Vienna – dem geneigten Musikproduzenten und Filmmusiker nicht nur als Hauptstadt unseres Nachbarlandes Österreich bekannt, bringt als Hersteller von hochwertigen Orchester Samples ein paar neue Editionen auf den Markt. Richtig heißt der Hersteller natürlich Vienna Symphonic Library und ist seit vielen Jahren bekannt für seine sehr guten Aufnahmen verschiedenster Orchester-Instrumente oder dazu verwandten Produkten wie beispielsweise Vienna MIR oder Ensemble Pro. Die Special Editions sind seit langem schon auf dem Markt, und ab sofort gibt es diesbezüglich ein paar neue Produkte. Grund genug, sich die Sounds einmal genauer anzuschauen.

Infos

Die Produkte der Vienna Symphonic Library sind zunächst unterteilt in DVD-Instrumente (einzelne Instrumentenkategorien wie Strings, Woodwinds, Brass), Single Instruments (Flöten, Trompeten, Violinen) und eben die Special Editions, die eine bestimmte Auswahl von Instrumenten in sich vereinen. Die Special Editions wurden nun überarbeitet, und ab sofort gibt es neben den bereits erhältlichen Editionen 1 und 2 auch Edition 3 und 4. Allerdings wurden auch die ersten beiden Produkte überarbeitet. Ein genauerer Blick lohnt sich also auch hier, und neben den normalen Editionen gibt es ab sofort auch die Editionen plus. Klingt etwas verwirrend, aber ein Blick auf die Website des Herstellers oder des Vertriebs Bestservice bringt mit Sicherheit Licht ins Dunkel.

Installation

Die Inbetriebnahme der Special Editions ist relativ einfach. Nachdem man das Produkt mit zugehöriger Seriennummer registriert und den ganzen Library Content von der VSL Website heruntergeladen hat, erhält man einen Aktivierungscode per E-Mail. Zur endgültigen Aktivierung benötigt man die aktuelle (kostenfreie) Version des eLicenser Programms und zur Speicherung der Lizenz einen USB-Stick von VSL oder Steinberg (extra erhältlich für rund 20-25 Euro). Nachdem das geschafft ist, geht die Installation los, und die Library findet sich startbereit in der eigenen Host Software.

Wer möchte, kann sich die Special Edition auch zuschicken lassen. Diese kommt dann in Form eines USB-Sticks ins Haus. Mir persönlich war die Download-Option lieber, da man sich dadurch einen USB-Port mehr am Computer offen hält.

Beide Librarys arbeiten mit Hilfe des Vienna Instrument Player, mit Hilfe dessen man verschiedene Artikulationen laden, Performances & Martrix‘ erstellen kann und alle Einstellungen hinsichtlich des realen Spiels vornimmt. Für genauere Infos dazu empfehle ich den Artikel von Selcuk Torun, der sich im Rahmen des Dimension Brass Tests damit befasst hat.

http://www.amazona.de/index.php?page=26&file=2&article_id=3283

Vienna Instrument Pro Interface

Vienna Instrument Pro Interface

Vorab erwähnen möchte ich, dass die beiden Editionen hinsichtlich der Performance zwar dem Computer einiges abverlangen, aber sich das Ganze noch im Rahmen verhält. Offizielle Anforderung seitens VSL ist ein Windows 7 PC (32/64-bit) oder Mac ab OS X 10.6 (beide Intel Core 2 Duo) mit empfohlenen 4 GB RAM (2 GB mindestens). Ich denke, dass die meisten Anwender mittlerweile stärkere Systeme ihr Eigen nennen und die Performance somit keine schlaflosen Nächte bereitet.

Special Edition 3

Die Special Edition 3 hat den Schwerpunkt auf den Appassionata Strings, jenen Streichern, die laut VSL den typischen Hollywood-Sound reproduzieren können und dementsprechend groß und majestätisch klingen. Bestandteil der Edition sind die vier Streichersektionen mit 20 Violinen, 14 Violen, 12 Celli und 10 Kontrabässen. Insgesamt also ein 56-köpfiges Orchester und damit auch die größte Streichergruppe der gesamten VSL. Neben den standard Artikulationen normal und muted enthält die Library auch die folgenden Artikulationen:

Artikulationen - Special Edition 3

Artikulationen – Special Edition 3

Natürlich erhält man mit der Special Edition 3 auch die von VSL bekannten Legato Performances, die eigens aufgenommenen Intervallsprünge mit bis zu einer Oktave Abstand in Echtzeit abrufen und wiedergeben.

Zusätzlich zu den Appassionata Strings enthält die Library die „con sordino“ Chamber- und Solo-Strings mit diversen Artikulationen. Die Chamber Strings sind wie der Name schon sagt eine kleine Kammersektion mit 6 Violinen, 4 Violen, 3 Celli und 2 Bässen. Schade aber eigentlich, dass hier nur die „con sordino“-Samples zur Verfügung stehen. Gleiches gilt für die Solo Strings. Aber wie eingangs erwähnt, spiegeln die Special Editions immer nur eine Auswahl bestimmter Instrumente wider. Wer gezielt ein paar Streicher oder andere Sektionen sucht, wird sicherlich bei den DVD Instruments fündig.

Zu guter letzt gibt es in Edition 3 noch eine Harfe. Diese unterscheidet sich von der Harfe der Special Edition 1 und ist somit auch für Inhaber der ersten Edition eine klangliche Bereicherung.

Ein paar der Strings Patches

Ein paar der Strings Patches

Klang

Der Klang der Appassionata Strings ist tatsächlich sehr groß und Hollywood-like. Wer vor allem epische Tracks komponiert, der wird an diesen Streichern seine Freude haben. Besonders angetan haben mir es aber auch die tiefen Staccatos, mit denen man in Windeseile schnelle Action und Thriller Cues einspielen kann. Da merkt man, dass die Library viel Power hat und genau für solche Sachen zugeschnitten ist. Etwas weniger gut bedienen kann die Library die kleineren und feineren Kompositionen. Ist aber irgendwie auch logisch, denn die Chamber und Solo Strings sind bei ja bei weitem nicht so gut bestückt wie die Appassionata Strings. Zwar gelingen auch die kleineren Sachen recht gut mit der Special Edition 3, aber klarer Fokus und weitaus mehr Potential haben die Appassionata Strings.

Special Edition 4

Entgegen der zuvor beschriebenen Edition liegt der Schwerpunkt des vierten Bundles auf den Instrumenten-Kategorien Holzbläser, Blechbläser und Chor. Für die beiden zuerst genannten Sektionen stehen 15 Instrumente zur Verfügung, die allesamt nicht in Edition 1 und 2 enthalten sind. Auch hier also eine klangliche Bereicherung für die Inhaber der ersten beiden Editionen. Schaut man sich die Instrumente genau an, muss allerdings jeder selbst entscheiden, welche Instrumente ihm wichtiger sind. VSL hat Edition 1, 2 und 4 nämlich genau so aufgebaut, dass in jeder Edition ein bisschen was von allem drinsteckt. In Edition 4 findet man beispielsweise die Bassflöte, -klarinette und -saxophon. In den Editionen 1 und  2 dann entsprechend die höher klingenden Pendants, sprich Flöte, Klarinette, Sopran-, Alt- und Tenor-Saxophon. Folgendes Bild gibt leider nicht ganz genau die einzelnen Instrumente an, allerdings gibt es weiter unten im Bereich Verweise einen Link zur PDF-Übersicht, welche Gruppen mit welchen Artikulationen in welcher Edition enthalten sind.

Artikulationen - Special Edition 4

Artikulationen – Special Edition 4

Neben den Holz- und Blechbläsern enthält die Special Edition 4 auch Teile des Vienna Chors. Sehr schön für all diejenigen, die eben nicht nur mit rein instrumentalen Kompositionen arbeiten, sondern teilweise auch einen Chor mit ins Spiel bringen. Grade wieder für die epischen Sachen sehr gut einzusetzen.

Performance Controls

Performance Controls

Klang

Insgesamt ist der Klang auch in Edition 4 einfach exzellent. Allen Samples gemein ist auf alle Fälle, dass sie sehr hochwertig und edel klingen. Hinsichtlich der Qualität gibt es hier absolut nichts zu mäkeln. Wo die Appassionata Strings sehr groß und majestätisch klingen, da setzen auch einzelne Samples der vierten Edition an. Beispielsweise der sechsköpfige Fanfaren Trompetensatz kann da super mit kombiniert werden. Ansonsten fokussiert sich diese Edition eher auf die nicht ganz alltäglichen Instrumente wie Bassflöte, Heckelphon, Kontrabass-Klarinette oder aber Euphonium und Cimbasso. Das ist natürlich schon sehr speziell, und die wenigsten Komponisten werden diese Sounds jeden Tag benötigen. Dennoch gibt es auch hier wie gesagt nichts zu mäkeln. Edition 4 ist sicherlich etwas spezieller in ihren Instrumenten, aber dennoch immer gut, wenn man auch mal etwas anderes ausprobieren möchte. Highlights für mich sind hier die Fanfaren-Trompeten und mit Einschränken auch der Chor. Der Vienna Chor klingt insgesamt sehr gut, aber in Edition 4 sind leider nur die AA Samples enthalten. Obwohl man mit dem Chor recht gut auch leise, stimmungsvolle Tracks erarbeiten kann, ist man auf Grund der Limitierung auf die Silbe AA einfach eingeschränkt. Es gibt zwar die herkömmlichsten Artikulationen dafür, aber welcher Chor singt schon den ganzen Tag nur AA. Aber auch dies führt mich dazu, dass Edition 4 eher etwas für Spezialisten ist und ganz bestimmt nichts für den blutigen Anfänger.

Insgesamt kann man festhalten, dass beide Editionen qualitativ astrein sind, und VSL beweist auch mit den beiden neuen Paketen, dass sie immer noch führend sind in der Aufnahme und Produktion hochwertiger Orchestersamples. Letztendlich entscheidet der eigene Geschmack und das Einsatzgebiet, ob man sich für die VSl Produkte begeistern kann oder nicht. Sicherlich klingen die Symphobia, East West oder LASS Strings größer und können den typischen Hollywood-Sound noch besser reproduzieren als es die Appassionata Strings können. Aber wer gezielt auch einmal kleinere Ensembles benötigt und beispielsweise Sätze für Kammerorchester schreibt oder aber nicht so alltägliche Instrumente sucht, der wird bei einer (oder allen) Special Editions fündig werden.

DVD Audio Workshop – Orchestral Production

Zusätzlich zu den Special Editions hatte ich noch die Gelegenheit, mir die neue DVD „Orchestral Production“ von audio-fabrik.de genauer anzuschauen. Die Firma Audio Fabrik die neben ihrer DVD Reihe auch Workshops mit namhaften Dozenten anbietet, widmet sich in dieser DVD der Produktion eines orchestralen Stückes. In insgesamt 25 Quicktime-Videos stellen Achim Brochhausen und Holger Steinbrink die typische Arbeit eines orchestralen Komponisten vor. Die Videos sind dabei nach Vorgehensweise unterteilt und umfassen insgesamt eine Spielzeit von über 11 Stunden (ja, ich habe alles gesehen). Wer einen Einstieg in die Materie finden will oder aber auch einige Tipps vom Profi übernehmen möchte, sollte sich die DVD unbedingt anschauen. Hier wird vom Erstellen der ersten Templates bis hin zu den verschiedenen Librarys und dem eigentlichen Komponieren und Arrangieren alles abgedeckt. Schön ist, dass im Datenteil der DVD alle Einzelspuren der Produktion separat als MP3 vorliegen. So kann man sich entweder die komplette Produktion anhören und analysieren oder auf die einzelnen Teile zurückgreifen. Passend dazu liegt auch der finale Score im Datenteil der DVD. Erhältlich ist die DVD u.a. direkt über den Online Shop der Audio Fabrik oder über Bestservice.

Fazit

Mit den Special Editionen 3 und 4 hat die Vienna Symphonic Library ab sofort zwei neue Auswahl-Pakete im Programm, die vor allem mit hochwertigen Aufnahmen und Samples überzeugen können. Zu kritisieren gibt es im Prinzip nichts, allerdings sollte man sich bewusst sein, dass man mit jeder Edition „nur“ eine Auswahl bestimmter Instrumente erhält. Wer von Null startet, braucht entweder alle vier Editionen oder sollte sich nach günstigeren Einsteiger-Paketen umschauen. Wer schon einiges im Rechner hat, der kann seine Klangpalette mit den Special Editions gezielt erweitern. Die Qualität ist dabei sehr gut und in keinster Weise zu beanstanden. Daher ein klares Gesamturteil: Sehr gut!

Plus

  • sehr hochwertige Orchester-Sounds
  • einfache Handhabung durch Vienna Instruments Player
  • gute Performance-Werte
  • schnelle Hilfe und super Support über VSL oder Bestservice

Minus

  • Keine Kritik, nur vor dem Kauf genau klar machen, welche Instrumente man wirklich benötigt

Preis

  • Special Edition Vol. 3: 369,- Euro / 354,- Euro
  • Special Edition Vol. 4: 282,- Euro/ 267,- Euro
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