Schnelle Orchester-Arrangements und karge Streicher
Vor knapp zwei Jahren haben wir die Orchester-Library The Orchestra von Sonuscore/Best Service erstmals getestet. Das Fazit zur Library war schnell gefasst: Dank der intelligenten Features erstellt man mit The Orchestra schnell und intuitiv sehr gut klingende Orchester-Arrangements. Vor allem Einsteiger und Nutzer, die nur selten orchestrale Arrangements erstellen, finden hier zum guten Preis ein sehr gutes und einfach zu bedienendes Produkt. Nun hat Sonuscore nachgelegt und weitere Features implementiert.
Gleichzeitig hat Sonuscore eine weitere Library namens Strings of Winter vorgestellt. Diese ist einzeln erhältlich, kann mit einem Preisvorteil aber auch unter dem Produktnamen „The Orchestra Complete“ in Kombination mit „The Orchestra“ erworben werden. Wie die Strings of Winter klingen und welche neuen Features The Orchestra Complete bietet, haben wir für euch getestet.
Installation von Sonuscore The Orchestra Complete
Da The Orchestra Complete und Strings of Winter beide den Kontakt Player 6 von Native Instruments benötigen, erfolgt die Installation über Native Access. In unserem Fall haben wir die beiden Librarys über den Software- und Sample-Spezialisten Best Service erhalten. Im Kundenkonto findet man die beiden Librarys und über den Button „Neue Download Links generieren“ werden dem Nutzer nach wenigen Sekunden die entsprechenden Download-Links angezeigt. Diese sind 120 Stunden gültig. Verpasst man den Slot, lassen sich im Handumdrehen neue Links generieren. Im Falle von The Orchestra Complete sind es insgesamt zehn Links, bei Strings of Winter sieben. Alle einzeln anklicken und die Dateien werden auf den eigenen Rechner heruntergeladen. Ein Download-Manager wird von Best Service in diesem Fall nicht angeboten.
Das muss meiner Meinung nach auch nicht sein, denn ist man Nutzer unterschiedlicher Soundlibrary-Anbieter, muss man sich mittlerweile für jeden Anbieter einen eigenen Manager herunterladen, das geht – siehe Best Service – auch anders und trotzdem einfach. Über Vor- und Nachteile kann man sicherlich streiten, Fakt ist, der Download der beiden Librarys gestaltete sich einfach und unkompliziert.
Nachdem man alle Dateien heruntergeladen hat, muss man die Seriennummern in Native Access registrieren. Danach findet man beide im Kontakt Player und kann loslegen.
The Orchestra Complete V1 und Strings of Winter
Am Konzept der Library hat sich nichts geändert, The Orchestra Complete bietet den Sound eines 80-köpfigen Orchesters. Sonuscore hat dieses in Budapest aufgenommen, eine der aktuellen Aufnahme-Hochburgen von europäischen und US-amerikanischen Filmmusiken sowie hochwertigen TV-Trailer-Alben.
Streicher, Blechbläser, Holzbläser, Schlagzeug, gestimmte Schlaginstrumente und Harfe sowie ein Chor umfasst die Library, die im Vergleich zur Vorgängerversion nun 60 neue Artikulationen, Ensemble-Presets und sogar ethnische Klänge aus der Mongolei enthält. Angesprochen werden also Musiker, die im weiten Feld der Film-/Videospiel-Musik tätig sind oder sonstige Multimedia-Projekte zu vertonen haben.
Bis zu sechs Artikulationen pro Instrument bietet die Library, die zuvor genannten 60 neuen Artikulationen erstrecken sich auf die Sektionen der Streicher, was dazu führt, dass die Streicher bis zu 16 Artikulationen bieten. Die folgende Aufstellung gibt Aufschluss darüber, was Sonuscore neu aufgenommen hat und welche Sounds in welcher Library enthalten sind. Zusätzlich gibt es nun vier Instrumente (Crescendi, Falls, Hits, Rises) aus dem Bereich „String Ensemble FX“, also orchestrale Effekt-Sounds.
Einer der kleinen Kritikpunkte des ersten Tests von The Orchestra war, dass man trotz der breiten Aufstellung des Sound-Repertoires auf einige Artikulationen verzichten musste. Da hat Sonuscore nun glücklicherweise nachgelegt, so dass man nun auch Triller, Sul Ponticello, Harmonics und Col Legno Spielweisen zur Hand hat. Allerdings gibt es diese nur im großen Paket des The Orchestra Complete bzw. Strings of Winter. Wer nur die kleinere Version des virtuellen Orchesters sein Eigen nennt, muss darauf weiterhin verzichten.
Aufgezeichnet wurden alle Samples mit der originalen Sitzposition der einzelnen Musiker, sowohl im Raum als auch im Stereofeld sind die Samples also bereits im Panorama bzw. in der Tiefe verteilt.
Ein Highlight des Sonuscore Orchestra war und ist die Engine der Library, denn diese bietet, im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern, die Möglichkeit, auf eine einfache Art und Weise und vor allem ultraschnell gut klingende Passagen zu erstellen. The Orchestra Complete bietet hierfür drei Arpeggiatoren und zwei Envelopes. Hat man seine Sounds in den Player geladen und aktiviert die Arpeggiatoren, erwacht das Orchester sofort zum Leben. Im Hintergrund laufen verschiedene MIDI-Pattern, die Sonuscore vorab programmiert hat, die dafür sorgen, dass beispielsweise die Staccato-Streicher in einem 4/4-Takt und 16tel-Rhythmus losspielen. Wohlgemerkt drückt man hierfür nur eine bzw. einige wenige Tasten auf dem Keyboard.
Der Clou dabei ist: Es handelt sich hierbei nicht um nicht-editierbare Loops, sondern MIDI-Daten und diese können – und das ist neu in The Orchestra Complete – nun auch per Drag & Drop in die DAW exportiert werden. Danach kann man diese nach Herzenslust verändern. Soll es am Ende kein Fis als 8tel-Note, sondern ein h in Form einer Viertelnote sein? Genau das lässt sich jetzt ändern und hierdurch wird The Orchestra deutlich interessanter als zuvor.
So kann man sich schnell von den vorgefertigten Phrasen inspirieren lassen, diese aber trotzdem an das eigene Projekt bzw. Bedürfnisse anpassen. Ebenso ist es möglich, die MIDI-Daten für andere Instrumente zu nutzen. Ein Streicher-Ostinato soll von einem Mallet-Instrument eines anderen Anbieters gedoppelt werden? Auch das geht ab sofort. Im folgenden Video zeigt Sonuscore, wie der MIDI-Export funktioniert:
Das ist aber kein Muss, denn mit den Sounds von Sonuscore kann man auf Wunsch auch komplett bei Null starten und sich jede Sektion des Orchesters als Einzelinstrument auf eine DAW-Spur laden. Hier die Artikulationen der ersten Violinen im Überblick:
Mongolische Sounds und karge Strings of Winter
Als Zusatz bietet The Orchestra Complete Spielweisen eines mongolischen Instruments, der Morin Khuur. Hierbei handelt es sich um ein Instrument mit zwei Saiten aus Pferdehaar, diese werden mit einem Bogen gespielt. Bis nach Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei, ist Sonuscore gereist, um dort das Morin Khuur Staatsorchester, bestehend aus 15 Spielern, aufzuzeichnen.
Der Sonuscore-Nutzer darf dieses nun im Rahmen von fünf Artikulationen (Sustain, Sustain Vibrato, Staccato, Marcato, Flam Marcato) in seine Produktionen einfließen lassen. Was zunächst sehr nach Ethno-Musik klingt, lässt sich in Verbindung mit den Strings of Winter-Sounds sehr gut und passend einsetzen.
Klangtechnisch begibt man sich mit den Strings of Winter in weitreichende, karge Winterlandschaften. Die Streicher-Saiten knarzen, verschneite Landschaften, düster und karg lassen grüßen, das ist schon fast Sounddesign. So in etwa könnte man den klanglichen Fokus dieser separat erhältlichen Streicher-Sounds beschreiben. Die o. g. Features zur Erstellung von Phrasen mit Hilfe der Arpeggiatoren etc. bietet auch die Einzelversion Strings of Winter. Technisch sind beide Librarys identisch, nur der klangliche Fokus ist anders gesteckt.
In Kombination mit The Orchestra ergeben sich dann (auf Wunsch) wieder kraftvolle Trailer-artige Tracks. Die Mischung macht es hier, so dass Strings of Winter ein sehr passender Zusatz für The Orchestra ist. Der klangliche Rahmen wird hierdurch auf alle Fälle deutlich erweitert.
Zum Abschluss hier noch ein gutes Video zu einem der Demo-Songs von Strings of Winter:
Danke für den Test und die sehr guten Klangbeispiele! Da ich derzeit nach Orchestra Libraries Ausschau halte, kommt mir dieser Test sehr gelegen. Hier werde ich wohl zugreifen, da mir das Klangbild sehr zusagt!
Ich bin schlichtweg begeistert; denn so spontan konnte ich bisher kein virtuelles Orchester einsetzen. Der Kauf hat sich voll gelohnt. Ich hoffe, dass Sonuscore noch weitere Ergänzungen entwickelt.