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Dokumentation: Der Alltag eines Klaviertransporteurs

Unbesungene Helden: Die Klaviertransporteure

9. Mai 2024

 

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Viele der AMAZONA.de Leser und Leserinnen haben ihre ersten musikalischen Gehversuche an einem Klavier oder Flügel gemacht. Die Erlebnisse aus dem Klavierunterricht sind vielfältig und können zu den prägendsten Erlebnissen im Leben eines Heranwachsenden gehören. Dabei denkt man weniger darüber nach, dass Klaviere und Flügel unglaublich schwer sind. Es stellt sich kaum jemand die Frage, wie es diese Instrumente in die Konzertsäle, Musikschulen und heimische Wohnzimmer schaffen.

Interessanterweise hat sich dafür extra der Beruf des Klaviertransporteur entwickelt und dieser wurde in einer Dokumentation des SWR vorgestellt. In diesem Fall sind die Klaviertransporteuere Mitarbeiter eines Pianohauses, das mit Klavieren und Flügel handelt, sie wartet, stimmt und transportiert. Klaviertransporteuere sind bis heute sehr wichtig, weil viele Umzugsunternehmen den Transport eines solches Instruments ablehnen. Die Klaviertransporteure sind mit allen Hilfsmitteln, wie z. B. einem Gewichthebergurt ausgestattet, denn dieser Job geht auf die Knochen. Die Hauptperson erzählt, dass sie nach den ersten 2 Jahren einen schweren Bandscheibenvorfall erlitt.

Daraufhin hat er angeregt, dass die Mitarbeiter Hebe- und Haltungstraining absolvieren, wofür der Arbeitgeber einen Fitnessraum eingerichtet hat. Das zeigte Wirkung, denn schon seit 20 Jahren hat er keine gesundheitlichen Probleme mehr gehabt. Interessanterweise brauchen die Klaviertransporteuere nicht viel Muskelschmalz in den Armen, da das Gewicht hauptsächlich vom Rumpf gehalten wird.

Entscheidend ist es, in schwierigen Situationen die Kontrolle zu behalten und die Kraft überlegt und in Ruhe einzusetzen. Die Instrumente sind schwer und empfindlich. Ein großer Konzertflügel kann über 500 kg wiegen. Die Kombination aus teueren Instrumenten und der Erhalt des eigenen Körpers ist beim Transport entscheidend. Beides darf nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Dementsprechend wird der Umzug einer Musikschule von den Auftraggebern penibel beobachtet. In dieser Dokumentation fließt Schweiß und es ist überraschend, dass diese teueren Instrumente auch mal durch Baustellen manövriert werden müssen. Absurd ist es natürlich, dass die neue Musikschule mit einem Lastenaufzug ausgerüstet wurde, aber dieser zum Zeitpunkt der Anlieferungen noch nicht einsatzfähig war.

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Die Mitarbeiter werden übrigens mit einer Etagenprämie belohnt. Wünschenswert ist natürlich der Transport eines einfachen und leichten Klaviers über viele Stockwerke. Doch die meisten Stockwerke sind nicht für den Transport von Klavieren ausgelegt und bringen erhebliche Probleme mit sich.

Wenn man sich überlegt, wie viel handwerkliches Geschick notwendig ist, bis ein Flügel gebaut wurde, ist es verwunderlich, dass gleichzeitig keine entsprechenden Gerätschaften erfunden wurden, die den Transport diesen Hunderten von Kilo schweren Instrumente vereinfacht.

Habt ihr schon einmal ein Klavier oder Flügel transportiert? Wart ihr immer zufrieden mit eueren Klaviertransporteueren?

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Forum
  1. Profilbild
    Martin Andersson RED

    Hallo Sven
    danke für diesen Beitrag, das sieht nach einem spannenden Film aus. Klaviertransporteure sind meine persönlichen Helden.

    „Wenn man sich überlegt, wie viel handwerkliches Geschick notwendig ist, bis ein Flügel gebaut wurde, ist es verwunderlich, dass gleichzeitig keine entsprechenden Gerätschaften erfunden wurden, die den Transport diesen Hunderten von Kilo schweren Instrumente vereinfacht.“

    Das stimmt nicht so ganz: natürlich gibt es selbstfahrende Transportwagen (meistens mit Raupenantrieb) für Flügel, die auch Treppen steigen können. Einfach „Piano Transporter“ oder „Piano Lift“ googeln. Und wenn die Treppenhäuser zu eng sind, werden Flügel auch mit einem Kran durchs Fenster gehoben.

    • Profilbild
      Sven Rosswog RED

      @Martin Andersson Da hast natürlich recht, man sieht es ja im Film. Ich meinte eher sowas wie Antischwerkraftstrahlen 😉

    • Profilbild
      plumperquatsch

      @Martin Andersson Viele Treppen sind nicht dafür gedacht so große Kisten noch um die Ecke zu kriegen.
      Bett, Schrank, Couch, Klavier, kein Problem.
      Flügel ist total unförmig, die Beine ab machen findet wohl auch nicht jedes Instrument prickelnd …

      in dem video zeigen die aber auch ein häufen seltsames zeug,
      wer lagert seinen Flügel auf dem Dachboden, ohne beine, auf der Seite liegend??? würde mir im traum nicht einfallen.

      • Profilbild
        Jörg Schaaf

        @plumperquatsch Zum Transport werden Flügel immer hochkant gestellt. Der Flügel war in dem Film bereits dafür vorbereitet und auf den Schlitten montiert. Nicht nur Flügel machen in engen Treppenhäusern Probleme. Gewendelte oder halbgewendelte Treppen in Kombination mit niedrigen Deckenhöhen können sich auch für Upright Pianos zum wahren Albtraum entwickeln. Mehrere Male gingen wir beladen ein Stockwerk hinab und mussten umkehren, weil es nicht mehr vorwärts ging. Da muss zur Not schon mal ein Teil des Geländers temporär entfernt werden.
        Die perfekte Körperhaltung lässt sich in beengten Verhältnissen nicht immer beibehalten. Man hängt das Klavier so hoch in den Gurt, dass man seine Beine bewegen kann. Gerade im obersten Stockwerk ist der Raum nach oben oft so begrenzt, dass es oben anstoßen würde, wenn man aufrecht weitergehen würde. Das entwickelt sich dann schnell zu einer Situation, in der man seine gute Körperhaltung verlassen muss, um den Transport zu Ende zu bringen.
        Wir berechneten Klaviertransporte nach der Anzahl der Stockwerke und nicht nach der notwendigen Zeit. Mal ging es ganz einfach und zwischen Anfahrt und Abfahrt vergingen gerade mal 15 Minuten. Wenn man Pech hatte, brauchte man aber 2 Stunden.
        Ein Kunde wollte es aufgrund des Transportpreises mal selbst probieren und lieh sich die Gurte und den stabilen Rollwagen. Er erschien am Tag darauf mit einer verlorenen Fingerkuppe.

      • Profilbild
        Martin Andersson RED

        @plumperquatsch „wer lagert seinen Flügel auf dem Dachboden, ohne beine, auf der Seite liegend???“
        Antwort: Alle Klavierbauer.

        Flügel werden aus Platzgründen hochkant gelagert. Das Gehäuse ist dafür konstruiert, ausserdem lassen sich die Beine mit wenigen Handgriffen abnehmen, was nicht einmal fünf Minuten dauert.

  2. Profilbild
    TobyB RED

    Spannender Einblick. Ich hab immer höchsten Respekt vor sowas. Meine Kollegen spedieren ganze Bands, Orchester. Das braucht bis zu zwei Jahre Vorbereitung bis die Planungen abgeschlossen sind. Da fliegt dann schon mal der Flügel des Leipziger Gewandhauses temperaturgeführt und klimatisiert einmal um die Welt. Und andere Instrumente bekommen Flugbegleitung.

  3. Profilbild
    iggy_pop AHU

    Den letzten (?) Umzug habe ich durch eine Firma verrichten lassen, die auch Klaviere für ein benachbartes Musikhaus transportiert. Diese Firma hatte ich gewählt vor allem im Hinblick auf geschulten Umgang mit empfindlicher Musikelektronik: „Ob Sie nun einen 100.000-Euro-Flügel transportieren oder einen hochempfindlichen Synthesiser ist egal — beide müssen wie rohe Eier behandelt werden.“

    Als die Jungs dann kamen, schnappten sich zwei (!!!) von ihnen einen CS80 (!!!) und schleppten ihn innerhalb von einer halben Minute die Treppen in den zweiten Stock hoch.

    Oben angekommen, fragten sie: „Wo sind denn jetzt die schweren Teile?“

    Alles eine Frage der Relationen.

  4. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ich habe damals einen dieser Klaviertransportöre gefragt wie man zu diesem Beruf kommt. Er antwortete mir: indem man nichts gescheites gelernt hat.

  5. Profilbild
    Tai AHU

    Die haben nicht nur 500kg sondern auch mal ’ne Viertelmillion in den Gurten. Ich hoffe, die sind gut versichert.

  6. Profilbild
    Mattvank

    Wenn ich die Augen und Ohren zumache, ist es ein Unterschied ob ich ein Flügel oder Roland A88 nutze?

    • Profilbild
      Martin Andersson RED

      @Mattvank Kurze Antwort: Natürlich ist der Unterschied riesig und zwar bezüglich Dynamik, Klangfarben, Sustainverhalten etc. Ob man diese Unterschiede hört und braucht, ist eine persönliche Frage.

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