Test: Warm Audio WA-412, Mikrofon- und Instrumentenverstärker

27. März 2017

Vintage 312 Style Klon

Der Warm Audio WA-412 ist ein analoger 4-Kanal-Vorverstärker, basierend auf dem klassischen Prinzip amerikanischer Konsolen. Schon nach kurzen Recherchen zu erkennen, es ist im Grunde ein Klon des API 312 Preamps.

Warm Audio der WA412

Warm Audio WA-412

Warm Audio, eine Firma aus Texas, hat sich dem Nachbauen von Vintage Studio-Equipment verschrieben. Die Philosophie ist hohe Qualität zu erschwinglichem Preis, was erstmal ein vielversprechender Ansatz ist. Wenn man sich auf der Homepage des Herstellers etwas umschaut, wird einem sage und schreibe warm ums Herz. Relativ schnell erkennt man, hier ist eine gewisse Leidenschaft zur Arbeit und zum Produkt mit im Spiel.

Die Idee, Altbewährtes mit hohen qualitative Ansprüchen und einem erschwinglichen Preis zu verknüpfen, birgt meiner Meinung nach ein in die Zukunft orientiertes Geschäftsmodell. Hier wird in den richtigen Segmenten gespart. Kleine, ausreichend dimensionierte Geschäftsräume, Beziehen von großen Mengen an Bauteilen, geringe Gewinnspanne und viel Wert auf hohe Kundenzufriedenheit … klingt zumindest nach einem sympathischen Konzept.

Hintergründe, Lieferumfang und Konstruktion

Der WA-12 von Warm Audio war 2013 der erste Release des Unternehmens, hierzu hat mein Kollege Thilo Goldschmitz bereits einen Artikel verfasst. Warum ich das erwähne, liegt quasi auf der Hand: Der WA-12 ist nicht nur das erste Produkt der texanischen Schmiede, sondern auch das Basismodell unseres heute im Test vorliegenden Anschauungsobjekts. Ein Klon des API 312. Auf den ersten Eindruck unterscheiden sich die Beiden im Wesentlichen nur in der Anzahl der Kanäle, dem Look und einem zusätzlichen Output-Regler.

In Anbetracht dieser Tatsachen sucht man natürlich immer den Vergleich. Somit auch im Design. Auch wenn mir der Warm Audio WA-412 vom Bild persönlich eher zusagt, ist eine Orientierung am aktuellen Modell, dem API 3124+, nicht zu verleugnen. Ich denke, viel weiter muss man an dieser Stelle nicht gehen, konzentrieren wir uns mal auf den diskreten 4-Kanal Mikrofon- und Instrumentenverstärker WA-412.

Dieser ist vom Aufbau ein Gerät mit einer Höheneinheit (HE) im 19 Zoll Format. Auf der Vorderseite findet man vier identisch aufgebaute Kanäle. Links beginnt es mit dem VU, mit LEDs wird hier der Eingangspegel angezeigt. Rechts daneben sitzt ein gerasterter Gain-Regler, was für den Recall durch aus sinnvoll erscheint. Die Rasterung ist nach meinem Empfinden nach auch klein genug, um präzise Einstellungen vorzunehmen.

Auf der anderen Seite – nach den Tastern – sitzt ein Output-Regler, der weder beim Original, noch beim Debut von Warm Audio zu finden ist. Auch hier ist der Reglerweg gerastert. Warum so ein zusätzliches Poti sinnvoll ist und was es vor allem für Vorteile in sich birgt, darauf komme ich später im Text noch mal zurück.

Warm Audio WA412 Settings

Warm Audio WA-412 Settings

Bei allen vier Kanälen sitzen zwischen den Potentiometern fünf Taster. Beginnend mit der 48 Volt Phantomspeisung, deren aktiver Zustand durch eine rot leuchtende LED angezeigt wird. Daneben der Tone-Button, der wie beim Ursprungsmodell die Eingangsimpedanz von 150 Ohm auf 600 Ohm umschaltet. Der Polaritätsschalter in der Mitte dient zum Umkehren der Phase. Der PAD-Taster senkt das Signal um 20 dB ab, auch beim DI-Eingang. Dieser (auch Hi-Z genannt) dient dem Anschluss hochohmiger Instrumente wie zum Beispiel eine E-Gitarre oder ein E-Bass. Die Klinkeneingangsbuchse sitzt genau über dem Taster. Bis auf den Hi-Z Eingang, dessen LED grün leuchtet, sind die restlichen drei LEDs gelb.

Auf der Rückseite findet man XLR-Mikrofoneingänge sowie XLR- und TRS/Klinkeausgänge. Das Netzteil ist im Gehäuse verbaut, ein Kaltgerätestecker befindet sich im Lieferumfang.

Weitere Specs und Specials

Im Grunde basiert der Warm Audio WA-412 auf alter Technologie. Ein diskreter Opamp (Operationsverstärker) Kreislauf wurde in seiner Bedeutung schon von Thilo Goldschmitz im WA-12 Artikel angesprochen bzw. erklärt. Beim vorliegenden Modell hat man sogar die Möglichkeit, nach persönlichem Geschmack den 6-Pin-Sockel X520 Opamp auszutauschen. Der X520 ist eine Eigenentwicklung von Warm Audio, angelehnt an einen klassischen 2520 Konsolen Opamp.

Nicht wie bei vielen anderen Warm Audio Produkten, wurden beim WA 412 anstatt Cinemag, Altran USA Trafos verwendet. Beide nicht minder bekannt in dieser Sparte, stehen sie für hohe Qualität, sind also eher im Premiumbereich zu finden. Um den Tieffrequenzbereich noch etwas auszudehnen, wurde hierfür laut Warm Audio eng mit Altran zusammengearbeitet.

Bei gedrücktem Tone-Schalter erhält man auf jedem Kanal 65 dB maximale Verstärkung. Apropos Tone-Button: Hiermit bekommt man für jeden Kanal eine Klangcharakteroption. Im aktivierten Zustand wird der Gain-Anteil nicht nur um 6 dB angehoben (auf max. 65 dB), sondern er färbt im Maße auch das Signal. Somit erhält man mehr Punch und einen Vintage angehauchten Charakter, bei Deaktivierung eher einen neutralen, offenen Sound. Auch wenn hier eine Empfehlung ausgesprochen wird, die 600 Ohm Variante eher für Kondensator- oder dynamische Mikrofone zu benutzen und die 150 Ohm Variante für pegelschwache Modelle, wie beispielsweise Bändchenmikrofone, klingt im Nachsatz: Doch bitte aber auch damit zu experimentieren und nach künstlerischem Geschmack zu urteilen.

Der Tone-Button und der Output-Regler sind das Sahnehäubchen beim Warm Audio WA-412. Der Output-Regler ist quasi als Kanal-Fader zu betrachten. Hier kann man in Kombination mit dem Gain zwischen Sättigung und offenem Sound variieren.

Praxis

Der Warm Audio WA-412 ist für eine Höheneinheit sehr schwer und sehr tief, was wohl an den diskreten Bauteilen und vor allem an den Transformatoren liegen muss. Er passt aber auf jeden Fall in jedes übliche 19 Zoll Case. Ich habe ihn für den Test aber nur eingeschoben, mit einer weichen Unterlage, um Kratzer zu vermeiden und natürlich nicht verschraubt.

Erinnert leicht an den api 3124+

Erinnert leicht an den api 3124+

In der Bedienung ist der WA-412 selbsterklärend und simpel. Als erstes schließe ich eine E-Gitarre an. Direkt – wenn der Preamp gut klingt und evtl. auch etwas färbt – kann man da durchaus schöne cleane Sounds bekommen. Hört man zum Bespiel auf vielen Pop-, Funk- und Soul-Platten der 70er und 80er Jahre. In meinem Praxistest kommt eine Fender Custom Shop Telecaster zum Einsatz. Im Vergleich spiele ich auch den Mike-E von Empirical Labs, dieser liegt im Preis weit über dem Testobjekt von Warm Audio.

Der Sound ist klar, aber auch schön angewärmt mit sanften Mitten und Höhen. Vom Charakter her, wie zu vermuten, eher vintage und überraschenderweise sehr nahe am Mike-E, der zwar noch eine Kompressor/Saturation-Einheit beherbergt, aber auf die Kanaleinheit bezogen das Vierfache kostet.

Mit den Optionen Gain/Output-Balance und dem Tone-Button gibt es zusätzlich Variationen, um den Wunschsound etwas abzustimmen. Kleine, aber in jeder Nuance sinnvolle Soundbender.

Beim Bass setzt sich der durchweg positive Eindruck fort. Hier habe ich eine Jazzbass Kopie von Fenix benutzt. Der Sound hat einen schönen Punch, bildet das Frequenzspektrum sauber und weich ab und geht auch hier eher in die Vintage-Ecke, wenn auch moderne Anteile vorhanden sind.

Bei den Drums habe ich mir etwas mehr Zeit genommen, was nicht alleine der Ursprung der Sache schon mit sich bringt. Wie auch bei den anderen Audiobeispielen wurde ein UAD Apollo Twin als Audiointerface benutzt. Da bei der Schlagzeugaufnahme mehr als zwei Spuren aufgenommen wurden, ging ich über den ADAT-Eingang mit einem Behringer ADA8200 Wandler. Vier Mikros kamen zum Einsatz. Eher Standardperipherie, aber bewusst aus dem günstigerem Segment gewählt.

WA 412 Back

WA 412 Back

Für die Snare ein Shure SM57, die Bassdrum ein Shure PGA52, Overhead links ein AKG C1000S und für das Overhead rechts (Hihat) ein Sennheiser MD421.

Mal davon abgesehen, wie gut, aber auch eher moderner der Behringer mit den Midas Preamps klingt, klingt der Warm Audio WA-412 etwas aufgeräumter. Wie zu erwarten oldschool und direkter. Mit dem Tone-Button auf Snare und Bassdrum  bekommt der Sound noch mal einen schönen Schub und mehr Punch. Spätestens bei den Schlagzeugaufnahmen hat mich der WA-412 überzeugt. Auch das Spiel mit der Sättigung, indem man den Gain-Regler leicht übersteuert, gefällt mir gut. Dafür ist auch der zusätzliche Output-Regler an Bord. Somit bekommt man sanfte analoge Sättigung ohne digitales Clippen in der DAW.

Die Audiobeispiele wurden mit Pro Tools aufgenommen und nicht weiter bearbeitet, nur das Lautstärkenverhältnis wurde angeglichen.

Fazit

Einen diskreten Mikrofonverstärker in vierfacher Ausführung, so wie es der Warm Audio WA-412 bietet, sucht man bei dem Preis definitiv seinesgleichen. Zugegeben, es ist ein Nachbau, aber die Qualität der Bauteile und die kleinen, sehr sinnvollen Erweiterungen des Gesamtkonzepts unterscheiden sich vom Original und machen das Produkt somit noch interessanter.

Das neue Flaggschiff von Warm Audio erinnert durchaus an den API-Sound, weißt aber eine gewisse Eigenständigkeit auf. Fans von punchigen Rocksounds und Vintage Freaks kommen eigentlich nicht an dem Teil vorbei. Hier ist das Preis-Leistungs-Verhältnis einfach mehr als sehr gut.

 

Plus

  • Sound
  • Punch
  • pro Kanal separater Output-Regler
  • analoger Vintage Vibe
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • -

Preis

  • Ladenpreis: 1.499,- Euro
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