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Test: WES Audio Hyperion, API500 Equalizer

4. Juli 2022

Analoger EQ mit digitaler Steuerung

wes audio hyperion test

WES Audio Hyperion, API500 Equalizer

Vielleicht liege ich ja auch falsch mit meiner Vermutung, aber ich habe das Gefühl, es etabliert sich gerade ein neuer Outgear Gerätetyp jenseits der Plug-in oder 19 Zoll Doktrin. Die Rede ist von analoger Technik mit digitaler Steuerung, gerne auch in der 500er Racktechnik, die sich anschickt, den durchweg besseren Klang der Analogtechnik mit den Total-Recall-Funktionen der DAW zu koppeln, um die klassischen „Best-Of-Both-World“ Maxime zu fokussieren. Einer der führenden Hersteller in diesem Bereich ist der polnische Hersteller Wes Audio, dessen Vari-Mu Kompressor Rhea ich hier bereits getestet habe. Heute liegt uns ein weiteres Produkt aus dem Hause vor, der Stereo-EQ Wes Audio Hyperion, der mit einer umfangreichen Klangregelung ausgestattet ist und seinen Einsatzbereich sowohl im Recording, Mixing als auch Mastering findet.

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Wes Audio Hyperion Test

Wes Audio Hyperion Front

Der Aufbau des Wes Audio Hyperion

Hübsch sieht er aus, der 500er Einschub, mit seiner schwarz/weiß Optik, die sich neutral in jede Studioumgebung einfügt. Nichts gegen eine „unterhaltsame Farbgebung“, aber was einige Hersteller einem Tontechniker an Bonbon-Farben zumuten, geht weit über den Bereich des Zumutbaren hinaus. Von daher bin ich persönlich immer ein Freund einer moderaten farblichen Ausstattung, da man sich sonst schnell in einer optischen Karnevalsveranstaltung wiederfindet.

Mit einem Ladenpreis von 1.349,- Euro zählt der Wes Audio Hyperion nicht gerade zu den Billigheimern im EQ-Segment, allerdings sollte man auch auf dem Schirm haben, dass alle Produkte von Wes Audio in Polen gefertigt werden. Ein wirtschaftlich sinnvoller Zug, zumal uns die aktuelle politische Lage einmal mehr vor Augen führt, was eine wirtschaftliche Abhängigkeit von China für katastrophale Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft haben kann.

Bei dem Wes Audio Hyperion handelt es sich um einen vierbandigen EQ, der mit 2 parametrischen und 2 vollparametrischen Bändern aufwartet. Der parametrische Höhenregler bietet einen Frequenzgang von 2 kHz bis hoch zu 25 kHz. Über das Drücken des Frequenzreglers kann man zwischen Shelf- oder Bell-Mode umschalten, was eine sehr hohe Flexibilität ermöglicht. Über das Drücken des dB-Reglers kann man das jeweilige Frequenzband an- und ausschalten, was für alle Frequenzbänder gilt. Insgesamt hat der Wes Audio Hyperion zusätzlich einen Master-True-Bypass.

Wes Audio Hyperion Test

Wes Audio Hyperion Aufsicht

Die gleiche Arbeitsweise wie bei dem Höhenregler finden wir im Bassbereich, dessen Frequenzbereich von 30 bis 350 Hz reicht. Ein zusätzliches Highpass-Filter lässt sich mit einer variablen Flankensteilheit von 12 dB/Okt oder 6 dB/Okt zwischen ca. 30 Hz – 350 Hz betreiben. Sehr schön gestalten sich die beiden vollparametrischen Mittenbänder, die aufgrund des zusätzlichen Güte-Reglers ihre Regelfrequenzen von 200 Hz – 2,5 kHz (Low Mid) und 600 Hz – 8 kHz (High Mid) eine sehr umfang- und detailreiche Filterfunktion ermöglichen. Wie bei jedem hochwertigen EQ, überlappen sich die einzelnen Frequenzbänder natürlich. Alle vier Bänder lassen sich mit +/-5 dB oder +/- 5 dB betreiben.

Der Wes Audio Hyperion verfügt über drei Betriebsmodi, Stereo, Dual-Mono oder aber die Mid-Side- (MS) Schaltung, die die Einsatzgebiete des EQs ungemein erweitern und über drei kleine Druckschalter an der Vorderseite aktiviert werden. Über zwei weiße Druckschalter lässt sich der linke Kanal im MS-Mode auf die Mitte legen, während der rechte die Seiten übernimmt. Zusätzlich kann im A/B-Mode zwischen zwei Settings umgeschaltet werden, was insbesondere im Mastering-Mode von Bedeutung sein kann. Des Weiteren verfügt der Wes Audio Hyperion noch über eine THD-Schaltung, die dem Signal bei Bedarf zwecks „Andickung“ zwei unterschiedliche Saturisationsschaltungen ermöglicht.

Wie bereits erwähnt, befindet sich nach der Treiberinstallation eine optisch identische Kopie des Hardware-Moduls im Rechner. Die Installation der Software ist vergleichsweise einfach zu erledigen. Man lädt sich die dem Betriebssystem entsprechende Software auf der WES Audio Website herunter, danach verbindet man das Modul über USB oder Ethernet mit dem entsprechenden Port am Rechner und verwaltet das Ganze in der regulären Plug-in-Struktur. Als Abbildung erscheint dann im Display eine identische Kopie des analogen Einschubs, dessen Oberfläche gespiegelt wird. Aufgrund dieser Struktur verfügt dieses analoge Tool über Instant-Recall, was sich vor allem vorteilhaft gestaltet, wenn man an mehreren Mixen parallel arbeitet. Als zusätzlichen Bonus besitzt die graphische Oberfläche des Wes Audio Hyperion im Rechner noch zwei zusätzliche optische Darstellungen der jeweilen Frequenzbänder, um dem akustischen Eindruck auch noch eine optischen folgen zu lassen.

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Wes Audio Hyperion Test

Wes Audio Hyperion Seitenansicht

Einsatz des Equalizers in der Praxis

Auch wenn der Wes Audio Hyperion auf den ersten Blick recht komplex erscheinen mag, in der Praxis lässt er sich sehr intuitiv bedienen. Nichts, was man nicht schon nach 5 Minuten automatisch in seinen persönlichen Workflow übernommen hätte, nichts, worüber man längere Zeit sinnieren müsste. Die Bedienung der Endlosregler geht geschmeidig von dannen und der recht hohe Laufwiderstand der Potentiometer mindert die Gefahr der Fehlanpassung ungemein. Hat man sich erst einmal in die Oberfläche des Wes Audio Hyperion eingearbeitet, geht die gesamte Bedienung wie von alleine.

Klanglich bietet der Wes Audio Hyperion ein im besten Sinne neutrales Klangbild, das nahezu keinerlei Einfärbung des Signals aufkommen lässt. Sämtliche Filter nehmen die ihnen zugewiesenen Frequenzen sehr genau ins Visier und fügen diesen kaum ein Eigenleben hinzu, wie es zum Beispiel gerne von Röhrenprodukten gemacht wird. Insbesondere im Mittenbereich kann man dies unter Zuhilfenahme des Q-Reglers sehr gut erkennen. Eine störende Frequenz lässt sich mit einem akustischen Visier gleich ausmachen und bei Bedarf flankensteil eliminieren.

Wes Audio Hyperion Test

Wes Audio Hyperion Rueckseite

Inwieweit man hier die optische Darstellung der Frequenzkurven auf dem Monitor hinzuziehen sollte, bleibt jedem selber überlassen. Ich persönlich bin ein großer Freund des eigenen Gehörs und tätige lediglich zur Sicherheit am Ende des Prozesses einen Blick auf die optische Darstellung der Frequenzkurve, ob ich mich nicht irgendwo akustisch verrannt oder einen Peak überhört habe, der mir in der Endproduktion das Leben schwermachen könnte. Immerhin geht es um akustische Eindrücke, die man sich nicht von den optischen Eindrücken „zerschauen“ lassen sollte. Ich weiß nicht, wie viele User ich schon gesehen habe, die fast ausschließlich nach den Frequenzkurven eines YouTube Videos gemischt haben, ohne sich auch nur einmal richtig mit dem Material auseinandergesetzt zu haben. So eine Arbeitsweise sollte man tunlichst vermeiden.

Nimmt man sich den THD-Schalter zur Brust, stellt man fest, dass die Wirkungsweise selbst im High-Modus noch sehr moderat ist. Wer hier Sättigungseffekte im Valve-Bereich erwartet, wird enttäuscht werden. Im Gegenzug bieten die beiden Einstellungen jedoch die Möglichkeiten, etwas steril klingendes Ausgangsmaterial dezent anzudicken oder ihm etwas mehr Charakter zu verpassen. Beide Schaltungen klingen sehr subtil, so dass man geneigt ist, sie mehr oder minder ständig aktiv zu lassen. Ob sich dies als sinnvoll erachtet, muss jeder für sich selber herausfinden.

Insgesamt bietet der Wes Audio Hyperion ein sehr gutes Klangbild, das sich äußerst flexibel in nahezu jedem Musikbereich einsetzen lässt. Aufgrund der sehr neutralen und effektiven Klangregelung favorisiere ich das Produkt besonders im Elektro-Bereich, wenngleich auch der Pop/Rock-Bereich seinen Benefit daraus ziehen kann. Schaltungstechnisch konnte ich nur ein einziges Problem ausmachen, das sich auf den THD-Schalter bezieht. Bei der Aktivierung, respektive Umschaltung der beiden Saturisierungsstufen, kam es zu einem kräftigen Knacken im Bassbereich, was je nach Abhörlautstärke ordentlich auf die Lautsprecher gehen kann. Wenn ich mich recht entsinne, hatte ich dieses Problem auch schon bei dem Test des Rhea Vari-mu Kompressors, so dass es den Anschein hat, dass dieses Bauelement bei mehreren Wes Audio Produkten verwendet wird. Ich empfehle, dieses Manko zu beheben, da durch diese Aktion endgültig eine hervorragender 4-Band EQ übrig bleiben würde, der über keinerlei Schwächen, sondern nur über eine stattliche Anzahl von Stärken verfügen würde.

Wes Audio Hyperion Test

Wes Audio Hyperion im Studio

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Fazit

Mit dem WES Audio Hyperion führt das polnische Unternehmen einen sehr guten 4-Band-Equalizer in seinem Portfolio. Die Kombination aus analoger Signalverarbeitung und (bei Bedarf) digitaler Steuerung mit Total Recall verbindet auch bei diesem Produkt den meist höherwertigen Klang eines Outgears mit der flexiblen Editierung des Digitalen mittels der DAW.

Der EQ klingt hervorragend, hat eine sehr neutrale Ausrichtung und lässt sich im Zusammenspiel mit einer entsprechenden DAW oder auch als Standalone-Produkt für nahezu jede Musikrichtung verwenden. Die Verarbeitung ist exzellent, das Konzept stimmig, die Auslegung sehr praxisgerecht.

Wer einen sehr flexiblen analogen EQ mit einer Total-Recall-Funktion sucht, sollte das Produkt unbedingt in seine engere Wahl mit aufnehmen!

Plus

  • Klang
  • Bedienung
  • Total-Recall
  • Verarbeitung
  • europäische Fertigung

Minus

  • tieffrequentes Knacken bei THD-Aktivierung

Preis

  • 1.349,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Marco Korda AHU

    Hallo Axel,

    schön, dass sich jemand mal den Hyperion vorgenommen hat. Den gibt’s ja auch schon eine Weile. Bisher fehlte nur noch ein Amazona-Test für den Kaufanreiz.

    Vielen Dank für den (Achtung: schlimmer Kalauer:) Ritt durch den EQ und seine Stärken. Die API500-Anmerkung muss ich korrigieren. Dieses Format ist längst etabliert und in vielen Studios beliebt. Der Markt ist schon recht groß und wächst weiter. Als Beleg dafür kann ich mitteilen, dass ich z.B. einen Bettermaker EQ im Pultec-Style sowie Cartec-EQs darin verbaut habe. Beide werden nicht mehr gebaut und Cartec existiert meines Wissens nach nicht mal mehr. Also, 500series ist schon ne Weile auf dem Markt und es lohnt sich, sich dem anzunähern, wie ich finde, da es Platz spart und teilweise erschwinglich ist. Die Vielfalt ist gegeben (Preamps, EQs, Kompressoren u.a.).

  2. Profilbild
    MatthiasH

    Höchste Zeit, dass der API500-Standard mal um einen MIDI-/USB-Bus erweitert wird! Aus jedem Modul ein extra Kabel herausbaumeln zu haben, ist ja furchtbar.

  3. Profilbild
    SickOfSound

    Ich habe mir eine Reihe von Wes Audio 500-Serie Produkten gekauft und bin absolut überzeugt davon. Sei es für Einzeltracks oder für Mastering. Die Steuerung/Recall-Funktion über ein Plugin läuft in 99,9% der Fälle absolut Problemlos. Handling und Klang sind einfach toll!

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