Test: Yamaha DD-75, All-in-one Compact Drum

20. August 2017

Viele Sounds für den schmalen Geldbeutel

Kompakte Multidrumpads sind keine Neuerfindung. In der E-Drum Einsteigerklasse tummelt sich aber so einiges an Produkten, deren Existenz Erwähnung wert ist. Die große Frage, die sich stellt ist: Für wen genau sind diese Produkte gedacht oder genauer, für wen sind sie sinnvoll? Ein bloßes Spielzeug? Oder doch ein ernst zu nehmendes Instrument? Diesen Fragen versuche ich im Test des Yamaha DD-75 Compact Drumkit auf den Grund zu gehen.

Aufbau

Der Aufbau des Yamaha DD-75 ist eigentlich kein Aufbau im eigentlichen Sinne, eher ein „Auspacken“. Lediglich die Stromversorgung und die Fußtaster sind anzuschließen. Ist das getan, stellt sich sofort die Frage, wie man das Pad bespielen soll. Auf dem Boden liegend sucht man angestrengt nach einer bequemen Sitzposition, doch das führt zu keinem befriedigenden Ergebnis. Besser ist ein Tisch in entsprechender Höhe, der das Pad etwa in Snare-Höhe eines regulären Schlagzeugs positioniert. Doch beim Umdrehen desselben fallen mir die Aufnahmeschlitze an der Unterseite auf, die das Yamaha DD-75 wunderbar auf einen herkömmlichen Snareständer passen lassen. Super! Großes Lob hierfür an Yamaha. Das wäre bei sämtlichen Multidrumpads anderer Hersteller ebenfalls eine tolle Sache. Eine Adaptermontage fällt hier weg. So lässt sich das Multipad optimal auf die gewünschte Spielhöhe justieren.

Wie bei den meisten Multidrumpads in der Einsteigerklasse sind die Pads wie bei einem akustischen Drumset angeordnet. Zwei Fußtaster ergänzen das Yamaha DD-75 zum spielbaren Mini Schlagzeug.

Verarbeitung

Das unsymmetrisch geschnittene, schwarze Kunststoffgehäuse macht einen massiven Eindruck. Nicht zu schwer, nicht zu leicht, genau richtig vom Gewicht, um nicht unnötig zu rutschen oder zu wackeln. Vier an den äußeren Ecken positionierte mit Gummi unterfütterte Füße sorgen für guten Stand, spielt man das Yamaha DD-75 auf einer ebenen Fläche. Vier weitere, kleiner dimensionierte und weiter mittig gesetzte Füße bringen noch mehr Stabilität beim Spielen.

Die Knöpfe und Taster des Bedienfeldes, das vorne am unteren Ende plaziert ist, sind griffig und wirken belastungsfähig. Den einen oder anderen Schlag müssen sie vertragen können. Die Bedienung fällt durch die dem Spielenden nahe gelegenen Elemente zwar leicht, aber besser geschützt wäre diese Einheit sicher, würde sie oben und außerhalb der Schlagzone liegen. Gerade das Display wird einen sauberen, saftigen „Hit“ wohl kaum verkraften.

Die acht runden Gummipads sind leicht erhaben in ihre Halterungen verbaut, was bei flachen Schlägen die Gehäusekanten schont.

In den oberen Ecken sind zwei Lautsprecher verbaut, die für Höhen und Mittenausgabe zuständig sind. Die Bassanteile treten aus einer mittig platzierten Gehäuseöffnung aus.

Yamaha DD-75 mit sinnvoll angeordneten Pads

Bespielbarkeit

Die Gummischlagflächen der Pads sind für meinen Geschmack etwas hart. So entstehen beim Spielen starke Klopfgeräusche, die sich natürlich nie ganz eliminieren lassen, aber mir beim DD-75 stärker als bei anderen Pads erscheinen. Die Schläge fühlen sich dadurch auch übertragen durch die Sticks in den Händen relativ hart an.

Die Pads sind ergonomisch angeordnet und im Grunde so wie beim Schlagzeug aufgebaut. Vorne links sitzt das Snarepad, leicht links versetzt oben drüber das Hihatpad. Die Toms schlagen den klassischen Bogen oberhalb der Snare nach rechts hinunter. Links oben in der Ecke versteckt sich das gegenüber den Snare und Tompads kleiner gehaltene Crashpad, im selben Format finden sich rechts oben Ride und je nach Bedarf ein weiteres Crash oder Effektbecken.

Mit den Fußtastern lassen sich Bassdrum-Sounds und Hihatpedal-Sounds sowie open/closed Hihat-Funktionen abrufen bzw. bedienen. Mit dem Hihat-Pedal lässt es sich recht gut arbeiten, anders sieht es leider mit dem Kick-Pedal aus. Mit dem Vorderfuß gespielt reagiert es oft kaum oder sehr ungleichmäßig. Mit der Ferse bringt man es etwas besser unter Kontrolle, was jedoch weit ab jeder natürlichen Spielweise liegt. Grundsätzlich problematisch ist bei solchen leichten Tastern, dass sie sehr leicht verrutschen. Man ist also permanent damit beschäftigt, sie wieder in eine spielbare Positionen zu schieben.

Anschlussmöglichkeiten

Auf der Rückseite findet man die Anschlussbuchsen. MIDI In/Out sowie die zwei Anschlüsse der Pedaltaster (via Klinkenbuchse), ein Kopfhörerausgang, ein Aux In (zum Anschließen eines Smartphones oder MP3-Players) sowie der Netzkabelanschluss sind hier verbaut.

Die Anschlüsse auf der Rückseite

Handpercussion Modus

Toll ist die Möglichkeit, in den Handpercussionmodus zu wechseln. Dies funktioniert über einen Schalter vorne, unten im Bedienfeld. Die Trigger (Sensoren) reagieren dann sensibler als im „Stickmodus“.

Sounds

570 Sounds hat man dem Yamaha DD-75 einverleibt. Diese sind in 75 Presets zusammengefasst. Das ist eine ganze Menge und man findet sicher für fast jede Stilistik etwas Geeignetes. Außerdem stehen kurze Playalongs (hier Phrases genannt) zur Verfügung, 30 an der Zahl. Das DD-75 ist 32-stimmig, was im schlagzeugspielerischen Sinne nicht genutzt werden kann. Allerdings ist das bei der Verwendung des Pads mit einem Rechner sicher nicht schlecht. Über MIDI lässt sich das Pad über eine beliebige Recording-Software ansteuern und in diesem Falle kann eine 32-fache Polyphonie von Nutzen sein, möchte man mehr als vier Sounds gleichzeitig abrufen.

Coole Sache, passt auf jeden Snareständer!

Bedienung

Hat man etwas Erfahrung mit elektronischen Instrumenten, kommt man mit dem Yamaha DD-75 schnell zurecht. Durch freches Ausprobieren kommt man allerdings auch als Neueinsteiger schnell auf die richtigen Bedienungswege.

Ein Aufnahmefunktion und ein Metronom mit Tap-Funktion sind ebenfalls integriert.

Die Einzelspuren der Playalongs lassen sich separat stummschalten. Zum Beispiel lässt sich nur die Drumspur oder der Bass stummschalten.

Das dreistellige, numerische Display ist ausreichend dimensioniert und erfüllt seinen Zweck. Wie schon gesagt, sollte man dieses keinem (un)gezielten Schlag mit dem Drumstick aussetzen, das dürfte es wohl kaum verkraften.

Diplay, Bedienfeld und Bassreflexöffnung

Die Klangqualität des DD-75 ist gut, ein gewisses Grundrauschen ist zwar da, dieses ist aber schwach und zu vernachlässigen. Die Audioausgabe über die integrierten Lautsprecher ist schon recht ordentlich, für ein besseres Klangbild bedient man sich aber besser eines Kopfhörers. Über meine Studiomonitore klingt das Multipad durchaus recht druckvoll.

Die Sounds reagieren dynamisch, hier darf man allerdings keine Wunder erwarten. Der dynamische Spielraum ist recht klein. Etwas Übung ist notwendig, um die dynamischen Möglichkeiten des Pads auszuschöpfen. Über den Dynamic-Schalter lässt sich das dynamische Verhalten etwas auf den jeweiligen Spieler einstellen. Auch die Fußtaster reagieren dynamisch, was die Kontrolle (gerade der Bassdrum) aber etwas schwierig macht. Hier könnte man durchaus über ein Upgrade der Pedalerie nachdenken, um schließlich, immer noch mit geringem Budget, ein kleines, portables Minischlagzeug zu besitzen.

Fazit

Wer als Drummer noch nicht über elektronische Gerätschaften verfügt, bekommt mit dem Yamaha DD-75 eine mit Sounds vollgestopfte Multi-Trommel-Kiste, die wirklich Spaß machen kann. Das Teil einfach auf einen herkömmlichen Snare-Ständer gepackt, Kabel rein, schon spielt man eine große Menge an guten Sounds aus der Schlagzeug-, Elektro- und Percussionwelt. Als Drumset-Erweiterung wirklich zu empfehlen.

Für kleine Neueinsteiger ist so ein Multipad ebenfalls empfehlenswert. Gerade im Alter unter 6 Jahren, wo die Beine oft noch zu kurz sind, um an Pedale eines Schlagzeugs zu kommen, können junge Trommelkids sehr viel Spaß damit haben. Durch die integrierten Phrasen (Playalongs) lernen sie früh, ein gutes Timing zu entwickeln und sich mit der Bedienung eines elektronischen Instrumentes auszukennen. Von mir gibt’s eine klare Kaufempfehlung.

Plus

  • stabile Bauweise
  • große Anzahl an Samples
  • Montage auf herkömmlichem Snareständer möglich

Minus

  • harte Pads mit recht lautem Anschlag
  • Fußtaster funktionieren nicht optimal

Preis

  • Ladenpreis: 225,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Dieser Test ist doch nicht euer Ernst! Wenn man nicht möchte dass sein Kind jemals Schlagzeuger wird dann muss man ihm genau diese Apparatur hier kaufen. Das ist und bleibt ein Kinderspielzeug egal wie schön man sich versucht das zu reden.
    Immerhin die Klänge sind inzwischen auf dem Stand von 1993. Aber weder Spielgefühl noch Freunde ausser der Kindlichen ist damit zu erreichen.

    Okay ich gehe es zu, ich hasste dieses Teil schon immer. Früher hat das mal 75 Mark gekostet und man konnte das Teil nur in der Spielzeug Abteilung finden. Heute gibt es das immer noch, für 225€. Inflation nenn ich das mal. Da kaufe ich mir lieber garnichts und spare auf was echtes oder kaufe dem Kind einen Synthesizer. Das ist schön leise ;)

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      Wellenstrom  AHU

      „Immerhin die Klänge sind inzwischen auf dem Stand von 1993.“

      Hahaha, ja, da ist was dran.

      Wüsste auch gar nicht, ob ich das Dingen ’nem Kind als Einstieg ins Drumming schenken würde. Denke, da versaut es sich ggf. schon früh einiges im spieltechnischen Fundament. Siehe schlappes Kickpedal usw.

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      Oliver Schulte  RED

      Hi Amazonaman, Hi Wellenstrom,

      aus der Sicht eines langjährigen, produkterfahrenen Schlagzeugers mag so ein Multipad wie ein Spielzeug wirken. Ich habe allerdings bei meinen Kindern erfahren, das genau so ein Instrument die Freude am Schlagzeugspielen wecken kann. Sie trommeln zu den Playalongs und entwickeln ein ausgezeichnetes Timing. Gerade für ganz Kleine echt super, da alles gut erreichbar ist.
      Außerdem halte ich solche Pads als Erweiterung für ein akustisches Drumset ebenfalls als Sinnvoll. Klar ist ein SPD-SX, oder eine Norddrum cooler, allerdings auch viel teurer und für professionelle Anwendung gedacht.

      Für einen günstigen, entspannten Einstieg in die E-Drum Welt halte ich Yamaha DD-75 und Konsorten für durchaus geeignet.

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        Wellenstrom  AHU

        Ah, okay… du hast ja den Praxistest vor Ort mit dem Nachwuchs… und die haben Spaß daran und machen Fortschritte.
        Okay, dann isses nicht so verkehrt.
        Hab‘ mir mal gerade noch ein Video zu dem Dingen reingepfiffen. Scheint als MIDI-Drumpad nicht ganz reibungslos zu fluffen. Der Tester dort sprach von Mapping-Problemen bei den HiHats. War wohl auch schon ein Problem beim Vorgänger, dem DD-65.
        Die andere Sache ist natürlich das, was der amazonaman zu recht anmahnte (jetzt nicht für Kids oder Einsteiger das Problem)…. die altbackenen Samples.

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          AMAZONA Archiv

          Ich bin jetzt nicht gerade ein wahrer Fan von Alesis, aber mit dem Samplepad von Alesis ist man noch günstiger dran und Funzt zuverlässig und klingt sehr gut da man Einfach selbst seine eigenen Samples. nutze kann oder die mitgelieferten.

  2. Profilbild
    malekmusic  

    danke für den test. ich denke aber das hauptproblem, jedenfalls für mich, bei diesem Gerät ist dass das Midiout nicht richtig funktioniert. das heißt, für die, die so ein teil wollen um damit zb. ezdrummer oder ähnliches zu programmieren sehen in den meisten Fällen in die Röhre!

    das zweite problem ist das heftige übersprechen der Pads.

    ich hatte als kind den ur-vorgäner, und habe es geliebt… also kann die kritik von dem einen kollegen nicht nachvollziehen.

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