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Test: Yamaha Motif Rack, Synthesizer-Expander

19. März 2003

Modulare Workstation nun als Rack

2 Jahre nach Vorstellung der Tastaturversionen MOTIF 6,7 und 8 komplettiert Yamaha jetzt mit dem MOTIF Rack auf nur einer Höheneinheit die erfolgreiche MOTIF-Serie. Die Eckdaten des jüngsten Sprosses klingen sehr vielversprechend: 128 Stimmen, 84 MB Wellenformen im ROM (unkomprimiert), umfangreiche Effektabteilung und fast 900 vorgefertigte Sounds und 71 Drumsets. Und das alles zu einem Straßenpreis um die 1300 Euro. Da lohnt es sich, einmal genauer hinzusehen bzw. hinzuhören.

Anschlüsse und Bedienung

Auf der Rückseite des stabilen 19“ Racks erleben wir gleich einmal eine Überraschung: der MOTIF Rack lässt sich nämlich dank digitaler Anschlüsse (coaxial und optisch) in eine digitale Mixer- oder PC-Umgebung integrieren. Leider ist aber kein Wordclock Input vorhanden. Das nächste Highlight ist der USB-Anschluss. Hierüber lassen sich nämlich nicht nur die Sounds mit einem angeschlossenen Computer editieren und verwalten (die Software dazu liegt bei) – auch die gesamte Midisteuerung kann über diese Schnittstelle abgewickelt werden, d.h. ein zusätzliches Midi-Interface ist nicht notwendig. Gerade für Musiker, die nur mit dem MOTIF arbeiten wollen und den Rest vom Computer erledigen lassen, eine super Sache.
Selbstverständlich gibt es auch einen analogen Summenausgang und 4 separate Einzelausgänge. Auch das Midi-Trio (In/Out/Thru) fehlt nicht. Was fehlt, ist ein integriertes Netzteil. Dieses liegt als externe Stromversorgung dem Gerät bei.
Aufgrund des eingeschränkten Platzes, der auf der Vorderseite des MOTIF’s zur Verfügung steht, sind einige Drucktaster doppelt belegt. Die schwarze Beschriftung auf silberner Oberfläche ist gut ablesbar – die weiße Beschriftung bei Doppelbelegungen leider nicht. Die einzelnen Taster haben einen guten Druckpunkt und sind zum Teil mit einer LED ausgestattet, die je nach Betriebsart die Farbe wechselt. Für die verschiedenen Layer eines Sounds gibt es vier Mute-Taster – damit wird das Editieren eines Sounds stark vereinfacht. Ansonsten gibt es noch ein großes Datenrad zum Einstellen der Parameter-Werte und ein gut ablesbares hintergrundbeleuchtetes LC-Display (grün) mit 160 x 64 Pixel. Echtzeit-Controller fehlen leider gänzlich. Auf der Oberseite des Gerätes verbergen sich unter einer Klappe zwei Steckplätze für zusätzliche Erweiterungen. Z.Zt. bietet Yamaha 8 verschiedene Module an. Doch dazu später mehr.
Das Betriebssystem des MOTIFs ist übrigens updatefähig. Z. Zt. Steht die Firmware-Version 1.7 zum Download bereit.

Klangformung

Die Tonerzeugung basiert auf der bekannten AWM2-Synthese. Jede Voice kann aus bis zu 4 Elementen bestehen. Ein Element ist gleichzusetzen mit einer Wellenform aus dem 84 MB großen ROM-Speicher. Der MOTIF Rack ist 128-stimmig. Das heißt aber auch, wenn sich eine Voice aus 4 Elementen zusammensetzt, verringert sich die 128-stimmige Polyphonie entsprechend. Jedes Element verfügt über eine umfangreiche Filtersektion mit nicht weniger als 21 verschiedenen Filtertypen. Zur Modulation stehen drei 5-stufige Hüllkurven für Filter, Tonhöhe und Lautstärke zur Verfügung. Natürlich fehlt auch kein LFO, der sich synchron zur Midi-Clock ansteuern lässt. Modulationsquellen und –ziele heißen im MOTIF Rack Control Sets. Jeder Voice können bis zu 6 verschiedene Control Sets zugeordnet werden. Die Programmierung der einzelnen Sounds erfolgt im Voice-Mode. Unterschiede zu den Tastatur-Modellen 6/7/8: es gibt keine Möglichkeit, eigene Wellenformen zu samplen, um sie für eigene Sounds zu verwursten. Auch fehlt der Sequenzer und, mangels vorhandener Tastatur, auch der Master-Mode. Dafür gibt es eine deutlich ausgebaute Multi-Library, ein 3-Band-EQ für jeden Part im Multi-Mode und eine hervorragende Vorhörfunktion. Zusätzlich gibt es zwei neue Preset-Bänke prallgefüllt mit frischen Sounds.

Der Voice-Mode

Im Voice-Modus kann man sofort die 900 Preset-Klänge anspielen. Die Sounds sind in 5 Preset-, 1 GM- und 2 Userbänken organisiert. Hilfreich bei der Suche nach dem passenden Klang ist die „Category-Search“-Funktion: man wählt einfach die gewünschte Instrumentenkategorie z.B. SynLead aus und erhält die gesuchten Sounds in einer zusammenhängenden Liste unabhängig von deren tatsächlichen Positionen in den Soundbänken. Diese Funktion wurde auch in den Klangbeispielen verwendet. Eine besonders praktische Funktion, für die Musiker unter uns, die sowieso immer dieselben Sounds verwenden, ist die „Favoriten-Kategorie“: einfach Funktion aufrufen, Lieblingssound markieren und als Favoriten abspeichern – ruft man die Favoriten-Funktion später auf, erhält man eine Liste mit allen markierten Sounds – super Funktion! Auch die Sound-Vorhörfunktion (Audition) ist nicht von schlechten Eltern. Die Beispielphrasen geben einen sehr guten Eindruck von dem ausgewählten Klang wieder (s. Klangbeispiele). Die bearbeiteten Klänge können im User-Speicher abgelegt werden. Hierfür stehen 256 Speicherplätze für Voices und 32 für Drums zur Verfügung.

Der Multi-Mode

Im 16-fachen Multi-Mode können die einzelnen Klänge 16 Midi-Kanälen zugeordnet, gemischt und zu den Ausgängen des MOTIF’s geroutet werden. Hiefür hält der MOTIF sagenhafte 124 Preset-Multis bereit, die bereits mit interessanten Voice-Kombinationen vorbelegt sind und zum schnellen komponieren einladen. Zusammengestellte Multis können auf 128 User-Plätzen gespeichert werden.

Effekthascherei

Der MOTIF besitzt einen hochqualitativen Effekt-DSP, mit dem 5 parallele Effekte möglich sind. Als Systemeffekte für Voices oder Multis stehen 20 Reverb-Typen und 44 Chorus-Typen parallel zur Verfügung. Zusätzlich zu diesen beiden Systemeffekten kann man noch 2 Insertion-Effekte mit insgesamt 107 verschiedenen Effekttypen einsetzen.

Im Multi-Mode steht für jeden Part ein 3-Band-EQ und im Master zusätzlich noch ein 5-Band-EQ zur Verfügung.
Im Multi-Mode ist es jetzt sogar möglich, 4 Voices mit allen Effekten zu übernehmen, ohne sich über die individuellen Effekte einer Voice Gedanken machen zu müssen. Die Effektqualität hat sich im Vergleich zu früheren Yamaha-Geräten deutlich gesteigert. Auch der Part-EQ ist ein Segen – er bietet die Möglichkeit, auch ohne Einbindung eines externen Mischpultes, transparente Mixe innerhalb des MOTIFs zu erstellen.

Arpeggio

Der MOTIF verfügt über 2 Preset Bänke mit je 128 verschiedenen Arpeggio-Mustern. Die Typen sind in 4 Kategorien unterteilt: Die Kategorie Sq (Sequenz) erzeugt konventionelle Arpeggio-Phrasen, in erster Linie Oktavenverschiebungen. Die zweite Kategorie Ph (Phrase) erzeugt musikalische und rhythmische Sequenzen, die nach verschiedenen Musikstilen unterteilt sind. Außerdem gibt es spezielle Sequenzen z.B. für Gitarre oder Klavier. Die dritte Kategorie Dr (Drum-Pattern) enthält spezielle Sequenzen für Drum- und Percussion-Sounds. Die letzte Kategorie Ct (Controller) erzeugt mit Hilfe von Controller-Daten dynamische Klangveränderungen.
Alle Arpeggio-Daten können auch über Midi-Out ausgegeben und mit einem Software-Sequenzer aufgenommen werden. Eigene Arpeggio-Muster können jedoch nicht erstellt werden. Im Multimode steht der Arpeggiator auf allen 16 Kanälen zur Verfügung.

PlugIn-Boards

Der MOTIF lässt sich mit zwei optional erhältlichen PlugIn-Boards problemlos mit neuen Klangsynthesen erweitern. Insgesamt stehen z.Zt. 8 Boards zur Verfügung:

– PLG 150-DR (Drumkit-Board mit Life Room Drums, 32-stimmig)
– PLG 150-PC (Percussion-Board mit Latin Grooves, 32-stimmig)
– PLG 150-AN (Virtuell analoge Synthese des AN1x, 5-stimmig)
– PLG 150-DX (FM-Synthesizer, DX7-kompatibel, 16-stimmig)
– PLG 150-VL (Monophone Physical Modelling Synthese)
– PLG 150-PF (Stereo-Pianosounds, 64-stimmig)
– PLG 100-VH (Vocal-Harmonizer Board für 3-stimmigen Chorgesang)
– PLG 100-XG (32-stimmiges XG-Midi-Board)

Viele der oben aufgelisteten Boards sind schon ein paar Jahre alt und somit auch etwas in die Jahre gekommen. Daher ist vor dem Kauf dringend ein Test angeraten. Uneingeschränkt empfehlen kann man das AN1x-Board. Dieses Board erweitert den MOTIF um druckvolle analoge Sounds und wertet den vorhandenen Soundpool noch einmal auf. Bemerkenswert ist, dass die Stimmenanzahl bei Verwendung der Boardsounds nicht verringert sondern erhöht wird, da jedes Board quasi einen eigenständigen Synthesizer darstellt.Und wie klingt er nun?
Ich war ehrlich gesagt ziemlich überrascht, wie gut der MOTIF im Vergleich zu anderen Yamaha-Synthesizern oder auch Geräten anderer Hersteller (Korg Triton, Roland 5050) klingt. Die Sounds klingen alle sehr hochwertig, brillant und druckvoll.
Besonders hervorzuheben sind die Klaviere, E-Pianos, Streicher und die vielen Synthesizer-Sounds. Etwas schwächer sind die Bläserabteilung und die Gitarren (Virtual Guitarist ist eben nicht zu toppen :-) Die Drums sind sehr druckvoll und decken die gesamte Palette akustischer und elektronischer Sounds ab. Die Presetbank 5 wurde übrigens extra für den hiesigen Markt programmiert und enthält etliche Dance und Trance-Sounds. Die Soundauswahl ist natürlich Geschmacksache. Aber überzeugen sie sich am besten selbst mit Hilfe der Klangbeispiele. Jede Datei enthält einige Sounds aus jeder Kategorie. Beim Hören der Beispiele sollte man sich immer bewusst sein, dass es sich hierbei um komprimierte MP3-Dateien handelt. Für alle Klangbeispiele wurde übrigens die Vorhörfunktion des MOTIFs verwendet.

Software

Auf der beiliegenden CD befindet sich eine Editor-Software für PC und MAC, mit der man komfortabel Sounds am Bildschirm kreieren kann. Damit der MOTIF auch auf den Computer hört, müssen beide per USB-Kabel verbunden, der Treiber installiert und der MOTIF in den USB-Betrieb gesetzt werden. Startet man die Editor-Software möchte diese zunächst einmal alle Preset-Sounds in den Computer laden. Merkwürdigerweise dauert dies trotz USB gute 10 Minuten. Anschließend lässt sich der MOTIF aber sehr einfach mit der Computermaus editieren.

Technische Daten:

KLANGERZEUGUNG
Klangerzeugung
AWM2 (kompatibel zum Modular Synthesis Plug-in System)

Polyphonie
128 Stimmen + die Polyphonie installierter Plug-in Boards

Wave
84 MB (nach Konvertierung zu 16-Bit Linear)

VOICE
Voice: Preset: 640 Normal Voices + 48 Drum KitsGM: 128 Normal Voices + 1 Drum KitUser: 256 Normal Voices + 32 Drum Kits(enthalten 128 Preset Normal Voices und 22 Init Drum Kits)
Plug-in Voice: Preset für PLG150-AN/DX/PF/DR/PC: 64Preset für PLG150-VL: 192User: 64 pro Plug-in-Anschluss

MULTI
Multi User: 128
Multi Library: Performance: 59Multi: 65

EFFEKTE
Reverb: 20 Typen
Chorus: 44 Typen
Insertion: 1 107 Typen
Insertion: 2 107 Typen

Master Equalizer: 5 Bänder (High/HighMid/Mid/LowMid/Low)

Part Equalizer: 3 Bänder (High/Mid/Low)

ARPEGGIO
Typen: Preset 1- 128 Typen/ Preset 2- 128 Typen

BEDIENFELD
STANDBY/ON-Schalter, VOLUME-Regler, Data dial, Cursor-Tasten, EXIT-Taste, PAGE-Tasten, MUTE/SEL-Tasten, Part/Element-Tasten, BANK-Tasten, SHIFT-Taste, CATEGORY-Taste, Mode-Tasten

ANSCHLÜSSE
Vorderseite PHONES
Rückseite DC IN, USB, MIDI IN/OUT/THRU, DIGITAL OUTPUT, OPTICAL OUTPUT, ASSIGNABLE OUTPUT 1-4, OUTPUT L/MONO, R
Oberseite PLG1, PLG2

WEITERES
Display grafikfähiges LC-Display mit 160 x 64 Pixeln
Mitgeliefertes Zubehör Netzteil, Bedienungsanleitung, CD-ROM
Leistungsaufnahme 17 W (maximal; 22 W bei Installation zweier Plug-in-Boards)
Abmessungen 480 (B) x 372,4 (T) x 44 (H) mm
Gewicht 4,1 kg

Fazit

Der Yamaha MOTIF-RACK ist ein starker Synthesizer auf nur einer Höheneinheit. Yamaha hat nicht nur einfach die Tastaturmodelle kopiert, sondern neue Funktionalitäten hinzugefügt. 128 Stimmen, brillante und druckvolle Sounds, hochwertige Effekte, Part-EQs und eine umfangreiche Soundauswahl zeichnen den neuen MOTIF aus. Dank USB-Anschluss und digitaler Ausgänge lässt sich der MOTIF problemlos in ein Computer-Studio integrieren. Als einziges Manko fällt vielleicht die fehlende Sampling-Funktion ins Auge – aber dafür gibt es zum Glück viel bessere Softwarelösungen.

 

Plus

  • umfangreiche Soundauswahl, brillanter, hochwertiger Klang, gute Effekte
  • 128 Stimmen, 5 parallele Effekte inkl. EQ
  • digitale Ausgänge, USB-Anschluss, 4 Einzelausgänge
  • erweiterbar mit 2 PlugIn-Boards
  • 124 Multis mit inspirierenden Soundzusammenstellungen

Minus

  • keine Sampling-Möglichkeit
  • Taster mit Doppelbelegungen teilweise schlecht ablesbar
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    orpheus2006

    Der Motif Rack wird heute (April 2011) leider unterschätzt. Er arbeitet mit dem gleichen AWM2 (2nd-generation Advanced Wave Memory) Technologie und ist mit gleich starker Polyphonie ausgestattet wie die heute aktuellen Modelle XS und XF, bietet aber zusätzlich mit dem Modular Synthesis Plugin System die Möglichkeit, bis zu 2 Erweiterungsboards mit anderen Klangsynthese-Verfahren (virtuell analog, FM-Synthese, Physical Modelling, etc.) einzubauen.
    Man könnte schon fast behaupten, dass Yamaha mit den neuen Modellen einen Schritt zurückgegangen ist. Im Gegensatz zu den neuen Modellen aus der Motif-Reihe ist der Motif Rack mehr als nur ein Rompler.

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