Test: Yamaha PSR-SX700, SX900, Entertainer Keyboards

25. Dezember 2019

Massig Sounds und neue Entertainer-Funktionen

Test Yamaha PSR-SX700, SX900

Nachdem Yamaha mit dem Genos einen würdigen Tyros-Nachfolger entwickelt hat, hat der japanische Konzern nun die Riege direkt unterhalb des Flaggschiffs überarbeitet. Preislich unterscheiden sich die beiden Modelle PSR-Sx700 und PSR-SX900 fast schon als Workstation zu bezeichnenden Keyboards deutlich voneinander. Nur ein paar mehr Sounds und Rhythmen wird Yamaha dem größeren Modell PSR-SX900 also mit auf den Weg gegeben haben. Schauen wir einmal, wie sich die beiden neuen PSR-Modelle präsentieren.

Auftritt der Entertainer PSR-SX700 und PSR-SX900

Der erste Eindruck ist durchweg positiv. Wie man das von Yamaha gewohnt ist, ist das Entertainer Keyboard bestens verarbeitet. Mit 11,5 kg bringen SX700 und SX900 ein solides Gewicht auf die Waage, der Mitnahme zur Probe oder Auftritt steht bei diesem Gewicht absolut nichts im Wege. Die Maße belaufen sich auf 1017 x 431 x 139 mm, sie stecken also im gleichen Gehäuse.

yamaha psr sx700 sx900

Ausgeliefert werden die Keyboards mit einem externen Netzteil, einem gedruckten mehrsprachigem Handbuch sowie einem Notenständer. Ein extra Lob gibt es für die vielfältigen Videos, die Yamaha auf seiner Website zur Verfügung stellt. Neben klassischen Demo-Videos gibt es hier auch einfach verständliche Tutorials zu den neuen Funktionen, super.

Die Bedienoberfläche der Keyboards ist nach vorne geneigt. Hierdurch lässt sich sowohl das neue Touchscreen-Display als auch die Beschriftung der vielfältigen Buttons gut ablesen. Alles wirkt äußerst aufgeräumt und übersichtlich, was auch daran liegen mag, dass die beiden SX-Keyboards aufgrund des Touchscreens insgesamt weniger Buttons für Funktionen besitzen als die Vorgänger. Gegenüber dem Genos verfügen sie jedoch weiterhin über Kategorie-Taster für Voices und Styles.

yamaha psr sx700 sx900

Der klare Blickfang der Entertainer Keyboards ist natürlich das 7 Zoll messende Display. Hierüber wird ein Großteil der Funktionen gesteuert. Der Screen reagiert gut auf den Druck eines Fingers, hier kommt man schnell und sicher ans Ziel. Nach dem Start zeigt das Keyboard den Hauptbildschirm mit den Voices, Style, Registrierung, Song und weiteren Parametern an. Praxisnah sind die sechs Assignable-Tasten, die Yamaha unterhalb des Displays untergebracht hat und deren Funktion frei belegt werden kann. Rechts des Displays befindet sich die Auswahl der Voices samt Part-Select-Tasten, JogDial und Enter/Exit sowie Plus- und Minus-Tastern.

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Gegenüberliegend befinden sich der Power-On/Off, der Lautstärkeregler, die Auswahl der Styles sowie die Buttons für die Song-Abteilung. Ebenso hat Yamaha hier Transpose, Tempo, Mixer/EQ (für den Aufruf des internen Mixers) sowie die zwei frei programmierbaren Live-Controls untergebracht.

Wie bei nahezu allen Hersteller von Entertainer Keyboards üblich, befinden sich alle weiteren Tasten wie Style Control, Registrierungen, One Touch Settings und Multi Pad Controls direkt oberhalb der Tastatur. Eine Vielzahl dieser Buttons verfügt über kleine Leuchtstreifen, die den aktiven Zustand anzeigen, beispielsweise welches der drei Intros, welche Variation des Styles usw. gerade aktiv ist bzw. zum nächstmöglichen Zeitpunkt getriggert wird. Alle Bedienelemente der Entertainer Keyboards sind gut verarbeitet, die Buttons verfügen über einen ordentlichen Druckpunkt und alles lässt sich gut erreichen und bedienen.

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Über 61 anschlagdynamische Tasten verfügen beide SX-Keyboards. Die neue FSB-Tastatur ist absolut gelungen und man bekommt sehr schnell ein gutes Spielgefühl dafür. Auffällig ist, dass sich die Tastatur insgesamt sehr dynamisch spielen lässt. Leichtgewichtet sind die Tasten, eben typisch Entertainer Keyboard, etwas mehr Widerstand hätte es für meinen Geschmack aber sein dürfen. Aftertouch bietet die Tastatur nicht.

Links der Tastatur befindet sich ein Joystick, mit dem man Pitchbend und Modulation beeinflussen kann. Mit Hilfe der darüberliegenden Tasten „Modulation Hold“ kann der aktuelle Wert der Modulation gehalten werden bzw. mit Rotary SP/Assignable lässt sich die Leslie Geschwindigkeit von langsam auf schnell umschalten. Alternativ lässt sich dieser Button auch mit einer anderen Funktion belegen.

Anschlüsse und Lautsprechersystem der Yamaha SX-Keyboards

Bei den Anschlüsse offenbart sich der erste größere Unterschied zwischen den beiden SX-Brüdern. Während das SX700 lediglich einen Stereoausgang in Form von zwei 6,3 Klinkenbuchsen bietet, wartet der größere Bruder mit alternativen Ausgängen auf. Die mit SUB- (AUX) Output betitelten Klinkenbuchsen können wahlweise als zweiter Stereoausgang, aber auch als einzelne Mono-Ausgänge genutzt werden. Auch bei den USB-Ports gibt es Unterschiede. Beide verfügen zwar über einen USB-Port zum Anschluss an einen Computer sowie einen für Speichermedien, das SX900 bietet für Speichersticks o. ä. einen weiteren Port. Über einen separat erhältlichen Video-Adapter lässt sich hier auch ein externer Monitor anschließen.

Ansonsten gibt es hinsichtlich der Anschlüsse keine Unterschiede. Beide Keyboards bieten einen AUX-Eingang in Form einer 3,5 mm Klinkenbuchse plus einen weiteren Eingang, der für Mic- und Gitarrensignal geschaltet und mit Hilfe eines Gain-Regler eingepegelt werden kann. Zwei Pedale lassen sich anschließen, MIDI-Ein- und Ausgang komplettieren das Ganze und auf der Vorderseite gibt es noch einen Kopfhörerausgang zu vermelden.

Während es mittlerweile unzählige Digitalpianos gibt, bei denen man über Bluetooth Musik vom Smartphone oder Tablet ins Piano streamen kann, war Bluetooth Audio bei Entertainer Keyboards bisher noch unterrepräsentiert. Zumindest das SX900 bekommt diese Funktion nun aber spendiert, d. h. nach erfolgter Bluetooth-Verbindung lassen sich Audiodateien direkt von mobilen Endgeräten ins SX900 streamen.

Das Lautsprechersystem der Keyboards (SX900 zusätzlich mit „Expansive Soundfield Lautsprechern“) bietet 2x 15 Watt und reicht damit nicht nur für den Betrieb zu Hause, sondern auch kleinere Auftritte aus. Der Klang ist schön satt und bietet einen guten Bassbereich. Gerade bei kleinen und leichten Kunststoffgehäusen ist das oftmals ein Problem. Hier hat Yamaha das gut gelöst. Das SX900 verfügt gegenüber dem kleineren Bruder über „Expansive Soundfield Lautsprecher“-

yamaha psr sx700 sx900

Wie klingen SX700 und SX900 von Yamaha?

Die Klangerzeugung beider Keyboards ist 128-stimmig polyphon und beide bieten drei Parts  für die rechte (Right 1-3 – bisher gab es in dieser Preisklasse in der Regel nur zwei Parts) und einen für die linke Hand (Left). Mit 986 unterschiedlichen Voices und 41 Drum/SFX Kits ist das SX700 sehr breit aufgestellt. Das SX900 setzt da aber noch mal einen drauf und bietet insgesamt 1.337 Sounds und 56 Drum/SFX Kits. Wie bei den Produkten unterhalb des Flaggschiffs, in diesem Fall der Genos, üblich, bekommt man bei SX900 und SX700 einige der bisher dem Genos exklusiv vorbehaltenen Features und Sounds geboten. So beispielsweise einige der Super Articulation Sounds, wobei die SArt 2 Sounds weiterhin dem Genos vorbehalten sind.

Die Qualität der Sounds ist durch die Bank weg sehr gut. Oft tendieren die Hersteller ja dazu, durch Hinzunahme etwas älterer Sounds bzw. Sounds aus anderen Produkten die Anzahl der Sounds künstlich nach oben zu verlagern, so dass die ersten Sounds jeder Instrumentenkategorie stets sehr gut sind. Je weiter man durch die Presets geht, fällt die Qualität dann aber oftmals ab.

yamaha psr sx700 sx900

Bei den SX-Keyboards habe ich da seit Langem das Gefühl, dass die Qualität nicht nachlässt. Das eine oder andere Preset mag zwar Geschmackssache sein, insgesamt präsentiert sich das Keyboard aber soundtechnisch ungemein gut. Egal ob akustische Instrumente, Orgeln, Streicher, Bläser oder Synthesizer-Sounds, hier bekommt man wirklich viel Sound geboten. Sollte ein Sound einmal nicht ganz passen, lässt er sich im Voice Edit Menü anpassen.

Styles der Entertainer Keyboards

Auch bei den Styles gibt es zwischen den Modellen SX700 und SX900 einige Unterschiede. So bietet das SX700 insgesamt 400 Styles, das SX900 125 mehr. Für beide Keyboards bietet Yamaha über die Expansion/User-Styles Option die Möglichkeit, weitere Sounds und Styles zu kaufen. Hierfür stehen beim SX700 insgesamt 400 MB zur Verfügung (plus 1 GB User-Speicher), beim SX900 sind es 1 GB (Erweiterung) und 4 GB (User).

Wie schon beim Genos gibt es bei den beiden SX-Modellen keine Audio-Styles mehr. Neben Pro, Session und Free Play bieten beide 10 DJ-Styles. Jeder Style besteht aus drei Intros, vier Main-Variationen samt passenden Übergangs-Fills, einem Break sowie drei Endings. Pro Style bekommt man vier One-Touch-Settings geboten, d. h. die Yamaha Entwickler haben für jeden Style vier passende Settings samt Voices, Effekten und mehr ausgesucht, die stilistisch passend sind.

Passend dazu bieten SX700 und SX900 ihre Multi-Pads. Über diese können Rhythmus- oder Melodie-Sequenzen abgefeuert werden. Dabei lassen sich sowohl Audio- als auch MIDI-Dateien nutzen und die „Einwürfe“ können parallel zum Song-Player genutzt werden. Über den Song-Player lassen sich MIDI-, WAV- und MP3-Dateien abspielen, aufgenommen werden kann ebenfalls in allen drei Formaten.

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Wie auch bei den Voices lassen sich die Styles auf Wunsch bearbeiten und durcheinander mischen, d. h. möchte man die Drums aus einem Country-Style mit dem Bass und der Gitarre eines Dance-Rhythmus mischen, lässt sich dies unkompliziert über die Style-Assembly-Funktion erledigen. Auch eigene Styles können programmiert werden. Dadurch erweitert sich das Repertoire natürlich ungemein und man kann Styles gut an Original-Songs anpassen.

Ein Highlight, das jedoch nur dem SX900 vorbehalten ist, ist der neue Chord-Looper. Hiermit lässt sich eine Akkordfolge aufzeichnen und in der Endlosschleife wiedergeben. Dadurch hat man die linke Hand frei, um beispielsweise den Joystick oder die Live-Controls zu bedienen oder man nutzt diese Funktion für Zwischenspiele und animiert dabei das Publikum. Das Ganze lässt sich praktischerweise sowohl im Live-Betrieb (nach erfolgter Akkord-Aufnahme wird die komplette Tastatur für die Right-Parts freigegeben, bspw. für Soli) als auch zu Hause nutzen und speichern und so für den nächsten Auftritt vorbereiten.

Ebenfalls neu ist die Style-Reset-Funktion, die Yamaha beiden Modellen mit auf den Weg gegeben hat. Bei Songs mit unterschiedlichen Taktarten hatte man bisher stets das Problem, dass eingeschobene 2/4 oder 3/4 Takte nicht passend zum Rhythmus gespielt werden konnten bzw. es bei den Taktartwechseln problematisch werden konnte. Bei SX700 und SX900 kann man nun durch Knopfdruck auf die Zählzeit 1 des Styles springen, so dass man das Pattern zwei, drei o.ä. Viertel laufen lässt, um danach Style-Reset zu drücken und man daraufhin wieder bei der 1 des Pattern startet.

Registrierungen, Playlists und Effekte

Alle Einstellungen lassen sich in einer Registrierung speichern und auf Wunsch lässt sich alles für den nächsten Auftritt schon in die passende Reihenfolge bringen. Auf seiner Website bietet Yamaha eine Bonus-Playlist zum Download an. Diese beinhaltet eine Vielzahl bekannter Songs, so dass man hier die passenden Einstellungen samt Voices und Styles sofort parat hat.

yamaha psr sx700 sx900

Bei den Effekten bieten SX700 und SX900 nahezu eine identische Ausstattung, großer Unterschied sind aber der Synth-Vocoder, die Vocal-Harmony-Funktionen und die VCM-Technologie (die zur Nachbildung von Effekt-Klassikern genutzt wird), die es alle nur beim SX900 gibt. 20 (Vocoder) bzw. 54 (Harmony) vorgefertigte Presets bietet das SX900, um eingehende Signale mit dem passenden Effekt bzw. Harmonien anzureichern. Gerade für Alleinunterhalter ist das natürlich eine feine Sache und wohlmöglich ein ausschlaggebendes Kaufargument für das SX900 und gegen das SX700.

Darüber hinaus bieten beide Keyboards natürlich einen Song-Player/Sequencer. Sowohl WAVs als auch MP3s können abgespielt und aufgezeichnet werden.

Fazit

PSR-SX700 und SX900 sind zwei sehr zu empfehlende Entertainer Keyboards von Yamaha. Die Unterschiede zwischen den beiden Modellen sind nicht ohne und Yamaha verlangt für das SX900 auch über 1.000,- Euro mehr. Dafür erhält man beim SX900 einen zweiten Stereoausgang, mehr Sounds und Styles, Synth-Vocoder, Vocal-Harmony, VCM, mehr Speicher, eine zweite Anschlussmöglichkeit für USB-Medien bzw. einen externen Monitor sowie die neuen Funktionen Chord-Looper und Bluetooth-Audio. Wer auf all das verzichten kann, fährt mit dem SX700 besser und günstiger.

Ich persönlich finde diese deutliche Abstufung zwischen den beiden Keyboards gut und besser als wenn Hersteller zwischen zwei Modellen mit annähernd gleichem Namen nur ein paar Sounds und Styles als Unterschied ausmachen.

So oder so hat Yamaha bei beiden Modellen einen guten Schritt nach vorne gemacht, so dass beide am Ende des Tests ein „sehr gut“ bekommen.

Plus

  • Sound-Angebot und Klangqualität
  • Bedienung und Verarbeitung
  • Erweiterungsmöglichkeiten
  • Chord Looper (nur SX900)
  • Bluetooth Audio (nur SX900)

Minus

  • externes Netzteil

Preis

  • SX700: 1.090,- Euro
  • SX900: 2.129,- Euro
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