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Test: Yamaha Revstar RSE20 Red Copper, E-Gitarre

12. Juli 2022

Günstige Revstar aus der Element-Serie

Wir hatten neulich bereits eine Revstar aus der Professional-Serie unter die Lupe genommen, die außerordentlich überzeugen konnte, aber auch nicht ganz billig war. Wer nicht ganz so tief in die Tasche greifen möchte, für den mag der heutige Testbericht gerade zur rechten Zeit kommen, da die Revstar auch aus der deutlich günstigeren Element-Serie zu erstehen ist. Wie weit die beiden Modelle auseinanderliegen und welche Unterschiede diese aufweisen, ist gleichfalls Thema des Tests. Die Revstar RSE20 bietet im Wesentlichen die gleichen Features wie die Modelle der Professional-Serie, es gibt aber einige Unterschiede, so verzichtet diese auf das massive Tailpiece, das sich sicherlich tonal auswirkt. Der 5-Wege-Blade-Schalter der Professional-Serie wurde hier gegen einen 3-Wege-Schalter eingetauscht, was die klangliche Bandbreite gleichfalls etwas einschränken dürfte.

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Während die Revstars aus der Professional-Serie einen sogenannten Focus-Switch implementiert haben, der die Höhen absenkt, erledigt der Masterton-Push-Pull-Switch der Element-Serie eine Absenkung der Bässe, wobei der Klang etwas schlanker wird. Hiermit erhält man in Sekundenschnelle Singlecoil-ähnliche Klänge, wobei die Brummfreiheit natürlich erhalten bleibt.

Ebenso ist die Elektrikfachabdeckung nicht aus gebürstetem Alu, sondern aus Kunststoff. Natürlich bieten die günstigeren Modelle dasselbe Prinzip hinsichtlich des Konzepts, also auch hier kommt ein Mahagonikorpus mit Tonkammern zum Einsatz, der den Klang etwas in die halbakustische Richtung biegt. Beim direkten Vergleich beider Serien lässt sich spontan feststellen, dass die „abgespeckte Variante“ nicht ganz an den Spirit und die Ausstrahlung der Instrumente aus der Professional-Serie heran ragen.

Yamaha Revstar RSE20 Red Copper – Facts & Features

Unsere Revstar RSE20 erhielt die Farbgebung Red Copper, sie wäre alternativ auch noch in Vintage White, Neon Yellow und Black zu erstehen, die rote Variante sieht edel aus und wäre meine persönliche Wahl, obgleich Geschmäcker ja bekanntermaßen stark differieren. Die Verarbeitung der Testkandidatin ist, wie von Yamaha gewohnt, absolut tadellos. Der erste Eindruck ist bereits positiv, da sich das Instrument gut anfühlt, sich gleichfalls gut spielen lässt und sauber intoniert. Schon trocken gespielt erkennt man, dass sie keine Solidbody ist, sondern etwas „luftiger“ und „halbakustischer“ klingt. Ab Werk wurde ein Satz „0.10-er“ (Elixir Nanoweg Light 010 – .046) aufgezogen.

Korpus

Die Mahagoni-Bodys der Revstar-Modelle aus der Element-Serie wurden gleichfalls mit sogenannten Tonkammern (Ausfräsungen) und Carbonverstärkung ausgestattet.

Yamaha Revstar RSE20, Body

Der Korpus wurde mit Carbon verstärkt und mit Fräsungen (Tonkammern) versehen, die für den halbakustischen Ton verantwortlich sind

Die zwei für diese Serie typischen und mittig angebrachten Rallyestreifen scheinen (nur auf der Front) noch sehr dezent durch die hochglänzende Lackierung hindurch. Eine sogenannte „Bierbauchfräsung“, wie wir diese von einer Stratocaster kennen, wurde gleichfalls „abgefräst“, was das Gewicht des Instruments etwas reduziert.

Yamaha Revstar RSE20 Red Copper, Back

Hochglanz am Korpus auch von hinten, der Hals erhielt eine matte Lackierung

Hals

Der eingeleimte Hals aus Mahagoni wurde durch zwei eingesetzten Streifen aus Carbon verstärkt, was die Stabilität des Halses erhöht. Anschließend wurde ein Palisandergriffbrett aufgeleimt. Als Griffbretteinlagen kommen weiße Dots zum Einsatz. Die Halsmaße werden vom Hersteller folgendermaßen angegeben: Halsdicke am 1. Bund: 21 mm, am 12. Bund: 24 mm.
Die Mensur (629 mm, 24,76″), der Griffbrettradius (305 mm, 12″) und die Sattelbreite von 41,9 mm sind vergleichbar mit gewöhnlichen Gitarrenmodellen aus dem Hause Gibson.

Die 22 fetten und hohen Jumbo-Bünde wurden perfekt ins Griffbrett gesetzt und einwandfrei abgerichtet und poliert. Einige Arbeitsschritte der Fertigung werden heutzutage fast komplett von Maschinen erledigt, deswegen gleicht ein Hals dem anderen (CNC-Fräse) und die Fertigungstoleranzen sind, wenn überhaupt, mit dem bloßen Auge kaum noch feststellbar. Die Griffbrettkanten wurden schön abgerundet, was das Spiel angenehm gestaltet. Die Halsrückseite wurde matt lackiert, also kein Kleben beim Lagenwechsel und die Kopfplatte wurde unter dem Sattel etwas verdickt. Damit wird verhindert, dass der Hals bei einem Sturz größeren Schaden nimmt, was eine gute Maßnahme ist.

Yamaha Revstar RSE20, Body

Zwei Streifen Carbonverstärkung

Elektrik & Hardware

Verbaut wurden zwei Humbucker (VH3b AlNiCo 5 am Steg und ein VH3n AlNiCo 5 am Hals.
An Bord befinden sich ein Master-Volume-Regler und ein Master-Tone-Poti (Push-Pull). Im Gegensatz zu den Revstar Modellen aus der Professional-Serie hat das Push-Pull-Poti hier die Funktion, ein Highpass-Filter hinzuzuschalten, das den Klang etwas schlanker macht. Haben die Modelle der Professional-Serie einen 5-Wege-Blade-Schalter, besitzt unsere Testkandidatin einen 3-Wege-Schalter. Die Elektrikfachabdeckug wurde hier aus Kunststoff gefertigt und nicht aus gebürstetem Alu (wie bei der Professional-Variante). Die Hardware (Tune-O-Matic Steg mit Stopbar Tailpiece) und die DieCast-Mechaniken wurden verchromt. Das 3-lagige schwarze Schlagbrett harmoniert gut mit dem Design dieser Revstar.

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Yamaha Revstar RSE20, Switch

Technisch simpel, aber sehr effektiv, das passive Highpass-Filter am Tone-Poti arbeitet lediglich mit zwei Kondensatoren

Handling

Die Testkandidatin kommt ausgewogen und frei von Kopflastigkeit auf den Knien zu liegen, schmiegt sich gut am Knie an und gestatten ein angenehmes Auflegen des rechten Arms. Ab Werk war die Saitenlage nicht besonders komfortabel eingestellt und wurde von mir zunächst verbessert, indem ich die Rändelschrauben des Stegs durch ca. eine halbe Drehung nach rechts etwas absenkte. Die Bundreinheit war sauber eingestellt. Der Hals liegt gut in den Händen, die hohen Bünde machen das Saitenziehen angenehm leicht. Die Aktivierung des Highpass-Filters fällt ebenfalls leicht, da die Potiknöpfe aus Metall derart geformt sind, dass man mit den Fingern noch entspannt darunter kommt, um am Poti zu ziehen. Der Hals fühlt sich sehr angenehm an, wobei er weder besonders schlank noch außergewöhnlich fett ausfällt, somit dürften viele Gitarristen damit glücklich werden.

Sound

Bereits „trocken gespielt“, kann man die halbakustische Komponente eindeutig hören, da die Yamaha Revstar RSE20 recht perkussiv und „luftig“ klingt. Das Instrument entwickelt ein ausgezeichnetes Sustain und bietet einen ausgewogenen und gleichfalls interessanten Grundsound.

Da das Highpass-Filter am Master-Tone-Regler ein recht mächtiges Feature ist, habe ich alle Klangbeispiele zunächst ohne den gezogenen Tone-Regler (Highpass-Filter inaktiv) eingespielt, ca. in der Mitte der Klangbeispiele wurde dann jeweils das Filter aktiviert, was sich in einem leicht ausgedünnten Klang bemerkbar macht. Die Schaltung besteht, wie ich vermutete, lediglich aus zwei kleinen, kostengünstigen Kondensatoren (Pfennigartikel), die einfach hinzugeschaltet werden und somit weniger Bassfrequenzen durchlassen. Diese Schaltung ist absolut praxistauglich, da die tonale Auswirkung zwar relativ subtil, aber dennoch eindeutig zu hören ist und sich genau im richtigen Frequenzbereich auswirkt. Sie macht den Klang auf sehr musikalische Weise etwas schlanker.

Mittlerweile haben einige Hersteller die Wünsche der Gitarristen beherzigt, auch auf den Bassbereich einwirken zu können. Einige Instrumente, beispielsweise viele G&L Gitarren, bieten diesbezüglich hier ein passives Highpass-Filter (dieses lässt die höheren Frequenzen passieren und beschneidet die tiefen, was jeweils durch die Werte der Kondensatoren bzw. Widerstande bestimmt wird) auf einem separaten Tone-Poti. Die Lösung per Switch mag noch etwas eleganter wirken.

Auch bei heftigem Gain könnte man das Highpass-Filter einsetzen, um sich von matschenden Bässen schlagartig zu befreien und das alles passiv, also ohne die Notwendigkeit, eine Batterie an Bord haben zu müssen. Der Sound bekommt dann eine Art „Singlecoil-Vibe“, ohne aber zu brummen, da ja beide Humbuckerspulen nach wie vor aktiv sind.

Hören wir zunächst den Hals-Pickup mit einem cleanen Sound und einigen Bluesphrasen. In der Mitte des Klangbeispiels wird dann der Tone-Regler gezogen und somit der Klang etwas schlanker, aber auf sehr angenehme Weise:

Nun hören wir den Steg-Pickup, wiederum erst ohne, dann mit aktiviertem Highpass-Filter:

Die verbauten Tonabnehmer klingen überzeugend, sind nicht zu heiß und spendieren einen ausgewogenen Klang, der sich in vielen Stilrichtungen einsetzen ließe.

Hören wir nun beide Tonabnehmer parallel (Mittelstellung des 3-Wege-Schalters) mit moderater „Zerrung“:

Sowohl mit als auch ohne Filter klingt es recht individuell, also etwas abseits des Mainstreams, womit ich die bekanntesten Modelle wie Strat, Tele, Les Paul und Konsorten meine.

Auch der Steg-Pickup macht einen guten Job, sowohl mit als auch ohne aktiviertes Highpass-Filter :

Schließlich spiele ich einige Phrasen zweimal recht ähnlich, jeweils erst ohne, dann mit aktiviertem Filter, um den Unterschied zu demonstrieren. Wir hören den Hals-Pickup:

Diese Revstar ist ein wirklich eigenständiges Arbeitsgerät mit individuellem Sound, Look und tollen Features. Für diesen moderaten Preis bekommt man kaum mehr Gitarre fürs Geld.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Yamaha Revstar RSE20 – Peavey Classic 20 MH – MESA/Boogie 1x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – MOTU M4 – Mac mit Logic (teilweise etwas Delay hinzugefügt)

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Fazit

Die Yamaha Revstar RSE20 erreicht sicherlich nicht ganz die perfekte Ausstrahlung, das Handling und den Klang der Revstars aus der Professional-Serie, dennoch macht sie einen sehr überzeugenden Eindruck, glänzt mit gutem Klang und extrem sauberer Verarbeitung. Die Revstar ist sicherlich individuell und anders als die klassischen Modelle, gerade auch durch das Konzept mit den Kammern. Das Highpass-Filter erweitert die Klangpalette deutlich, sodass man diesem Instrument aus der Element-Serie letztlich sechs gute Sounds entlocken kann. Für diesen Preis sind nur wenige Instrumente dieser Güte zu erwerben, die mit dieser klanglicher Flexibilität und sehr sauberen Verarbeitung aufwarten können.

Plus

  • Sound
  • "halbakustisches" Design
  • Verarbeitung
  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • schaltbares Highpass-Filter

Minus

  • -

Preis

  • 479,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    suwannee

    Oh ja. Das ist doch mal wieder eine richtige Diva von YAMAHA. Einfach schick und jeden Cent wert. Es muß ja nicht immer ein extrem teures Instrument aus der Boutique Gilde sein. Edles und feines Design, gute Verarbeitung, gute Technik, guter Sound und einen sehr attraktiven Preis! Was will ein Künstlerherz denn noch mehr! Höchste Punktzahl!

  2. Profilbild
    Eibensang

    Immer noch sehr guter Klang (soweit sich hier fernvermuten lässt: noch recht nah am teureren und variantenstärkeren Modell). Mit der Revstar-Serie hat Yamaha richtig heiße Eisen im Feuer. Allein die Korpusform spricht mich nicht so an, obwohl ich das Glanzrot des Testmodells recht apart finde. Wahrscheinlich würde ich eine Revstar, welche auch immer, heute einer Gibson Paula vorziehen. Zumal die Revstars nicht so schwer sind! Und der Hals-Korpus-Übergang schaut auch deutlich ergonomischer aus.

  3. Profilbild
    beatlejus

    Das klingt sehr interessant und nach einer ernstzunehmenden günstigen und trotzdem guten Alternative – die werde ich bestimmt mal antesten.

  4. Profilbild
    OscSync

    Johannes, bist Du Dir sicher, was die Carbonverstärkung im Hals betrifft? Im Gegesatz zur Professional- und Standard-Serie wird dieses Feature bei der Element-Serie nicht beworben, woraus ich schliessen würde, das es auch nicht verbaut ist.
    Dennoch eine schöne Gitarre, die Appetit macht…

    • Profilbild
      lerxt

      Das stimmt.

      -Element: kein carbon.
      -Standard: carbon streifen im hals.
      -Professional: carbon streifen im hals und im korpus.

  5. Profilbild
    Polysix

    Würde mich interessieren, was es mit den Carbon-Streifen auf sich hat. Für die Stabilität vermutlich. Aber hat es Relevanz, wenn man das Instrument nicht ultrahart anfaßt? Wegen den Kammern im Korpus oder Stimmfestigkeit (Hals)?

  6. Profilbild
    Gefuehlsmensch

    Für unter 500 EUR eine tolle Gitarre. Besonders im Steg, crunch + Switch überzeugen die Töne soweit man das aus der Ferne beurteilen kann.

  7. Profilbild
    elkfield

    Da mich im Moment das absolute Gitarrenfieber erwischt hat und ich im Moment noch Akustik Gitarre spielen sicherlich einen Blick Wert als Einstieg in die E-Gitarre Welt.

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