Test: Zoom G3Xn, Multieffektgerät

8. Februar 2017

Ein Board für (fast) alle Fälle

— Zoom G3xn —

Zugegeben, momentan ist nicht gerade die Zeit der Multieffektgeräte. Selbst angestammte Platzhirsche in diesem Segment, wie z.B. Digitech oder BOSS, bescheren dem Markt überwiegend Effektpedale als Einzellösung, da bleibt zwischen den ganzen bunten Produktneuheiten kaum Platz für die kleinen und überaus praktischen „Alleskönner“. Die japanische Firma Zoom traut sich aber was und präsentiert mit dem Zoom G3Xn ein Multieffektboard, dessen Bedienung der eines einfachen Fußpedals in nichts nachstehen soll – nur in gleich dreifacher Ausführung.

Facts & Features

Der Trend geht also weiter in Richtung einfacher Bedienbarkeit und das kann uns Gitarristen ja nur recht sein. Mit den drei zentral auf der Bedienoberfläche angeordneten Effektblöcken und ihren Displays werden die Preamps, Effekte und Boxensimulationen des Zoom G3Xn geladen, editiert und auch gespeichert. So einfach, wie es aussieht, ist es tatsächlich, auch wenn man schon ein gutes Auge besitzen muss oder zumindest sehr nah am Gerät sein sollte, um auch alle Parameter auf den doch recht kleinen Anzeigen zuverlässig ablesen zu können. Für jedes der drei Effektmodule stehen vier Potis zur Verfügung, die zusammen mit der entsprechenden Balkengrafik des gewählten Parameters im Display das Einstellen der gewünschten Sounds ermöglichen.

— Besser als ein Blindflug – die drei winzigen Displays am Zoom G3Xn —

Wie immer erwartet uns ein Arsenal an verfügbaren Algorithmen. Angefangen von Ampsimulationen in Anlehnung bekannter Namen wie etwa Marshall, VOX, Boogie und Bogner tummeln sich im Innern des Zoom G3Xn natürlich auch nahezu alle Arten von Modulationseffekten, Hallräumen, Echos, EQs und dergleichen. Eine Boxensimulation rundet das Angebot ab, auch hier gibt es Nachbildungen in allen möglichen Facetten: Das klassische 4×12″ Cabinet ist dabei genau so vertreten wie 1×12″ oder 1×10″ Varianten in offener oder geschlossener Ausführung. Bis zu sieben Effekte können gleichzeitig genutzt und in ihrer Reihenfolge beliebig kombiniert werden. Die selbsterstellten Kreationen können dann schließlich auf die 150 Speicherplätze wandern, das sollte fürs Erste wohl genügen.

Ein Großteil der Funktionen kann auch in Echtzeit mit dem Pedal auf der Oberfläche gesteuert werden, theoretisch jedenfalls. Im praktischen Einsatz zeigt sich das Pedal aber durch seinen extrem kurzen Regelweg nur als bedingt brauchbar.

Die Extra-Funktionen des Zoom G3Xn – loopen und begleiten

Die Funktion als ein vollwertiges Multieffektgerät ist die eine Seite, auf der anderen gibt es noch zwei interessante Features, die aus dem G3Xn fast schon eine kleine Workstation machen. Zunächst wäre da der Looper, der nicht nur in einfacher Ausführung, sondern gleichzeitig in jedes der drei Module geladen werden kann. Drei Looper auf einmal – das gestaltet das Starten, Stoppen und Overdubben der einzelnen Sequenzen natürlich sehr komfortabel und übersichtlich. Die Aufnahmekapazität beträgt für den Monolooper 20 und für die Stereoversion immerhin 40 Sekunden. Die zweite nette Zusatzfunktion ist die Drumbegleitung, die ebenfalls in eines der drei Module geladen werden kann. Über sechzig Stilistiken stehen zur Verfügung, darunter auch solche mit ungeraden Takten oder ein reines Metronomsignal, für die ganz Harten unter uns. Looper und Drumbegleitung können gemeinsam genutzt werden und somit ist es ganz einfach, sich schnell ein paar Backingtracks zusammen zu basteln.

Das alles muss natürlich auch hörbar gemacht werden und damit kommen wir zu den Anschlüssen des Zoom G3Xn.

Die Anschlüsse des Zoom G3Xn

Viel ist es nicht, was uns da an der Stirnseite erwartet. Und dennoch genug, um das Pedal flexibel einzusetzen. Zunächst ist es erfreulich, dass das Zoom G3Xn über einen Stereoausgang verfügt, daran kann auch ein Kopfhörer angeschlossen werden. Natürlich kann das Signal von hier aus auch in den Computer geschickt werden, so stellt es sich zumindest der Hersteller vor. In der Praxis sieht das leider anders aus, aber dazu später mehr.

Ebenso erfreulich ist die Anwesenheit eines Netzschalters, zur Not schaltet sich das Pedal dank des „Eco Modus“ aber nach zehn Stunden Inaktivität ohnehin von selbst aus. Es folgt der Anschluss für das Netzteil, das sich auch im Lieferumfang befindet sowie eine Aux-In-Buchse zum Einspeisen externer Soundquellen.

USB und Guitar Lab Software

Den Abschluss bildet ein Mini-USB-Port, der das Signal des G3Xn nicht nur verlustfrei in den Computer portiert, sondern auch zum Editieren des Gerätes mittels einer Software dient. Dieser Editor nennt sich Zoom Guitar Lab und dient zur Verwaltung der erstellten Patches (Sounds). Gleichzeitig besteht aber auch die Möglichkeit, sich Klänge von anderen Nutzern der G-Familie von Zoom auf das G3Xn zu laden, unterstützt werden nämlich auch die kleineren bzw. leistungsstärkeren Modelle G3 und G5 sowie der Bassprozessor B3.

— Zoom Guitar Lab Software —

Sound & Praxis mit dem Zoom G3Xn

Für den Test wurde das G3Xn auf zweierlei Arten betrieben: zum einen ganz klassisch vor einem Röhrenamp und zum anderen direkt an einem Mischpult, also mit dem reinen Linesignal aus den beiden Stereoausgängen. Variante Nr. 1 kann im Test deutlich mehr überzeugen, mit dem Verstärker (und dessen Lautsprecher) als Partner kann man dem Zoom G3Xn eine recht ordentliche Klangqualität bescheinigen, auch wenn die Werkspresets natürlich wie immer gnadenlos überfrachtet sind und daher erst mal eine Anpassung bzw. Ausdünnung benötigen.

Dagegen präsentiert sich der Klang direkt im Mischpult als ehr beschnitten und hier merkt man deutlich die minderwertige Qualität der AD/DA-Wandler, die nicht nur durch eine sehr eingeschränkte Dynamik, sondern auch durch einen rauschigen und eher dumpfen Grundklang auffallen. So matschen die verzerrten Klänge überwiegend und die unverzerrten besitzen so gut wie keinen Headroom oder geschweige denn Brillanzen im Sound. Da hilft auch keine Korrektur mit den Equalizern, das Ändern des Boxentyps oder dessen verwendete Mikroposition zur Abnahme. Eine echte Speakersimulation auf Knopfdruck existiert nicht, theoretisch könnte man sich mit den vorhandenen Boxen- und Mikrofontypen eine zurecht basteln, was aber in der Praxis zu keinem wirklich befriedigenden Ergebnis führt.

Das ist sehr schade, denn das Bedienkonzept des Zoom G3Xn mit den drei getrennten Effektblöcken und ihren Displays ist wirklich clever gelöst und es ist sehr einfach, neue Effekte und Konfigurationen zu laden, auch wenn der Prozessor dann und wann an seine Grenzen gerät und dies mit der Meldung „PROCESS OVERFLOW – CHANGE EFFECT“ quittiert. Das passiert gar nicht mal so selten, insbesondere bei den höherwertigen Hallräumen ist schnell die Grenze des Machbaren erreicht, obwohl der Sound aus oben genannten Gründen keineswegs Premium bzw. „HD“ ist, wie uns die Namen einiger Presets suggerieren soll.

Die eingeschränkte Leistungsfähigkeit des DSPs bemerkt man weiterhin bei den Octaver- und Doppler-Sounds, bei denen das Tracking immer etwas hinterherhinkt, ein gutes Beispiel dafür ist unser erstes Klangbeispiel, das dem Preset „Octave Solo“ entspringt. Für dieses und die nun folgenden Klangbeispiele wurden verwendet: Orange Micro Dark Gitarrenamp mit H & K GL112 Box und 12″ Celestion Vintage 30 Speaker, ein AKG C3000 Mikro sowie als Instrument eine Music Man Silhouette Special Gitarre.

Das nächste Klangbeispiel zeigt das Preset „Axe Attack“, einen angezerrten Rhythmussound ohne sonstige Effekte.

Nun die Simulation eines Fender Twin Reverbs, Preset „Twin Basic“.

Nun ein recht voll mit Effekten beladenes Preset – „Euphoria“.

Das Preset „Johnny“ zeigt die Effektkombination Delay, Hall und Vibrato.

Preset „The Force“ zeigt eine Simulation eines Boogie Mark V, garniert mit etwas Hall und Delay.

Zum Abschluss nun die Simulation eines Bogner-Amps mit zugeschaltetem Booster – Preset „DJent Drive“.

Fazit

Wer auf der Suche nach einem günstigen Multieffektboard ist und dieses nicht unbedingt zum Direct-Recording nutzen will, der könnte am Zoom G3Xn seinen Gefallen finden. An der Quantität gibt es nichts zu meckern, jeder nur vorstellbare Effekt befindet sich an Bord, allerdings wird die Qualität des Gebotenen durch die minderwertigen AD/DA-Wandler stark beschnitten, was sich in einer flachen Dynamik und einem insgesamt eher verwaschenen Sound zeigt. Somit ist das Zoom G3Xn nur sinnvoll in Verbindung mit einem (guten) Gitarrenverstärker einsetzbar, der die fehlende Dynamik und Spritzigkeit bestenfalls kompensieren kann. Für ganze 10,- Euro mehr gibt es das BOSS GT-1 – und das kann Vieles besser.

Plus

  • große Effektvielfalt
  • einfache und intuitive Bedienung
  • robustes Gehäuse
  • ausreichend Anschlussmöglichkeiten

Minus

  • Klangqualität insgesamt eher unbefriedigend
  • sehr kurzer Regelweg des Onboard Expression Pedals
  • DSP gerät recht schnell an seine Belastungsgrenzen

Preis

  • Ladenpreis: 189,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Despistado  

    Ich hab keine Ahnung von Gitarreneffekten aber mit dem Preset Johnny stimmt doch irgendwas nicht.
    Das ist nicht nur Delay, Hall und Vibrato, das Signal wird unschön zerhackt, wie von einem LFO mit Square-Wellenform.
    Wer macht denn sowas als Preset?

    Oder sind die Audiobeispiele defekt?

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