Top News: Technics SL-1200G, DJ-Plattenspieler

1. März 2016

...und darum ist der neue Technics so teuer

Die News sorgten für große Aufregung kurz vor der NAMM-Show: Es wird einen neuen Technics Plattenspieler geben, bzw. zunächst einen SL 1210G in einer limitierten und unlimitierten Version. Der Plattenspieler, der seit Jahrzehnten als Clubstandard gilt und zum Ärger vieler DJs vor einigen Jahren bereits eingestellt wurde, feiert in 2016 ein Comeback. Im altbekannten Design aber laut Technics technisch neu entwickelt darf man gespannt sein auf das, was uns erwartet.

Schönheit neu definiert. Wenn Geräte sexy werden können.

Schönheit neu definiert. Wenn Geräte sexy werden können.

Ebenso groß wie die Aufregung nach Bekanntwerden des neuen Modells war, war aber auch die Aufregung, als die ersten Infos zum Thema Preis bekannt wurden. 4000,- $, umgerechnet aktuell rund 3676,- €, für die limitierte, aber auch für die unlimitierte Version? Zugegeben, zunächst konnte man dieses Gerücht nicht glauben, befindet sich dieser Preis doch realistisch gesehen jenseits von allem Nachvollziehbarem.

Während zunächst die Sympathie noch groß war, gab es auf die Preis-Information eher verhaltenes Feedback, wenn man das einmal so ausdrücken darf.
Gegenüber dem britischen HiFi-Magazin What HiFi? äußerte sich nun der Chef-Entwickler des Unternehmens, Tetsuya Itani, hinsichtlich des Preises, wie in einem Artikel zu Lesen war.

“Everything is new, apart from the dust cover”

Alles ist neu? Laut Aussage des CTO von Technics gegenüber dem Magazin wurde der neue Technics von Grund auf neu entwickelt. Sicherlich hat man auf den Entwicklungen und Kenntnisse der Vorgänger aufgebaut.

Dennoch hat man im Hause Technics die Chance genutzt, nicht nur ein neues Modell zu bauen, welches wie die unterschiedlichen Vorgänger-Modelle zu großen Teilen identisch ist, sondern mit dem Know How von heute zu entwickeln. Vielleicht hat man dies auch mit Respekt vor der eigenen Geschichte, in der ein eigentlich-HiFi-Plattenspieler „aus Versehen“ zu DEM Plattenspieler über Generationen wurde, getan. Vielleicht auch mit dem Gedanken und dem Anspruch genau dies zu wiederholen und erneut ein Gerät auf den Markt zu bringen, was genau diese Stellung zementiert für viele viele weitere Jahre.


“The cost was the biggest problem for us, from the start of the project.“

Klar muss jedem sein, wir vergleichen hier eine Produktion, die in den 1970er Jahren entwickelt und begonnen wurde mit einer Produktion im 21. Jahrhundert. Das hier ein massiver Kostenunterschied besteht wird nachvollziehbar sein und so sind Aussagen wie „ich habe damals für meinen Technics aber nur 800,- Mark bezahlt“ selbsterklärend. Ja: damals. Das muss aber schon ewig her sein, denn ich habe „damals“, also vor recht genau zehn Jahren für meine Technics 749,- € bezahlt – bei einem Straßenpreis von 799,- €. Vom heutigen Preis von mehr als 2000,- € für ein Neu-Gerät brauchen wir wohl kaum sprechen.

Aber ob nun veraltet oder aufgrund des mehrjährigen Produktionsstopps, die Produktionsstrecken sollen nicht mehr nutzbar gewesen sein, so dass notwendige Mittel zur Produktion der Bauteile ebenfalls entwickelt wurden. Mit Ausnahme der Cover offenbar, denn die Produktionsmittel zur Herstellung der Cover sollen die einzigen gewesen sein, die zu einer neuen Produktionsreihe noch zu Nutzen sein sollen.

So hat man sich offenbar daran gemacht wirklich von Grund an einen neuen Plattenspieler zu entwickeln. Alleine der Plattenteller soll drei mal so viel wieger, wie der des Vorgängers. Dazu ein neuer Aufbau hinsichtlich des Gehäuses und ein neuer Motor. Sicher werden auch am Tonarm Verbesserungen zu finden sein.

Alles schlägt sich dann im Preis wieder. Ob gerechtfertigt oder nicht wird man sicher erst sehen, wenn die Geräte auf dem Markt sind.
Ob ein günstigeres Modell nachfolgen wird? Möglicherweise.

Wir schauen nochmal, bevor das Gerät auf den Markt kommt

Wir schauen nochmal, bevor das Gerät auf den Markt kommt

Forum
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    tomk  

    Habe gestern schon den Kopf geschüttelt. Die Lachnummer schlechthin … und man fragt sich wie manch anderer Hersteller zu einem gerechten Preis- Leistungsverhältnis in Turntable Bereich kommen kann. Technics ist ja jetzt keine Hinterhofmanufaktur mit Stockzahlen im zweistelligen Bereich. Schnuff, schnuff, irgendwas riecht hier nach Abzo…!

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    WackyJacky  

    Naja neu hin oder her, ein Plattenspieler ist keine Rocket-Science.
    Die wenigsten Hersteller können bei neuen Produkten auf fertig eingerichtete Produktionsstraßen zurückgreifen und verlangen trotzdem keine Mondpreise.

    „Alleine der Plattenteller soll drei mal so viel wiegen“… ist das ein Qualitätskriterium? Was ist der Vorteil eines massereichen Bewegt-Teils? Dass der Motor auch dreimal so stark sein muss um es genauso gut zu beschleunigen?

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    gaffer  AHU

    Die scheinen ja nicht gerade Stückzahlen zu erwarten. Da scheint das Motto durch: die paar 100, die so was unbedingt wollen, sollen einen anständigen Anteil der Kosten mittragen. Tja, Unternehmertun ist mit Risiko verbunden, scheint bei denen nicht angekommen zu sein

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      tomk  

      Mit Verlaub … MK1210 ist ein Kultobjekt. Warum Technics damalig die Produktion eingestellt hat ist mir unverständlich. Klonprodukte wie auch Weiterentwicklungen, sowie nicht tot zu bekommendes Vinyl, sind Zeitzeugen. Wenn zu Tage sogar Saturn selbiges, Vinyl, wieder breitgefächert anbietet, abseits jeglicher Clubkultur, wird die Bedeutung dieses $/€ Marktes offenbar. Hier hackt Technics nun sabbernd ein, und will „Kult“ folgend anscheindend dick abschöpfen.
      UND … ein HiFi Turntable benötigt kein Pitch …

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        TobyB  RED

        Hallo Tomk,

        da ist schon noch Rocketscience im SL1200GAE. Kaltgezogenes Magnesium mit den geforderten Toleranzen macht man nicht im vorbeigehen. Die Motorsteuerung und der Motor selber auch nicht. Und das kostet nunmal in Summe.

        Ich glaube denen das das Budget das größte Problem war. Und wie Gaffer andeutet, wird das ganze zunächst auf die Jubiläums Editions budgetiert sein. Das wieder vermehrt Vinyl verkauft wird stimmt zwar, aber gemessen am gesamten Umsatz ist die CD der Umsatzbringer. Vinyl hatte 2013 2,0% Anteil, 2014 2,6 % und 2015 3,2%. Das würde ich als stabile Nische bezeichnen. Siehe BVMI Jahresberichte. Und dem trägt vermutlich auch Technics/Panasonics Rechnung(beachte auch die Yen Kurse). Insofern als die dieses Projekt so kalkuliert haben, das sie mit 1200Stück verkauften GAEs, die Kosten wieder drin haben und Gewinn machen. Selbst wenn der in EU nicht für 3499€ verkauft wird. Und richtig interessant wirds dann beim Serienmodell. da hier die Fertigungskosten pro Stück andere sind.

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          Max  AHU

          Wenn die technologischen Hürden tatsächlich signifikant sind fragt sich der geneigte Ingenieur natürlich trotzdem, was mit den Produktionsmaschinen und dem neu gewonnen Know-How passiert sobald die Sonderserie durch ist… Gesetzt man hat jetzt erhebliches Geld in den Neuaufbau von Kompetenz gesteckt.

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            TobyB  RED

            Hallo Max,

            die Frage ist hier wer die Führung hatte, wenn ich schon Budget lese, waren es nicht die Ingenieure ;-) So wie ich den verlinkten Artikel verstehe, haben die Technik, Know How und Werkzeuge nicht gut behandelt. Und man fängt gerne from the scratch an… Meine Übersetzung, das kompentente Personal war mangels Nachfolgeregelung schon weg. Technics hat wohl vor nach dem GAE einen günstigeren 1200 zu produzieren, ohne kaltgezogenes Magnesium, Gummi anstelle von Silikon. Und diverse andere Änderungen.Davon ab bin ich mir sicher, sollte Bolle beide testen können, wird das ein Herz und Nierentest. So gerne ich Vinyl mag und etliche Scheiben habe. Sehe ich den GAE als Sammlerobjekt und hoffe Technics trimmt den SL1200G nicht zu sehr auf Massenmarkt. Bei der Bepreisung bin ich derzeit skeptisch. Davon ab, wer bitte mixt heute noch 100% Vinyl. Oder wer mastert einem die Musik anständig, damit das auf Vinyl auch klingt. Mit Logic und LANDR kommt man da nicht hin. Und die Leute die das können, werden auch nicht mehr.

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              Max  AHU

              Dann wird es vor allem spannend ob sie ihre Prozesse stabil genug kriegen um einen Plattenspieler der Preisklasse qualitativ durch zu bringen. Wenn 25 Jahre Erfahrung tatsächlich weg sein sollten wäre das natürlich schon ein herber Rücjschlag.

              Die Bereiche, wo sich Vinyl gehalten hatte scheinen ja gerade durch den Hype ironischerweise kaputt gemacht zu werden – was Mastering usw. angeht. Die DJs die man noch mit Vinyl arbeiten ja trotzdem nur mit Interfaces und Software.

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                Planetjumpin

                „Die DJs die man noch mit Vinyl arbeiten ja trotzdem nur mit Interfaces und Software.“ – Kann nicht schaden zwischendurch mal zu gucken, was die DJ’s ausserhalb des Stammclubs so treiben ;) Nina Kraviz (CDJ+echte Vinyle) oder Tobi Neumann und Co legen echte Platten auf und keine Timecodes. Auch über YouTube kannst Du einige davon finden, Tipp‘ einfach mal „Vinyl set“ bzw. „100 % Vinyl set“ ein ;) Und das sind nicht die einzigen. In einigen Clubs wird aus auch wieder mehr und mehr ‚Trend‘ mit echten Vinylen aufzulegen, ohne Laptop und Co. Jemand der mit seinem Label neu startete schrieb mir letztens erst, dass er mehr Vinyle verkauft hat, als Downloads und die 300er Auflage ausverkauft war. Allerdings im Tech-House Bereich. – Pauschalisierungen sind immer mit Vorsicht zu genießen ;) Schönes WE noch! PS Was das Mastering betrifft, so kann man das bspw sehr gut über RBmastering oder Pounding Grooves. Gibt noch ein paar andere.

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                  Max  AHU

                  Ich meinte tatsächlich den elektronischen Bereich mit dem wo sich das Plattending all die Jahre (neben Reggae und Dancehall) gehalten hat. Die Majors haben das ja gerade erst wieder entdeckt.

                  Es ist halt wie mit Handwerk: wenn jemand sein Ding beherrscht, dann gibt es nichts schöneres all das echte Ding. Wenn er das nicht kann, dann ist es auch nicht besser als der Rest :)

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                  TobyB  RED

                  Hallo Marius,

                  wenn es denn unter Djs den Trend gibt wieder mit mehr Vinyl zu arbeiten, dürfte das causal oder zufällig mit einer der letzten GEMA Reformen zu tun haben ;-) Für ein Vinyl wird nur einmal eine Abgabe fällig. Aber für Datenmusik wirds dann wesentlich komplexer ;-) Frag mal einen Clubbetreiber/DJ der noch gut auf die GEMA zu sprechen ist.

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                TobyB  RED

                Hallo Max,

                es gab und gibt Firmen, die rennen ihren Senioren hinterher und betteln die an als Berater anzuheuern. Wenn Technics clever ist, haben die auch ein paar Leute mit Kenntnissen angeheuert. Ich bin 45 Jahre alt und kenne sehr viele Djs die nur mit Vinyl arbeiten und ohne Sync arbeiten und das auch hinbekommen. Auch wenn Marius das mit dem Mastering etwas optimistischer sieht, zum Mastern des Vinyls gehört eben auch wenigsten ne Dubplate oder der Goldene Master und da sind die Maschinen das Problem. Etliche Maschinen sind schlichtweg am Rande des was sie leisten können. Und keiner baut mehr diese Maschinen in Serie. In sofern pfeifen alle verbliebenen Presswerke auf dem gleichen letzten Loch. Und ich rede hier nicht von einer 300er Auflage. In Deutschland sieht die Situation dann noch mal spezieller aus. De Facto gibts nur noch eine Firma die Auflagen pressen kann und die sind überbucht und fahren 120% damit die überhaupt hinterher kommen. So gesehen wäre es für die Vinyl besser wenn sie ein Nischenprodukt bleibt.

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    Christoph Martin

    Hi

    Seht das mal nicht so negativ.
    Das Gerät zielt nicht nur auf die DJs ab.
    Auf Wald und Wiesen DJs schon gleich garnicht, wenn dann eh nur auf die Creme de la Creme der Disc Jockyes und die können sich das leisten.
    Nein nicht nur auf diesen Markt.
    Das Gerät wurde auch für Hifi und High End entwickelt.
    Allein der Linearantrieb und die damit verbunde kontaktlose Lagerung ist schon solch ein Preis wert.
    Ich denke viele machen sich keinen Kopf darüber was High End kostet, ob berechtigt oder nicht ist mal jetzt ein anderes Thema.
    Mit den Leistungsdaten spielt dieses Gerät vermutlich die meisten x fach teureren High End Geräte an die Wand.

    Von daher ist der Preis nicht so abgehoben.
    Er ist realitisch!

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    JetBucksley

    Klar sind 4000 Euro zuviel Geld, als dass ich mir das Ding leisten würde. Mein guter alter 1210er wird mich ja ohnehin überleben. Wenn ich mir aber anschaue, was manche Bastelbuden für ihr gebasteltes Voodoo Highend für Gagen aufrufen, dann relativiert sich der Preis für ein Stück Technik, welches bis ins kleinste Detail durchentwickelt wurde. Die technischen Daten sollen ja highendig sein, und ein Schmuckstück ist das Gerät allemal. Es ist eben ein Luxus-Spielzeug für Leute, die sonst schon alles haben, und davon gibt es viele.

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    fno  

    Warum soll zu Zeiten, in denen Plattenaufleger mehr verdienen können als Musiker, deren Werkzeug nicht entsprechend kosten? Die Technics-Beschreibung zum Polruckeln bei „herkömmlichen“ Plattenspielern, wohl Riementrieblern, ist irreführend und nicht korrekt, zumal wegen der Entkopplung durch Riemen und hohe Motordrehzahlen nicht mess- oder hörbar – ganz im Gegensatz zum unsäglichen Polruckeln bei Direkttrieblern, denn hier sitzen die Pole im Plattenteller, welcher ruckartig von Pol zu Pol angetrieben wird, und hier lässt sich die Drehzahl nicht beliebig erhöhen. Abhilfe schaffen hier Masseträgheit des Tellers (leicht und günstig machbar) oder die Erhöhung der Polanzahl (scheissteuer und aufwändig). Zu letzterem schweigt sich Technics (noch) aus. Das bislang bei Direkttrieblern wegen zu geringer Polanzahl systemimmanente Wummern im Tiefbassbereich hat denn auch deren Etablierung im „High-End“-Bereich wirksam verhindert. Auf Diskoanlagen, wo 16 Hz üblicherweise in Relation zu 100 HZ vernachlässigbar leise wiedergegeben werden, ist das belanglos und der Direktantrieb funktional deutlich überlegen, zum ernsthaften Musikhören auf einer „highendigen“ Anlage, bei der der Schalldruckabfall zwischen 100 und 16 Hz vielleicht 3 Dezibel beträgt, leider nicht. Btw, Christoph Martin, der Antrieb ist hier kontaktlos, nicht das Tellerlager.

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    hijack  

    Sehr schön.
    Z-Promi soll ruhig genug Kohle für den „Prestige“-MK12’er hinblättern um dann zu erkennen, dass Auflegen mit Vinyl mehr Übung erfordert fern ab des Sync-Knopfes.
    Wobei den man ja immer noch betätigen kann beim Spiel „So tun als ob….“ ;-)
    Hauptsache er sieht gut aus und es fühlt sich wertig an ;-)

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    tomk  

    Man verzeihe mir … soll der gewillte Luxus-User ruhig zahlen! So könnte folgend der Star-Dj fordern: Nein, ich lege nur auf den neuen 1200G auf, nur die übertragen 16hz naturgetreu (auf der billig PA). :)

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