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Top News: Trautoniks – Die Wiedergeburt des Trautoniums


Trautoniks

Zurück den Anfängen der elektronischen Musik. Lange vor den Herren Moog und Buchla gab es bereits eine Reihe von Pionieren auf dem Gebiet der elektrischen Klangerzeugung. Zu den bekannteren zählen sicherlich Friedrich Trautwein und Oskar Sala, die ab 1930 das Trautonium entwickelten und speziell dafür Musik komponierten.

Oskar Sala war jedoch bis zu seinem Tod 2002 der einzige Musiker, der ein weiterentwickeltes Mixtur-Trautonium besaß und damit kontinuierlich musizierte. Nur gelegentlich gab es ein paar findige Bastler, die sich an einem Nachbau probierten. Einer von ihnen ist Jürgen Hiller, der sich seit 1990 mit diesem Thema beschäftigt. Nun stellt er unter dem Label Trautoniks eine Reihe von Trautonium-Modelle vor, die er in Kleinserie bauen wird, wobei sich auch spezifische Kundenwünsche realisieren lassen.

 

Das Basismodell VT

Das Basismodell VT

 

Das Basismodell VT ist an das so genannte „Volkstrautonium“ von 1933 angelehnt, jedoch ohne die damaligen technischen Einschränkungen. Das Gerät hat ein 70 cm langes Spielmanual und kann somit mehr als 3 Oktaven abdecken. Das VT besitzt einen Sägezahn-VCO mit Oktavschalter, Fein- und Grobstimmer sowie zwei Formantfilter, die jeweils separat, aber auch zusammen das Signal beeinflussen können. Sägezahn, Filter 1 und Filter 2 haben getrennte Lautstärkeregler um die Pegel angleichen zu können, was einen schnellen Wechsel des Sounds ermöglicht.

Das Instrument hat wie das Original natürlich auch eine Dynamiksteuerung über ein bewegliches Manual. Auf  Einschleif- oder Patchmöglichkeiten wurde bewusst verzichtet, da es sich hier um ein in sich geschlossenes Instrument und nicht um einen Modulsynthesizer handelt. Allerdings besteht die Möglichkeit spezielle Ausstattungswünsche realisieren zu lassen. Die Lieferzeit sollen ca. 4 bis 6 Wochen beim Standardmodell betragen, bei einer Custom-Version ca. 8 bis 10 Wochen.
 
Es wird auch ein zweimanualiges Mixtur-Trautonium geben, das jedoch zunächst nur als Custom-Modell auf Anfrage gefertigt wird. Die Fertigung kann voraussichtlich 4 bis 8 Monate dauern. Je nachdem wie das Feedback der Kunden ausfällt, könnte es hiervon auch eine Standardversion geben, dass wird aber erst später entschieden.

 

vorn das Mixtur-Trautonium

vorn das Mixtur-Trautonium

 

Des Weiteren ist ein reines Trautonium-Spielmanual von 90 cm Länge angekündigt, welches über vier Hilfstasten pro Oktave und CV/Gate-Ausgänge verfügt. Sala-Fans wissen, dass dieses spezielle Manual einen entscheidenden Anteil an seiner Musik hat, denn damit kann das Trautonium äußerst expressiv gespielt werden.

Zum Herbst hin sollen Module für das Eurorack erhältlich sein. Geplant sind ein Subharmonischer Oszillator, ein Formantfilter und eventuell ein spezieller VCA, der die einzelnen Stimmen zusammenfasst. Zusammen mit Modulen anderer Hersteller kann man hiermit ein komplettes Mixtur-Trautonium nach eigenen Vorstellungen realisieren. Alle Trautoniks-Modelle und -Module basieren, im Gegensatz zu den Trautwein/Sala-Schaltungen, nicht auf Röhren, sondern sind von Hiller selbst entwickelte, analoge (außer Subharmonischer Oszillator) Standard-Elektronikschaltungen.

 

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Sicherlich ist das Trautonium etwas für eine sehr spezielle Klientel, allerdings kann man es Jürgen Hiller unserer Meinung nach nicht hoch genug anrechnen, dass er sich der Bewahrung dieses einzigartigem und vor allem Musik-/geschichtsträchtigem Instruments widmet. Vielleicht wird es ja eine ähnliche Renaissance wie beim Theremin geben? Wir von Amazona werden das Projekt auf alle Fälle im Auge behalten und wünschen viel Erfolg!

Die genauen Spezifikationen, Lieferdaten und Preise werden in den nächsten Wochen auf der derzeit sich im Aufbau befindenden Webseite nachzulesen sein.

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        KaffiMusic

        Loriot war zu Lebzeiten schon Kult. Aber irgendwie weicht das ein klein wenig vom Thema ab :)

  2. Profilbild
    elektronalin

    Sehr interessant – Vielleicht ergeben sich dadurch wieder ein paar Lichtblicke für die elektronische Musik.

    Ich bin gespannt, was das große System kosten wird. Mich würde ein Trautonium zum experimentieren absolut reizen, wenn man bedenkt, dass es bisher kaum die Gelegenheit dafür gab.

    Elektronalin

  3. Profilbild
    D-Drummer

    Zweifelos sehr ein interessantes Projekt. Aber es muss erst einmal ein Spielerkreis heranwachsen, ist quasi wie ein Neustart. Der Vergleich zum Theremin trifft es gut, da entstand durch Big Briar und Longwave in den 90ern sozusagen aus dem Nichts eine neue Szene an Interessenten und mittlerweile gibt es doch relativ viele gute Spieler. Aber das Trautonium ist dann doch noch mal eine Ecke exotischer/unbekannter.

  4. Profilbild
    Viertelnote AHU

    sehr interessantes Gerät, wenn auch für mich
    ohne Bedeutung für meinen Einsatzzweck.

    wird wohl ein Nischenobjekt bleiben, wer aber
    sowas sucht, könnte die Liebe seines
    Lebens finden, ohne Frage

    mfG

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