ANZEIGE
ANZEIGE

Vergleich Telecaster: Fender SQ Bullet Tele vs Harley Benton TE-52, E-Gitarren

8. August 2021

Low-Budget-Teles im Vergleich

In unserem Vergleich Telecaster richten wir den Blick heute mal auf das untere Ende der Preisskala. Es treten gegeneinander an: Die Harley Benton TE-52 mit einem aktuellen Verkaufspreis von schlappen 149,- Euro und die Fender SQ Bullet Tele LRL BSB, die mit 159,- Euro ebenfalls für den schmalen Geldbeutel gebaut wurde. Welche Qualität kann man für diesen schmalen Taler erwarten und beherrschen die beiden Kandidaten den berühmten „Twang“, der diesen Typ E-Gitarre so berühmt gemacht hat?

ANZEIGE

Vergleich Telecaster – Fender SQ Bullet Tele LRL BSB

Vergleich Telecaster

Betrachten wir zunächst mal die Tele, die vom Erfinder dieses Instrumententyps stammt. Die SQ Bullet Tele LRL BSB ist eine Gitarre der Low-Budget-Reihe aus dem Hause Fender, die unter dem Namen Squier seit vielen Jahren preisgünstige Instrumente in Fernost produziert. Es gibt kaum ein Instrument von Fender, das es nicht auch von Squier zu einem Bruchteil des Preises gibt. Dabei war bzw. ist die Qualität der gefertigten Gitarren und Bässe immer starken Schwankungen ausgesetzt: mal Top und mal Flop lautet die Devise, wie wir schon in diversen Tests feststellen konnten. Es gab aber auch schon Zeiten, da waren die Instrumente von Squier denen von Fender mindestens ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen; die Leser älteren Semesters werden sich sicher daran erinnern. Doch nun schreiben wir das Jahr 2021 und da gilt es festzustellen, wie es um die aktuelle Qualität steht. Hier kurz die Fakten bzw. Spezifikationen, die die Fender SQ Bullet Tele LRL BSB mitbringt:

  • dreiteiliger Korpus aus Pappel im klassischen Brown Sunburst Finish
  • geschraubter Ahornhals mit C-Profil und Indian Laurel Griffbrett mit 21 „Narrow Tail“ Bünden
  • 2 Standard-Singlecoils
  • Standard-Steg mit (zum Glück) sechs Saitenreitern und Saitenführung durch den Korpus
  • Dreiwegeschalter und Regler für Volume und Tone

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass das verwendete Holz für den Korpus nicht ganz frei von Unsauberkeiten ist, hier und da zeigen sich ein paar Unregelmäßigkeiten in der Oberfläche. Dafür wurde das Sunburst-Finish aber gleichmäßig aufgebracht und auch die Klarlackschicht gibt keinen Grund zur Beanstandung. Ein typisches Indiz für Instrumente in dieser niedrigen Preisklasse ist die verbaute Hardware, hier im Speziellen die Qualität der Potis und des Schalters. Alle drei Bedienelemente wackeln spürbar in ihrem Sitz, auch wenn die beiden Regler mit ihren griffigen Metallknöpfen jederzeit ein sicheres Zugreifen ermöglichen. Ähnlich verhält es sich mit den Mechaniken an der Kopfplatte: Mit einem deutlichen Spiel auf ihren Achsen muss man leben – oder sie bei Gelegenheit gegen einen Satz hochwertigerer Tuner austauschen.

Vergleich Telecaster: Fender SQ Bullet Tele LRL BSB Headstock Kopfplatte

Fender SQ Bullet Tele LRL BSB Headstock

Nur wenig Anlass zur Kritik bietet der Hals der Fender SQ Bullet Tele LRL BSB, der sauber in der Halstasche des Korpus verankert wurde. Positiv zu bemerken sei vor allem das schlanke Halsprofil, das mit der nur ganz hauchdünn lackierten Halsrückseite ein angenehm natürliches Spielgefühl bietet, auch wenn die Fräse etwas grober angesetzt wurde. Weiterhin kann die Qualität der Bundierung gefallen: Alle 21 Bünde wurden sorgfältig eingesetzt und an ihren Kanten sauber abgerichtet. Allenfalls den Oberflächen hätte ein wenig mehr Politur gutgetan, so muss man die ersten Stunden eben mit mehr oder minder starken schabenden Geräuschen verbringen, bis alles ordentlich flutscht!

Vergleich Telecaster – Harley Benton TE-52 NA

Im Gegensatz zur Squier-Tele besteht der Korpus der Harley Benton TE-52  aus Esche – und das wohl aus zwei ganz besonders schweren Stücken, denn das Gewicht der Gitarre kratzt nahe der 4-Kilo-Grenze, was für eine Tele wahrhaftig ungewöhnlich erscheint. Die Qualität des verwendeten Holzes für den Korpus fällt hier etwas besser aus, sowohl auf der Decke als auch auf der Rückseite fallen keine besonderen Unsauberkeiten unter der Natur-Hochglanzlackschicht auf. Trotz des enorm günstigen Preises besitzt die TE-52 einen Hals aus kanadischem Ahorn mit einer sauberen Bundierung, die auch eine sorgfältige Politur der Bundoberflächen mit einschließt. Das C-Halsprofil ist etwas kräftiger als das der Squier, aber immer noch schlank genug und damit typisch für eine Tele. Auch hier wurde wieder auf eine Lackierung verzichtet, lediglich eine hauchdünne Satinlackschicht schützt das Holz vor Umwelteinflüssen und bietet der Greifhand gleichzeitig einen guten Spielkomfort.

ANZEIGE

Einziges Manko ist die hohe Saitenlage, mit der uns das Testinstrument zur Verfügung gestellt wurde, hier muss man bei Bedarf eben selbst Hand anlegen, um das Setting seinen persönlichen Vorlieben anzupassen. Das könnte allerdings zur Geduldsprobe werden, denn im Gegensatz zur Squier besitzt die TE-52 nur drei Saitenreiter, was auch im Hinblick auf das Einstellen der Oktavreinheit etwas mehr Aufwand erfordert. Überraschend gut erscheint im Vergleich zur Squier jedoch die Hardware: Die beiden Regler für Volume und Tone sowie der Dreiwegeschalter besitzen kein spürbares Spiel und auch die Vintage-Mechaniken an der Kopfplatte können für ein Instrument in dieser extrem niedrigen Preisklasse durchaus überzeugen.

Ist die Squier mit Pickups aus eigener Fertigung bestückt, so sorgen bei der Harley Benton TE-52 dagegen zwei TEA Alnico-5 TE-Style Singlecoils aus dem Hause Roswell für die elektrische Abnahme – der hintere natürlich stilecht verpackt wie beim berühmten Original im klassischen „Aschenbecher“.

Vergleich Telecaster: Der Praxis-Check

Hinsichtlich der Verarbeitungsqualität hat die Harley Benton TE-52 die Nase deutlich vorn. Sie wirkt bei Weitem nicht so grob geschnitzt wie es die Squier mit ihren wackeligen Potis, den rauen Bundoberflächen und der groben Struktur der Halsrückseite tut. Das Bild wandelt sich aber komplett, wenn man beide Kandidaten in der Praxis betrachtet. Abgesehen von der besseren Bespielbarkeit der Squier kommt ihr Sound dem einer stilechten Tele deutlich näher: Ja, sie kann sogar „Twäng“, auch wenn es nicht ganz so gut drückt wie bei einer Tele aus mexikanischer oder gar amerikanischer Fertigung mit qualitativ besseren Pickups und soliden Hölzern für den Korpus.

Auch im verzerrten Bereich punktet die kleine Squier durch niedrige Nebengeräusche, so dass man hier auch durchaus knackige Riffs oder das eine oder andere Solo mit ihr performen kann. Darüber hinaus bietet die SQ Bullet Tele LRL BSB durch ihr geringes Gewicht einen angenehmen Komfort beim Tragen am Gurt und lässt sich auch über Stunden mühelos im Schoß bespielen, was bei der Harley Benton TE-52 schon zum Problem werden könnte. Es sei denn, man ist das „Kampfgewicht“ einer Les Paul gewöhnt, an das die blonde Tele aus dem Hause Harley Benton schon verdammt nah rankommt. Nun könnte man ja meinen, dass ein hohes Gewicht auch für Druck, Resonanzen und ein mächtiges Sustain sorgt, dem ist aber leider nicht so. Denn die Harley Benton TE-52 klingt im Vergleich zu ihrer Mitbewerberin eher dumpf, müde und erstaunlich kraftlos, zudem besitzt sie eine derart hohe Saitenlage ab Werk, die ein Bespielen nicht nur jenseits der Oktavlage mühevoll gestaltet.

Klar, Monster in Sachen Dynamik sind beide Kandidaten nicht, die Harley Benton hat aber bei diesem Punkt noch mehr zu kämpfen. Positiv zu bewerten sind aber auch bei ihr die geringen Nebengeräusche der verbauten Roswell-Pickups, die auch bei mäßiger Verzerrung nicht negativ auffallen, aber dem müden Grundsound der Esche-Ahorn-Kombination auch nicht so recht auf die Sprünge helfen können. Eigentlich haben sich ja die Roswell-Pickups seit ihrer Einführung in den Gitarren und Bässen von Harley Benton kontinuierlich zum positiven weiterentwickelt – ich hatte schon einige dieser Instrumente mit Roswell-Pickups zum Test und konnte mir ein Bild davon machen. In diesem Fall scheint jedoch die Kombination bzw. das Zusammenwirken mit der TE-52 als Basis nicht besonders fruchtbar zu sein.

Vergleich Telecaster: Die Klangbeispiele

Für die Klangbeispiele wurden beide Instrumente mit einem Mesa/Boogie Studio 22+ Combo verbunden. Vor dem Amp wurde ein AKG C3000 Mikrofon platziert.

ANZEIGE
Fazit

Sieger in Sachen Verarbeitung ist eindeutig die Harley Benton TE-52. Erneut fragt man sich, wie Harley Benton es hinbekommt, eine solch gute Qualität bei einem derart niedrigen Preis anzubieten. Aber was nutzt es, wenn es nicht klingt? Da gibt die Fender SQ Bullet Tele LRL BSB mit ganzen 10,- Euro Aufpreis ein deutlich besseres Bild ab und kommt dem berühmten Tele-Sound ein ganzes Stückchen näher. Sie bildet eine klanglich solide Basis, lässt sich prima bespielen, ist angenehm leicht und kann neben unverzerrten Klängen auch für moderate Overdrive-Sounds gut eingesetzt werden. Mit etwas Aufwand (Austausch der Mechaniken, der Potis und des Schalters) kann man sich mit ihr für kleines Geld eine gut klingende Tele zurechtbasteln.

Plus

  • Harley Benton TE-52:
  • gute Verarbeitung
  • solide Hardware
  • -------------------------------
  • Fender SQ Bullet Tele LRL BSB:
  • fast authentischer Tele-Sound
  • gute Bespielbarkeit
  • niedriges Gewicht
  • optimales Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Harley Benton TE-52:
  • müder Klang
  • extrem hohes Gewicht
  • Testinstrument mit extrem hoher Saitenlage
  • -------------------------------
  • Fender SQ Bullet Tele LRL BSB:
  • Qualität Hardware & Schalter
  • unzureichende Politur der Bundoberflächen

Preis

  • Harley Benton TE-52: 149,- Euro
  • Fender SQ Bullet Tele LRL BSB: 159,- Euro
ANZEIGE
Klangbeispiele
Forum

Es sind momentan noch keine Kommentare für diesen Artikel vorhanden.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

ANZEIGE