Test: Fender AM Elite Telecaster MN ACB E- Gitarre

9. Juni 2016

So viel Tele wie noch nie!

Eines der Highlights der NAMM 2016 dürfte für viele die neue American Elite Serie aus dem Hause Fender sein, die man als „nächste Generation der bedeutendsten Gitarre der Welt“ betitelt, hier zum ersten Mal der Weltöffentlichkeit präsentierte. Dabei soll die neue Flaggschiffserie vor allem mit Diversität und Flexibilität punkten und das Ganze gepaart mit der besten Qualität, die Fender zu bieten hat, um das perfekte Arbeitstier für alle Einsatzgebiete zu schaffen. Und nachdem wir uns schon über den Besuch der American Elite Stratocaster freuen durften, gibt sich jetzt die Fender AM Elite Telecaster MN ACB die Ehre im Test bei uns.

Die Fender AM Elite Telecaster MN ACB im Überblick

Wie alle Instrumente der Serie ist auch unsere Fender AM Elite Telecaster MN ACB bei der Anlieferung von einem stabilen und gleichzeitig sehr schicken Formcase umgeben, sodass man mit dem mitgelieferten Gurt aus Leder und dem ebenso amtlichen Kabel direkt auf Tour gehen könnte. Was diesen Eindruck noch weiter unterstrich ist, dass die Gitarre bis aufs Cent genau gestimmt aus dem Case kam, was doch recht vielversprechend für die Stimmstabilität auch bei längeren Transporten wirkt.

Doch nun ran an den Speck. Der Body hat auf den ersten Blick die alte Form der Telecaster bewahrt und wurde aus drei Eschenholz-Teilen gefertigt, wie sich unter dem transparenten „Aged Cherry Burst“ Finish gut erkennen lässt. Eingefasst ist das Ganze mit einem sehr gut verarbeiteten Binding in Weiß.

Auch die Rückseite ist transparent lackiert und hier kann man schon einer der vielen kleineren und größeren Neuerungen der Elite Serie entdecken. Neben der leichten Mulde an der oberen Kante ist vor allem der Halsübergang runder und etwas ergonomischer gestaltet worden, um den Zugang zu den höheren Lagen zu erleichtern. Die vier Schrauben und die Halsplatte sind aber, wenn auch leicht verändert, geblieben.

Der Hals der Fender AM Elite Telecaster MN ACB

Der Hals selbst ist aus Ahorn gefertigt und auch hier dient das neue, von einem C zum D verlaufende Shaping der besseren Bespielbarkeit. Die Kopfplatte durfte dagegen die Form behalten, die sie schon seit Jahr und Tag als Telecaster ausweist. Beide sind rückseitig mit einem matten Finish versehen. Das Griffbrett ist bei diesem Modell aus Palisander gefertigt und beherbergt neben den einfachen Perlmuttinlays 22 Medium-Jumbo-Bünde. Der Halseinstellstab kann nun über eine kleine Einsparung am 22. Bund erreicht werden, wie es viele andere Hersteller nun besonders in der Mittel- und Oberklasse gerne machen. Das verspricht nicht nur einen schnellen Zugang, sondern auch eine etwas aufgeräumtere Optik an der Kopfplatte.

Die Abrichtung der Bundstäbchen, die Kanten an jeder Fräsung, die Lackierung und eigentlich so ziemlich alles ist an der Fender AM Elite Telecaster MN ACB wirklich makellos verarbeitet und auch das Designkonzept kann überzeugen. Hochwertig und trotzdem dezent, sieht man einmal von dem etwas unruhigen Pickguard in Perloid-Optik ab.

Elektronik

Auf diesem findet sich dann auch schon einer der Pickups, die sicherlich die wichtigste Neuerung der Elite-Serie sind: bereits die vierte Generation der von Fender entwickelten Noiseless Singlecoils. Sie sollen deutlich offener und klarer klingen als vorangegangene Pickups mit Rauschunterdrückung und somit näher an den Klang der „echten“ oder zumindest üblichen Singlecoils heranreichen. Ersterer ist ein klassisch gehaltener Lipstick-Pickup mit dezenten Schriftzügen in der Halsposition. An der Brücke kommt ein ebenfalls nicht näher bezeichneter Noiseless-Pickup zum Einsatz ohne Zierblende, der traditionsgemäß schräg in der Brückenplatte verbaut wurde.

Angesteuert werden die beiden über einen Dreiwegeschalter, der mit dem Volume- und Toneregler auf einer Metallleiste angebracht ist. Innerhalb des Volumepotis versteckt sich der S-1 Schalter, der ebenfalls ein neues Feature der Elite Serie darstellt. Er ermöglicht es, zwischen serieller oder paralleler Schaltung der beiden Singlecoils in der Mittelposition zu wählen. Letztere Einstellung verschafft den beiden Pickups eine gehörige Portion Druck, sodass hier eigentlich schon der Sound eines klassischen Humbuckers erreicht wird. In den beiden äußeren Positionen hat der S-1 Schalter jedoch keinen Einfluss auf den Output.

Die neuen Noiseless-Pickups und der S-1 Schalter machen nur sehr dezent auf sich aufmerksam

Die Hardware der Fender AM Elite Telecaster MN ACB

Auch hier geht es auf den ersten Blick recht klassisch zu. Die Brücke ist so wie man sie von den, zugegebenermaßen etwas moderneren, Telecastermodellen kennt und die durch den Body kommenden Saiten werden von sechs individuell verstellbaren und intonierbaren Reitern in Richtung Kopfplatte umgeleitet. Für die nötige Spannung sorgen dort sechs Lockingmechaniken. Auch diese wurden noch einmal überarbeitet und sollen dank kürzerer Achsen präziseres Stimmen und eine bessere Stimmstabilität bieten.

Im Zusammenwirken mit dem neuen Saitenniederhalter und dem Sattel aus synthetischem Knochen scheint das Konzept auch voll und ganz aufzugehen: Geschmeidigere und trotzdem zuverlässiger wirkende Mechaniken habe ich noch nicht erlebt und was die Stimmstabilität angeht, konnte unsere Fender AM Elite Telecaster MN ACB ja schon beim ersten Eindruck punkten, was sich während der Testdauer nur bestätigen ließ.

Die Locking-Mechaniken sind dank verkürzter Achse nun noch stimmstabiler

Was also die harten Fakten angeht, ist an der neuen Telecaster aus der Elite Serie rein gar nichts auszusetzen. Die Neuerungen mögen sie auch zahlreich sein, halten sich optisch doch sehr im Hintergrund, die Verarbeitung ist mit „solide“ wohlwollend untertrieben und auch die verwendete Hardware ist offensichtlich die Spitzenklasse, die Fender zu bieten hat.

Klang und Handling

Esche ist ein recht schweres Holz und somit verleiht auch der Body der Am Elite Telecaster dem Instrument ein sattes, allerdings nicht übertriebenes Gewicht.  An dem mitgelieferten Gurt und auch im Sitzen ist sie jedoch gut ausbalanciert und auch die Mulde auf der Rückseite des Bodys passt sich gut den Körperkonturen des Spielers an.

Bespielbarkeit deluxe!

Was aber alle anderen Aspekte beim ersten Anspielen unserer Fender AM Elite Telecaster MN ACB übertrumpft, ist das himmlische Werksetting und die Bespielbarkeit der Gitarre. Nicht nur ist die Saitenlage im genau richtigen Sweetspot, auch der unterschiedlich geformte Hals in Kombination mit dem zurückhaltenden Übergang in den Korpus gibt der linken Hand auf jeder Position ein Maximum an Komfort und Sicherheit. Unangenehme Kanten lassen sich nirgends auf dem Griffbrett ausmachen und auch die Brücke bietet eine gute Ablagefläche für die rechte Hand.

Das neue Hals-Shaping und der Übergang zum Korpus machen es auch in den hohen Lagen sehr leicht

Sicherheit ist ein wirklich gutes Stichwort, denn das Vertrauen, das die Gitarre erweckt, egal ob man offene Akkorde oder Melodien jenseits des zwölften Bundes spielt, ist schon beachtlich. Jeder, der schon mal eine eher minderwertige Gitarre gespielt hat, wird zu schätzen wissen, was für einen Unterschied es macht, sich voll und ganz darauf verlassen zu können, dass das Instrument eben genau das macht, was man von ihm verlangt. Mit anderen Worten: Die Ansprache ist unheimlich direkt und die Dynamik der Gitarre lässt sich an jedem Kontaktpunkt mit dem Spieler spüren.

 „Trockener“ Klang

Im unverstärkten Zustand angespielt bietet die Fender AM Elite Telecaster MN ACB keine wirklichen Überraschungen, aber auch nicht weniger als alles, was man von einer ordentlichen Telecaster erwarten kann. Der Grundklang ist sehr klar und bisweilen hell, die Mitten sind dezent und die Bässe knurrig und prägnant, ohne zu verwaschen. Das Sustain ist für eine Tele auch nicht von schlechten Eltern und dünnt sehr gleichmäßig in Richtung der Mitten aus. Aber richtig gespannt sind wir ja alle auf die neuen Noiseless-Pickups, die in der Elite-Serie verbaut wurden, also ran an den Amp und aufgedreht!

Die Fender AM Elite Telecaster MN ACB am Verstärker

Und wie Sie hören, hören Sie nichts! Das mit der Rauschunterdrückung funktioniert schon mal ganz gut. In keiner der Positionen des 3-Wege-Schalters ist etwas zu hören und auch wenn man den Gainregler weiter aufdreht oder ein Overdrive dazwischen schaltet, geht die Nebengeräuschbelastung nicht merklich über das Niveau eines Humbuckers hinaus. Mussten solche Konstruktionen, also leise Singlecoils, früher noch viele Kompromisse hinnehmen, was die Klangcharakteristika angingen, verspricht Fender ja mit der neuen Generation den Kompromiss aus dem Weg geräumt zu haben. Und sie haben nicht zu viel versprochen! Die Pickups der Fender AM Elite Telecaster MN ACB klingen extrem transparent und klar. Keine Spuren von Kompression oder Muffigkeit, sondern glockenheller und dünn in den Höhen schneidender Tele-Sound ohne Wenn und Aber! Ein Traum!

Fender AM Elite Telecaster MN ACB: Dynamische Ansprache und sehr gute Pickups

Besonders schwer fiel es mir, während des Tests die Halsposition zu verlassen. Der nasale Klang und knackige Klang mit warmem Nachgeschmack ist neben dem Twang des Bridge- Pickups das Erkennungsmerkmal schlechthin der Tele und hier wurde er definitiv zur Perfektion gebracht. In der Mittenposition geht es dann etwas ausgewogener, aber kaum leiser zu und hier ist in der seriellen Schaltung alles für einen ultrabraven Rhythmus- oder Picking-Sound gegeben. Das ändert sich mit der Aktivierung des S-1 Schalters aber schlagartig.

Die Lautstärke steigt deutlich an und der Boost verleiht dem Klang eine neue Wärme mit viel Nachdruck, was in einem moderneren Sound als der einer angezerrten Tele, der ja schon recht speziell ist, endet. Das Schönste ist aber, dass sich dieser andere Sound sehr gut mit dem restlichen Spektrum der Tele „versteht“ und es kein allzu krasser Sprung ist, sodass er wirklich nutzbar erscheint und sich dem Instrument nicht aufdrängt, wie es bei manch anderen verbauten Boostern der Fall sein kann.

Die Klangbeispiele wurden mit einem VOX AV15 und einem Shure PG-81 in Ableton Live aufgenommen.

Fazit

Mehr Telecaster geht wirklich nicht. Mit der neuen Fender AM Elite Telecaster MN ACB aus der American Elite Serie hat sich Fender wirklich selbst übertroffen und ein Instrument gebaut, das nicht nur dem Erbe der Telecaster alle Ehre macht, sondern mit den kleinen, aber gut durchdachten Weiterentwicklungen einen edlen Schliff verleiht. Trotz eines edlen Äußeren und guter Verarbeitung in allen Bereichen liegt der Fokus bei der American Elite Telecaster ganz klar auf dem Klang und dem praktischen Nutzen des Instrumentes, das aber in Vollendung. Exklusivere Fender Modelle bekommt man im Custom Shop für einen deutlich höheren Preis, doch eine Gitarre, die so gut ist, wie eine Gitarre eben nun mal wird, bekommt man schon für unter 2000,- Euro, wie die hier getestete Fender AM Elite Telecaster MN ACB eindrucksvoll beweist!

Plus

  • Verarbeitung
  • sehr gute Bespielbarkeit in allen Lagen
  • Klang und insbesondere die Pickups
  • gutes Handling

Minus

  • -

Preis

  • Ladenpreis: 1849,- Euro
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