Vergleichstest: Die besten Compressor-Pedale für Bassisten

28. März 2011

Compressor-Pedale im Vergleich

Vergleichstest: Die besten Compressor-Pedale für Bassisten

— Behringer CS 100 —

Die gute Nachricht gleich vorweg: Vier der hier getesteten Geräte beinhalten reine Analogtechnik und sind damit auch in 20 Jahren noch zu gebrauchen. Die Schaltungen sind aus Transistoren und Operationsverstärkern zusammengesetzt, welche es auch in ferner Zukunft noch im Bauteilehandel geben wird. Bei Digitalgeräten, wie dem hier mitgetesteten „Bass Squeeze“ von Digitech kommen komplizierte Prozessoren zum Einsatz, von denen es unendlich viele gibt und die man nur ersetzen kann, wenn man das defekte Bauteil überhaupt herausbekommt.

Vergleichstest: Die besten Compressor-Pedale für Bassisten

Die Gitarre mit den dicken Saiten braucht einen Kompressor, das ist heute im Studio und live standard. Aber wozu muss ein gut klingendes Instrument noch mal nachbearbeitet werden? Bei einem runden Bass-Sound klingen alle Saiten und Töne gleichmäßig laut, so dass die Spielweise des Bassisten voll zur Geltung kommt. Das können heute nur sehr teure Bässe ohne zusätzliche Aufbereitung. Beim Durchschnittsbass unter 1000,- Euro hat jede Saite eine andere Lautstärke, und auch die Einzeltöne der Saiten weisen diverse Klanglöcher auf. Hier kommt der Kompressor zum Einsatz, der die Dynamik durch Regelung der Amplitude verkleinert und den Sound ausgeglichener und druckvoller macht. Auch ein Mangel an Sustain, das eher bei günstigen Tieftönern zu finden ist, kann dieses Gerät bis zu einem gewissen Grad ausgleichen. Die Hersteller bieten auch bei den Kleingeräten heute zahlreiche Modelle ab 30,- Euro an, so dass sich jeder Musiker eigentlich problemlos solch einen „Dynamikverkleinerer“ leisten kann.

Um die Testanforderungen nicht zu leicht zu machen, habe ich mich für den sehr günstigen Harley Benton Precision-Bass HBP120BK als Testinstrument entschieden. Der gut verarbeitete Bass ist relativ leicht und hat den Prezi-typischen geteilten passiven Tonabnehmer. Unausgeglichenheiten in der Saitenlautstärke und im Sustain sind in dieser Preisklasse nicht zu überhören – entsprechend dringend regt sich der Wunsch, den Sound durch einen Bodentreter etwas zu glätten. Die Ausgänge der Pedale habe ich direkt mit dem Zoom H4n verbunden. Bei der Wahl der Einstellungen der einzelnen Regler habe ich versucht, einen durchschnittlich runden Sound hinzubekommen. Extremere Settings sind bei allen Geräten machbar, dann hört man aber den typischen Kompressorklang deutlich heraus.

In allen Klangbeispielen ist gegenüber der unbearbeiteten Version ein deutliches Ansteigen der Nebengeräusche zu vernehmen. Ich muss aber betonen, dass dieses Verhalten kein Problem der getesteten Geräte ist, sondern in der Natur der Dynamikverkleinerung liegt. Einstreuungen, die der Tonabnehmer auffängt, werden verstärkt, während die Dynamikspitzen gedämpft werden. Bei keinem Gerät tritt bei einer mittelstarken Kompression ein Rauschen oder ein sonstiges schaltungsbedingtes Nebengeräusch in Erscheinung. Den Herstellern muss man hier ein großes Lob aussprechen: Rauschfreiheit bei günstigen Preisen, das hat es früher nicht geben. Günstig wirkt sich hier ein gut stabilisiertes Netzteil aus. Nicht stabilisierte Billignetzteile können sich durch verstärkte Brummneigung unangenehm bemerkbar machen.

Behringer CS 100

Das erste Testgerät hat ein blau-grünes Gehäuse aus solidem Kunststoff. Die vier Regler sind mit Level, Tone, Attack und Sustain bezeichnet. Wie alle anderen Kandidaten wird der Strom mittels der üblichen Koaxbuchse angeliefert, der Pluspol sitzt ebenfalls immer außen, ein lästiges Umpolen entfällt also. Die Handhabung ist äußerst problemlos: Alle Regler in Mittelstellung gestellt und schon ist ein runder Bass-Sound ohne Verzerrungen oder andere Nebenwirkungen zu vernehmen. Der Attack-Regler ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig: Anders als bei Studiokompressoren üblich, wird hier der Anschlag bei zunehmender Linksdrehung stärker komprimiert. Kein Problem, man dreht einfach ein bisschen und stellt das ganz nach Gehör ein. An dem Sound gibt es nichts auszusetzen: Das Gerät macht genau das, was es machen soll – sehr gut! Der CS100 ist jetzt kaum noch im Handel zu finden, sein Nachfolger CS400 sieht genauso aus, hat aber eine blaue LED. Die Leistung der neuen Version sollte also mindestens so sein wie beim Vorgängermodell.

 

-- MXR Dynacomp --

— MXR Dynacomp —

MXR Dynacomp

Ganz im alten Stil zeigt sich der MXR Compressor: Ein massives Metallgehäuse, zwei dicke Regler für Output und Sensitivity, ein Metallfußschalter, Antirutschmatte zum Selbstaufkleben, zwei Gummiringe, die helfen sollen, die Regler mit dem Fuß zu bedienen. Also alles wie vor zwanzig Jahren, außer dass ein Lämpchen als Einschaltkontrolle und eine Netzteilbuchse hinzugekommen sind. Für Vintage-Freunde ist das Ganze ein Augenweide. Das Kästchen komprimiert auch den Sound kräftig, beim genauen Hinhören stellt man aber fest, dass die Schaltung ebenfalls auf dem Stand wie vor zwanzig Jahren stehen geblieben ist: Beim ersten Ton aus dem Bass ist der Kompressor noch nicht in der Lage, den Pegel richtig einzuregeln, sodass der Einsatz immer etwas zu laut an den Ausgang abgegeben wird. Erst nach einigen Millisekunden kommt die Dynamikreduktion in Gang. Das hat leider zur Folge, dass beim Normalisieren der Bass-Spur der Durchschnittspegel ziemlich gering ist und dem Sound daher der Druck fehlt. Das hätte MXR eigentlich durch eine kleine Modernisierung der Schaltung vermeiden können. Für die Live-Anwendung spielt diese Eigenart keine so große Rolle, dennoch ist das problematische Einschwingverhalten deutlich zu hören.

 

-- Harley Benton BLM-1 --

— Harley Benton BLM-1 —

Harley Benton BLM-1

Der Basslimiter von Harley Benton sieht dem Behringer etwas ähnlich und besitzt ebenso wie dieser vier Regler. Diese sind hier mit Level, Enhance, Ratio und Threshhold bezeichnet. Das solide Gehäuse ist beim Benton aus Metall. Ein kleiner Vorteil gegenüber dem Behringer ist die Netzteilbuchse, welche beim BLM-1 hinten und nicht wie beim Behringer-Pedal auf der Seite sitzt. Beim Nebeneinanderstellen mehrerer Bodentreter kommt der Bassmann so mit den Kabeln besser zurecht. Wie bei der blau-grünen Konkurrenz ist der Sound bei Mittelstellung aller Regler sofort rund und angenehm, ein langes Rumprobieren erübrigt sich. Der verzerrungsarme Compressor ist schnell genug, um auch das Slappen mit seinen enormen Pegelspitzen problemlos zu bewältigen. Der Charakter unterscheidet sich etwas zum Behringer, welchem man nun den Vorzug geben mag erscheint aber hier rein subjektiv.

-- Palmer Compressor --

— Palmer Compressor —

Palmer Compressor

Der Palmer fällt gleich durch sein breites und massives Metallgehäuse auf. Die drei Regler haben Knöpfe, die ebenfalls aus Metall und mit Level, Attack und Sustain bezeichnet sind. Das Gehäuse hat ein nach hinten verlängertes Bodenteil, das die Stecker in den drei Buchsen etwas schützt. Soundmäßig fällt das schon vom MXR bekannte verzögerte Einregeln des Compressors auf. Der erste Ton nach einer Pause ist zu laut, eine saubere Dynamikreduzierung kommt erst nach einiger Zeit in Gang. Der Effekt ist nicht so ausgeprägt wie beim MXR, aber dennoch viel zu deutlich für eine zeitgemäße Abstimmung der Schaltung. Palmer hätte das herausragende Gehäuse auch mit einem passenden modernen Innenleben ausstatten können. Wir warten also auf eine verbesserte Version.

-- Digitech Bass Squeeze --

— Digitech Bass Squeeze —

Digitech Bass Squeeze

Als einziger Kandidat im Rennen hat der Digitech Bass Squeeze eine digitale Schaltung. In der Anleitung ist von einer DSP-Schaltung die Rede, was wohl nichts anderes als „Digital Signal Processor“ bedeuten soll. Das bestätigte auch der Händler auf meine Anfrage. Die vier Regler in dem Metallgehäuse der üblichen Größe sind mit Level, X-Over, Lo Band und Hi Band bezeichnet. Aha – also haben wir es hier mit einem ganz anderen Schaltungsdesign zu tun. Der Bass Squeeze teilt nämlich das Signal in zwei Frequenzbereiche auf, welche sich dann einzeln regeln lassen. Die Trennfrequenz kann mit dem X-Over-Regler eingestellt werden. Die aus der Studiotechnik bekannte Multibandkompression ist in der Fußbodenabteilung sicher nicht oft anzutreffen, der Schaltungsaufwand ist erheblich. Diese Methode ließe sich natürlich auch analog verwirklichen, allerdings müsste Digitech das kleine Gehäuse dann bis zum Rand mit Bauteilen vollstopfen. Der Grund, warum Digitech auf diese besondere Technik setzt, ist nicht gleich nachvollziehbar. Denn im Studio kommt der Multibandkompression erst bei komplexen Mischsignalen zu Geltung. Hier können Signalanteile, die gleichzeitig in mehreren Frequenzbereichen präsent sind, einzeln bearbeitet werden. Ein einfaches Bass-Signal verlangt dagegen kaum nach dem Einsatz dieser Spezialtechnik.

Aber gleichwohl, der Sound stimmt. Wenn man den etwas blechern klingenden Mix-Ausgang gleich mal beiseite lässt, hört man – am Amp-Ausgang – bei mittlerer Reglerstellung ein kräftiges und ausgeglichenes Bass-Signal. Präsent und ohne hörbare Verzerrungen – da gibt’s nichts zu meckern. Beim Herumprobieren mit dem Frequenzregler lässt sich daran auch kaum noch etwas verbessern. Das Kleingerät kann durch die Frequenzaufteilung auch „unerhörte Klänge“ hervorbringen – ob man die wirklich braucht, ist aber eher zu bezweifeln.

Fazit

Die nicht unwesentlich zum Sound beitragende Eingangsimpedanz der Geräte habe ich in diesem Test nicht weiter nachgeprüft. Bei Behringer ist für den Eingang des CS100 zum Beispiel ein Wert von 1 Meg-Ohm angegeben, das erscheint praxisgerecht. Die Gehäuse aller Hersteller sind stabil, für die Stromversorgung werden immer die gleichen Koaxstecker mit außen „plus“ verwendet – auch wenn das nicht überall angegeben ist. Auch der Preis bleibt bei allen Tretern in einem machbaren Rahmen.

Der Bassmann kann sich also ganz auf die Farbe und das Klangverhalten der Kandidaten konzentrieren. Am unteren Ende der Skala rangieren hier die Entwicklungen von MXR und Palmer – beide Kompressoren brauchen einfach zu lange, um sich einzuregeln. Die Dynamikverarbeiter von Behringer, Harley Benton und Digitech haben keine Probleme – sie arbeiten schnell und sauber. Die Klangunterschiede sind gering und liegen im subjektiven Bereich. Wer kein Geld hat, nimmt den Billigsten der drei Kandidaten und hat ein ordentliches Gerät, das auch in Zukunft noch gut zu gebrauchen ist. Alle anderen können zwischen grau, blau-grün und metallic-rot wählen.

Preis

  • Behringer CS 400: 19,99 Euro
  • MXR Dynacomp: UVP: 121,- Euro, Straßenpreis 79,- Euro
  • Harley Benton BLM-1: UVP: 29,90 Euro, Straßenpreis 19,90 Euro
  • Palmer Compressor: UVP: 80,- Euro, Straßenpreis 59,- Euro
  • Digitech Bass Squeeze: UVP: 90,- Euro, Straßenpreis 64,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    taschentuch

    Ich muss cshon sagen, ich bin überrascht, dass im Artikel nicht ein Wort über das Störgeräusch des Behringer CS100 fallengelassen wird. Das stammt, soweit ich das nur anhand der Klangbeispiele beurteilen kann, eindeutig vom Gerät selbst und nicht vom Bass oder einem anderen Teil der Aufnahmekette.
    Dieses Surren ist typisch für Einstreuungen aus der Spannungsversorgung, z.B. bei Schaltnetzteilen oder Spannungsverdopplern.
    Ob daran das Behringer-Gerät schuld ist oder etwas anderes, kann ich natürlich nicht sagen, aber das hätte im Artikel erläutert werden sollen.

    Ich finde ja auch, dass die Klangbeispiele teilweise extrem überzogen eingestellt sind, etwa beim DynaComp. Die Pumpen extrem stark.
    Die mehrmals angeführte Beschwerde, dass die einige Kompressoren nicht sofort ansprechen, erscheint mir teilweise etwas unfair. Dieses Problem kommt von einer falschen Attackeinstellung (zu KURZER Attack, die Kompressoren sprechen also eigentlich zu schnell an). Beim Palmer jedoch kann man den Attack einstellen (beim MXR ja nicht). Wie verhält sich das Palmer-Gerät, wenn man mit dem Attack-Parameter experimentiert? Würde mich wirklich mal interessieren.

  2. Profilbild
    Alex_KIDD

    Hallo an die Gemeinde,

    sehr schöner Testbericht und gute Klang-
    beispiele.Schön!!!

    Meine Frage:

    Kann man die Treter auch auf Drumspuren anwenden, bzw. Synthbässe? sozusagen „zweckentfremden“

    mfG
    Alex

  3. Profilbild
    c.schneider  

    @taschentuch

    Wie ich geschrieben habe, das Nebengeräusch – besser gesagt, alle Nebengeräusche kommen von Einstreuungen in den Bass. Dreht man die Lautstärke am Bass auf Null ist nichts mehr zu hören. Das hat mich auch überrascht – aber Störungen dieser Art sind tatsächlich Vergangenheit.

    Nochmal zum Palmer und MXR: Sicher läßt sich beim Palmer der Attack einstellen, das Problem ist aber, daß dieser Wert nicht immer gleich ist. Bei beiden Geräten ist die Regelung nach einer Pause zu langsam, dadurch läßt sich – wie zu hören ist – kein gleichmäßiger Sound hinbekommen.

    Bei beiden Geräten kann man natürlich eine schwächere Einstellung wählen, dadurch wird das Problem geringer. Ich denke aber, daß die von mir gewählte Einstellung am ehesten einem modernen Bassound entspricht.

    @Alex_KIDD
    Ja – ich würde sagen, alle mit gut bewerteten Geräte kann man problemslos an allen möglichen Instrumenten ausprobieren. Beim Anschluß an ein Mischpult muß man darauf achten, den Geräten nicht zuviel Pegel zuzumuten. Wieviel die Kleingeräte vertragen, hab ich nicht getestet. Falls du das mal probierst – sag Bescheid, wie das funktioniert.

  4. Profilbild
    taschentuch

    @c.schneider:
    Erstaunlich, die Sache mit dem Störgeräusch. Aber wenn das mit dem Poti unten verschwindet, ist es ja eindeutig.

    Das Problem bei den Geräten von Palmer ist halt, dass sie zu schnell herunterregeln. Anstatt den Attack durchzulassen und dann herunterzuregeln, wird scheinbar schon sehr früh in der Attackphase geregelt, und dann ist die Gainreduktion für die Sustain-Phase viel zu hoch. Deshalb wird es dann an der Stelle leise und erst nach der Releasezeit des Compressors wird es wieder lauter.

    Interessieren würde mich ja, wie viel man noch an Sound herausholen kann, wenn man etwas wie den FMR Really Nice Compressor benutzt.
    http://www.....om/rnc.htm

    Dessen Eingangsimpedanz scheint mir nur leider für passive Bässe etwas gering zu sein (10kOhm). Man müsste also mindestens einen neutralen Booster, eine DI-Box oder ein anderes Effektgerät davorschalten.

    • Profilbild
      c.schneider  

      Den RNC hab ich noch wenig probiert, der dürfte über jeden Zweifel erhaben sein. Ein Equalizer-Pedal davorschalten und dessen Ausgang voll aufdrehen? Könnte gehen.

      • Profilbild
        taschentuch

        Man braucht den Ausgang nicht mal aufdrehen, es reicht, wenn irgendein Pedal vor dem RNC hängt, egal was es macht. Dann hängt ein Transistor oder Operationsverstärker hinter dem Pickup und damit wird anstatt des Pickups die Pufferstufe vom Eingang des RNC belastet.
        Bei einigen Pedalen dürfte sogar der Bypass reichen (natürlich nicht bei solchen mit true bypass).

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