Workshop: Harmonielehre für Gitarre, Dur-Dreiklang, Teil 2

4. August 2020

Workshop: Harmonielehre für Gitarre, Dur-Dreiklang, Teil 2

Diese neue AMAZONA.de Workshop-Serie beschäftigt sich mit angewandter Harmonielehre und vermeidet dabei eine trockene Präsentation, deswegen sind diese Workshops verstärkt auf die Praxis des Gitarristen ausgerichtet.

In Teil 1 dieses Workshops beschäftigten wir uns mit Dur-Dreiklängen auf den Saiten h, g und d. Wer den ersten Teil dieses Workshops noch nicht kennt, dem empfehle ich, diesen zunächst zu lesen und zu verstehen, da der zweite Teil darauf aufbaut.

Auch heute soll es um den Dur-Dreiklang gehen. Nachdem in Teil 1 des Workshops zunächst die Saiten h, g und d behandelt wurden, wollen wir uns heute mit Dur-Dreiklängen auf den Saiten 1, 2 und 3 (e, h, g) beschäftigen. Da diese in der Praxis zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten haben, ist es wichtig, diese Dreiklänge „im Köcher“ zu haben. Im Pop, Soul, Funk und Rock ’n‘ Roll sind diese Dreiklänge besonders gut einsetzbar.

Theorie des Dreiklangs

Für jene, die die Theorie eines Dreiklangs noch nicht verstanden haben, seien hier die entscheidenden Fakten nochmals kurz angeführt:

Die einfachste Form eines Akkordes ist der Dreiklang. Dieser besteht aus Schichtungen von Terzen (in der sogenannten Grundstellung). Die verschiedenen Kombinationen von kleinen und großen Terzen ergeben vier unterschiedliche Typen, wobei die ersten beiden Typen mit Abstand am weitesten verbreitet sind. Schauen wir uns zunächst einen C-Dur- und einen c-Moll-Dreiklang an:

Dur: C (1) – E (3) – G (5)

Moll: C (1) – Eb (b3) – G (5)

Der entscheidende Unterschied zwischen Dur und Moll befindet sich in der mittleren Note (Terz) des Dreiklangs.

Dur-Dreiklang – Grundstellung

Ist der Akkord in der sogenannten Grundstellung (wenn die drei Komponenten in Terzen angeordnet sind), gibt der tiefste Ton (Bass) dem Akkord seinen Namen. Er ist der Bezugspunkt für alle weiteren Töne, die sich im Akkord befinden. Die erste Terzschichtung definiert nun das sogenannte Geschlecht des Akkords, etwa Dur bei einer großen Terz (3), bzw. Moll bei kleiner Terz (b3). Schichtet man darauf eine weitere Terz (kleine Terz bei Dur bzw. große Terz bei Moll), erhalten wir (in der Summe) die reine Quint (5).

Umkehrungen des Dur-Dreiklangs

Ein einfacher C-Dur-Dreiklang besteht aus den Tönen C – E – G (also dem ersten, dritten und fünften Ton der C-Dur-Tonleiter). Dieser lässt sich in drei Varianten anordnen:

Grundstellung C-Dur:

C – E – G (Grundton (1), Terz (3) und Quint (5).

Sextakkord (1. Umkehrung)

Natürlich kann man die Reihenfolge der drei Komponenten umstellen und den Grundton eine Oktave nach oben bewegen. Wir erhalten dann:

E – G – C

Diese Variante nennt sich Sextakkord, da zwischen dem unteren und oberen Ton das Intervall einer (kleinen) Sexte liegt.

Die Tatsache, dass nun der Grundton (Namensgeber) des Akkords nun nicht mehr als tiefste Note auftritt bzw. der Basston (die tiefste Note) C auf E rückt, sollte in der Bezeichnung des Akkordsymbols „erwähnt“ werden. Unser umgeformter Dreiklang heißt jetzt C/E (gesprochen C-Dur „über E“ oder auch „C mit E im Bass“).

Quart-Sextakkord (2. Umkehrung)

Dreht man dieses Gebilde „nochmals um“ bzw. verlegt abermals den unteren Ton um eine Oktave nach oben, erhält man:

G – C – E  (in Worten „C-Dur mit G im Bass“ bzw. „C über G“),

in der Fachsprache Quartsextakkord genannt. Zwischen G und C erhalten wir eine Quarte und zwischen G und E eine Sexte, daher der Name Quart-Sextakkord.

Schaut man sich einen offenen C-Dur-Akkord genau an, sieht man, dass hier bereits die Grundstellung und zwei Umkehrungen des Dreiklangs enthalten sind:

Workshop: Harmonielehre für Gitarre

Offener C-Dur-Akkord

Wir hören zunächst einen offenen C-Dur-Akkord, anschließend die enthaltenen Dreiklänge:

Praxis – Dur-Dreiklang auf Saiten 1, 2 und 3

Sicherlich interessanter ist, das Erläuterte auch in der Praxis anzuwenden. Wir wollen die Dreiklangsumkehrungen nun auf den Saiten e, h, g spielen, die drei Umkehrungen eines C-Dur auf den Diskantsaiten sehen dann folgendermaßen aus:

Workshop: Harmonielehre für Gitarre

C-Dur-Dreiklang mit seinen Umkehrungen auf Saiten e, h, g.

Wir hören die drei Varianten im Wechsel:

Workshop Gitarre – Subdominante und Dominante

Um die Melodie eines einfachen Songs mit Dreiklängen zu unterlegen, brauchen wir meist mindestens drei Akkorde (z. B. auch die Subdominante und Dominante und/oder deren Parallelen). Für die Dreiklänge F-Dur und G-Dur-Dreiklänge (Subdominante und Dominante von C-Dur) erhalten wir dann folgende Griffbilder:

Workshop: Harmonielehre für Gitarre

F-Dur und G-Dur mit seinen Umkehrungen auf den Saiten 1, 2 und 3. Die Griffbilder der Dreiklänge entsprechen den bereits für C-Dur vorgestellten, lediglich die Positionen ändern sich.

Hier noch eine kurze Anmerkung zum oft diskutierten Thema „h oder B“: Die Note h, die ausschließlich im deutschen Sprachgebrauch existiert, wird hier in der internationalen Schreibweise, also mit B notiert, da Notenschreibprogramme das deutsche h nicht kennen.

Harmonielehre für Gitarre – Kadenz I, IV, V

Die Kadenz (Akkordfolge) IV – V – I in der Tonart C-Dur,  ließe sich dann beispielsweise in folgenden Variationen spielen:

Workshop: Harmonielehre für Gitarre

Kadenz IV – V – I in C-Dur mit Dreiklängen und Umkehrungen

Klingen könnte dies etwa so:

Integriert man auch die behandelten Dreiklänge aus dem ersten Teil des Workshops, kommen dann bereits zahlreiche Variationsmöglichkeiten zustande.

Dur-Dreiklänge – Improvisation

Beherrscht man die Dreiklänge auch in der Praxis gut, kann man damit experimentieren und schnellere Wechsel und verschiedene Saitenkombinationen ausprobieren. Das folgende Klangbeispiel improvisiert mit den Dreiklängen und Umkehrungen dieses Workshops, integriert aber auch Dreiklänge des ersten Teils des Workshops, das könnte dann beispielsweise folgendermaßen klingen:

Wie ihr sicherlich gemerkt habt, wurden hier die Dreiklänge teilweise arpeggiert gespielt bzw. die Töne einzelner Dreiklänge seriell gespielt, was in der Praxis oft gemacht wird.

Ich hoffe, ihr hattet Spaß und Lernerfolge mit diesem Workshop. In den folgenden Teilen dieser Serie werden dann auch Moll-Dreiklänge und weiterführende Varianten (z. B. Septakkorde, etc.) behandelt.

Stay tuned!

Klangbeispiele
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