Gitarre Workshop: Die besten Gitarrensoli 1 – „Another brick in the wall – Pt. II

21. April 2020

Die besten Gitarrensoli der Rockgeschichte - LEARN FROM THE BEST!

 

In dieser neuen Workshop-Reihe möchten wir euch die besten Gitarrensoli der Rock- und Popgeschichte vorstellen. Jedes dieser Gitarrensoli muss dabei vor allem ein Kriterium erfüllen: Es muss so einzigartig und interessant sein, dass man sich den dazugehörigen Song OHNE das betreffende Solo fast nicht vorstellen kann, da es untrennbar damit verbunden ist. In diese Kategorie fällt definitiv das erste Solo dieser neuen Workshop-Reihe: David Gilmours Solo in „Another brick in the wall – Part II“.

Der Song ist auf Pink Floyds Meisterwerk „The Wall “ aus dem Jahre 1979 zu finden. Das Stück aus der Feder von Roger Waters wurde ein Millionenverkaufserfolg – mit Nummer 1 Chartplatzierungen in 10 Ländern. Dieser Erfolg ist nicht zuletzt auf David Gilmours einfühl- und einprägsame Gitarrenarbeit zurückzuführen.

Kleiner Gear-Fact am Rande: Obwohl man mit David Gilmour vor allem seine schwarze Stratocaster und Unmengen an Amps und Effekten verbindet, hat er das vorliegende Gitarrensolo mit einer 1955er Gibson Les Paul Goldtop direkt ins Mischpult gspielt.

Sehen wir uns das Solo also genauer an:

 

David Gilmour Gitarrensolo – TECHNIK

David Gilmours Gitarrenstil ist von klassischen Blues-/Rocktechniken wie z. B. Hammer-ons/Pull-offs, Bending und Vibrato geprägt – virtuoses „Shredding“ ist nicht sein Ding.

Diese Merkmale findet man dann auch direkt im Auftakt und 1. Takt des Solos: eine bluesige, auf der Moll-Pentatonik basierende Phrase, gefolgt von einem Ganzton-Bending mit Vibrato. Gilmours Blueseinflüsse sieht man auch sehr gut in den Takten 14-16 und Takt 18, wo er wiederum typisches Blues-Phrasing zelebriert.

Generell bemerkenswert ist seine äußerst präzise Bending-Technik – oft lässt er einen Ton stehen und variiert das Bending innerhalb der Notenlänge (siehe Takte 3-4, 11-12, 19-21)

In Takt 2 folgt ein kurzes rhythmisches Motiv, das in Takt 7 in veränderter bzw. erweiterter Form wiederkehrt.

Schon in diesen ersten Takten des Solos kann man somit sehr gut sehen, wie geschmackvoll Gilmour rhythmisch bewegte Phrasen mit länger ausklingenden Noten variiert (siehe auch Takte 9-12, 17-21, 25-27).

Bemerkenswert ist außerdem das häufig vorkommende sog. „Raking“ (in der Notation dargestellt durch ein x) – dabei führt man mit dem Plektrum einen Anschlag über mehrere abgedämpfte Saiten aus, um schließlich auf einer unabgedämpften Note zu landen. Die Zielnote(n) wird/werden dadurch besonders hervorgehoben (siehe Takte 5/9/21).

Workshop Gitarrensolo – TONMATERIAL

Die dem Solo zugrundeliegende Tonalität ist d-Moll. Gilmour benutzt entweder die klassische Moll-/Bluespentatonik (siehe Auftakt /Takte 14-16/Takte 30-32) oder die aeolische (reines Moll) oder dorische Skala (Takt 5/Takte 17-18). In Takt 29 erzeugt er mit einem kurzen Akkord-Lick einen typisch dorischen Sound – zunächst spielt er einen C-Dreiklang, gefolgt von jeweils zwei Tönen auf der g- und h-Saite, die abwechselnd einen F- und G-Dreiklang implizieren (hierbei ohne die Quinte). Im G-Dreiklang finden wir den Ton h, der in Bezug auf d-Moll die große Sexte darstellt und damit den charakteristischen dorischen Sound definiert.

Another Brick in the Wall Gitarren-Solo – SOUND

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, hat David Gilmour dieses Solo mit einer Gibson Les Paul Goldtop aus dem Jahr 1955 eingespielt. Bei der Aufnahme wurde das Gitarrensignal zunächst stark komprimiert und ging so in das Studiomischpult; von dort in einen Mesa/Boogie Amp und dann zurück in das Mischpult. Der daraus resultierende Sound wurde dann noch mit Reverb- und Delay-Effekten angereichert.

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, benutzt Gilmour in der Regel weitaus mehr Equipment, um seinen Sound zu kreieren … seine ausgeklügelten Live-Setups, bestehend aus mehreren Gitarren, diversen Amps und Boxen, Pedalboards und 19″-Racks, sind legendär.

Gilmours Hauptinstrument ist sicherlich seine stark modifizierte schwarze Fender Stratocaster aus dem Jahre 1969. Daneben benutzte er in den verschiedenen Phasen seines Schaffens diverse Fender Strato- und Telecasters, Gibson Les Pauls und speziell für ihn angefertigte Instrumente.

Seine (damals wie heute) favorisierten Amps stammen von der englischen Firma Hiwatt. Sie sind recht laut und zeichnen sich durch einen besonders großen cleanen Headroom aus. Seine verzerrten Sounds erzeugt David Gilmour mit verschiedenen Pedalen, u. a. dem Electro Harmonix Big Muff, dem Dallas Arbiter Fuzz Face sowie diversen Spezialanfertigungen von Pedalboard-Guru Pete Cornish. Natürlich dürfen bei dieser kleinen Aufzählung die Modulationseffekte nicht fehlen, schließlich basieren einige der absoluten „Trademark-Sounds“ von David Gilmour darauf, z. B. das Univox Uni-Vibe („Breathe“) oder der MXR Phase 90 („Shine on you crazy diamond“). Auch der Electric Mistress Flanger von Electro Harmonix zählt(e) zu Gilmours Favoriten. Dazu kommen noch diverse Delay-Effekte (z. B. Binson Echorec), Booster und Preamps. Eine komplette Auflistung von David Gilmours Equipment würde den Rahmen dieses Workshops definitiv sprengen!

Bei meinem Playthrough-Video habe ich eine Gibson Les Paul Tribute und Logic Pro X benutzt.

Gitarre Workshop, David Gilmour Solo – FAZIT

Charakteristisch für David Gilmours Stil ist sein Gespür für äußerst melodische Phrasen, bei denen er sich oft der Moll-/Bluespentatonik sowie anderen diatonischen Skalen (z. B. aeolisch oder dorisch) bedient. Beim Blick auf seine Spieltechnik fallen neben der häufigen Verwendung von Hammer-ons und Pull-offs vor allem seine präzisen Bendings auf – diese würzt er dann gerne noch mit einem feinen Fingervibrato. All diese Eigenschaften sind wichtige Zutaten für Gilmours wiedererkennbaren Stil, dessen Grundlage man als das „weniger ist mehr“-Prinzip umschreiben könnte. Damit schafft es David Gilmour immer wieder mit wenigen, geschmackvoll gespielten Tönen, packende und atmosphärische Soli zu spielen. Ein gutes Beispiel dafür ist das in diesem Workshop besprochene Werk.

 

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