Workshop: Harmonielehre für Gitarre, Dur-Dreiklang

2. Juni 2020

Der Dur-Dreiklang in der Praxis

Workshop Harmonielehre für Gitarre

Diese neue AMAZONA.de Workshop-Serie beschäftigt sich mit angewandter Harmonielehre und vermeidet dabei eine allzu trockene Präsentation, deswegen sind diese Workshops verstärkt auf die Praxis des Gitarristen ausgerichtet. Die Theorie des Gespielten wird „schonend“ mitgeliefert.

Heute soll es vornehmlich um den Dur-Dreiklang gehen, den wir zunächst in drei Variationen auf den Saiten 2, 3 und 4 (h, g, d) spielen werden. Unzählige Gitarristen machen davon Gebrauch, allen voran Mark Knopfler, der diese „Voicings“ ständig einsetzt, dieser ist aber nur einer unter vielen.

Theorie des Dreiklangs

Die einfachste Form eines Akkordes ist der Dreiklang. Wichtig zu verstehen ist die Tatsache, dass Akkorde (Dreiklänge) Schichtungen von Terzen sind. Die verschiedenen Kombinationen von kleinen und großen Terzen ergeben vier unterschiedliche Typen, wobei die ersten beiden Typen mit Abstand am weitesten verbreitet sind. Schauen wir uns zunächst einen C-Dur- und einen c-Moll-Dreiklang an:

Dur: C (1) – E (3) – G (5)

Moll: C (1) – Eb (b3) – G (5)

Der entscheidende Unterschied zwischen Dur und Moll befindet sich in der mittleren Note (Terz) des Dreiklangs.

Dur-Dreiklang

Wir befassen uns heute vornehmlich mit dem Dur-Dreiklang, der entsteht, wenn wir auf den Grundton (Namensgeber) des Akkords eine große Terz (3) setzen und darauf wiederum eine kleine Terz (b3). In der Summe entsteht zwischen dem unteren und oberen Ton eines Dreiklangs (nur in der sogenannten Grundstellung) eine reine Quint (5). In Intervallen formuliert, besteht also jeder Dur-Dreiklang aus einem Grundton (1), einer Terz (3) und Quint (5).

Ist der Akkord in der sogenannten Grundstellung (wenn die drei Komponenten ausschließlich in Terzen angeordnet sind), gibt der tiefste Ton (Bass) dem Akkord seinen Namen. Er ist der Bezugspunkt für alle weiteren Töne, die sich im Akkord befinden. Die erste Terzschichtung definiert nun das sogenannte Geschlecht des Akkords, etwa Dur bei einer großen Terz (3), bzw. Moll bei kleiner Terz (b3). Schichtet man darauf eine weitere Terz (kleine Terz bei Dur bzw. große Terz bei Moll), erhalten wir (in der Summe) die reine Quint (5).

Umkehrungen des Dur-Dreiklangs

Ein einfacher C-Dur-Dreiklang besteht aus den Tönen C – E – G (also dem ersten, dritten und fünften Ton der C-Dur-Tonleiter). Dieser lässt sich in drei Varianten anordnen:

Grundstellung C-Dur:

C – E – G (Grundton (1), Terz (3) und Quint (5).

Sextakkord (1. Umkehrung)

Natürlich kann man die Reihenfolge der drei Komponenten umstellen und den Grundton eine Oktave nach oben bewegen. Wir erhalten dann:

E – G – C

Diese Variante nennt sich Sextakkord, da zwischen dem unteren und oberen Ton das Intervall einer (kleinen) Sexte liegt.

Eine kurze Info am Rande: Gewisse Intervalle (wie Terzen, Sexten, Septimen) existieren „in groß und klein“, andere Intervalle, wie die Quart (4) oder Quint (5) existieren dagegen in „rein“ (5), „übermäßig“ (#5) oder „vermindert“ (b5).

Die Tatsache, dass nun der Grundton (Namensgeber) des Akkords nun nicht mehr als tiefste Note auftritt bzw. der Basston (die tiefste Note) C auf E rückt, sollte in der Bezeichnung des Akkordsymbols erwähnt werden. Also heißt unser umgeformter Dreiklang jetzt C/E (gesprochen C-Dur „über E“ oder auch „C mit E im Bass“).

Quart-Sextakkord (2. Umkehrung)

Dreht man dieses Gebilde „nochmals um“ bzw. verlegt abermals den unteren Ton um eine Oktave nach oben, erhält man:

G – C – E  (in Worten „C-Dur mit G im Bass“ bzw. „C über G“),

in der Fachsprache Quartsextakkord genannt. Zwischen G und C erhalten wir eine Quarte und zwischen G und E eine Sexte, daher der Name Quart-Sextakkord.

Schaut man sich einen offenen C-Dur-Akkord genau an, sieht man, dass hier bereits die Grundstellung und zwei Umkehrungen des Dreiklangs enthalten sind:

Harmonielehre für Gitarre, Dur-Dreiklänge, Umkehrungen C offen

Innerhalb eines offenen C-Dur-Akkords sind drei Dreiklangsumkehrungen anzutreffen

Wir hören zunächst einen offenen C-Dur-Akkord, anschließend die enthaltenen Dreiklänge:

Praxis – Dur-Dreiklang auf Saiten 2, 3 und 4

Sicherlich interessanter ist, das Erläuterte zu hören und in der Praxis anzuwenden. Schauen wir und dies einmal in Noten bzw. Tabulatur an:

Wir wollen die Dreiklangsumkehrungen nun auf den Saiten h, g und d anwenden:

C-Dur Dreiklang mit beiden Umkehrungen auf Saiten 2, 3 und 4

 

Ein wiederholter Wechsel dieser Dreiklänge klingt folgendermaßen:

 

Subdominante und Dominante

Um die Melodie eines Songs mit Dreiklängen zu unterlegen, reicht ein Akkord meist nicht aus, deswegen werden wir dieses Verfahren auch für die F-Dur und G-Dur-Dreiklänge (Subdominante und Dominante von C-Dur) anwenden. Wir erhalten dann folgende Griffbilder:

Workshop Harmonielehre für Gitarre

F-Dur und G-Dur mit seinen Umkehrungen. Die Griffbilder der Dreiklänge entsprechen den bereits für C-Dur vorgestellten, lediglich die Positionen ändern sich.

So könnte dies klingen:

Melodie mit Dreiklangsumkehrungen unterlegen

Interessanter ist es, einen ganzen Song mit Dreiklängen (z. B. Tonika, Dominante und Subdominante) zu hinterlegen.

In der Summe erhalten wir neun Dreiklangsvarianten aus den drei Akkorden C-Dur, F-Dur und G-Dur, die wir nun (teilweise) auf eine euch sicherlich bekannte Melodie anwenden. Die Akkorde sind so angeordnet, dass die Melodie des Liedes immer die höchste Note des jeweils darunterliegenden Dreiklangs ist:

Workshop Harmonielehre für Gitarre

Harmonisierung einer Melodie mit Dreiklängen

Klingen könnte dies so:

 

Eigentlich könnte gelegentlich statt eines F/A besser ein G7 mit „Topnote“ F zur Harmonisation eingesetzt werden, aber das Abhandeln von Vierklängen (Septakkorde) würden den Rahmen des heutigen Workshops sprengen.

Anwendung bei der Improvisation

Hat man die Dreiklänge in den Fingern, kann man schnellere Wechsel ausprobieren, dies könnte beispielsweise so wie im abschließenden Hörbeispiel klingen. Es kommen ausschließlich die vorgestellten Dreiklangsumkehrungen auf den Saiten h, g und d zum Einsatz:

 

In der Improvisation können die drei Töne eines Dreiklangs neben dem Einsatz als Akkord natürlich auch seriell eingesetzt werden, man spricht dann von einem Arpeggio.

Weitere Varianten eines Dreiklangs

Schon rein mathematisch ergeben sich zwei weitere Möglichkeiten, die verschiedenen Terzen eines Dreiklangs übereinanderzuschichten. Deswegen sei hier auch erwähnt, dass es zwei weitere Typen von Dreiklängen gibt, die in der musikalischen Praxis zwar eher eine Nebenrolle einnehmen, aber dennoch gelegentlich Verwendung (Jazz, Fusion, Blues aber auch Popmusik etc.) finden.

Schichtet man zwei kleine Terzen übereinander, entsteht ein verminderter Dreiklang (da die Quint dann nicht mehr rein, sondern vermindert ist):

C (1) -Eb (b3) – Gb (b5) – verminderter Dreiklang

Zwei große Terzen übereinandergeschichtet ergeben einen übermäßigen Dreiklang (da die reine Quint zu eine übermäßigen Quinte, #5, wird.)

C (1) – E (3) – G# (#5) – übermäßiger Dreiklang

Anbei die „Formeln“ zur Konstruktion der vier Dreiklangsvarianten:

Große Terz + kleine Terz =  Dur-Dreiklang

Kleine Terz + große Terz =  Moll-Dreiklang

Kleine Terz + kleine Terz =  Verminderter Dreiklang (diminished, bzw. dim.)

Große Terz + große Terz  =   Übermäßiger Dreiklang (augmented, bzw. aug.)

Stay tuned!

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