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Workshop & Test: Mackie 1402-VLZ-Pro, Mischpult

8. Oktober 2001

Digitalrecording mit Analogmischer

Die Zeiten ändern sich……, denn noch vor einigen Jahren galt der umfangreiche „Monstermischer“ im Home-Recording-Studio nicht nur als Statussymbol, sondern war angesichts der vielen Klangerzeuger auch unbedingt notwendig.Dank Digital-Recording kann heute ein kleiner Mischer am Rechner-Arbeitsplatz die Aufgabe ebenfalls erledigen. Wie, beschreibt der folgende Testbericht.

Mackie 1402 VLZ

Mackie 1402 VLZ Pro

Digitalrecording mit dem MACKIE 1402 VLZ-Pro

Der typische Studioalltag eines Midi-Produzenten bestand darin, keine einzige Spur auf einen Audioträger aufzuzeichnen, sondern nach Beendigung des Midi-Arrangements alle Spuren durch den Sequenzer ansteuern zu lassen und gemeinsam (z.B. auf ein DAT-Band) abzumischen. Ich kenne nicht wenige Musiker, die sich für diesen Zweck 32-kanälige Mix-Monster zugelegt haben, nur um alle Summen- und Einzelausgänge ihrer geliebten Synthesizer und Sampleboxen gleichzeitig verkabeln zu können. Dazu kamen z.B. 4 Effektgeräte und schon mussten mindestens 4 Sends und 8 Returns verfügbar sein. Die zusätzlich benötigten Anschlüsse für Insert- und Mastereffekte, Tape Returns und Mikrofoneingänge, Monitorwege und Talkbacks seien nur am Rande erwähnt. Alles in allem konnte ich in Glanzzeiten auf 3 mit Kabeln gefüllte Reisekoffer blicken, wenn ich mein Studio mal wieder neu verkabeln wollte.

Digital sei Dank

Heute benötige ich nur noch einen leistungsfähigen Computer (in meinem Fall einen Apple G4 mit 400 Mhz und Audiowerk 2 Karte), eine Recording-Software (wir verwendeten LOGIC für diesen Test), eine Patchbay (analog), einen ausgedienten Dat-Recorder mit gutem AD-Wandlern sowie einen kompakten, gut klingenden und rauscharmen Mixer – den MACKIE 1402 VLZ PRO!

Warum den MACKIE 1402-VLZ-Pro? Es mag Anwendungen geben, da ist eine höchst mögliche Audioqualität nicht erforderlich und da darf es auch ruhig einmal ein bisschen rauschen. Nicht aber in unserem Fall! Schließlich wollen wir unsere Audioquellen (Mikrofonsignale und Midi-Klangerzeuger) direkt auf die HD unseres Rechners spielen und dort digital weiterbearbeiten. Im Laufe des Praxistests – soviel möchte ich jetzt schon vorwegnehmen – wird sich zeigen, dass die kleinen Mackie-Mixer eine ausgezeichnete Audioqualität besitzen, die ich in dieser Preisqualität noch bei keinem Mitbewerber erlebt habe und die sich mühelos auch mit großen Profipulten messen lassen!!!!!??Innerhalb der Mackie-Produktgruppe legte ich mich aus folgenden Gründen auf den 1402 fest: Gegenüber seinem kleineren Bruder 1202-VLZ-Pro verfügt er bereits über Fader statt Dreh-Potis für die Einstellung der Kanallautstärke. Dem großen Bruder 1604 hat er die kompaktere Bauform voraus und lässt sich daher mühelos zwischen Bildschirm und Computertastatur stellen.

Der Mackie 1402-VLZ-Pro im Überblick:

Wie der Name schon vermuten lässt, stehen dem 1402 vierzehn Eingänge zur Verfügung, davon 6 monophone und 4 stereophone Eingänge – macht 10 Fader.

Mackie 1402 VLZ

Die monophonen Eingänge sind mit den neu entwickelten, variablen Mikrofonvorverstärkern ausgestattet, die der aktuellen Serie den Zusatz „PRO“ einbrachte (mehr dazu siehe auch das Interview mit Uli Schlosser von Mackie-Deutschland). Jeder dieser 6 Kanalzüge verfügt über eine XLR-Buchse (mit Phantomspeisung), einen Line-Eingang (symmetrisch/unsymmetrisch), eine Insertbuchse (auf der Rückseite) sowie einen so genannten Trittschallfilter (wird meist bei Live-Auftritten eingesetzt, damit sich die Vibrationen über den Bühnenboden nicht als Rumpeln bei den Mikrofonen bemerkbar machen)

Die Stereoeingänge verzichten auf die Inserts, die XLR Eingänge, die Trittschallfilter sowie den variablen Mikrofonvorverstärkern. Stattdessen lassen sie die Eingangspegel hier zwischen +4dB und -10dB umschalten. Die Kanalzüge sind jedoch bei allen Eingängen gleich ausgelegt. Zwei Ausspielwege (für Monitoring oder Effekte), ein 3-Band-Equalizer mit den Frequenzbändern Hi 12kHz, Mid 2,5kHz und Low 80Hz , ein Panoramaregler, ein Mute-Button, ein Solo-Button und zu guter Letzt der Kanal-Fader mit einem Regelweg von 60mm.

Auf der Pultoberfläche finden sich noch die Ausgänge der beiden AUX-Wege, 4 Eingänge der beiden Stereo-Returns, Tape-In und Tape-Out, der Main-Out im Klinkenformat (symmetrisch/unsymmetrisch) sowie der Kopfhörerausgang. Damit nicht genug! Ergänzen wir die Liste noch mit den Anschlüssen auf der Rückseite um den Main-Out im XLR-Forma t, den Control-Room-Out (für Ihre Abhöre) sowie einem zusätzlichen Stereo-Out mit der Bezeichnung ALT 3&4 , dem im Verlauf unserer Recording-Sessions noch besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Der 1402-VLZ-PRO arbeitet mit einem integrierten Netzteil. Das ist in dieser Größenordnung leider keine Selbstverständlichkeit. Ein kleines Haar in der sonst perfekten Suppe habe ich dennoch gefunden: Der Schalter für die Phantomspeisung befindet sich „haarscharf“ neben dem Power-Schalter. Trotz unterschiedlicher Größe der beiden Schalter ist eine Verwechslung nicht ausgeschlossen, da sich die Schalter noch dazu außer Sichtweite des Users befinden. Der Betriebszustand beider Schalter wird über entsprechend beschriftete LED´s in der Mastersektion angezeigt. Zwei LED-Ketten mit je 12 LED´s signalisieren den Ausgangspegel.

Mackie 1402 VLZ

Das 1402-VLZ-Pro steckt in einem robusten Metall-Gehäuse, die Fader sind angenehm „fliesend“, die Potis sind griffig und bieten genügend Widerstand gegen ein zufälliges Verdrehen und die Druckknöpfe federn kräftig zurück. Auch in der Übersichtlichkeit der Steckverbindungen und der Signalwege muss man dem „kleinen“ Riesen Bestnoten geben. Unterhalb der Fader ist zudem genügend Platz für eine Beschriftung der einzelnen Kanäle (siehe Abbildung).

Analog to Digital

Vor dem Digital-Recording steht Analog/Digital-Wandlung. Zunächst müssen wir unseren Mischer erst einmal mit den digitalen Eingängen des Computers RICHTIG verbinden, indem wir einen DAT-Recorder (in unserem Fall einen SONY A9) als Digitalwandler verwenden. Nun werden sich einige fragen, warum wir nicht die Mikrofonsignale in den analogen Eingang des Computers schicken und die Wandlung der Signale im Computer vornehmen lassen. Wie gut Ihre Wandler im Computer auch immer sein mögen, in 90% aller Fälle fangen Sie sich Störgeräusche des Computers ein, noch bevor die Wandlung vollzogen ist.

Kaum eine Audiokarte ist von den vielen elektronischen Schaltungen im Computer so gut abgeschirmt, dass in den Signalpausen nicht ein Zirpen, ein Tackern oder ein Zwitschern hörbar wäre. Natürlich sind diese Störgeräusche bei Wohnzimmerlautstärke kaum wahrnehmbar, aber verwenden Sie mal einen Kopfhörer, zeichnen Sie 16 Spuren auf und achten Sie in den Signalpausen auf die „Stille“ die da sein sollte. Nichts ist es mit der göttlichen Ruhe! Das ist in etwa so, als wenn Sie sich Ihren Bettbezug unter dem Mikroskop ansehen. Ich empfehle Ihnen daher dringend zu einer externen Wandlung aller Signale. Ausrangierte DAT-Recorder (die es zwischenzeitlich auf dem Gebrauchtmarkt zu Schleuderpreisen gibt), eignen sich dazu hervorragend.

ALT 3&4 – Das Mackie-Rezept

Zunächst verbinden wir den Control-Room-Out mit den Studio-Monitoren. Danach gehen wir NICHT wie gewohnt mit dem Main-Out in den DAT-Recorder, sondern verbinden die auf der Rückseite angebrachten ALT -3&4-Ausgänge mit den analogen Eingängen unseres DAT-Recorders. Die digitalen Ausgänge des DAT-Recorders sind wiederum mit der Audiowerkkarte (oder einer anderen beliebigen Audiokarte mit Digitaleingängen) verbunden.

Mackie 1402 VLZ

Der Clou: Die Mute-Schalter über den Kanal-Fadern dienen auch als Routing-Schalter auf die Ausgänge ALT 3&4. Ist dieser Schalter gedrückt, wird die Signalführung zu den Master-Fadern unterbrochen (Mute) und auf die Ausgänge ALT 3&4 umgeleitet. Von dort aus gelangen die Signale in den DAT-Recorder, werden optimal gewandelt (dazu bitte den DAT-Recorder in Aufnahmebereitschaft versetzen) und können schließlich im Computer aufgezeichnet werden.??Was bedeutet das in der Praxis? Unser Song konnte bislang z.B. aus beliebigen Midi-Klangquellen bestehen, die direkt vom Sequenzer angetriggert wurden, z.B. Snare, Bass-Drum und Streicher. Um wieder Mischpulteingänge freizuschaufeln, könnten wir nun die Streicher direkt in den Computer aufnehmen, indem wir bei der entsprechenden Spur ALT 3&4 drücken.

Die Streicher werden nach Ihrer Aufnahme einem der virtuellen Kanalzüge unseres LOGIC Audiomixers zugewiesen. Der Summenausgang unseres LOGIC Mixers führt wieder direkt in einen der Stereoeingänge des Mackie-Mixers. Die ursprüngliche Midi-Spur wird nun durch die Audiospur im Sequenzer ersetzt, und auch der Midi-Klangerzeuger wird nun nicht mehr benötigt, da seine Signale nun als Audiodatei auf der Festplatte liegen. Der verwendete Eingangskanal steht für die Streicher ebenfalls wieder anderen Signalen zur Verfügung. In unserem Fall wäre es kein Problem, 24 Spuren im internen Logic-Mixer abzumischen. Dazu kommen nochmals 12 weitere Eingänge des 1402 Mixers (2 Eingänge benötigen wir ja für die Rückführung des Logic Summenausgangs) – macht zusammen 36 Spuren!!!

Controll-Room-Sektion

Der 1402-VLZ-PRO bietet dank seiner vielseitigen Control-Room-Sektion immer die Möglichkeit, alle Signale gleichzeitig zu hören und in der Mischung zu testen, auch wenn einige der Spuren z.B. gerade in den Computer überspielt werden und in LOGIC SOFTWARE MONITORING (z.B. aus Latenzgründen) deaktiviert wurden. So können die an den ALT 3&4 geleiteten Signale über einen ALT -3&4-Button in der Control-Room- Sektion wieder der Studioabhöre zugeführt werden – zusammen mit den restlichen Kanaleingängen und auf Wunsch auch den Tape-Eingängen. Einziger Nachteil: Zur Regelung der Control-Room-Lautstärke und der Kopfhörerlautstärke gibt es nur einen gemeinsamen Fader. Möchte man also mal ungestört auf dem Kopfhörer den Song extrem laut hören, ohne die Nachbarn aus dem Bett zu werfen, bleibt nur die Möglichkeit, die Endstufe abzuschalten.

Mackie 1402 VLZ

Ein paar Tipps für die Praxis

  1. Auch wenn Sie theoretisch einen finalen Mixdown aus Logic-Audio-Spuren und Logic-Sequenzer-Spuren vornehmen könnten, empfehle ich Ihnen, nach und nach alle Spuren als Audiospuren zu sichern. Nur dann können sie auf der digitalen Ebene bleiben und Ihren Song komplett im Computer zu Ende bringen, mastern und schließlich auf CD brennen oder z.B. MP3 Files generieren. Ausnahmen sind Midi-Klang-Quellen, die sich als Plug-In’s ohnehin schon IM Computer befinden.
  2. Den Summenausgang Ihres Computers können Sie getrost über die analogen Ausgänge in den Mackie 1402 schicken. Evtl. Einstreuungen durch den Computer spielen hier keine Rolle, solange Sie später im Computer mischen und mastern und der analoge Ausgang nur zur Speisung der Studiomonitore dient.
  3. Ich habe für Mikrofonaufnahmen (über ein Spirit-Digital -328 -Mischpult) grundsätzlich einen externen Mikrofon-Vorverstärker verwendet. Die internen Mikrofonvorverstärker des Mackie-Pultes haben mich echt vom Sockel gehauen. Sie können deshalb auf einen externen Vorverstärker verzichten. Auch zu Zwecken der Signalübersteuerung (z.B. für phatte Bassdrums) sind diese Vorverstärker erste Sahne.
  4. Das MACKIE 1402-VLZ-PRO verfügt nicht über ein Talk-Back Mikro. Ein XLR Schwanenhals-Mikro (z.B. das AKG D541E) leistet hier unkompliziert Abhilfe.
  5. Um häufiges Umstecken der Eingangsverbindungen am Mackie zu vermeiden, sollten Sie mit einer oder mehrerer Patchbays arbeiten.
  6. Ein weiterer Vorteil für den finalen Mix im Computer: Wann immer sie Ihren Song einmal reproduzieren wollen, Sie benötigen keinen der verwendeten Midi-Klangerzeuger mehr. Sie starten einfach Ihren Computer und schon kann der ReMix beginnen.
  7. Scheuen Sie nicht davor zurück, Effekte (ob über Inserts oder Stereo-Returns) ebenfalls als Audiospur aufzunehmen. Wenn die Rechenkapazität ihres Computers in die Knie geht, bleibt immer noch genügend Zeit, verschiedene Spuren zusammen zu fassen (Ping Pong). Löschen sie aber die ursprünglichen Spuren nicht, sondern archivieren sie diese gut beschriftet auf der Festplatte – man weiß ja nie…

Fazit

Ich bin es gewohnt, mit einem Mischer zu arbeiten, der mir mehr als 40 Eingangskanäle bietet. Die Umstellung auf den kleinen 1402-VLZ-PRO von Mackie fiel mir überraschend leicht. Vor allem in Kombination mit dem internen Mischpult von LOGIC, hat sich der 1402 als Teufelswerkzeug erwiesen.

Die Audioqualität ist überragend, die Mikrofonvorverstärker sind ein wahrer Segen. Auch wen ich im obigen Praxistest eine reine Studiosituation beschrieben habe, so ließe sich dieser kompakte Mischer für den nächsten live-Gig ganz unkompliziert vom Studioset-Up abstöpseln und mit auf die Bühne nehmen, wo er ebenso eine sehr gute Figur machen würde.

Übrigens, wer mit Drehpotentiometern statt Fadern auskommen kann und wem zwei fehlende Eingänge nicht weh tun, der sollte unbedingt auch den MACKIE 1202-VLZ-PRO in Betracht ziehen. Denn alles, was für den 14er gilt, kann im Wesentlichen auch auf den 12er – inkl. der ALT 3&4 Wege und der Mikrofonvorverstärker übertragen werden.

Ich empfehle Ihnen dringend, bei einem Mischpult-Kaufs sehr wohl auf die Audioqualität und die Möglichkeiten zu achten. Billig-Angebote sind oft nur auf den ersten Blick wirklich preisgünstiger. Im Falle des 1402-VLZ-PRO können Sie nichts falsch machen!

Plus

  • Sehr gute Audio-Eigenschaften
  • Submix über Alt 3&4
  • Hochwertige Mikrofoneingänge inkl. Phantomspeisung
  • Inserts auf den ersten sechs Kanälen
  • Kopfhörereingang auf der Frontplatte
  • 20 Eingänge auf engstem Raum - alle im Mix verwendbar
  • Sehr robustes Gehäuse
  • Internes Netzteil
  • Sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis

Minus

  • Schalter für Phantomspeisung und Power liegen nebeneinander auf der Rückseite
  • Für den Kopfhörer gibt es keinen eigenen Lautstärkeregler

Preis

  • 1402-VLZ-Pro 1.459,-- DM
  • 1202-VLZ-Pro 1.049,- DM
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