Zeitmaschine: Kurzweil Rumour, Mangler und KSP-8 Effektgeräte

26. Januar 2004

KDFX-Board goes External-Hardware

Die Firma Kurzweil stellt zwei neue 19“ Effektgeräte vor. Die Effekte basieren sich auf dem KDFX-Board der berühmten Kurzweil-Synthesizer K2500 und K2600, die auch schon im High-End Effekt KSP-8 ihre Anwendung fanden. Schon vor Jahren fragte man sich wann es endlich die guten Algorithmen der KDFX-Boards als Effektgeräte geben würde.

Mit dem KSP-8 und der Remote-Control RSP-8 erwarb sich die Firma Kurzweil zwar einigen Respekt in professionellen Studios, die Vorherrschaft der Platzhirsche Lexicon & Co, konnte Kurzweil hingegen nie wirklich anfechten. Entsprechend gering waren die Verkaufszahlen.

Mit Rumour und Mangler hat man nun die geballte Power des KDFX-Boards in zwei Budget-Produkte verteilt, die mit einem Straßenpreis von je ca. 500 Euro nun durchaus das Interesse vieler Projektstudios gewinnen könnten.
Wie auch die Vergabe der „ganz“ besonders kreativen Namen zeigt, gibt man sich nun eher salopp um offensichltich eine „jüngere“ Zielgruppe damit zu erreichen. Ob das funktioniert, wage ich erst mal zu bezweifeln.

Jedenfalls sind die Algorithmen im KSP-8 die selben wie in den beiden UNits Rumour und Mangler. Der Test bezieht sich damit inderekt also auch auf dieses Kurzweil-Effekt-Flaggschiff.

Der Rumour (oder auch „Roomer“) beschäftigt sich fast ausschließlich mit Hallerzeugung, während Mangler Modulationseffekte und Verzerrer beinhaltet. Beide Effekte ergänzen sich also perfekt.

Beide Effektgeräte sind je in einem 1HE 19“ Gehäuse untergebracht. Diese unterscheiden sich lediglich im Aufdruck und in den Algorithmen. Auf der Front befinden sich genügend Bedienelemente, die das Editieren auf einfachem Wege ermöglichen. Mit dem Tap-Taster können Tempi direkt eingetappt, oder per MIDI-Clock synchronisiert werden. Rückseitig finden wir neben den obligatorischen analogen Anschlüssen, MIDI und Pedalbuchse auch einen zeitgemäßen SP/DIF I/O.

Kurzweil Rumour

Der Hallspezialist verfügt über zahlreiche Algorithmen, die auch Kombinationen zwischen Chorus/Flanger und Hall bieten. Neben den ‚normalen’ Räumen gibt es aber auch kurzweilige Gated, Reverse und Compressed-Versionen in hoher Qualität. Sehr schön! Gerade diese unnatürlichen Hallen findet man nämlich nicht an jeder Ecke.

Ein besonderer Leckerbissen dürfte das Laserverb sein. Es stellt keinen richtigen Hall dar, sondern ist eher ein gut gelungener Weltraum-Effekt, der sich fast auf allen Elektronik-Produktionen gut macht. Zudem gibt es Delay-, Chorus- und Flanger- Kombinationen mit Hall. In jeder Gruppe stehen sechszehn Presets zur Verfügung. In den vier User-Gruppen können eigene Anpassungen gespeichert werden.
Klanglich bewegen sich alle Algorithmen auf extrem hohem Niveau. Der Klangcharakter ist hierbei ein erfrischend anderer als bei Lexicon oder TC. Er geht mehr in eine synthetische Richtung mit etwas kühlem Unterton. Die Hallfahnen klingen aber nicht so homogen, d.h. es entstehen zum Teil leichte Resonanzen, die zwar unnatürlich sind, aber durchaus Ihren Reiz haben können. Besonders gefallen hat mir die Dichte des Halls. Er ist so dicht, dass man sich draufsetzen möchte!! Die Einstufung des Rumour-Halls würde ich deshalb unterhalb von TC M2000/M3000, Lexicon PCM und MPX, aber oberhalb von TC M-One platzieren. Am ehesten kann man den Hall mit Eventide vergleichen, wobei der Eventide Hall nicht so resonanzanfällig ist.. Gegenüber nativen PlugIns hat der Rumour absolut die Nase vorn.
Die Parametrisierung beschränkt sich auf das wesentliche und ermoglicht damit eine einfache Bedienung. Obwohl sich der Edit-Modus von ‚Normal’ auf ‚Expert’ umstellen lässt, habe ich doch den ein oder anderen Parameter vemisst.

Kurzweil Mangler

Fleischwolf hätte hier vielleicht noch besser gepasst. Mangler beginnt seine Algorithmen mit den sanften Vertretern Chorus, Flanger, Phaser, Delay. Auch hier ist das Laserverb vertreten. Anschließend geht es richtig zur Sache! Filter, Pitcher, Synthesizer, Shifter Distortion und Kompressoren können das Eingangssignal extrem verbiegen. Auffällig ist die sehr hohe Qualität der Effekte. Auch die Presets animieren spontan zu neuen Klang-Ideen. Die Parameter sind hier vielfältiger als bei Rumour.

Von „zahm“ kann bei Mangler also nicht die Rede sein. Leider fällt der Phaser etwas ab, hier hätte ich mit einen mehrstufigen Vertreter gewünscht, der so richtig schneidet. Auch wäre ein mehrstimmiger Chorus schön gewesen. Ich kann nur sagen, dass mich vor allem die Qualität beeindruckt hat. Diese kann locker mit Eventide mithalten, auch wenn die Möglichkeiten gegenüber den Harmonizern hier doch stark eingeschränkt sind. Aber bei dem Preis….

Praxis

Die beiden Kurzweils wurden von mir über ihre digiztalen Schnittstellen in einige Demos eingefügt, und der Roumor direkt mit einem Lexicon PXM-91 verglichen. Die Arbeit ging rasch von der Hand. Beiden Units kann man bescheinigen, dass sie sehr intuitiv bedienbar sind. Ich muss sogar gestehen, dass mir einige der kreative, ausgefallenen Hall-Effekte des Roumors besser gefallen habe, als so manche Algorithmen aus dem PCM-91. Wenn es allerdings um die große Hallen geht, oder fast nciht wahrnehmbare „Ambients“, hat Lexikon immer noch die Nase im Wind.

Rumour und Mangler on YouTube

Hier noch ein später hinzugefügte YT-Video, bei dem der Rumour gut hörbar ist.

Fazit

Selten wurden die Erwartungen an ein Effektgerät so übertroffen, wie von den Kurzweil-Geräten. Hier kann man gut erkennen, was man heute für rund 500 Euro erwarten darf. Als Gegenpol zu PlugIns auf dem Rechner bestechen Rumour und Mangler durch überaus hochqualitative Algorithmen, die sich keineswegs hinter der Elite der Effektgeräte verstecken müssen. Auch wenn Rumour nicht ganz mit der Spitze mithält, ist Mangler mit seinen Modulationseffekten doch gleichauf. Auch die SP/DIF Anschlüsse tragen zum professionellen Gesamtbild bei. So können die Beiden über Digitalpulte oder Soundkarten direkt und ohne Qualitätsverlust in eine digitale Recordingumgebung eingebunden werden.

Plus

  • Sehr hohe Klangqualität
  • Viele Algorithmen
  • Sehr übersichtliche Bedienung
  • Günstiger Preis
  • SP/DIF

Minus

  • Phaser nicht mehrpolig
  • Netzteilstecker sitzt etwas locker

Preis

  • Straßenpreis: 500 Euro
Klangbeispiele
Forum

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