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Black Box: Korg Electribe ER-1 und ES-1, Grooveboxen

2. Januar 2010

Korgw Groovebox-Klassiker

One in One

Als 1999 die ersten beiden Electribes, der Analog Modeling Synthesizer EA-1 und der Rhythm Synthesizer ER-1, vorgestellt wurden, kamen sie durchaus als Überraschung. Denn nachdem Roland 1996 mit der MC 303 das Konzept der Bass und Beats vereinenden All-in-One-Groovebox (und den Marketing-Begriff „Groovebox“ gleich dazu) erfunden hatte, musste es geradezu gewagt erscheinen, zwei spezialisierte Geräte auf den Markt zu bringen, die erst im Verbund die Funktionalität einer „normalen“ Groovebox hatten.

Ein Jahr nach EA-1 und ER-1 schob Korg den Rhythm Production Sampler ES-1 nach, der die Tugenden der ersten beiden Geräte auf die Klangerzeugung mit Samples übertrug. Noch etwas später komplettierte Korg die erste Serie mit der ROM-basierten Music Production Station EM-1, die endlich das All-in-One-Gerät darstellte, das sicher viele erwartet hatten. Alle vier Geräte steckten in dem gleichen Gehäuse, das sich nur in der Farbe und im Layout der Bedienelemente unterschied.

Im Jahr 2003 erschienen die „großen Electribes“ EMX-1 und ESX-1 und gleichzeitig die MkII-Versionen der kleinen ER-1, EA-1 und ES-1, nun im Metallgehäuse. Inzwischen sind ausschließlich die großen Brüder erhältlich. Die Electribe-Reihe war und ist ein großer Erfolg für Korg und hat inzwischen einen gewissen Kultstatus erreicht. Dazu tragen sicher zwei Faktoren entscheidend bei: zum einen die deutliche Anlehnung an die klassischen Vorbilder TB 303 und TR 808 / 909 mit der bewussten Reduktion auf das Wesentliche, zum anderen das intuitive, musikalische und Spielspaß versprechende Bedienkonzept.

Korg Electribe R MKII / c by Matrixsynth.com

Für die Black Box nehmen wir uns die beiden für die Rhythmuserzeugung gedachten ER-1 und ES-1 der ersten Serie vor. Optik und Haptik der Geräte wirken zwar nicht edel, aber doch durchaus solide. Alle Taster bestehen aus angenehm weichem Gummi und sind größtenteils beleuchtet, was im Dunkeln standesgemäß futuristisch wirkt, zumal wenn die Maschine läuft. Die Potis, die mit Ausnahme von Master Volume, Delay und Effect immer nur auf den gerade ausgewählten Part wirken, sind zwar nicht mit dem Gehäuse verschraubt, aber angenehm griffig und fühlen sich nicht billig an. Rückseitig finden sich Kopfhörer- und Stereo-Output sowie MIDI-Trio und Audio-Eingänge. Einzelaus­gänge sucht man leider vergeblich. Was mich am Mk-I-Design übrigens immer gewundert hat, ist der Bogen am unteren Ende des Gehäuses – ob ich den wohl zu schätzen lerne, wenn ich einmal Wampe trage?

Die Programmierung erfolgt wie bei den Roland-Geräten über einen Lauflicht-Sequenzer, der bis zu vier Takte lange Patterns ermöglicht. Beats können aber auch in Echtzeit in das Sechzehntel-Raster eingeklopft werden. Pro Part lässt sich die Bewegung eines Parameters mit der Motion-Sequence-Funktion aufzeichnen. Typisch für die kleinen Electribes ist der Delay-Effekt, der am Master anliegt und beim Schrauben sehr charaktistische Ergebnisse liefert, an denen man den Einsatz eines Electribe live oder im Mix mitunter deutlich heraushören kann. Tap-Tempo- sowie Solo-Taster sind eigentlich selbstverständlich, wobei ersterer auch für die Mute-Funktion herhalten muss. Sind Parts stumm oder solo geschaltet, können mit dem Solo-Button alle Instrumente auf einmal wieder aktiviert werden. Lustigerweise passiert das nicht beim Drücken, sondern erst beim Loslassen der Taste, was in der Live-Situation ungemein dynamische Körperbewegungen ermöglicht. MIDI-Settings, Sample-Einstellungen und ähnliches werden über eine Matrix abgewickelt, die jeweiligen Werte über ein großes Datenrad eingestellt.

Die Bedienung ist wirklich sehr durchdacht und geht schnell und intuitiv von der Hand. Die Geräte sind ganz offensichtlich zum Live-Jammen ausgelegt: Man kann wunderbar mit den Reglern und den Lauflichtern improvisieren, Patterns nach und nach ausdünnen, um urplötzlich wieder loszudonnern, und mit dem Delay spontane Breaks spielen. Natürlich will auch das geübt werden, denn ein Electribe ist eben ein Musikinstrument mit allen Konsequenzen …

Electribe ER-1 Rhythm Synthesizer

Der Untertitel gibt bereits Auskunft über das Selbstverständnis des Gerätes mit dem roten Farbschema, denn das wichtigste Element der Klangerzeugung sind die vier identischen, an analoge Module angelehnten Synthesizerparts, die für alle Basisklänge außer Cymbals und Clap verwendet werden. Darüber, ob hier wirklich, wie auf dem deutschen Webauftritt von Korg behauptet, Analog Modeling vorliegt, kann diskutiert werden. Denn zumindest in den extremen Tonhöhenbereichen prägen digitale Artefakte (Aliasing, siehe Klangbeispiel 2) extrem das Klangbild, was aber immer eigenständig und musikalisch klingt.

Jeder der vier Parts bringt einen zwischen Sinus und Sägezahn umschaltbaren Oszillator mit, der in seiner Tonhöhe moduliert werden kann. Die Modulation ist in Tiefe und Geschwindigkeit einstellbar und kann aus den LFO-Typen Sägezahn, Rechteck, Dreieck, Random, Noise oder einer Decay-Hüllkurve ausgewählt werden. Darauf folgt die Verstärker-Sektion, wo Ausklingzeit (Decay), Stereoposition und Lautstärke eingestellt werden. Leider gibt es keine aufwendigeren Hüllkurven, denn solche würden die Vielseitigkeit der Synthese noch einmal um einiges erweitern. Eine Besonderheit, die große Auswirkungen auf den charakteristischen Sound der Drumbox hat, ist der Low-Boost-Regler: Dieser hebt die Bässe massiv an und kann im letzten Stückchen seines Regelwegs für üble, aber wohlklingende Verzerrungen sorgen. Darüber hinaus sind die ersten beiden Parts miteinander ringmodulierbar, ebenso wie der vierte Synthesizer- mit den beiden Audio-In-Parts.

Das waren schon alle Elemente der Synthesizer-Sektion. Nicht beeindruckt? Vorsicht, denn es ist erstaunlich, was mit derart einfachen Mitteln machbar ist, wenn sie so effektiv kombiniert sind. Durch den immens weiten Tonhöhenbereich der Oszillatoren und die verschiedenen, bis weit in den Audiobereich reichenden Modulationstypen ist nicht nur alles von Bassdrums über Toms bis Snares drin, sondern auch durchgeknallte Effektsounds, psychotisches Zwitschern, Bässe und Subbässe, Glöckchen, Explosionen und so weiter. Geschmackssache ist allerdings das nicht veränderbare Attack der Synth-Sounds, das so kurz ist, dass vor allem bei Bassdrums und Toms immer ein Klicken wahrnehmbar ist. Da hilft dann manchmal nur der Transient-Designer im Rechner.

Die Oscillator- und die Amp-Sektion. Wave, Mod Depth, Speed und Type wirken nur auf die Synthesizer-Parts.

Den Percussion Synthesizern zur Seite stehen vier Parts, die auf nicht austauschbaren Samples für HiHats, Crash und Clap (aus der Bedienungsanleitung: „Wenn Sie diese Taste drücken, erklingt das Klatschen von Händen“) basieren und sicher nicht von ungefähr an die entsprechenden Sounds aus der TR-909 erinnern. Die beiden HiHats sind ebenso wie Crash und Clap als Mute Groups ausgeführt, das heißt, sie können nicht gleichzeitig erklingen. Im Fall von Open und Closed HiHat ist das unmittelbar einsichtig, aber manchmal ist es schade, dass das Crash abgeschnitten wird, wenn man es beispielsweise auf der „1“ und den Clap auf der „2“ setzen setzen will. Andererseits ist auch das wieder ein Charakteristikum des ER-1 und kann eben bewusst verwendet werden.

Die Samples klingen druckvoll, direkt und angenehm schmutzig. Die Tonhöhe kann außer per Motion Sequence leider nicht moduliert werden, aber immerhin stehen die Parameter der Amp-Sektion voll zur Verfügung. Auch hier leistet der Low Boost wichtige Dienste, denn er bewirkt gleichzeitig eine Höhenabsenkung, so dass sich die Samples in einem weiten Bereich wunderbar an den Mix anpassen lassen. Ein besonderer Effekt ist das Schrauben am Pitch-Regler etwa der HiHat während laufender Sequenz: Wenn die Decay-Hüllkurve nicht zu lang eingestellt ist, bleibt die Dauer des Klanges gleich, obwohl sich die Tonhöhe ändert. Das Resultat klingt manchmal erstaunlich nach einer Filtermodulation, obwohl der ER-1 komplett ohne Synthesizerfilter auskommen muss. Durch den weiten Pitch-Bereich im Zusammenspiel mit dem Decay-Regler sind auch die Samples sehr vielseitig verwendbar. So kann beispielsweise aus dem Clap schnell ein Rimclick werden.

Der ER-1 hat 4 Synthesizer-, 2 Audio-In- und 4 Sample-Parts und eine globale Accent-Spur.

Die beiden Audio-Eingänge an der Rückseite speisen zwei Audio-In-Parts, mit denen sich das Eingangssignal mittels Lauflichtprogrammierung rhythmisch zerhacken lässt. Hier sind nur die Regler der Amp-Sektion im Einsatz, wobei der Decay-Regler die Gate-Zeit bestimmt. Dadurch, dass zwei unabhängige Parts vorhanden sind, lassen sich tolle Stereoeffekte erreichen. Durch die Möglichkeit, den Decay-Regler per Motion Sequence aufzuzeichnen, ergeben sich viele interessante Varianten, auch und gerade für den Live-Einsatz. Leider kann man auch hier den Attack nicht beeinflussen, was sich hier manchmal noch störender auswirkt als bei den Synth-Parts.

Ganz rechts befindet sich der Accent-Part, der leider global wirkt und nicht für jeden Part einzeln. Dennoch erweitert er die Dynamik der Maschine enorm und bringt die Grooves zum Tanzen. Der einzige Regler, der diesen Part beeinflusst, ist der Level-Regler, der beim ER-1 nicht per Motion Sequence aufgezeichnet werden kann. Das ist schade, denn das Spielen am Accent Level während der Wiedergabe bringt durchaus ungewöhnliche dynamische Ergebnisse.

Die schon mehrfach angesprochene Motion Sequence trägt einen großen Teil zu den lebendigen Patterns der Electribes bei. Beim ER-1 wird die Sequenz allerdings ausschließlich mit den kleinen und für diese Zwecke viel zu unpräzisen Reglern geschrieben und ist nicht numerisch editierbar wie beim ES-1 – und das ist in diesem Fall nicht nur schade, sondern fast schon gemein. Denn mit einem solchen Feature wären echte Melodien möglich, zum Beispiel tiefe Subbass-Sequenzen, für die man an anderen Synthesizern vermutlich eine Weile schrauben müsste.

Der Electribe R fühlt sich ganz sicher in minimalistischen Elektro-Stilen wohl, lässt sich aber auf kein Genre eingrenzen. Selbst die britische Band Keane hat das Ding live im Einsatz. Was er aber sicher nicht ist, ist ein Ersatz für Rolands TR-909 – mit deren durchsetzungsfähigem, runden und im öffentlichen Bewusstsein tief verankerten Klang hat der ER-1 tatsächlich nicht viel zu tun. Auch ist er nicht die Allround-Drummachine für alle Fälle. Die richtigen Samples vorausgesetzt, kann diesen Job aber das zweite Instrument in diesem Bericht übernehmen …

Electribe ES-1 Rhythm Production Sampler

Der volle Name des samplenden Kollegen lässt nicht von ungefähr Assoziationen an AKAIs legendäre MPC-Reihe (MIDI bzw. Music Production Center) zu. Obwohl die Bearbeitungsmöglichkeiten nicht ansatzweise an die MPC heranreichen und auch das Konzept mit der Lauflichtprogrammierung ein anderes ist, liegt doch eine Gemeinsamkeit in dem Zusammenbauen von Grooves aus Samples.

Der ES-1 hat zehn Parts. Nummer 1/2 und 3/4 können jeweils zwei Mono- oder ein Stereosample beherbergen, 6 A/B und 7 A/B bilden Mute-Groups. Außer für HiHats ist das auch für längere Samples wie Bässe sinnvoll, die mit dem jeweils anderen Part abgeschnitten werden und dadurch interessante rhythmisch-melodische Wechselspiele provozieren. Der zehnte ist der Slice-Part, in den man beispielsweise Drumloops lädt, die man vorher mit der internen Time-Slice-Funktion in Scheibchen geschnitten hat. Time Slice detektiert, geeignetes Ausgangsmaterial vorausgesetzt, genau wie Propellerheads „Recycle“ die Attackphasen in einem Audiofile und zerschneidet es an diesen Stellen, so dass sich ein Loop dem Songtempo anpassen kann. Um bei starker Verlangsamung des Tempos zu große Pausen zwischen den einzelnen Schnipseln zu vermeiden, gibt es die Option, eine Release-„Fahne“ anzuhängen, die offenbar aus der Wiederholung der letzten Millisekunden des jeweiligen Slices besteht. Das klingt in keiner Weise realistisch, kann aber bei bestimmten Loops für das gewisse Etwas sorgen. Überhaupt lohnt es sich, nicht nur die üblichen Drumloops zu slicen, sondern auch mal mit anderem Material wie Sprache, Gitarren oder Geräuschen zu experimentieren. Wenn man während der Wiedergabe am Pitch-Regler dreht, werden die einzelnen Slices in Tonhöhe und Tempo verändert, bleiben aber an ihrem Platz im Pattern – ein besonderer Effekt, der viel zum Charme des ES-1 beiträgt. Einzelne Slices können an- und ausgeschaltet, ihre Reihenfolge aber leider nicht umarrangiert werden.

Jeder Part wird durch die Parameter Pitch/Speed, Filter, Level und Pan beeinflusst. Ein Taster schickt das Signal durch die Effektsektion, ein weiterer schaltet die (beim ER-1 unterschlagene) Roll-Funktion ein, für die verschiedene Geschwindigkeiten gewählt werden können. Mit einem dritten Taster kann das Sample umgedreht werden. Das pro Part verfügbare Filter ist ein leider nicht resonanzfähiger Tiefpass, mit dem man zum Beispiel die HiHats aus Drumloops herausfiltern kann. Was fehlt, ist eine Amp-Hüllkurve. So kann man auf die Länge der abgespielten Sounds nur über die Sample-Parameter in der Matrix Einfluss nehmen, sie bleibt dabei aber trotzdem abhängig von der Tonhöhe.

Wirklich nachhaltig verbiegen kann man die Samples mit diesen Optionen nicht. Für Aufregung muss daher die genial-einfache Effektsektion sorgen: Ein großer Drehschalter erlaubt die Wahl zwischen elf Algorithmen von einem scheppernden Reverb über Modulationseffekte, Pitch Shifter, Compressor und Verzerrer bis zum obligatorischen Resonanzfilter. Leider kann für jedes Pattern global nur ein Effekt gewählt werden, man muss sich also für alle Parts zwischen Filter und Compressor entscheiden. Jeder Algorithmus wird mit zwei Edit-Parametern angepasst, deren Veränderungen via Motion Sequence aufgezeichnet werden können. Die Auswahl der Effekte ist hervorragend. Hier wird gar nicht versucht, High End zu sein, sondern es klingt alles eher trashig und irgendwie authentisch nach Underground. Ein großer Wermutstropfen ist allerdings, dass der Effektprozessor in Mono ausgelegt ist: Jeder Part, der hindurchgeschickt wird, ist unabhängig von seiner Pan-Einstellung nur noch in der Stereomitte zu hören.

Für das Zerhacken von externen Audiosignalen steht nur ein einzelner Audio-In-Part zur Verfügung, der aber immerhin Stereo-Signale verarbeitet. Dadurch, dass hier auch das Filter der Amp-Sektion zur Verfügung steht, kann das harte Attack bei vielen Signalen etwas abgemildert werden. Zusammen mit der Effektsektion ist der Audio-In eine weite kreative Spielwiese und ganz besonders auf der Bühne beispielsweise mit Vocals fantastisch einsetzbar.

Neue Samples finden auf zwei Wegen in den leider nur 4 MB (95 Sekunden Mono, maximal 100 Mono- und 50 Stereo-Samples) großen internen Speicher: Entweder durch den Audio-Eingang oder via Smart Media Card vom Rechner. Ganz neue Welten eröffnen sich aber beim Resampling: Dabei wird alles aufgenommen, was am Ausgang anliegt, inklusive Effekt und Delay. Auf diese Weise kann man beispielsweise ganz neue, aus mehreren Schichten bestehende Sounds kreieren und sie mit dem Isolator-Effekt im Frequenzgang anpassen oder gleich ganze Grooves aufnehmen und als Backing in den Slice-Part laden.

Leider ist die Verwaltung von Samples und Patterns sehr umständlich, denn im ES-1 müssen Samples Dateinamen von 00.wav bis 99.wav haben, so dass man sich ihre echte Bezeichnung irgendwo aufschreiben muss. Außerdem herrscht im internen Speicher Chaos, wenn man immer mal wieder einzelne Samples löscht und durch andere ersetzt. Damit wenigstens nichts verloren geht, lässt sich der gesamte Inhalt des internen Speichers als *.ES1-Datei auf die Karte speichern, also alle 128 Patterns und 150 Samples in einer 4MB großen Datei, aus der sich mit dem kleinen Programm „ES2WAV“ die Samples wieder extrahieren lassen. Die Suche nach bestimmten Sounds und Patterns wird aber schnell frustrierend, und das Zusammenstellen von Patterns inklusive der zugehörigen Samples aus verschiedenen *.ES1-Dateien ist fast unmöglich. Andererseits wirkt dies unserem Drang entgegen, alles verfügbar haben zu müssen und sich permanent alle Möglichkeiten offen zu halten – auch in dieser Hinsicht sind die Electribes herrlich oldschool und zwingen den User immer wieder zum kreativen Neuanfang.

Die Funktionalität der Motion Sequence ist beim ES-1 im Gegensatz zum roten Bruder erheblich verbessert worden, denn hier ist sie im Nachhinein editierbar. Außerdem gehört jetzt der Accent-Level zum Club der Bewegten Regler. Die Werte jedes einzelnen Schrittes können im Display angezeigt und verändert werden, wodurch präzise, zielgerichtete Bewegungen möglich werden; mit etwas Geduld sind damit sogar Melodien programmierbar. Über diesen Umweg wird auch der Rhythm Production Sampler zum Music Production Center.

Der ES-1 arbeitet intern mit einer Auflösung von 32 kHz, was einen im Vergleich zu den üblichen 44.1 kHz deutlich raueren, leicht bedeckten, aber eigentlich immer druckvollen Grundklang zur Folge hat und sehr gut zum Gesamtkonzept passt. Die ersten Drumsampler wie der E-MU SP-12 sind schließlich heute gerade wegen ihres LoFi-Charmes gesucht, und ein solches Gefühl stellt sich auch beim grünen Electribe ein.

Die Electribes on YouTube

Hier zwei Empfehlungen mit Soundbeispielen:

Fazit

In der Tat sind die Korg Electribes in Funktion und Bedienung auffällig reduziert: Manchmal erinnert das Programmieren der Geräte an ein Puzzlespiel, bei dem etwas aus möglichst wenigen Elementen aufgebaut werden soll. Aber gerade ihre konzeptionellen Grenzen sind es (neben der Stabilität), die Hardware wie diese bis in alle Zeiten unentbehrlich machen: Viele kreative Ideen entstehen überhaupt erst dadurch, dass man Umwege gehen muss, um an ein bestimmtes Ziel zu gelangen. Besonders der Korg Electribe ES-1 mit der Möglichkeit, eigene Samples zu verwenden, ist eine tolle Geheimwaffe für unverbrauchte, überraschende Klänge. Beide Electribes weisen dabei einen auffällig eigenen Klangcharakter auf, der im Mix oft recht deutlich zu erkennen ist und haben als echte Charaktersäue im 24/96-HiFi-Hochglanz-Einerlei absolut ihre Berechtigung. Sie werden von einigen begeisterten Benutzern sogar mit der E-Gitarre und ihrer rohen, unmittelbaren Kraft verglichen („The Electribe ethos, believe it or not, is a very punk one.“).

Diese One-in-One-Teile sind sicher nicht für jeden etwas – wer aber ein echtes, biestiges, elektronisches Musikinstrument sein eigen nennen will, sollte nach einem Electribe Ausschau halten. Übrigens lohnt es sich unbedingt, bei YouTube nach Electribe-Videos zu suchen, da diese teilweise von sehr fähigen Leuten erstellt werden und man einen guten Eindruck von den Möglichkeiten der Geräte bekommt.

Klangbeispiele
Forum
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    phil_dr110  

    habe lange und gerne mit den beiden gearbeitet, sie dann aber irgendwann gegen eine esx ausgetauscht. zum glück wurde das ursprüngliche konzept nicht verworfen, sondern weiter ausgebaut.

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    tompisa

    gruslig dünner Klangstrich für unterambitionierte Teenager. Sorry, aber das Teil klingt ja sowas von schrecklich . Ich erinnere mich an unser Ausprobieren in München , irgendwann Anfang 2000. Was haben wir gelacht :-)))

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      AMAZONA Archiv

      Naja, wenn ambitionierte Teenager nur auf vom Bundesamt für Techno offiziell als „phät“ und „amtlich“ zugelassenen Klangerzeugern musizieren dürften, hätten wir heute weder Punk noch HipHop noch Techno noch Minimal, und die 303 hätte es nie zum Mythos geschafft…

      Ich kann aber verstehen, warum Ihr damals gelacht habt, wenn Ihr klanglich die TRs oder sowas als Referenz im Kopf hattet. Das hier ist natürlich was anderes. Aber eben auch klasse, wenn man was damit anfangen mag :-)

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    Cord2

    Der Korg ER-1 ist eines der wenigen Sachen, die ich mir Neu zugelegt habe und auch noch nach 10 Jahren findet die ER-1 reichlich Einsatz. Die Synthesemoeglichkeiten sind etwas eingeschraenkt, aber die ER-1 verbindet das 808 Feeling mit frei programmierbaren Sounds. Das eroeffnet einen weitaus kreativere Angehensweise als eine 808 es ermoeglicht. Fuer mich ist die ER-1 eines der besten Drumcomputer, die ich benutzt habe, und das waren nicht wenige.

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    Emmbot  AHU

    Hab den ER noch mit der Ringmodulation über Part 1 und 2 klingt die Kickmuster schön böse. Die programmierung ist einfach aber effektiv.

    Den ES habe ich leider nie bessesen :(. Vllt. mal wenn der als Schnäpchen über den Ladentisch geht.

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