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Test: Korg Electribe MX, EMX1, EMX1-SD, Groovebox

21. Juli 2011

Groovebox mit Röhre

Den Test zum Nachfolger KORG ELECTRIBE 2, finden Sie übrigens HIER.

Vorwort der Redaktion

Sensationelle 8 Jahre haben die MX und SX Electribes nun schon auf dem Buckel. Grund genug für uns, die Testberichte aus dem Jahr 2003 nochmals auf die Startseite zu bringen. In dieser langen Zeit wurde das Konzept der Electribes zu 99% beibehalten. Nur der Smart-Media Kartenschacht wurde durch einen SD-Kartenschacht ersetzt und auch die Produktbezeichnungen haben sich leicht gewandelt. Lassen Sie sich davon aber nicht täuschen. Bis auf diese Unterschiede sind die Electribes MX, EMX1 und EMX1-SD vollkommen identisch. Ach stopp … einen Punkt gibt es noch lobend zu erwähnen. In den vergangenen Jahren wurde der Neupreis für diese Electribes um ca. 300,- Euro gesenkt. Auch das kommt selten vor und sollte Schule machen!!!

Am Start

Der MX. Synthesizer. Drummachine. Effekte. Fusionbox! Ob der neu ins Rennen geschickte Electribe MX die hoch gesteckten Erwartungen erfüllen kann?

Harte Schale

Sofort auffällig: Der neue Electribe kommt komplett aus Metall daher. Der Charme der „Joghurt-Plastik-Kisten“ ist abgelegt und die Japaner spendieren ein robust gebautes und sauber verarbeitetes Chassis für den jüngsten Spross. In der Grundfläche exakt so groß wie mein Laptop macht sich auch die leichte Pultform des Geräts sofort bemerkbar. Drehpotis im Alulook (sind aber leider nur Plastik) und eine metallicblaue Oberfläche runden das Bild ab: Wirkt zusammen kühl, teuer und professionell!

Neben den immerhin 20 Drehknöpfen sticht sofort das Fenster für die – Novum! – Röhrenstufe ins Auge. Hinter einem ovalen Fenster liegen zwei Electro Harmonix 12AX7EH friedlich nebeneinander. Um etwaige Wärme von den Röhren abzuführen, ist das Gehäuse zur Geräterückseite superstylish durchbohrt – da waren Ästheten am Werk.

Ebenfalls neu entdeckt

Ein Ribbon-Controller und Fader für die Steuerung des Arpeggiators. Der Rest der Bedienung erfolgt über die angenehmen PVC-Taster, die man auch von den „alten“ Electribes her kennt. Natürlich auch wieder im zarten Rot hintergrundbeleuchtet.

Rückseitig überrascht der schlanke Kasten schon wieder

Die Electribes haben jetzt auch Einzelausgänge. Neben dem hauptsächlichen Stereoausgängen stehen noch zwei individuelle Ausgänge zur Verfügung. Das Netzgerät sitzt fest und ist sowohl am Gerät als auch am Trafo schaltbar – macht einen guten Eindruck. Neben einem Audioeingang findet sich sonst nur noch das bewährte MIDI-Trio und ein Kopfhörerausgang auf der Rückseite.

Weicher Kern

Zur Klangerzeugung stehen drei getrennte Sektionen bereit: Für Drums (9 Parts), Synthesizer (5 Parts ) und drei Effekte. Die Drums speisen sich aus 207 Samples, die frei auf die Parts verteilt werden können. Der nicht so üppige Vorrat relativiert sich, wenn man sich die Güte der Samples vor Augen hält. Da sind keinerlei Ausfälle dabei, alle Sounds sind sofort einsetzbar und inspirieren zu neuen Kreationen.

Thematisch sind alle gängigen Tanzstile angesprochen, denn wer schreibt denn vor, dass eine 8-Bit Snaredrum nur zu HipHopBeats oder eine 909-Hihat nicht auch in einen JungleTrack passt? Zusätzlich gibt es noch einige wenige, aber wohl temperierte Effekte – wer allerdings den „Fake-Scratch“ Effekt in den ROM gepackt hat, sollte bestraft werden!

Die Zuordnung der Sounds zu den 9 Parts ist kinderleicht und regt zu immer neuen Drumsets an. Für deren Nachbearbeitung steht der Common Part bereit, leider nicht ganz so opulent ausgestattet mit Regelmöglichkeiten für die Tonhöhe, Stereoposition, Lautstärke und Hüllkurve. Das reicht fürs Grobe, wer mehr benötigt, kann jedoch auch einen der Effekte einschleifen – womit man wieder jede Menge mehr Regelmöglichkeiten gewinnt. Groovy!

Für ausgefuchste Synthesizer Kreationen stehen 5 Parts zur Verfügung, die wiederum auf 16 verschiedene Varianten zugreifen. Grundsätzlich beherrscht der Electribe MX die virtuell-analoge Synthese, hat 76 klassische PCM-Samples an Bord und verwurschtelt auch gerne das am Audioeingang anliegende Signal.

Die virtuell-analogen Algorithmen bieten die klassischen, aber auch einige ungewöhnliche Modelle. Jeweils durch zwei Regler zu editieren, spuckt der virtuelle Oszillator die unterschiedlichsten Wellenformen aus:

  • Waveform
  • Dual OSC
  • Chord
  • Unison
  • Ring Mod
  • OSC Sync
  • Cross Mod
  • VPM (Phasenmodulation)
  • WS (WaveShaping)
  • Additive
  • Comp (Kammfilter)
  • Formant
  • Noise

Der so gewonnene noch rohe Sound wird dann durch den gleichen Common Part geschickt, der auch schon für die Drums hergehalten hat. Zuvor geht die Soundsuppe aber durch das 4-fache Multimodefilter. Das greift ordentlich zu und ist in der Cutoff Frequenz, im Resonanzverhalten und in der Decay-Hüllkurve zu verändern. Wer’s eher heftiger mag, der kann auch noch ordentlich „Drive“ beimischen.

Ohne Modulation bekommt man bekanntlich nur den halben Groove. Deshalb gibt’s obendrein noch den Modulations Part, der den Oszillator Edit 1 + 2, die Cutoff, Stereobild oder die Lautstärke zum Ziel haben kann. Frei eingestellt oder zum Tempo synchronisiert wird so mit Sägezahn, Rechteck, Dreieck, Zufall oder Decay den Sounds zu Leibe gerückt. Wem das zu klassisch erscheint, der hat noch die schon bekannte „Motion-Sequence“ als Ass im Ärmel. Mit der kann man die Wellenform der Modulation frei eingeben und in der Wiedergabe sogar von Schritt zu Schritt oder geglättet abrufen. Flexibel – da lässt sich mal gar nichts sagen.

Und genauso geht’s im Effekt Part weiter. Drei Effektblöcke können seriell oder parallel geschaltet auf 16 verschiede FX zugreifen.

  • Talking Mod
  • Pitch Shifter
  • Compressor
  • Distortion
  • Decimator
  • EQ
  • LPF
  • HPF
  • Reverb
  • BPM Sync Delay
  • Short Delay
  • Mod Delay
  • Grain Shifter
  • Chorus/Flanger
  • Phaser
  • Ring Mod

Die Effekte wiederum können jedem einzelnen Part – also Drums und/oder Synthesizer – zugewiesen werden. Durch die geschickte Auswahl der Effekte hat man so noch einmal die Chance alle Drums zu filtern oder auch mal einen Decimator auf ein Piano zu legen. Da man auch noch auf die wichtigsten zwei Parameter Zugriff über Drehknöpfe hat, ist das Nirvana für extrovertierte Sounddreher nahe.

Wirklich ärgerlich ist nur, dass die Zumischung der einzelnen Drum/Synth Parts zu den Effektblöcken nicht regelbar ist. Dadurch geht einiges an Effektivität verloren.

Ab in die Röhre

Das gesamte Klanggeschehen wird letztendlich durch die Röhrenstufe abgerundet. Mit der Einführung der Röhrentechnologie in die Groovebox Familie ist Korg ein ziemlicher Wurf gelungen. Das ist allemal neu und könnte wegweisend sein. Bei der „Röhren-Diskussion“ teilen sich zwar die Gemüter, aber hier wird einem deutlich gezeigt, wie sehr die Röhrensättigung den Sound nachträglich anfettet, wenn man die Röhre stufenlos zumischt. Denn bisher waren Grooveboxen meist als Billig-Synthesizer mit eher fragwürdiger Soundästhetik belächelt worden. Bei dosierter Röhrenzumischung wird nicht nur das Licht um die Röhren warm, sondern auch meinen Herz. Nur bloß nicht übertreiben, wer das Drehpoti mehr als ein Drittel aufdreht, ist brutal oder möchte Grenzen ausloten.

Pflichtlauf

Lauflichtprogrammierung gibt es auf 16-Step-Tasten und das gleich acht Takte lang. Dabei ist der Sequencer auch noch so leicht verständlich, dass man sich für einen Blick in die Bedienungsanleitung beinahe schämt: Drum oder Synth Part anwählen und die entsprechenden Step-Tasten drücken – fertig. Die Events der Synthesizer Parts können natürlich auch noch in der Tonhöhe und Länge programmiert werden.

Der Sequencer der MX Serie ist damit weitestgehend identisch mit denen der früheren Electribes. Neu ist aber die Sequencer Eingabe via Arpeggiator. Mit Hilfe von Ribbon Controller und Schieberegler hat man Einfluss auf Tonhöhe und Notenlänge. So bekommt man schnell eine brauchbare Figur hin und fügt diese durch einfaches „Record“ drücken bei laufender Sequenz ein. So einfach ist das bei Korgens in der Grooveküche!

… und Kür!

Schon der Electribe M – ohne X – hatte fantastische Presetpatterns. Nicht zuletzt deswegen haben sich recht viele für die schwarze Plastikbox entschieden. Wahrscheinlich genau deswegen kommt auch die X-Version mit Presets daher, die sofort zum losgrooven einladen. Als Ausgangsmaterial für eigene Tracks oder als schnell zuschaltbare Produktionstools – die vorprogrammierten Takte sind durchdacht und ausproduziert.

Wem die 192 Standard und die 73 frei programmierbaren Patterns nicht reichen, der ist eingeladen, mit einer Smartmedia Karte den Speicher zu erhöhen. Ansonsten ist keine Schnittstelle für etwaige Updates vorhanden und die Smartmedia Schnittstelle dient auch nur zur Datensicherung.

Nicht nur Audioeingangssignale jeder Art verarbeitet der Audioeingang, er analysiert auch das anliegende Signal auf Geschwindigkeit. Mit Hilfe dieser Funktion ist der Electribe auch sofort und ohne MIDI-Signal in Set-Ups einsetzbar, geradezu eine Empfehlung an jeden DJ. Allerdings hat sich im Test gezeigt, dass bei Übergängen (zwischen zwei Platten) der Electribe bei analysiertem Masterausgangssignal leicht ins Offset gerät – sich aber auch genauso schnell wieder fängt, sobald nur noch eine Platte gespielt wird.

Wenn man das weiß, dann kann man sich darauf einrichten, richtig schön ist das aber nicht. Um aber mal schnell eine Offbeat-Hihat zuzumischen – dafür reicht die Synchronität allemal.

Korg Electribe EMX1 on YouTube

Fazit

Während meiner Live-Tour im vergangenen Jahr hatte ich – freundlicherweise von Korg zur Verfügung gestellt – einen Korg Electribe M mit dabei. Durch meine Erfahrungen mit der „alten M“ war mir das Bedienkonzept sofort geläufig, aber auch für Anfänger sollte es innerhalb weniger Stunden möglich sein, alle Funktionen der „MX“ zu verstehen.

Der Sound hat sich gehörig – nicht zuletzt durch die sexy Röhre – gegenüber allen anderen Electribes verbessert und die gelieferten Sounds und Patterns sind zeitgemäß. Durch den satten Röhrensound hat sich der MX auch wacker neben Synthesizern ganz anderer Preiskategorien geschlagen. Die Soundedit Möglichkeiten sind natürlich nicht so weitreichend wie bei „Vollsynthesizern“ aber gerade dadurch verzettelt man sich nicht so sehr beim programmieren. Spielspaß mal wieder groß geschrieben.

Damit ist der neue Electribe herzlich dazu eingeladen, zukünftig in meinem Studio zu musizieren und große Töne zu spucken.

Im Live-Einsatz ist der Electribe aber ebenso gerne gesehen. Mit seinem robusten Gehäuse, den hintergrundbeleuchteten Tasten und dem intuitiven Echtzeit Zugriff, ist seine Position als Pole-Position-GrooveBox nahezu vorprogrammiert. Gemessen an den MC-Boxen von Roland, den Yamaha RM1x oder den Commandstations von E-MU klingt der Korg Vertreter wesentlich vollmundiger, nicht so steril und wesentlich frischer vom Klangspektrum. Die Bedienung ist vorbildhaft und mir scheint, die Mitbewerber dürfen sich warm anziehen … oder ihre Grooveboxen auch ordentlich überarbeiten.

Geht doch … meine Erwartungen sind erfüllt und auch noch übertroffen worden!

Plus

  • durchdachtes Konzept
  • hohe Soundästhetik durch Röhrenstufe
  • robustes Gehäuse
  • zeitgemäße Sounds

Minus

  • eingeschränkte Synthese Möglichkeiten
  • Keine einzelnen Effekt-Sends vorhanden

Preis

  • 499,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    also nach umfassendem sammeln von informationen und dem lesen von testberichten, einschließlich diesem hier bin ich zu dem schluss gekommen das der korg electribe mx eine wirklich sinnvolle erweiterund für jedes dj set oder studio ist er kann sowol als erweiterung oder auch als hauptinstrument mit ins set eingebunden werden. ich persönlich habe nach einem ausfühlichen test, beschlossen das es sinnvoll für mich ist mir einen zuzulegen!

  2. Profilbild
    rolto

    Danke für den Test.
    Die MX und die SX sind die Sahnehäubchen der Electribeentwicklung.
    Die Filter packen gut zu, Motionsequencing bringt selbst kalte Sounds zum Leben.
    Ich werde meine MX und die SX nicht mehr hergeben.

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    slick steini

    danke für den Artikel, hab mal eine Frage. Ich möchte meine Korg EMX mit meinem Traktor S4 (neue Version) verbinden bzw. nutzen. Kann mir jemand sagen wie ich das hin bekomme?

  4. Profilbild
    Kosh  

    hatte die emx-1 eine gute weile im gebrauch, aber was mich wirklich gestört hat, war der sound. obwohl höchst wertig verarbeitet mit dem schicken metallgehäuse und den optisch ansprechenden röhren, fand ich, dass er/sie/es einfach nach plastik klingt. obwohl die jam-optionen herausragend sind und das gerät live tierisch spaß macht, hat mich letzten endes der klang dazu veranlasst, das gerät wieder zu verkaufen. schade eigentlich.

  5. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Ich war einer der Nutznießer des Preisnachlasses und bin nach einigen Jahren immer noch sehr zufrieden. Die Synth-Sektion ist zwar ziemlich eingeschränkt und auf Techno getrimmt, dennoch sind auch Sounds jenseits dieses Teiches möglich. Mittlerweile nutze ich die EMX-1 hauptsächlich als Drum Machine zusammen mit meinem RhythmWolf, die sich hervorragend gegenseitig ergänzen. Und leider muss ich heutzutage auch das MIDI-Trio In-Out-Thru als Feature herausstellen, da dieses nicht mehr oft auftaucht.

    • Profilbild
      Son of MooG  AHU

      Mein größter Minuspunkt ist, dass man ein laufendes Pattern nicht transponieren kann, weder über den internen Keyboard-Mode noch über MIDI-Master. Einer der großen Pluspunkte ist die maximale Länge eines Patterns von 128 Steps (oder 8 16tel Takte). Als guter Kompromiss erweist sich auch das zweite Ausgangs-Pärchen, wenn man z.B. Snare und Claps extern bearbeiten will. Leider verschwinden sie dann auch im Kopfhörer-Mix…

  6. Profilbild
    Emmbot  AHU

    Wie bei der ESX auch hier WYSIWYG in Reinform. N schönes Maschinchen. Obwohl es immer Richtung Techno/Trance klingt.

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