13. April 2015

DSI Mopho SE, Genialer Analogsynthesizer?

Einer mit vollanaloger Klangerzeugung und ebensolchem Signalweg sollte es sein. Dabei mit weitmöglicher DAW- und MIDI-Kompatibilität, potenziell langlebiger Material- und Verarbeitungsqualität, keinesfalls teurer als 1 K, und wenn er denn noch gut aussähe, fände ich das gar nicht schlimm. Die Polyphoniefrage stellte sich in diesem Zusammenhang naturgemäss nicht. So gerieten vor knapp 2 Jahren Mopho und ich aneinander.

Erst einmal freute ich mich, dass die beim gelben Geschwisterchen verwendete schwarze Grundierungsmaske nicht so auffällig glänzend mit dem matten Anthrazit des Gehäuses kontrastierte, wie viele Abbildungen befürchten liessen. Allerdings ist sie auf der Gehäusefarbe des SE völlig blödsinnig, schliesslich kann man die gut lesbare weisse Beschriftung hier auch direkt auf´s Gehäuse drucken. Hier deutete sich bereits an, dass bei der Konstruktion des SE-Modells jeglicher Gedanke an sinnvoll veränderte Modifikation des Geräts oder der Schritte dessen Herstellung vermieden wurde. Hier wurde schlicht die Originalplatine in ein grösseres Gehäuse implantiert. Dabei eröffnet gerade der hinzugewonnene Raum in meinen Augen etliche Möglichkeiten der Modifikation. Den Einbau des übrigens in jeglicher Hinsicht – auch in klanglicher, wie der testweise Anschluss eines Labornetzteils enthüllte – erbärmlichen Wandwarzennetzteils beispielsweise. Dieses wird per adäquat erbärmlichem wackeligem Niedervoltsteckerchen mit Mopho verstöpselt. Das geht auch anders, wie beispielsweise die externe Netzteillösung des Yamaha MG 10 XU beweist. Hier ist Wandwarze schon wegen der Grösse und des Gewichts nicht möglich, also hängt die Kiste zwischen zwei mit kräftiger Isolation ummantelten Kabeln – die Kabel des Mopho-Netzteils sind in dieser Hinsicht kaum zu unterbieten – und wird per absolut wackelfreier dreipoliger Steckverbindung mit Überwurfmutter mit dem Gerät verschraubt. Hier gibt es bei Mopho ausschliesslich Entwicklungsmöglichkeiten nach oben.

Das Gehäuse besteht aus Stahlblech in praxisgerechter Materialstärke. Bei einem Wohnzimmergerät stört mich das Gewicht nicht weiter, mich hätte das mit 1,5 mm deutlich dickere Gehäuseblech des Arturia KeyLab hier nicht gestört, aber ich kann auch mit Blech der Stärke, wie sie beim Behringer Xenyx Control 1 USB verwendet wird, gut leben. Dessen mechanische Verarbeitung ist zwar kein Paradebeispiel für Präzision, wie bereits die unnötig grossen Blechausschnitte für die Räder zeigen, aber soweit okay und die matte Beschichtung tadellos.

Die 44 Tasten fühlen sich gut an, mehr traue ich mich zu deren musikalischen Nutzbarkeit kaum zu sagen, denn die kann ich wegen mangelnder Virtuosität nicht beurteilen. Verglichen mit den Tasten des KeyLab ist deren Federdruck über den gesamten Bewegungsbereich gleichmässiger, deren seitliches Spiel deutlich geringer, die gewünschte Anschlagsstärke leichter differenzierbar, die Haptik der Oberfläche der weissen Tasten geringfügig rauer, was ich als angenehm empfinde. Auch hier biegen sich die Tasten bei voller Nutzung des Aftertouchvermögens merklich, was mir mit meiner „Maschinenbaumentalität“ weniger zusagt – warum fräst man die Tasten nicht aus Aluminium?

Die Potis haben Metallachsen und einen kräftigen, gleichmässigen Drehwiderstand und vermitteln in dieser Hinsicht in Kombination mit deren mit griffigem geriffelten Gummi ummantelten Knöpfen ein fast exzellentes Drehgefühl. Die Encoder haben Plastikachsen, sind gerastert und reichen auch beim Drehgefühl längst nicht an das der Potis heran. Beide haben an ihren Sockeln Metallkragen die, spielfrei in Gehäusebohrungen eingesetzt, deren seitliche Beweglichkeit drastisch reduzieren. Das fühlt sich nicht nur wesentlich besser und stabiler an, es führt durch die geringere Belastung der Platine und deren Lötpunkte, wie auch die langjährige Erfahrungen anderer Schraubendreher- und Lökolbenartisten belegen, auch definitiv zu einem längeren Geräteleben. Und hier „verbirgt“ sich das für mich grösste Ärgernis: Wie bei den Rädern sind die Blechausschnitte auch hier zu unpräzise und zu gross, so dass Potis und Encoder sich deutlich seitlich bewegen lassen. Und das leichter und weiter als beim KeyLab mit derselben Konstruktionsweise…ich bin hier tätsächlich enttäuscht. Hier können Qualität und Lebensdauer ohne Kostenerhöhung, nur mit ein wenig mehr Präzision bei der Blechbearbeitung und ein wenig mehr Sorgfalt bei der Montage, deutlich erhöht werden. Sollte ich hier eine Benotung vergeben wäre diese ein „ausreichend mit Bauchschmerzen“, denn als „befriedigend“ empfinde ich das nicht. Für mich beginnt „befriedigend“ bei mit dem Gehäuse verschraubten Bedienelementen – es hält halt länger. Dass dies den Kostenrahmen nicht sprengen muss zeigt die Novation Bass Station II, deren Potis mit dem Gehäuse verschraubt sind. Dieses Gehäuse besteht leider aus Plastik – ups…modernen Werkstoffen! – und mir liegen Musikinstrumente mit dem Charme eines aufgeblasenen Radioweckers nicht so sehr… Das Gehäuse meines Synthesizers darf gerne aus Metall und mein E-Bass aus Holz bestehen.

Die Taster haben einen nicht sehr deutlichen und knackigen Schaltpunkt, fallen jedoch weder positiv noch negativ auf. Weshalb allerdings die zwei Taster, die zum Durchsteppen der Presets dienen, besonders klein sind, um sie dann zu deren sichtbaren Kennzeichnung mit albernen Pfeilsymbolen zu umdrucken, ist mir ein Rätsel. Grössere Tasten hätten hier bedientechnisch wie optisch Vorteile.

Das zweizeilige Display ist brauchbar ablesbar und grössenabhängig mässig informativ. Es zeigt bei jedem Bedienvorgang die Parameter an. Schön. Bin ich vom KeyLab auch gewohnt. Begeisterung löst es bei mir indes nicht aus, zumal ich bei dem durch Massenfertigung enormen Preisverfall bei Handydisplays den Einsatz dieser Bauelemente zumindest hinterfragenswert finde.

Die Räder bestehen zwar aus dünnem Plastik, sind dafür die mechanisch vertrauenerweckend stabilstmontierten Bedienelemente.

Zum Abschluss der Hartwarenbetrachtung nun die Rückseite. Wie inzwischen nicht mehr überraschend ist keine der Buchsen mit dem Gehäuse verschraubt und deren Qualität ist mit dem Begriff „Industriestandard“ treffend beschrieben. Der Betriebsspannungsschalter ist einer jener bei technisch orientierten Menschen besonders verabscheuten Schiebeschalter einfachster Bauart, und er befindet sich in dem schmalen Raum zwischen dem Netzteil- und dem USB-Anschluss, wo er, die notwendige Fingerakrobatik auf die Spitze treibend, doch bitte horizontal statt vertikal geschoben werden möchte. Die eben erwähnten Anschlüsse befinden sich übgigens exakt in der Mitte des Geräts, was sich bei Verwendung eines Zentralsäulenkeyboardständers als etwas ungünstig erweist.

Die Bedienlogik finde ich schnell erlernbar und das Layout der Bedienelemente weitgehend schlüssig. Die DAW-Anbindung verlief problemlos, der bidirektionale Datenaustausch funktioniert. Mopho kann sowohl vom Sequenzer gesteuert werden als auch als Masterkeyboard fungieren, was er bei mir jedoch nicht soll und muss. Bei der Steuerung durch die DAW ergibt sich bei mir das zweitgrösste Ärgernis: Bei Start der Wiedergabe oder Aufnahme wird die Oszillatorgrundfrequenz des Oszillators 2 unabhängig von der Voreinstellung auf C 10 gestellt. Osz 1 bleibt wie er ist. Das bedeutet, dass eine Audioaufnahme einer durch die DAW gesteuerten Sequenz mit ausreichend Vorlauf erfolgen muss, damit ich die Oszfrequenz des Osz 2 vor Beginn der Sequenz am Mopho auf den gewünschten Wert zurückstellen kann. Komfortabel geht anders. Hier bin ich dankbar für Eure Tipps, wie dieses Problem zu lösen sein könnte. Firmwareseitig ist hier wohl keine Hilfe zu erwarten. Es gibt keinerlei Firmware oder gar deren Updates für Mopho auf der DSI-Seite. Die externen Editoren sind von einer Fremdfirma zu beziehen, wobei ich mich nur zum kostenfreien Editor äussern kann, weil ich schon aus Trotz nicht bereit bin, eine Software, die mir vollen Zugriff auf die Gerätefunktionen bietet, nach Kauf des Geräts extra zu bezahlen.

Der Gratiseditor ist vor allem hilfreich bei der Sequenzerprogrammierung, die ich am Gerät nicht sehr komfortabel finde. Auch die grafische Oberfläche finde ich angenehm praktisch. Obwohl vorgeblich dazu ungeeignet, lässt sich der Editor sehr wohl zur Presetverwaltung sowie zum Anlegen externer Presetbibliotheken nutzen, wenn auch umständlich. Ärgerlich finde ich das Fehlen der VST-Funktionalität, die nur die kostenpflichtige Version bietet, welche allerdings in Foren bei deren Benutzern eher wenig Begeisterung auslöst. Leider ist mir nicht gelungen, den Editor parrallel zum Sequenzer zu nutzen, sie laufen nicht gleichzeitig, wegen des durch zwei Steuerungen verursachten Datensalats nehme ich an.

Zur internen Architektur und Arbeitsweise gibt´s reichlich zu lesen, insofern möchte ich nur anmerken, dass ihm Butterweiches eher weniger liegt als Eckiges. Keine Überraschung angesichts der verfügbaren Wellenformen und des Filtergrundklangs. Mopho ist kein Klangchamäleon, kann an beiden Frequenzenden Alarm machen und ist im Mix durchsetzungsfähig.

Fazit
Für die bezahlten 699,- war Mopho zum Kaufzeitpunkt das Gerät, das meinen Vorstellung am nächsten war, und bisher habe ich die Entscheidung nicht bereut. Nach Ablauf der Garantie werde ich ein vernünftiges Netzteil implantieren, Buchsen verlegen, mich nochmal darüber ärgern, dass der Einbau eines Kaltgerätesteckers auf der Rückseite nicht möglich ist weil die Gehäusebleche mittig aufeinander treffen, mal schauen, welche Abgriffmöglichkeiten für Patchbuchsen das Platinenlayout möglicherweise bietet und die Modifikationsmöglichkeiten nutzen, die die Gerätekonstruktion mit überschaubarem Aufwand vorzunehmen erlaubt. Meine Sichtweise mag speziell sein, doch mir halfen die zum Gerät gebotenen Stellungnahmen nach meinen Kriterien eher wenig, da ich diesbezüglich vorwiegend detailferne Bejubelung fand. Diese möchte ich gerne durch jene Informationen ergänzen, die ich nicht finden konnte. Ach ja, ich mag ihn sicher nicht wegen sondern trotz seiner Unzulänglichkeiten und nicht zuletzt wegen seines charaktervollen Klangs, insofern bewerte ich aufgrund meiner persönlichen Symphatie für diesen Hausgenossen mit "befriedigend"
Forum
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    Basicnoise  

    … und wie klingt er nun?
    Danke für den informativen Bericht. Klingt ja nach ziemlich billiger Herstellung. Mit solchen Dingen kann man aber bei 699,- durchaus leben, wie ich finde – wenn denn der Klang stimmt. Darüber erfahren wir leider nichts.
    Dafür wurden tolle neue Wörter wie „Hartwarenbetrachtung“ erdacht.
    Da ich den Keylabs und dieses Yamaha Teil nicht kenne bringen mir die Vergleiche nicht viel, aber immerhin kann ich mir jetzt ganz gut Vorstellen, wie sich das Teil anfühlt :)

    • Profilbild
      fno  

      Ich habe mein klangliches Fazit bewusst kurz und allgemein gehalten, weil es hierzu eine Menge Material aus berufenerer Feder als meiner im Netz gibt. Zudem ist Klangempfinden etwas Persönliches, insofern schliesse ich mich der Mehrheit an und empfehle, jegliches Audioequipment selbst zu hören – wozu sonst gibt´s ein Rückgaberecht? Ich hab nur versucht, die bereits erhältlichen Informationen durch jene zu ergänzen, die hier nach meinen Kriterien zu kurz gekommen sind, und ich hoffe, die sachliche Tatsachenbeschreibung und meine Ansicht hierzu so dargestellt zu haben, dass sie auseinanderzuhalten sind. Ich empfehle nicht und rate nicht ab da ich keinen Leser persönlich kenne und mir nicht anmasse, auf diesem Unwissen basierend eine passende Empfehlung abgeben zu können.

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    OscSync  

    Danke für den ausführlichen und gut geschriebenen Bericht! Die physische Verarbeitungsqualität wird m.E. in vielen Testberichten etwas arg vernachlässigt, daher ist Dein Bericht eine sehr gute Ergänzung zu den zahlreichen Mopho-Testberichten, die hauptsächlich auf Synthese & Klang schauen.

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