9. Januar 2016

Windows 10 Upgrade – lohnt sich der Umstieg?

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Da die während der letzten Systemupdates ungefragt mitinstallierten GWX-Module mich auf meinen Rechnern geradezu impertinent auf die Möglichkeit des Upgrades hinweisen entscheide ich, das, was c´t als \“Sprung ins kalte Wasser\“ (c´t 20/2015, gute Einstiegshilfe) beschreibt, nun anzugehen. Ich beginne mit der mit Windows 8.1 laufenden Surfstation, zumal eine eventuelle komplette Neuinstallation wegen der überschaubaren Anzahl installierter Anwendungen mit entsprechend überschaubarem Zeitaufwand realisierbar wäre.

Das Upgrade verläuft problemlos, das Ergebnis unterscheidet sich nicht fühl- und kaum sichtbar von 8.1. Auf Neudeutsch: Läuft bei mir. Windows 10 hat ein ausgesprochenes Bedürfnis, nach Hause zu telefonieren. Die meisten dieser Funktionen lassen sich noch vor dem Erststart abschalten, wenn man statt der prominenten \“Weiter\“-Schaltfläche rechts unten auf dem Monitor die leicht zu übersehende Schaltfläche links unten verwendet, so dass zunächst mehrere Seiten mit Schaltern geöffnet werden, die Anhängern von Privatsphäre das Abschalten der meisten Schnüffelfunktionen (ich weiss, die wollen alle nur mein Leben verbessern…) erlauben. Weitere mitteilungsfreudige Module wie beispielsweise \“Cortana\“, eine neue, geradezu aufdringlich hilfsbereite Freundin, die man mit Microsoft und diversen wissbegierigen Institutionen des öffentlichen Dienstes teilt, lassen sich in der Systemsteuerung abschalten. Jedenfalls augenscheinlich.

Beflügelt durch diesen Erfolg upgrade ich nun meinen auf Windows 7 Home Premium basierenden HTPC. Auch das verläuft zunächst vergleichbar unkompliziert. Einige Anwendungen sind nach Neustart nicht mehr verfügbar – geschenkt. Inakzeptabel ist die Tatsache, dass der Dateibrowser Explorer nicht mehr funktioniert. Keinerlei Direktzugriff auf Ordner oder Dateien mehr. Laut Foren kein Einzelfall. Die aus Anwendungen wie Foobar oder VLC heraus gestarteten Dateibrowser hingegen funktionieren. Nach mehreren Stunden vergeblicher Reparaturversuche mit Unterstützung eines Microsoft-zertifizierten Systemadministrators entscheiden wir uns für das \“Zurücksetzen\“, eine Quasineuinstallation, die, Windows weist darauf hin, den Verlust aller Installationen bedeutet. Zumindest werden die meisten Systemkonfigurationen übernommen, das ist doch schon was.

Der Windows Explorer funktioniert jetzt, für mich essenziell. Nach Neuinstallation diverser Anwendungen und Treiber sowie der Deaktivierung der Realtek-Audiomodule im Gerätemanager wird auch die Presonus Audiobox als Standard wiedererkannt und verwendet.
Im Gegensatz zur Surfstation fühlt sich Windows 10 hier deutlich schlechter an. Zudem habe ich hier zwei bislang ungelöste Probleme: Ich habe keinen Ethernetadapter mehr, zumindest lässt sich das Netzwerkcenter nicht öffnen, auf absolut keinem Weg, und der Rechner behauptet \“Isch ´abe gar keinen Lan-Adapter\“. Dessen ungeachtet funktioniert dieser, wie sonst könnte der Rechner Kontakt mit dem Internet herstellen. Nun ist er also ständig \“offen\“, und wünsche ich die Verbindung nicht heisst es: Stecker ziehen oder Router abschalten.

Das nächste Problem ist meine liebgewonnene KeySonic Bluetooth-Kompakttastatur (ACK-340BT), die zum Betrieb einen Bluetooth HID-Treiber benötigt. Im Gegensatz zu W 7, das den Adapter bei Einstöpseln als \“neue Hardware\“ erkannte und nach einigen Sekunden verkündete, dass der Treiber nun installiert sei und das Gerät verwendet werden könne, passiert bei W 10: Nichts. Der Gerätemanager behauptet, das Gerät funktioniere einwandfrei, obwohl der HDI-Treiber fehlt und das Gerät folglich nicht funktioniert, und im Gegensatz zu W 7 lässt sich W 10 auch nicht dazu überreden, den passenden Treiber zu installieren – wir zumindest konnten es nicht dazu überreden. KeySonic bietet den Treiber nicht an (Mein Fazit: Hände weg von KeySonic!), auch sonst fanden wir einen solchen eigenhändig installierbaren nicht im Internet. Einige Treiberaktualisierungstools, denen meine administrative Unterstützung ebenso misstraut wie ich, behaupten zwar, diesen installieren zu können, leider wissen wir jedoch nicht, was damit sonst so auf der Platte landet, womit dieser Weg, dessen Erfolg im Vorhinein nicht feststeht, für mich inakzeptabel ist.

Fazit
Aufgrund dieser Erfahrungen werde ich auf das Upgrade meines Windows 7 auf meiner DAW verzichten. Der aus einem laut Foren nicht wirklich unwahrscheinlichen Fehlschlag resultierenden Ärger und Zeitaufwand einer Neuinstallation ohne Aussicht auf Nutzbarkeits- oder Performancevorteile bei Verwendung in einer DAW rechtfertigt das Risiko für mich nicht. Zudem wird, wenn Microsoft den Support von Windows 7 endgültig einstellt, die Hardware mutmasslich ohnehin veraltet und ersatzbedürftig sein und die neue dann voraussichtlich mit Windows 11, 12, 13 oder einer späteren Version ausgeliefert werden - wenn die Soft- und Hardwarehersteller bis dahin Linux nicht endlich gleichberechtigt behandeln.
Forum
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    Basicnoise  

    Mein Upgrade von Win7 Pro auf 10 lief absolut problemlos.
    Focusrite Saffire, Motu Midi Express, Cubase, sämtliche Plugins, Traktor und auch sonst einfach alles läuft. Ganz am Anfang hatte ich ab und an Audiopeaks in Cubase, die aber mit dem nächsten Windows Build verschwunden waren.
    Da ich wegen dem „nur Upgrade statt sauber und neu“ auch sehr skeptisch war, habe ich vorher ein Disk Image gemacht. So konnte ich es mit geringem Risiko testen.
    Aber wie gesagt, alles super. Zusätzlich fährt die Kiste nun viel schneller hoch :)

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    GEM-D  

    Ich habe mittlerweile zwei PCs und drei Tablets auf Windows 10 upgedatet und meine gesamte exotische Audiohardware läuft einwandfrei!
    TC Powercore (mittlerweile nicht mals mehr supportet), Motu PCIx & (ehemals) Creamware Scope. Den PC mit dem Scope System konnte ich sogar einfach per Microsoft Update installieren. Alle Daten und Einstellungen wurden problemlos übernommen. Ichj musste nur einen aktuellen Netzwerkkartentreiber nachinstallieren.
    Das System mit MOTU und TC Powercore habe ich manuell neu installiert, weil hier eh mal eine frische Neuinstallation auf dem Plan stand. Auch hier hatte ich ebenfalls kein Probleme!
    Sowohl Cubase als auch sämtliche Treiber und Plugins laufen tadellos!
    Lediglich bei Wavelab 6 musste ich das letzte Update als Full-Installer runterladen, da hier der Installer mal aktualisiert wurde und das Setup sonst meckert, daß es nicht für diese Windows-Version kompatibel sei.

    Also ich habe bisher nur gute Erfahrungen mit Windows 10 gemacht.

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    paulilein  

    Win10 schmeist immer wieder den Treiber für mein Interface Audio Kontroll1 von NI raus. Manchmal beim starten, manchmal im Betrieb. Da hilft dann nur den Treiber neu zu installieren und wieder starten. Ist schon passiert das nach dem Neustart wieder alles weg war. Auch ist die Latenz deutlich schlechter geworden

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    fno  

    Danke für Eure Erfahrungen! Inzwischen habe ich durch eine echte Neuinstallation von Windows 10 auf dem HTPC alle Probleme bis auf eines (Spannungsversorgung der USB-Ports wird nach dem Herunterfahren nicht deaktiviert – hierfür hat MIFCOM bereits eine Lösung in der Pipeline) gelöst und bin wie bei meiner Surfstation zufrieden. Obwohl ich mittels ISO zwar zeitaufwändig aber problemlos zum alten Zustand zurückkehren könnte, traue ich mich nicht recht an meine DAW, zumal diese völlig zufriedenstellend funktioniert und dessen Hersteller DAX (noch) nicht überzeugt von W10 ist. Vielleicht hat jemand ein Focusrite Scarlett 18i20 unter Windows 10 in Betrieb? Focusrite bestätigt nur die Treiberkompatibilität zu Windows 7 oder 8.

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    calvato  

    …also, ich bin ja noch von der „alten schule“.
    ich habe 2 partitionen, eine zum surfen, mailen, filme kucken, tippen etc. diese hat mittlerweile windoof10 und läuft völig problemlos.
    die zweite ist meine partition zum arbeiten mit windoof7 drauf. da ist reaper als DAW (immer noch zu unrecht völlig unterschätz!), presonus soundkarte & diverse plug ins.
    aber OHNE internet, OHNE textprogramm und anderen schnickschnack.

    ist halt zum arbeiten, nicht zum daddeln!

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    AMAZONA Archiv

    Bei mir waren es die USB-Steckplätze die richtig Ärger gemacht haben. Es hat zwei echte Neuinstallationen gedauert bis ich gemerkt habe das Cubase das Dongle nicht richtig akzepiert hat. Ein einfaches Umstecken in einen nativen USB-Anschluß hätte gereicht :(. Wer kann sowas ahnen nachdem der Rechner fast 4 Jahre solche Probleme nicht kannte. Ich habe ebenfalls eine Bluetooth-Tastatur von Keysonic an meinem HTPC. Der Sleep-Modus der Keysonic hat dabei den ganzen USB-Strang lahmgelegt weswegen ich mitten beim Spielen plötzlich kein Gamepad mehr hatte. Nun sind beide an getrennten Controllern und es läuft. Ganz ehrlich, USB-Probleme hatte ich am allerwenigsten erwartet. Was Microsoft da veranstaltet hat ist mir ein Rätsel. Wahrscheinlich aus „Sicherheitsgründen“ damit PC’s nicht über USB infiltriert werden können. Der Datei-Explorer war mir ebenfalls einmal unreparierbar abgeschmiert. Da half nur eine neue Installation. Einige Konsolen-Emulatoren wollten keine diagonalen Gamepad-Bewegungen mehr akzeptieren und mussten aufwendig umgestellt werden. Es gab in letzter Zeit auch einige wichtige Updates seitens Microsoft inkl. Cubase-Fix. Sollte nochmal ein Rechner Probleme machen geht es wieder zurück auf 7! Allen 7 Anwendern empfehle ich abzuwarten. Es gibt exakt null Gründe zum wechseln.

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    Markus Schroeder  RED

    Hat eigentlich schon einer seine „kostenlose“, über GWX beworbene W10 Version bekommen?
    Ich warte schon seit August.

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      fno  

      Hallo Markus! Ja, ich…und ich kenne etliche andere, daher mein Post. Falls das GWX-Modul nicht nach dem Start unübersehbar aufdringlich anbietet, upzugraden (ein keys-Redakteur hatte dieses Problem ebenfalls), gibt es einen Umweg über Microsofts Media Creation Tool, das Dir dann sogar einen Installationsdatenträger erzeugt. Links unter ct.de/yk57 Hoffentlich hilft´s Dir.

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        GEM-D  

        Das GWX Modul bietet meines Wissens das Update erst an, wenn die Treiberunterstützung erfüllt ist. Bei einem manuellen Update sollte man sich dann auf jeden Fall auf eventuelle Probleme vorbereiten.

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          AMAZONA Archiv

          Soweit ich weiss muss auch erst migriert werden um die neue Seriennummer mit einem Tool auslesen zu können bevor dann eine neue Installation ohne Dateileichen erfolgen kann.

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    Pfau_thomas  

    Von Windows 7 zu Windows 10 .
    Bei mir laufen unter Win 10:
    Samplitude und Cubase usw. und Co.
    Bei den Plug Ins laufen die Instrumente z.B. B4II von Nativ Instruments usw.
    Bei den Effekten ist es das gleiche.
    Bei der Hardware:
    Laufen bei mir eine Maudio 1010LT PCI Karte,
    eine Firewire Presonus Firestudio und meine Midi Kayboards usw.
    Bei mir läuft Win 10 besser als Win 8/8.1. usw.

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    Heiner Jürs  

    Ich hatte auf meinem Notebook auch zunächst das Windows10.Update installiert, dann aber wieder rückgängig gemacht.
    Grund: Aussetzer und Steuerungs-Probleme beim FireWire-Interface. Unter Windows 7 läuft wieder alles gut.
    Also, ein klarer Fall von „never change a running system“.
    Windows 10 auf meinem PC mit

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    arnimhandschlag  

    Was ist denn mit den versprochenen Verbesserungen bei der Audioperformance? Habe mal gelesen dass 10 wohl jetzt ähnlich wie OS X realtime berechnungen erlaubt – das müsste den Windows Asio Treibern ja eigentlich einen guten Leistungsboost resultierend in geringeren Latenzzeiten erlauben oder? Weiß jemand was dazu?

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    tubeheat  

    Man sollte sich bereits vor dem Upgrade die Treiber für alle HW Komponenten aus dem Internet runterladen, bevor man die unschöne Entdeckung macht, dass man das Internet nicht mehr erreichen kann.

    Viel besser wäre jedoch, eine Neuinstallation durchzuführen und sauber auf Win10 aufzusetzen.

    Gerade wenn später Dinge nicht laufen, dann bleiben nachher Zweifel, ob es nun ein grundsätzliches Problem ist, oder das Problem durch die Upgrade Installation verursacht wurde.

    Wer ein alter IT Hase ist, der macht um Upgrade Installationen automatisch einen großen Bogen. Die Erfahrung lehrt, dass eine saubere Neuinstallation auf ein neues Betriebssysem viel besser ist und Probleme später durch Firmen besser supportet werden können, wenn klar ist, dass das Problem nach einer Neuinstallation von Win X auftrat.

    Sonst wird jeder erstmal denken, na, vielleicht hat die Upgrade Installation da was vergeigt.

    Insofern finde ich es nicht ok, sich auf Basis einer Upgrade Installation über nicht funktionierende Dinge zu beklagen.

    Upgrade Installationen sind einfach Krücken, damit die Ahnungslosensten der IT-Ahnungslosen auch eine Chance für ein Upgrade haben.

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