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Umsonst Arbeiten? Superstar Toningenieur Tony Maserati meint NEIN!

18. April 2022

Der Toningenieur Tony Maserati ist der Meinung, dass man nicht umsonst arbeiten sollte

Dieser Text behandelt behandelt das Thema Bezahlung von Toningenieuren und lässt sich im Allgemeinen auf alle Dienstleister innerhalb der Musikbranche übertragen. Ein wichtiges Thema, denn wie soll man den eigenen Marktwert einschätzen? Sollte man unbezahlt für ein Topartist arbeiten, weil sich dadurch Türen öffnen könnten?

Zu diesem Thema hat Tony Maserati eine eindeutige Meinung. Er ist ein gefragter Toningenieur in der R&B und Hip-Hop Branche und bekannt für seine Mixe für Busta Rhymes, Mary J. Blige, The Notorious B.I.G, Queen Latifah, Justin Timberlake, Beyoncé feat. Jay-Z, den Black Eyed Peas und vielen anderen. Im folgenden Video erklärt seine Haltung zu Entlohnung. Wir haben euch seine Ansichten zusammengefasst.

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Grundsätzlich vertritt er die Meinung, dass Arbeit immer entlohnt werden sollte. Die Bezahlung muss aber nicht immer in Geld erfolgen. Es ist möglich, andere Formen der Entlohnung zu akzeptieren, wie z. B. Equipment.

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Stammkunden sollte man entgegenkommen, weil sie für regelmäßige Einnahmen gesorgt haben. Man sollte sich kompromissbereit zeigen. Wenn der Kunde kein Geld hat, könnte ihm ein Kredit eingeräumt werden oder man könnte die Arbeit mit zu erwartenden Einnahmen des Künstlers verrechnen.

Junge Leute haben es oft schwer, sich im Musikbusiness durchzusetzen. Tony Maserati differenziert in diesem Fall zwischen Praktikanten und Profis. Praktikanten lernen von Profis ihr Handwerk. Aus der Sicht von Tony Maserati ist der Lernprozess eine Form der Bezahlung, die dem Lehrling in der Zukunft Geld bringen wird.

Screenshot aus dem Video „Working for Free“

Wenn man die erworbenen Fähigkeiten als Dienstleistung auf dem Markt anbietet, spielt es keine Rolle, wie alt man ist. Eine professioneller Mix oder Aufnahme steigert den Wert der Musik. Diese Arbeitskraft muss bezahlt werden. Tony Maserati vertritt die Meinung, dass man ausgenutzt wird, wenn man unbezahlt arbeitet. Berühmte Persönlichkeiten denken manchmal, dass ihr Name als Auftraggeber Lohn genug ist und entwerten mit solch einem Angebot die Fähigkeiten des Dienstleisters.

Er verdeutlicht dies an dem Beispiel eines Testmix. Wenn der Testmix nicht benutzt wird, verlangt Tony Maserati einen Unkostenbeitrag, denn er muss sein Studio instand halten und Angestellte bezahlen. Dem Auftraggeber sollten die Arbeitszeit und die Benutzung der Geräte in Rechnung gestellt werden. Wenn der Testmix für eine Veröffentlichung genutzt wird, sollte im Vorfeld der Wert der Dienstleistung festgelegt werden.

Tony Maserati ist der Meinung, dass Musik innerhalb der Musikindustrie entwertet wurde. Deswegen wird versucht, die Einnahmen von allen, die an einer Aufnahme beteiligt sind, zu schmälern. Er gibt zu bedenken, dass noch kein Toningenieur reich geworden ist, weil er an der Aufnahme von erfolgreichen Alben beteiligt war. Es ist möglich, von den Einnahmen gut zu leben, aber reich wird man davon nicht. Künstler und Künstlerinnen können ihre Arbeit gewinnbringender verkaufen als ein Toningenieur oder Toningenieurin.

Für diese Künstler hat Tony Maserati gearbeitet

Diese Screenshots von Tony Maseratis Website vom 11.04.2022 zeigen einen Teil seiner Auftragsarbeiten. Manchmal sagen Fotos einfach mehr.

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Forum
  1. Profilbild
    Henrik Fisch AHU

    Außerhalb der Musik habe ich die schmerzvolle und desillusionierende Erfahrung gemacht:

    Was nichts kostet ist auch nichts wert.

    Demzufolge ist etwas um so mehr wert, je teurer es ist. Und genau so verhalten sich die »Kunden«, denen man eine Dienstleistung angedeihen lässt. Wenn man etwas kostenlos anbietet, dann wird das einfach so hingenommen, und es wird größtenteils ignoriert, was man da für eine Leistung erbringt. Wenn man jedoch Geld verlangt, dann wird man wahrgenommen. Und wenn man viel Geld verlangt, dann wird man ernst genommen.

    Es bringt meiner Erfahrung nach gar nichts, etwas kostenlos anzubieten, weil es dann eventuell Türen öffnet. Es wird einfach nicht wahr genommen. Im Gegenteil hat man den Effekt, dass ich die Auftraggeber daran gewöhnen … und davon kommt nur schwer wieder weg.

  2. Profilbild
    Eisenberg

    Interessanter Artikel. Ich wäre allerdings niemals auf die Idee gekommen, dass ein Toningenieur umsonst arbeitet.
    Dass sind ausgebildete Menschen, die eine wichtige Dienstleistung anbieten.
    Man kann das Thema leider nicht auf die Schlafzimmerproduzenten anwenden, die sich den Regeln von Angebot und Nachfrage stellen müssen 🙈

    • Profilbild
      Henrik Fisch AHU

      Das verstehe ich nicht ganz. Als Schlafzimmerproduzent (der ich auch bin) ist man doch nicht gezwungen umsonst für andere zu arbeiten. Wenn die Nachfrage groß ist, die aber nur deswegen besteht, weil man kein Geld verlangt, dann hört sich das nach Ausnutzen an. Dann kann man doch auch einfach mal „nein“ sagen … und die Zeit in eigene Projekte stecken.

  3. Profilbild
    elbonzoseco

    Das Künstler mehr Möglichkeiten haben sollen, mag ab einer bestimmten Größe stimmen, aber zB bei kleinen Konzerten ist oft der/die Tonmann/frau als fixer Kostenpunkt eingeplant, während die Bands mit wesentlich weniger bis gar nichts nachhause gehen. Ich denke nicht, dass das Publikum kommt ,um den/die Tonmann/frau zu sehen. Diese Künstler sieht er natürlich meist nicht, weil die eh selbst produzieren müssen.
    Ich denke alle sitzen im selben Boot, wäre schön das Rudern zu koordinieren ;)

    • Profilbild
      Armin Bauer RED

      Das ist natürlich komplett der falsche Ansatz.
      Künstler sind zunächst erst Mal Künstler, weil sie Künstler sein möchten. Das Kommerzielle kommt später. Auch der Gedanke, welche Kompromisse da eingegangen werden müssen, um finanziell über die Runden zu kommen.
      Meine Jungs und ich hatten früher auch viel Geld drauf gelegt um live auftreten zu können. Und ja, es hat Spaß gemacht. Aber irgendwann, nach dem Abitur, war für mich klar, dass ich als Bandleader, Komponist, Texter und Tontechniker im Letzteren am ehesten mein Auskommen finde.
      Arbeit muss bezahlt werden, wir kennen alle die Fälle von freien Schauspielern, die sich halt in Zeiten ohne Engagement arbeitslos melden. Steht jedem „Künstler“ offen, freiberuflichen Technikern eher nicht, das heisst Insolvenz.
      Wenn der Tonmann Mist abliefert kannst du jede Band der Welt in der Pfeife rauchen. Ist, wie wenn dir deine Autowerkstatt zu teuer ist und du gehst zum Kumpel um die Ecke, der dir die Bremsbeläge falsch justiert, viel Spaß damit…

      • Profilbild
        MidiDino AHU

        Ich denke auch, dass man bei der Betrachtung von Künstlern beginnen sollte. Falls überhaupt Geld eine Rolle spielen kann, wird es zunächst durch die Künstler verdient! Wenn es keine Musikstücke gäbe, zudem keine Musikanten, gäbe es für Dienstleister nichts zu tun. So einfach kann es sein.

        In Zeiten, in denen es für Künstler schwierig wird, etwas zu verdienen, weil z.B. die Industrie (Spotify) gegenüber den Konsumenten Billigpreise präferiert, auch um überhaupt Umsatz zu machen, kann es Künstlern schwerer fallen, Dienstleister für irgendwas zu beauftragen. Auch dies klingt einfach.

        Solange Musik nicht vom Publikum verstanden wird, wird es vermutlich auch nicht bereit sein, angemessenes Geld dafür zu bezahlen. Es feht gesellschaftlich an musikalischer Bildung, nicht nur unter dem Publikum, sondern auch unter Musikanten.

        • Profilbild
          Armin Bauer RED

          Hallo MidiDino,

          auch das ist nur bedingt richtig und sieht eben nur den Kontext Künstler <> Tontechniker.
          So viel Spass es auch bringt für (im besten Fall gute) Künstler zu arbeiten, der größere Teil des Umsatzes wird als Tonmensch inzwischen meist aus Industriejobs, Messen, Konferenzen, Live-Übertragungen, Werbung, Sprachaufnahmen und anderes generiert.
          Und wenn der Hörer die angebotene Musik nicht mehr akzeptiert kann es evtl. auch daran liegen, dass sehr viel davon ziemlich beliebig geworden ist und keinerlei eigene Identität enthält. Oder es werden alte Soundideale 1:1 kopiert. Wieso soll ich mir z. B. die durchaus unterhaltsamen Songs von The Weeknd kaufen, wenn ich die 80er Originale im Schrank stehen habe? Nur so als Beispiel…

          • Profilbild
            MidiDino AHU

            Ok. Dass es auch andere Auftraggeber als Musikanten geben kann, hatte ich nicht bedacht. Messen usw. wären eine Alternative.

    • Profilbild
      Armin Bauer RED

      Was mich aber am meisten ärgert sind die „Kollegen“, die den Job Technik eher als Hobby machen. Das macht für uns, die davon leben, maximal die Preise kaputt.
      Hatte eben wieder den Fall.
      Angebot Blasmusikfestival, Turnhalle mit Tribüne, Tontechnik, Lichttechnik, Frontrig, 2x Techniker, 2x Helfer, Aufbau am Vortag mit kompletter Durchlaufprobe für ca. 3000,- angeboten.
      Der nun pensionierte Kollege hatte das für 1000,- gemacht, 1200,- wären also gerade noch drin!
      Das wären nicht mal die Personalkosten, insofern man bei der angespannten Lage überhaupt jemanden kriegt.
      Irgendjemand wird´s für das Geld schon machen, was das Publikum davon hat sei mal dahin gestellt.

      • Profilbild
        elbonzoseco

        Im Idealfall werden alle Seiten gut bezahlt, lebe ja selbst auch davon auf beiden Seiten aufgestellt zu sein. Aber grundsätzlich sollte eine Kultur geschaffen werden, in der das Musikmachen als solches eben im Zentrum der Aufmerksamkeit steht und damit auch als zu bezahlende Leistung.
        Ja die Hobbytonmenschen wird es immer geben, genauso wie die Feierabendband. Wobei es auch die Erfahrung gibt, dass sehr gute Leute manchmal sehr viel leichter zu mischen sind um zumindest ein Mindestmaß an brauchbaren Sound zu bekommen. Besser geht immer, aber der Zuhörer geht dann zumindest ohne Hörschaden nachhause.
        Bin auch generell nur darauf eingegangen, weil der Herr meinte als Künstler sei es leichter sich zu monetarisieren. Wie du selbst sagst, war die technische Seite planbarer, wenn es um ein Auskommen geht.

      • Profilbild
        lunatic AHU

        Vielleicht muss man solch werten “Kollegen“ einfach mal gehörig den Marsch blasen.
        (Wo wir jetzt schon bei der Blasmusik sind)

        • Profilbild
          Armin Bauer RED

          Habe ich auch schon gemacht. Hatte mal den Fall eines Jüngelchen aus reichem Hause, der sich eine Anlage gekauft hat und mich auch einige Male gebucht hatte.
          Als ich aber mitgekriegt habe, dass er ein Festival in seiner Heimatgemeinde komplett zum Nulltarif (2 Tage Bühne, Licht, Ton, Personal) angeboten hat, nur weil er das machen wollte, habe ich Bescheid gegeben, dass ich das maximal unseriös finde und er möge bitte in Zukunft ohne mich planen.
          Er hat den Job übrigens auch zu diesen Konditionen nicht gekriegt…

  4. Profilbild
    Monolith2063

    Tony Maserati kommt aus den USA. Das sollte man berücksichtigen, wenn er z.B. der Meinung ist, dass ein Praktikant nicht bezahlt werden müsste. Das Ergebnis sind dann Menschen, die sich von der Hand im Mund von Praktikum zu Praktikum hangeln, einen Teil der anfallenden Arbeit für umsonst machen und die Komponisten und Produzenten freuen sich, weil sie kein Geld ausgeben müssen.

    • Profilbild
      bluebell AHU

      Das ist eine ganz andere Kultur, auch außerhalb des Musikbusiness. Man zahlt dort für eine Ausbildung viel Geld, und man sieht das dort als normal an – nicht nur an Elite-Unis, auch eine angehende Krankenschwester darf sich erst mal fünfstellig verschulden, wenn sie nicht aus reichem Hause kommt.

      Man kennt es dort nicht anders. Für uns klingt das gruselig.

      • Profilbild
        Monolith2063

        Selbst wenn Du nichts bezahlen musst, so kannst Du über Jahre als Assistent z.B. von Komponisten arbeiten, ohne dafür Geld zu sehen. Kenne selber so einen Fall, wird seit Jahren von seinen wohlhabenden Eltern alimentiert.

  5. Profilbild
    Armin Bauer RED

    Hi elbonzoseco,

    leider sind wir schon seit längerem nicht mehr die Kultur der Kunstschaffenden. Habe das ja selbst in den 80ern erlebt, als auf das Interesse meines Wirkens, „Künstler“, die Frage kam: „Und was arbeitest du?“
    Klar, Profis sind absolut stressfrei. Habe eben wieder 2 Jobs aus Musik und Theater absolviert, die nach vernünftiger Vorab-Absprache total cool abliefen. Das Ergebnis war entsprechend…
    Als Dienstleister muss ich aber einfach meinen Preis aufrufen können. Wenn ich den mit Kfz- Werkstätten, Sanitär-Installateuren oder sonstigen Handwerkern vergleiche und meine Tagesarbeitszeit von 10 -14 Stunden rechne, bin ich näher am Mindestarbeitslohn als an einem vernünftigen Stundensatz.
    Was immer noch geht ist ein Rabatt auf das Equipment. Wobei das, wenn ich die Video- und Streaming-Connektion anschaue, die das 5-20fache an Investment aufrufen, auch nach hinten los geht. Muss mein Zeugts also 20-30 Jahre nutzen, damit es sich amortisiert hat.

    • Profilbild
      elbonzoseco

      Klar, wenn man das auf die Stunde runterrechnet, wird es irgendwann ganz schön dünn. Hoffe es wird nicht noch weniger. Muss morgen zum Tüv, befürchte danach wird mir mal wieder aufgezeigt, was meine Arbeit im Vergleich scheinbar wert ist..

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