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Waldorf Microwave 2 Software-Editor von Synthmania

17. Dezember 2022

Auf den ersten Blick denkt man vermutlich spontan zunächst an eine Windows- bzw. Mac-Anwendung, oder irgendetwas in Richtung APP fürs Tablet, zumindest wohl den Älteren, die noch Sounddiver kennengelernt haben, dürfte es so ergehen. Also an ein Programm, mit dem man Speicherinhalte editieren, verschieben und archivieren kann.

Allerdings ist es aber genau so etwas nicht, denn ein Librarian ist diese Anwendung nicht. Vom Umgang mit Speicherinhalten und SYSEX-Daten versteht es nichts, dafür umso mehr von MIDI-CC. So etwas kennt man schon lange in Form von universellen oder dedizierten Hardwarecontrollern, aber wohl eher noch nicht so im Softwareformat. Und der Clou an der Sache: Es bedient und verhält sich wie ein klassisches VST-Instrument, es kommt als relativ kleine DLL daher, die man einfach in den entsprechenden VST-Ordner der DAW kopiert. Es sind nur noch kurz die MIDI-Einstellungen vorzunehmen und man kann sofort loslegen. Hier reicht es sogar, lediglich den Ausgang zu bestimmen, da ja nur Daten vom Host bzw. Plugin zur Hardware gesendet werden. Eine Handshakeverbindung braucht es also nicht. Prinzipiell ist es das Gleiche, wie wenn man einen Hardwarecontroller zwischen Interface und Hardware an ein (bzw. dann zwei) MIDI-Kabel hängt.

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In die DAW fügt man also das Plugin als Instrument ein und behandelt es dann so, als wäre es ein virtuelles. Jetzt erscheint auch im Programmfenster die treffende Bezeichnung „Microwave Remote“, eine Fernbedienung eben. Jeder Tastendruck (Noten) am Midikeyboard, jede Reglerbewegung wird direkt zur Hardware durchgereicht bzw. gesendet, sie können sogar automatisiert werden, wie man es eben kennt. Es lassen sich bequem mit der Maus die Presets durchsteppen, nach Belieben verändern und dann bei Bedarf abspeichern, das dann allerdings nur manuell direkt an der Hardware. Wie gesagt, SYSEX kann es nicht. Das empfinde ich aber auch nicht als Manko, man kann sich ja vorher den gesamten Speicherinhalt einmal als SYSEX-Dump sichern, das geht mit jedem Sequenzer, um dann anschließend die mit dem Plugin veränderten Patches direkt im Gerät abzulegen. Sind wir mal ehrlich, wer arbeitet denn ständig mit wechselnden Libraries? Wer muss denn ständig hunderte Sounds im Zugriff haben?

Dieses Remote-Plugin erlaubt so den direkten Zugriff auf so gut wie jeden Parameter, und die Microwave II hat wirklich eine Menge davon. Lediglich in drei Bereichen (Arp/Modifier, Envelopes Waves 1-8 und zusätzliche Einstellmöglichkeiten für die beiden LFO) muss man je einen Umschalter betätigen, um entsprechend noch andere Werte im Zugriff zu haben. Die beiden Screenshots zeigen die Oberfläche einmal mit und einmal ohne die besagten Umschaltungen.

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Ansicht 1

Ansicht 2

Die übersichtliche Darstellung hilft darüber hinaus auch noch, die Microwave besser zu verstehen, besser zu durchschauen, wie sie arbeitet. Man muss allerdings bedenken, dass beim Umschalten auf andere Presets die jeweiligenWerte bzw. Reglerstellungen nicht abgeholt werden, mangels SYSEX eben, was zu drastischen, unerwarteten Änderungen führen kann. Damit kann man aber m.E. leben.

Das Bedienkonzept über eine Matrix ist zwar schon durchaus nicht schlecht, aber dennoch kein Vergleich zu einer „echten“ analogen Oberfläche, wie sie das Plugin bietet. Das Gerät stammt ja auch noch aus der Zeit, in der man der Meinung war, mit möglichst wenigen Reglern und einem mittelmäßigen Display könnte man doch viel besser klarkommen, als mit möglichst vielen echten Reglern im Direktzugriff – nun ja.

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Fazit
Ich mag dieses Tool, weil ich nach wie vor gerne Hardware einsetze aber mich leider dann doch viel zu oft dabei ertappe, aufgrund der Einfachheit letztlich auf virtuelle Synths zurückzugreifen. Mit diesem Remote-Tool wird die alte Microwave wieder ins Leben geholt, weil sie sich dann plötzlich wieder total aktuell anfühlt. Der Soundcharakter und das Potenzial dieser Maschine haben es sowieso mehr als verdient und mit 17 Euro macht man wahrlich nichts verkehrt. Synthmania hat u.a. noch Remotes für den Oberheim Matrix 6 und die Bass Station 2 von Novation im Angebot. Die Plugins laufen unter Windows oder Mac in 64 Bit, oder auch standalone.

Plus

  • Umsetzung
  • gewohntes Pluginhandling
  • Optisch am Original
  • Preis

Minus

  • Evtl. überraschende Parametersprünge
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Forum
  1. Profilbild
    Frame 65

    Habe mir gerade die Demo-Version runtergeladen. Funktioniert einwandfrei. Die 17 € für die Vollversion sind gut investiert.

    • Profilbild
      iOwner

      Die Preise sind hier aber für die Editoren deutlich teurer (einige kosten 69$). Ich finde 17 Euro echt fair…

  2. Profilbild
    nokul

    Ja, klar. Ich wollte auch nicht vergleichen, sondern ich finde die Technologie super und wollte zeigen, dass es mehr davon gibt.
    Je unbedienbarer der Synth, desto Editorplugin.🙂

  3. Profilbild
    Alva Elva 1231

    Gutes Review, hilfreicher Editor. Aber der anfänglichen Aussage, dass Software-Editoren for Synths etwas unbekanntes seien, muss man natürlich vehement widersprechen: Die gibt es seit Jahrzehnten und waren auch schon auf dem Atari verbreitet.

    • Profilbild
      Jens Vetter RED

      Ich habe geschrieben, dass dedizierte Midicontroller in Form von Software nicht so geläufig sind wie die als Hardware, z.B. die von Stereoping oder universelle. Was du meinst sind Editoren, die mit SYSEX umgehen können, die gabs schon auf dem Atari, richtig. Aber eine reine Fernsteuerung per App ist mir bis dato nicht geläufig.

      • Profilbild
        Alva Elva 1231

        Die Hersteller Edisyn, Sigabort, Coffeeshopped, Soundtower, Momo, Aura und Mystery Islands decken so ziemlich alles ab, was sich mit MIDI CC steuern lässt und keinen Editor vom Hersteller spendiert bekommen hat. Offizielle Editoren gibt es darüberhinaus von IK Multimedia, Arturia, Moog, Modal, Roland, Korg, Access und vielen anderen. Die dedizierten Hardware-Controller wie jene von Stereoping, Soundforce oder einst Access sind dagegen selten.

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          Jens Vetter RED

          Ja, diese Beispiele bieten durchweg auch eine Librarian-Funktion, sie schaufeln also Sysex hin und her. Das meine ich aber nicht, eine bzw. diese Remote sendet nur Midi-CC, Dafür geht auch jeder universelle Controller von Behringer, Akai, Novation, Nektar und was weiß ich noch, oder jedes Midikeyboard, was Regler frei belegen kann. Die sind alles andere als selten.

  4. Profilbild
    Alva Elva 1231

    Ich glaube, wir reden aneinander vorbei. Die von mir aufgelisteten Firmen stellen Controller-Plugins bzw. Apps her, mit denen man via MIDI CC einen Hardware-Synth fernsteuern und automatisieren kann. Also solche Software wie die im Artikel besprochene. Die ist nämlich nicht selten, sondern seit langem verbreitet. SysEx-Editoren und Librarians für Synths ohne MIDI CC sind eine andere Baustelle.

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