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Praxistest: TBProAudio ISOL8, Plug-in

19. November 2022

Vor einigen Jahren fand ich zufällig das kostenlose Plugin ISOL8 (sprich: „isolate“) von TBProAudio und war sofort fasziniert, weil ich nichts Vergleichbares sonst im Plugin-Sektor kenne.

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Bevor ich meine Darlegungen weiter ausführe, sei gesagt, dass die Software weiterhin frei verfügbar ist, wie ich mich soeben vergewissern konnte, und zwar für Win und Mac in 32 oder 64 bit-Version.. Hier der Link: ISOL8 | TBProAudio

ISOL8 kann das Audiosignal in 5 Frequenzkanäle aufsplitten, wobei die Crossover-Frequenzen frei wählbar sind. Die Trennschärfe zwischen den Kanälen kann wahlweise mit 24 oder 48 Dezibel pro Oktave sehr exakt sein.

Damit funktioniert das Plugin im Prinzip wie eine Frequenzweiche, die man ja vor allem für die Beschallung von größeren Locations benutzt, um das Audiosignal auf die verschiedenen Lautsprecher von Höchtönern bis Subwoofern zu verteilen.

Jedes der 5 Bänder kann man solieren oder stummstellen (muten). Somit ist das Plugin laut Hersteller besonders für Masteringzwecke geeignet. Das geht umso besser, als man auch (zusätzlich zu einem oder mehreren Bändern oder im Gesamtmix) jede Monitorseite auf Solo stellen kann, aber auch die Mitte im Gesgensatz zu den Seiten.

Damit ist das Plugin ein gewaltiges Tool, um Mix- und Mastering-Entscheidungen zu treffen, nachdem man einzelne Abhörvarianten probiert hat. Man kann nämlich im laufenden Betrieb die Trennfrequenzen verändern und somit hören, wo welche Sounds verortet sind, um sie an eine andere Stelle im Mix zu rücken, lauter/leiser zu machen oder ganz zu eliminieren.

Ich hatte aber sogleich noch eine andere Idee, wie man das Plugin einsetzen könnte und erbitte nun eure Kreativität, um mehr Möglichkeiten aus dem Programm herauszuholen:

Stellt euch vor, man verteilt ein Instrument auf 2 bis 5 Spuren und trennt es damit in 2 – 5 Frequenzbereiche auf, die freilich pro Track einzustellen sind.

Ein Beispiel. – Das Instrument X liegt folgendermaßen vor:

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… auf Track 1 zwischen 20 und 80 Hz,

… auf Track 2 zwischen 81 und 280 Hz,

… auf Track 3 zwischen 281 und 370 Hz,

… auf Track 4 zwischen 371 und 6000 Hz und

… auf Track 5 zwischen 6001 und 20000 kH.

Zusammen klingen die 5 Spuren wie das Originalinstrument.

Nun könnte man jedes einzelne der Frequenzbänder mit einem individuellen Effekt versehen, da sie ja auf einzelnen Spuren liegen: Chorus, Reverb, Flanger, Ringmodulation … Kompression, Expander, Gate, Transientenbearbeitung …

Meine Fragen sind:

  1. Macht jemand schon so etwas in der Art?
  2. Und vor allem: Habt ihr konkrete Erfahrungen oder Ideen, was die Instrumente, die Crossover-Frequenzen und die Effekte anbelangt?

Ich kann mir etwa vorstellen, so die Kickdrum oder die Snare durchsetzungsfähiger zu machen. Vielleicht kann man auch Sänger*innen die ‚Knödel‘-Frequenzen abschwächen.

Oder – ganz ins Unreine gedacht – vielleicht kann man auf diese Weise vielleicht ‚Klang-Chimären‘ erzeugen, indem man die oberen Frequenzen eines Synthie-Pads nimmt und als passgenauen ‚Anschluss‘ irgendwo im mittleren Frequenzbereich die Violinen ansetzt und weiter unten ebenso verfährt mit Waldhörnern verfährt.

Sicher, sicher, es gibt bei den käuflich zu erwerbenden Plugins viele Spezialisten, die solche Aufgaben übernehmen. Aber, wie gesagt, das sind Spezialisten, die nicht so offen für kreative Methoden sind wie ISO8.

Vielleicht bilde ich mir aber nur etwas ‚in vitro‘ ein, was in Wirklichkeit nicht funzt. Ich werde jedenfalls ans Werk gehen, habe ich es doch seit Jahren immer wieder aufgeschoben, da andere Dinge sind in den Vordergrund drängten …

Für reichlich Beiträge mit inspirierenden Anregungen wäre ich dankbar.

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Fazit
Bleibt abzuwarten!
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Forum
  1. Profilbild
    wimu

    Vielen Dank! Interessanter Ansatz. Ich kann mir vorstellen, dass mit der beschriebenen Technik, auch ein „unauffälligeres“ Deessing möglich wird. Müsste man mal ausprobieren. Eventuell spart man sich eine Menge Automatisationsarbeit und Audio-Editing.

    • Profilbild
      Nick MD

      Danke, wimu! Das ist bestimmt eine gute Idee. Man müsste dann die Zischlaute verorten, das entsprechende Band so eng wie möglich ziehen und dann einen Kompressor einsetzen. – Hohe Ratio, Threshold recht weit oben, so schnelles Attack und Release, dass es eben nicht auffällt und recht wenig Aufholverstärkung des kritischen Bereichs. – Probiere ich aus! 😁

  2. Profilbild
    bundesburger

    Guter Beitrag! Eigene Erfahrungen kann ich dazu nicht teilen, aber deine Ansätze sind mir in ähnlicher Weise auch schon durch den Kopf gegangen. Spontan fällt mir dazu Bitwig Studio 4.4 ein. Dort ermöglichen die neuen Devices der „Spectral Suite“ genau das was du beschreibst und treiben es noch weiter. Du kannst damit Audiosignale nach Lautstärke-, Frequenz-, Transienten- oder Obertonanteilen aufsplitten und die Teile differenziert weiter bearbeiten.

    Schau mal hier: https://www.amazona.de/bitwig-studio-spectral-suite-plug-in-erweiterung/

  3. Profilbild
    Fredi

    Hallo Nick MD,

    die Idee, dass man ein Signal in Frequenbänder aufteilt und diese dann unterschiedlich bearbeitet, ist nicht so neu.

    Ich kenne das u.A. von Multiband-Kompressoren, die man gerne im Mastering benutzt, aber auch im Mixing. Ein Signal wird dort in Frequenzbänder aufgeteilt, die dann unterschiedlich stark komprimiert werden. Dort ist aber die Frequenzaufteilung integraler Bestandteil des Effekts und keine separate Einheit, die davorgeschaltet ist.

    So etwas kann man beispielsweise nutzen, um bei einem Drum-Mix die unterschiedlichen Teile (Bass-Drum, Snare, Becken) separat zu komprimieren, weil man die einigermaßen gut frequenzmäßig separieren kann und eine Bass-Drum vielleicht aggressiver komprimiert werden wird als ein Hi-Hat.

    Es kann auch nett sein, so etwas für Verzerrungen zu nutzen. Man würde wahrscheinlich eher niederfrequente Bänder stark verzerren, weil man bei den hochfrequenten Bändern sogar (durch Aliasing) unangenehme Störfrequenzen bekommen könnte.

    Naja, alles eine Frage des Herumfrickelns…

    Gruß
    Fredi

    • Profilbild
      Nick MD

      Hi Fredi, vielen Dank für dein Feedback!
      Jau, Frickeln ist hier das richtige Stichwort. – Hast mich als Hobbyfrickler entlarvt. 😉
      Ich arbeite schon eine ganze Zeit mit Multiband-Kompressoren. Aber die können ja nur komprimieren oder maximal ‚expandieren‘. Wenn ich so eine Frequenzaufteilung in verschiedene Spuren oder Aux-Busse vornehme, dann kann ich ja als zusätzliche Instanzen weitere FX einfügen.
      Da fängt es m.E. an, spannend zu werden. Ich glaube, deine Idee mit den Verzerrungen geht in diese Richtung, wenn ich da in ein FQ-Band z.B. Tube-Simulatoren oder einen Gitarreneffekt lade. … Müsste man mal ausprobieren. – Danke für die Anregung!

  4. Profilbild
    Steffog

    Vielen Dank für die Vorstellung dieses interessanten Plug-Ins, Nick MD. Das klingt nach Schweizer Taschenmesser. Bisher kannte ich auch nur Multibandkompressoren, aber dieses Frequenzen-Splitting klingt echt spannend. Und ich finde auch, es lädt geradezu zum Frickeln ein. ;)

    • Profilbild
      Nick MD

      Wow, Steffog, danke für die positiven Gedanken.
      Ich wünsche dir ein erfolgreiches Frickeln und lass uns bitte wissen, wenn du eine gute Entdeckung gemacht hast.
      LG
      Nick

  5. Profilbild
    TBProAudio

    Hallo Nick MD,

    danke für den Artikel :-)
    ISOL8 wurde im Wesentlichen für das Monitoren bestimmer Frequenzbänder entwickelt.
    Hier bitte ich zu beachten, dass ISOL8 sehr steile IIR-Filter (24/48dB/Oct) nutzt. Diese haben die Eigenschaft der Phasenverschiebung gerade im Grenzfrequenzbereich.
    Das bedeutet, dass die Summe der Split-Signale NICHT das Eingangssignal ergibt.
    Dies würde für FIR-Filter gelten. (IIR vs. FIR: https://www.advsolned.com/unterschied-zwischen-iir-und-fir-filtern-ein-praktischer-leitfaden/).

    Nur als kleine Ergänzung. Falls noch Fragen gerne auch direkt :-)

    Viele Grüße
    Thomas von TBProAudio

    • Profilbild
      Nick MD

      Hey Thomas,
      danke dir für die positive Reaktion und die Richtigstellung. In der Tat kannte ich die Mathematik hinter der Anwendung nicht, was aber m.E. für die durch mich angedachten Zwecke keinen großen Unterschied macht. Denn die Eingriffe in das Audiomaterial, die mir vorschweben, sind ja ohnehin sehr erheblich, sodass eine mehr oder minder subtile Abweichung von der Ästhetik des Ausgangsmaterials nicht entscheidend sein mag.
      In der Zwischenzeit habe ich viel mit eurem Plugin herumexperimentiert … und das nicht nur im ursprünglich angedachten Bereich des Monitorings, wo ich als sowieso als super empfinde.
      Diese Sound-Chimären, von denen ich sprach, erscheinen mir sehr vielversprechend zu sein:
      Ich habe verschiedene Sänger*innen dieselben Zeilen singen lassen, diese per Melodyne und VocAlign quasi ‚horizontal‘ und ‚vertikal‘ angeglichen und dann daraus per ISOL8 verschiedene Stimmen erzeugt, indem ich das Material quer durch die Frequenzbänder gepuzzelt habe. – Verblüffend!
      Ich frage mich zwar, wofür ich so etwas brauchen kann ;-), aber allein die Möglichkeit ist schon großartig.

    • Profilbild
      Nick MD

      Hey BAM,
      da war ich also nicht ganz der erste mit meiner Idee ;-)
      Danke für den Link! :-)
      Ich sehe viele gute Effektmischerei, aber nicht die Möglichkeit, unterschiedliche Klangquellen einzuspeisen und miteinander zu vermischen. (Das, was ich Klang-Chimären genannt habe.)

  6. Profilbild
    Swen

    Hi NickMD, Hallo an alle anderen,
    ich benutze ISOL8 schon seit Jahren als Standard im Studio, für verschiedene Zwecke, in erster Linie zum Abhören, aber auch als Kreativwerkzeug wie im Artikel beschrieben. Also zum Beispiel um verschiedene Reverbs auf Basedrums und Hi-Hats bei Techno-ProducerSets anzuwenden, aber auch für andere Effekte die ich im Bassbereich nicht möchte.
    Für Producersets benutze ich das Plugin auch gerne als Kill-EQ um Drops umzusetzen, aber dafür hätte ich gerne eine besser geeignete Lösung, in Form eines echten Kill-EQs mit Drehregler für die einzelnen Frequenzbereiche. Vielleicht kann mir hier an der Stelle ja jemand ein entsprechendes Plugin empfehlen, wo wir gerade bei dem Thema sind.

    • Profilbild
      Nick MD

      Hi Swen,
      mega Idee, die Reverbs bei Bässen und Kicks auf die höheren Frequenzen zu beschränken. Das klingt bestimmt ziemlich aufgeräumt.
      Ehrlich gesagt habe ich noch nie von Kill-EQs gehört, stelle mir aber vor, dass sie bestimmte Bänder komplett muten können. Wenn es dir darum geht, das ‚Killing‘ nicht abrupt, sondern graduell durchzuführen, dann guck dir doch mal bei W.A. Production das Tool XTT an: https://www.waproduction.com/plugins/view/xtt-by-vinai
      Das ist zwar auch ein Kompressor und Limiter, kann aber auch bestimmte Frequenzen rein- oder rausfaden. Kostet um die 40 Schleifen. Wenn du mich fragst, ein Schnapper.👍
      LG Nick

  7. Profilbild
    moinho AHU

    Jup, sowas gibt es wie erwähnt bei einigen Spezialisten (OhmBoyz haben da einiges im Programm, ebenso Eventide, und grade in die recht flexible Richtung gabs in Hardwareform seinerzeit den feinen Electrix MOFX, und Ableton Live Version Uralt hatte sowas als Delay), aber:
    was spricht dagegen, sowas mit DAW-Bordmitteln (d.h. LC/HC, die ich sowieso im Channel-EQ habe) zu bauen?

    (Der Zusammenhang zwischen Gruppenlaufzeit (ja, so nennt man das, das hat mit Linearität rein garnix zu tun) und Feedback/Forward ist freilich nicht so, wie dargestellt. Grundsätzlich haben Filter wenige Möglichkeiten, Dinge anders zu machen weil Kramers-Kronig. Aber ich hab offengestanden irgendwann keine Lust mehr das zu erklären. Im Zweifelsfall schaden Texte von Leuten wie Entenmann (oder wers hart will Hilbert) nix, im Gegensatz zu jemandem ohne Namen aus Enschede. Dann doch lieber Garrelsweer, aber dem seine Erklärungen sind…mhmm. Wenn auch richtig.)

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