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Praxistest: Hex Drum – Simmons Drums at it´s best

4. Dezember 2022

Roland TR- was?

Ja, natürlich. Die Roland TR-808 und ihre Verwandten schaffen es seit 40 Jahren ohne Ermüdungserscheinungen ein attraktives Thema in jedem Forum und an jedem Stammtisch der Musikerwelt zu sein. Und es hat den Anschein, dass es auch Niemanden langweilt. Die Maschinen sind so interessant, dass auch nach 40 Jahren noch Anbieter versuchen die „jetzt aber wirklich“ zu 99,99% original klingende Hard- und oder Softwarekopie der bewährten Roland-Klopfer auf den Wunschzettel von uns Equipmentsüchtigen zu schreiben. Ich nehme mich da selbstverständlich nicht aus. Ja, ok, die Klopfgeister haben es verdient, aber wenn Jemand weniger aus dem Techno, Elektro, Pop oder was auch immer kommt, sondern sein Herz in den 80ern stehen geblieben ist, und sich vielleicht eher dem Synthwave, Synthpop widmet, der wird gar nicht so viel mit den TRs anfangen können. Da wäre die LinnDrum dann schon eher das Ziel der Begierde. Aber genauso, wie wir gerne Synthiesounds layern und kombinieren, wurde das „damals“ natürlich auch gerne getan. Kick und Snare kamen von der Linn oder später aus dem Sampler. Aber diese fetten, bombastischen, überhaupt nicht echt aber dafür dick klingenden Toms….ja, dafür verwendete (und verwendet) man gerne „die Simmons“.

„Die Simmons“

Wenn wir von „der Simmons“ reden, dann meinen wir ja meistens die SDS-V, die 1981 präsentiert wurde. Natürlich hat Simmons noch wesentlich mehr Module und ganze Drumsets rausgebracht, später auch mit Sampling, aber die SDS-V ist die Maschine, mit der der klassische Simmons-Sound in Verbindung gebracht wird. Insbesondere natürlich mit den Toms (…i need a hero…WUMM). Wen die Details interessieren, es gab bereits hier auf AMAZONA einen Black Box Artikel zur SDS-V. Und zwar hier.

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Hex Drum im Überblick

Die (oder das?) Hex Drum von Oblivion Sound Lab ist nun die Plug-In gewordene Reinkarnation der Simmons SDS-V. Sie selber bezeichnen Ihr Tool als „inspiriert von der SDS-Serie“. Nun gut. Es gab wohl den ein oder anderen Versuch eine Simmons als Plug-In zu erschaffen, aber aus dem Stegreif fällt mir da kein Plug-In ein, welches es zu Ruhm gebracht hätte. Schauen wir uns also die Hex Drum etwas genauer an.

Das User Interface der Hex Drum ist sehr aufgeräumt. Es wurde nicht versucht irgendwelche photorealistischen Oberflächen zu realisieren und dennoch ist es nicht so trostlos, wie bei Valhalla (sorry). Alles ist klar gegliedert, angenehm beschriftet und leicht zu finden. Kurz gesagt: Man kommt sofort zurecht. Wer die Simmons SDS-V kennt, der erkennt auch, dass wir hier ein paar Regler mehr zum Schrauben hat, als das Original. Also Simmons goes 2022? Wir werden sehen.

Hinter dem Zahnrad auf der Front verbergen sich dann noch diverse Settings. Das Midi Mapping ist frei konfigurierbar und lässt sich als Standard auch abspeichern. Sehr schön. Dazu unterstützt Hex Drum auch Multi-Channel Output. Ebenfalls sehr schön. Dann kann man noch Oversampling und die Renderqualität für das Bouncen einstellen. Nice.

Alles in Allem gibt es an dem User-Inteface überhaupt nichts auszusetzen.

Die Sound-Module

Da haben wir aber Glück gehabt, diesen Absatz müsst Ihr nur für ein Modul lesen, denn alle Module sind identisch. Wie bei einem voll ausgebauten SDS-V gibt es hier 7 Module. Die haben zwar Namen, wie Kick oder Snare, aber die lassen sich frei umbenennen. Die Module arbeiten nicht mit Samples sondern sind virtuell Analog aufgebaut. Schauen wir mal von Links nach Rechts durch.

Zu erst hätten wir den Abschnitt „Tone“ – den Oszillator eines Moduls. Die Wellenform lässt sich umschalten zwischen Sinus, Dreieck und einer Hybrid genannten Mischung aus den Beiden. Hier hört ihr den Oszillator ohne Click und Noise mit den verschiedenen Wellenformen in der Reihenfolge Sinus, Rechteck und Hybrid:

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Mit Pitch lässt sich natürlich die Tonhöhe des Oszillators ändern, und das in einem sehr breiten Bereich. Decay ist auch klar und mit Bend bestimmt man Intensität der Tonhöhenänderung des Oszillators. Eine Besonderheit des Plug-Ins gegenüber des Originals ist es, dass man den Bend-Modus umschalten kann. Der „neue“ Modus fühlt sich deutlich schneller an. Auf diese Weise lassen sich auch modernere 909-artige Kicks erzeugen. Ihr hört im Folgendem Beispiel erst die Pitch-Kurve A, dann B und wieder zurück:

Der nächste Abschnitt kümmert sich um die Noise. Das Element was das „DSCHINN“ ins „PIUUH“ gebracht hat. Ok, wie soll man das sonst schreiben? Der Noise-Oszillator lässt sich vielfältig einstellen. Cutoff, Resonance, Sweep und Highpass-Filter stehen zur Verfügung um den Sound anzupassen. Mit dem Mix-Regler mischen wir das Noise-Signal zu unserem Oszillator. Spielen wir ein wenig damit rum:

Beim Click wird es nun etwas einfacher. Man stellt die Länge ein und das Verhältnis zwischen Mix und Oszillator. Hören wir rein:

Der nächste Abschnitt ist beim Original überhaupt nicht zu finden. Der LFO. Mit dem LFO lässt sich die Tonhöhe des Oszillators und die Cutoff-Frequenz des Filters modulieren. Da der LFO bis 1kHz rauf geht kommt so ein klein wenig FM-Feeling auf:

Zu guter Letzt kommt der Output. Der stellt mit „Saturation“ sogar noch ein wenig Sättigung zur Verfügung. Die Abhängigkeit von der Anschlagsdynamik lässt sich ebenfalls einstellen. Dazu kommt noch Pan und Output.

Die Möglichkeiten des Sounddesigns sind also gegenüber dem Original gehörig aufgebohrt worden und laden zum Spielen und Experimentieren ein.

Der Sound

Ein paar Parameter haben wir schon gehört, aber wie klingt denn die Hex Drum nun insgesamt? Ich kann hier an dieser Stelle nicht beurteilen, ob die Hex Drum ihren Job richtig macht, denn ich hatte nie Zugang zu einer echten SDS-V. Ich hatte nur Samples, habe sie natürlich auf unzähligen Aufnahmen gehört  und kann nur sagen: Sie macht Ihren Job verdammt gut. Die Hex Drum klingt sauber, sehr druckvoll aber auch präsent und ist mit den zur Verfügung stehenden Parametern sehr flexibel einstellbar. Eine richtige Spielwiese für Synthiedrums.

Weitere Soundbeispiele findet Ihr in der Playlist im Anschluss des Artikels:

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Fazit
Oblivion Sound Lab´s Hex Drum macht mir richtig Spaß. Der Sound ist fett, amtlich und in meinen Ohren authentisch. Die Parameter machen Hex Drum sehr flexibel und animieren zum schrauben. Es macht immer wieder Laune, wenn ein Plug-In inspiriert. Der reguläre Preis von Hex Drum beträgt 39$, was ich sehr fair finde. Im Black Friday Deal war es sogar für knapp 24$ zu haben. Da musste ich einfach zuschlagen. Eine uneingeschränkte Demo, die nur nach 45 Sekunden eine Pause macht, bietet eine umfangreiche Möglichkeit zum Testen.
Für alle, die auf Synthwave, Synthpop oder sonst irgendwie auf die 80er stehen, ist das Plug-In quasi Pflicht. Aber auch alle anderen Freunde des typischen Simmons-Sounds kommen voll auf Ihre Kosten. Zumal Hex Drum noch deutlich mehr bietet.

Plus

  • Fetter, authentischer Sound
  • Flexible Parameter
  • Multi-Output
  • User Interface

Minus

  • Nix
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Flowwater AHU

    Hoppla! Es gibt eine Emulation des Simmons »SDS-V«?!? Whow! Vielen lieben Dank für den Beitrag. Ich brauche die Sounds nun nicht sooo dringend, es ist aber gut zu wissen, dass es das gibt. 😃

    Ich bin auch ein Kind der 80er und deswegen ein großer Fan der deutschen Band »Spliff« und der Kanadier »Saga«. Beide Bands haben Songs gebaut, die besser des Sound einen SDS-V wohl nicht demonstrieren könnten; Spliff mit »Deja Vu« (was für eine Nummer!) und Saga mit »A Brief Case«, welches live immer eine Show war.

    Ich erinnere mich schmunzelnd an eine Aussage von Herwig Mitteregger (Ex-Drummer von »Spliff«, später Solokünstler), dass die Simmons-Dums so ganz ohne Effekte »wie ein Pfund Scheiße« klängen. Deswegen hat er wohl noch eine Harmonizer dahinter gehängt und damit diesen typischen Sound erzeugt.

    • Profilbild
      MartinM.

      Vollkommen d’accord, auch mit dieser Leserstory! Wer in den Siebzigern notgedrungen mit Orgel und Rhythmusgerät hantiert hat, versteht, warum die TR 808 Anfang der Achtziger ein Flop war. Ohne heftigen Einsatz von Effekten klingt auch die nur wie ein Klopfgeist. Und dessen Sound schwebte damals niemandem vor, schon gar nicht aus nostalgischen Gründen. Die Simmons E-Drums waren viel typischer für den Sound der Achtziger, auch weil die noch richtig mit Groove von Hand gespielt wurden, während Maschinen wie die Linn Drum (die mit dem braunen Aufdruck) nur recht statisch programmiert wurden. Ich erinnere mich an einen Artikel in „Keyboards“ über den Drummer Curt Cress, der als „Feuerwehrmann“ Mitte der Achtziger durch die deutschen Studios geschickt wurde. Mit E-Drums, wie ich meinen will. Er findet sich z.B. in den Credits von Alphaville’s Hitalbum von 1984. Spliff und Saga wären mir ebenfalls spontan als Beispiele für E-Drums eingefallen.

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        digital-synthologie AHU

        Nur für die, die noch in der Vergangenheit verhaftet waren und Drummachines als Schlagzeugerersatz gesehen haben.
        Die anderen haben sie als neues kreatives Werkzeug verwendet und den neuen Sound und die neue Art, damit Rhythmen zu erschaffen, gewinnbringend eingesetzt.

        “Wenn ich die Leute gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde.” – Zum Glück konnten Menschen über den Tellerrand hinausschauen, denn sonst wären viele Musikstile nicht entstanden.

      • Profilbild
        lunatic AHU

        Naja, cremige Schnulzen von Luther Vandross, Marvin Gaye oder Freddie Jackson haben schon stark von Sound der 808 profitiert. Ebenso die ganze electric boogie / breakdance Fraktion…..
        Von Flop würde ich da nicht sprechen. Nach dem Hype der Digital Drums konnte man die analogen Drummies dann günstig erwerben aber Anfang der eighties wurden sie in einigen Sparten sehr sehr gerne eingesetzt. 2cent

        • Profilbild
          MartinM.

          Ja, später konnte man den analogen Sound dann wieder hören. Ich denke, die TR 808 war von 81 bis 84 auf dem Markt — nicht unbedingt lange. So weit ich weiß, wurde das Modell als Flop gewertet.
          Persönlich konnte ich mir zu der Zeit als Teenager nur die SoundMaster Stix leisten (steht auf Platz 6 der Amazona Charts). Die kostete unter 400 Mark. Selbst die TR 606, die mir Verkäufer Hans im Music Store Köln als eben nicht so künstlich klingend andienen wollte, lag — glaube ich — bei 680 Mark. Die Stix fand ich anfangs toll, (sehr analog, aber ohne die Tuningmöglichkeiten einer 808) aber mit der klangen alle meine Songs nach Blip-Plop-Zisch, egal was mir für ein Stil vorschwebte. Als ich zwei Jahre später selbst Geld verdiente, holte ich mir natürlich digitale Drummachines, insbesondere die samplingfähige Casio RZ 1. Mit der konnte ich auch die analogen Sounds der Stix spielen, wenn ich denn gewollt hätte. Wollte ich aber nicht. Der damals aktuelle Sound forderte knackige, digitale Kicks und gated reverbed Snares. Die Stix habe ich (Keuch!) damals verschenkt.
          (175 Likes??? Wie bin ich denn dazu gekommen?)

  2. Profilbild
    Kstreck

    Ich muss schmunzeln, ja selbst die Lokalmatadoren meiner Jugend in den 80ern, HERNE 3 ( „Immer wieder aufsteh’n“) hatten die Teile Live eingesetzt und mich damals schwer beeindruckt.Damals…

    • Profilbild
      Flowwater AHU

      Sie sahen damals – und meiner bescheidenen Meinung nach auch heue noch – mit dem sechseckigen Design extrem cool aus. Warum Simmons heute nicht genau wieder so ein Drumkit in diesem Design heraus bringt, werde ich im Leben nicht verstehen.

      • Profilbild
        Schneum

        seh ich auch so. leider ist der trend entgegengesetzt und sechseckige edrums wären wohl unverkäuflich…
        optisch und klanglich sind edrums momentan leider wie autos, die wie kutschen aussehen und schlagzeuger, die innovativ elektronische schlagzeuge spielen, mangelware, bzw. unauffindbar…

  3. Profilbild
    Round Robin AHU

    @Tom Herwig: Vielen Dank für den tollen Bericht. Endlich bekommt dieser Drum Synth ein wenig mehr aufmerksam. Ich nutze dieses Plugin seit dem Release und bin total davon begeistert. Es ist eine klangliche Abwechslung nach der TR Dauerpräsents. Nicht falsch verstehen, ich bin ein 808 Lover, aber es darf auch mal was anderes sein. 😀

  4. Profilbild
    mdesign AHU

    schöner bericht, danke! besonders gefreut hat mich das – mir bisher unbekannte – mitteregger-zitat. unser schlagzeuger konnte sich anfang der 80er natürlich kein eigenes simmons leisten, also wurde es für wichtige gigs oder fürs studio von einem kumpel geliehen, der mit reichen eltern gesegnet war. und dann wurde mit leichter enttäuschung an den knöpfen geschraubt, um irgendwie doch dem sound von spliff und saga nahezukommen. war nie so einfach, wie gedacht.

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