DJ Workshop: NI Traktor Software, Harmonic Mixing mit Traktors Key-Widget

23. Januar 2020

The Key to Harmonic Mixing

Auf geht es zu Teil 8 der Traktor DJ-Software-Tipps-Serie. Die gesamte Workshop-Serie für die Native Instruments DJ-Software Traktor, umfasst bislang folgende Teile:

In Teil 8 unserer Serie mit Tipps und Tricks zu Native Instruments Traktor DJ-Software soll es um Harmonic Mixing mit Traktor DJ mitsamt dem neuen Key-Widget gehen.

Harmonic Mixing mit Traktor DJ

Harmonic Mixing mit Traktor DJIn diesem Artikel wird es im Speziellen um Keymixing mit Traktor gehen. Ganz kurz gesprochen ist Harmonic Mixing eine Technik, bei der Tracks gespielt werden, die tonal zueinander passen, so dass sich die darin vorkommenden Töne nicht „beißen“, also dissonant zueinander verhalten, sondern möglichst harmonisch miteinander klingen. Insbesondere bei Musik mit vielen melodischen und harmonischen Elementen wie zum Beispiel Deep House oder Disco ist Harmonic Mixing sehr hilfreich, um lange und dennoch gut klingende Übergänge zu realisieren.

Achtung, Native Instruments nutzt mit „OpenKey“ eine eigene Notation, bei der andere Zahlen und Buchstaben zum Einsatz kommen, als bei Serato DJ Pro und Co.
Das Prinzip bleibt das Gleiche: Wandert man eine Ziffer nach oben oder unten, wandert man um eine Stufe auf dem Quintenzirkel nach rechts bzw. links und landet damit in einer Tonart, mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr gut mit derjenigen des laufenden Tracks harmoniert.
Wer noch Nachholbedarf bei den Grundlagen von Harmonic-Mixing im Allgemeinen hat, kann sich gerne erst einmal unsere beiden Artikel zu den Keymixing-Grundlagen und Harmonic-Mixing in der Praxis ansehen. („Harmonic Mixing Basics“ und „Harmonic Mixing in der Praxis“)
Ich werde in diesem Artikel deswegen nicht weiter darauf eingehen.

Seit der Version 3.2.0 gibt Native Instruments den Liebhabern von Harmonic Mixing unter den Traktor-Nutzern ein paar sehr mächtige Tools an die Hand, nämlich das Key-Widget und die farbliche Markierung passender Tracks im Browser, aber schauen wir uns zunächst mal die Voraussetzungen an, damit man die Funktionen überhaupt nutzen kann

Voraussetzungen und Einstellungen fürs Mixen in Key

Zunächst einmal funktioniert Harmonic Mixing nur, wenn der Keylock bei allen genutzten Decks aktiviert ist. Andernfalls verschiebt das Ändern des Tempos zwingend auch alle Frequenzen, aus denen ein Track besteht und damit auch die Tonhöhen. So will es die Physik und an der kommt nun mal niemand vorbei.
Der Keylock ist deaktiviert, wenn am Key-Widget eine graue Note angezeigt wird.
Falls dem so ist, einfach draufklicken.

Harmonic Mixing mit Traktor DJ

Graues Notensymbol: Key-Widget aus

Ist ein analysierter Track ins Deck geladen und die Key-Anzeige zeigt weiterhin die Note an, aber in türkiser Farbe, müsst ihr noch in den Preferences unter „Transport“ beim Punkt „Appearance“ das Häkchen bei „show resulting key and offset“ setzen.

Harmonic Mixing mit Traktor DJ

„Show resulting Keys“

Jetzt sollte die Tonart des Stückes in der Open Key Notation zu sehen sein.

Um überhaupt sehen zu können, welche Tracks tonal zu dem im laufenden Deck passen könnten, muss die Anzeige des Keys in Traktors Browser aktiviert sein. Wenn ihr keine Spalte namens „Key“ seht, einfach einen Rechtsklick auf die Spalten ausführen und „Key“ anwählen.

Harmonic Mixing mit Traktor DJ

Ohne aktivierte Key-Spalte im Browser geht gar nichts in Sachen Keymixing, besser ist sogar „aktivierneren“.

Damit der Browser Tracks mit passenden Keys farblich markieren kann, muss außerdem Traktor wissen, welches Deck er als Referenz nutzen soll. Dazu müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Das Deck muss spielen und als Tempomaster definiert sein.

Harmonic Mixing mit Traktor DJ

Die erste Voraussetzung bedarf keiner Erklärung, hoffe ich mal. Die zweite schon eher.
Der Tempomaster definiert bei Traktor, worauf SYNC, QUANTIZE und die tempoabhängigen Effekte sich beziehen.
Der Tempomaster kann entweder Traktors interne Uhr sein oder aber das Deck, das am längsten on air ist. Oder natürlich jenes Deck, das manuell als MASTER definiert wurde.

Im DJ-Alltag sicherlich am sinnvollsten ist es, die Masterclock auf AUTO zu stellen, damit das am längsten laufende Deck automatisch der Tempomaster ist. In der Regel ist das das Deck, das auch zu hören ist und damit auch jenes, zu dem die Tonart des nächsten gespielten Titels passen sollte.
Ihr findet die Einstellungen für den Tempomaster in Traktors Global Section. Wenn AUTO und MASTER orange leuchten, steht Traktor auf AUTO. Solltet ihr die Global Section und die Effektslots nicht sehen, kann man ihn in den Einstellungen unter „Global Settings“ mit einem Klick auf „Show Global Section“ sichtbar machen.
Eventuell ist das ein ganz guter Zeitpunkt, um auf die Folge unserer Traktortipps-Serie zu verweisen, in der es explizit um Traktors Einstellungsfenster geht. (DJ WORKSHOP: NI TRAKTOR SOFTWARE, SETTINGS)

Fast haben wir es geschafft, eine Option gilt es noch anzuklicken.
Steht der Menüpunkt „Key Highlighting“ bei den Browser Details in den Preferences auf „only color matching keys“, benimmt sich Traktor so wie früher auch schon und markiert die tonal passenden Tracks farbig.

Der eigentliche Grund, warum ich diesen Artikel überhaupt schreibe, versteckt sich hinter der Option „Also color adjacent keys“. Ist diese aktiv, markiert Traktor auch jene Tracks im Browser farbig, die zum laufenden Tune passen würden, wem man sie um einen Halbton verstimmt. Klingt jetzt erstmal wenig spektakulär, hat es aber in sich.

Harmonic Mixing mit Traktor DJ

Die magische Einstellung, die die für Keymixe verfügbaren Tracks merklich erhöht.

Key-Anpassung in Halbtonschritten

Ihr erinnert auch an das Key-Widget in Traktors Decks? Jeder Klick auf eines der kleinen Dreiecke neben der Angabe der Tonart verstimmt den Track um exakt einen Halbton.
Zusammen mit der Option, ebenjene Tracks farbig zu markieren, die passen würden, wenn man sie um einen Halbton verstimmt, erhöht sich dadurch die Menge der Tracks, die man in Key mit dem gerade laufenden Tune mixen könnte, ganz erheblich. Ein absolutes Killerfeature!

Mehr als ein Halbton? Keine gute Idee!

Warum geht das nur mit einem Halbton? Warum nicht einfach den nächsten Track immer so weit verstimmen, dass er in key mit dem davor ist? Weil Time-Stretching-Algorithmen auch 2020 noch lange nicht perfekt sind und nach wie vor den Klang verschlechtern bzw. Artefakte produzieren.
Mixt man mit analogen Medien oder digital ohne Keylock, verändert sich die Tonlage um ca. einen Halbton, wenn man die Geschwindigkeit um 6 % verändert. Wer mit Keylock mixt weiß, dass die Audioqualität abnimmt, je weiter man sich vom Nullpunkt entfernt. Je nach verwendeter Musik und der Qualität der Anlage, auf der man spielt, hört man die Timestretching-Artefakte schon ab wenigen Prozent sehr deutlich. NI geht wohl davon aus, dass ein Halbton das Maximum ist, das technisch noch im Rahmen ist. Überlegt einfach mal, dass 2 Halbtöne schon einem Verändern des Tempos um 12 % entsprächen. Das schafft derzeit kein System ohne hörbaren Druckverlust.
Dazu kommt, dass unser Gehör zwar kaum einen Bezug zu absoluten Frequenzen erstellen kann, es aber irgendwann doch seltsam klingt, wenn bekannte Tracks viel höher oder tiefer als gewohnt abgespielt werden.

Puh, das waren jetzt sehr viele Worte, Einstellungen und Screenshots, aber das war’s dann auch. Außerdem müssen die Einstellungen ja nur ein Mal vorgenommen werden.
Das Ergebnis ist zunächst einmal sehr unspektakulär. Sobald ein Deck spielt und der Tempomaster ist, werden die dazu passenden Tracks im Browser farbig markiert. Die beiden folgenden Screenshots zeigen den Unterschied mit und ohne die Tracks, die erst passen, wenn man sie um einen Halbton verstimmt.

Harmonic Mixing mit Traktor DJ

Zum Vergleich: Hier die direkt tonal passenden Tracks

Harmonic Mixing mit Traktor DJ

Und hie die gleiche Liste mit zusätzlicher Anzeige der Keys, die passen, wenn man sie um einen Halbton verstimmt

KeyMixing – Killerfeature oder Kreativitätskiller?

Zum Abschluss dieses Artikels vielleicht noch ein paar Worte zur Selektion im Allgemeinen und zur technischen Hilfestellung dabei im Besonderen. Die Meinungen gehen stark auseinander. Die einen begrüßen und nutzen die Möglichkeiten, andere wiederum fürchten um die Individualität ihrer Selektion und wollen nicht, dass eine Maschine in den wichtigsten Skill eines DJs überhaupt hineinpfuscht. Ich persönlich sehe das pragmatisch. Es kommt wie immer schwer auf den Kontext an. Und auf die gespielte Musikrichtung. Ein viele Stunden dauerndes Deep-House-Set kann vom Keymixing sehr stark profitieren, runder und mehr aus einem Guss klingen. Stile mit sehr hohem Anteil an Melodien, wie zum Beispiel das im Moment wieder überaus präsente Disco, lassen sich ohne Keymixing lange nicht so smooth und schön mixen wie ohne. Auf einem Firmenevent oder einer Hochzeit aber kann es einem komplett den Blick für das Wesentliche (also den nächsten Banger) verstellen, sich überhaupt auf Übergänge zu konzentrieren.
Ich persönlich begrüße grundsätzlich jedes Werkzeug, das hilft, die Library zu strukturieren und in kleinere Happen zu unterteilen. Manchmal hilft die Anzeige tonal passender Tracks enorm dabei, mir Tracks ins Gedächtnis zurückzubringen, die ich in dem Moment gerade gar nicht auf dem Schirm hatte. Manchmal ist es besser, sich nur von seiner Intuition leiten zu lassen. Solange ich selbst entscheiden kann, ob ich den Empfehlungen der Algorithmen folge oder es sein lasse, ist es für mich gar keine Frage, dass das neue Keymixing-Widget von Traktor eine super Sache ist.

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