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DJ Workshop: Harmonic Mixing Basics

21. Februar 2019

Harmonielehre für DJs - die Basics

In diesem zweiteiligen Workshop geht es um die DJ Technik des „harmonischen Mixens“. Im ersten Teil werden die Grundlagen dazu erklärt. Im zweiten Teil wird dann das harmonische Mixen in seiner praktischen Anwendung behandelt.

Was ist „Harmonic Mixing“?

Das „harmonische Mixen“ oder „Mixen nach Tonarten“ ist eine in den letzten Jahren immer häufiger angewandte DJ-Technik. Zwei Tracks werden unter Berücksichtigung der jeweiligen Tonarten ineinander gemixt. Im besten Fall passen hierbei die Tonarten gut zueinander. Das Ziel ist es, einen schönen und harmonischen Übergang der zwei Tracks herzustellen. Die Tracks können hierbei aber auch über längere Zeit gleichzeitig laufen, ohne sich dabei zu stören.

Gleich zu Anfang muss gesagt werden, dass harmonischen Mixen nur zum Teil ein gutes DJ-Set erklärt. Die wichtigsten Zutaten beim Mixen bleiben immer noch die eigenen Ohren. Wichtig ist der Flow bzw. der rote Faden eines Sets sowie das Fühlen und Verstehen des Publikums, für das man spielt.

Das heißt, ohne das gewisse Gespür für die gerade genannten Punkte und für Musik im Allgemeinen hilft auch gutes harmonisches Mixen nichts. Ein guter DJ mixt harmonisch, ohne es bewusst zu wissen. Ob ein Song auf den anderen passt, sollte man einfach hören.

Dennoch kann man über schöne harmonische Übergänge die Stimmung im Publikum durchaus anheizen. In Musik, egal welchen Stils, geht es immer um Spannung und Entspannung. Mit dem Wissen, welche Tonarten zueinander passen und welche für mehr Spannung sorgen, lässt sich die Stimmung im Publikum durchaus steuern. Harmonisches Mixen sollte demnach als Unterstützung der eigenen DJ-Technik angesehen werden.

In diesem zweiteiligen Workshop werden Techniken des „harmonischen Mixens“ erklärt. Diese beruhen auf dem Wissen der Harmonielehre. Diese Lehre ist ein sehr komplexes Thema und beinhaltet inzwischen das gesammelte Wissen aus Hunderten Jahren Musikgeschichte. Um nicht zu sehr in der Komplexität dieser zu versinken, ist in diesem Workshop einiges vereinfacht dargestellt. Wen dieses Thema weiterführend interessiert, ist zu empfehlen, sich ausgiebig mit der Harmonielehre, im speziellen mit der Funktionsharmonik, zu befassen.

Allgemeines zum „Harmonic Mixing“

Harmonisches Mixen wird vor allem seit dem Einsatz von CD-Playern und Computern bzw. DJ-Programmen immer aktueller. Mit Vinyl ist die Sache dagegen etwas komplizierter.

Es gibt aber dennoch genug DJs, die auch mit Schallplatten harmonisch mischen. Allerdings ergibt sich hier folgendes Problem: Beim Verwenden des Pitch-Reglers am Schallplattenspieler ändert sich auch die Tonart des Tracks. Schneller machen bedeutet, der Track wird höher. Beim Verlangsamen dagegen wird der Track tiefer. Somit befindet man sich auch sehr schnell zwischen zwei Tonarten. Das harmonische Mixen wird dadurch sehr komplex. Mit einem gut trainierten Gehör und oder Gefühl für die Sache ist es aber durchaus möglich.

Auf den meisten DJ-CD-Playern gibt es hingegen eine „Key-Lock“- bzw. „Master Tempo“-Funktion. Diese verhindert das Ändern der Tonhöhe beim Betätigen des Tempo-Reglers. Tempoänderungen beeinflussen somit nicht mehr die Tonhöhe des Tracks. DJ-Softwares wie Serato, Rekordbox DJ oder Traktor besitzen diese nützliche Funktion ebenso.

Ein weiterer Faktor für den Aufschwung des harmonischen Mixens ist die Tonartenanalyse einiger (DJ-) Programme. „Mixed in Keys“ war eines der ersten Programme, das problemlos Tonarten von Tracks erkennen konnte. Relativ schnell integrierten auch die Standard-DJ-Programme wie Serato, Rekordbox DJ und Traktor diese Funktion in ihre Systeme.

Allerdings sind nicht alle Programme exakt beim Erkennen der richtigen Tonart. „Mixed in Keys“ ist sehr gut bei der Analyse. Serato kann hierbei fast mithalten. Bei Traktor und Rekordbox wird noch des Öfteren eine falsche Tonart angezeigt. Wer hundertprozentige Sicherheit haben will, muss die Analyse „oldschool“ selbst erledigen. Einfach den Track abspielen und die Tonart mit Hilfe eines Klaviers selbst raushören.

Harmonic Mixing in verschiedenen Musikstilen

Harmonisches Mixen fällt in einigen Musikstilen leichter als in anderen.

In einem Kommerz/Party/Classics-Set ist es oft nicht so einfach, auf die Tonarten der Songs zu achten. Hier zählt eher die Partytauglichkeit des nächsten Songs, mehr als das perfekte tonale Zentrum. Dennoch kann man auch hier ein flüssigeres Set erreichen, indem man auf die Tonarten achtet.

Auch im Hip Hop sind die Tonarten nicht ganz so wichtig. Da Songs nicht sehr lang sind, werden Übergänge zwischen den Songs eher schnell gemixt. Diese werden oft mit Cuts und Scratches unterlegt. Somit verschwimmt schnell das tonale Zentrum eines Songs. Aber auch hier kann es nicht schaden, hin und wieder ein Auge auf die Tonarten der Songs zu werfen.

Wirklich interessant ist harmonisches Mixen in den Stilen House und Techno. Die Tracks sind meistens länger als 5 Minuten. Somit werden auch die Übergänge zwischen den Tracks länger. Beide Tracks laufen über einen längeren Zeitraum gleichzeitig. Passen zwei Tonarten dabei nicht zusammen, ist das sofort hörbar. Wenn im Gegenteil die Tonarten der Tracks harmonieren, dann erhält man einen zusätzlichen Kick. Das Set klingt runder.

Schön ist es, an einer melodisch markanten Stelle des auslaufenden Tracks einen Loop zu setzen. Diese geloopte Melodie kann dann für längere Zeit über den neuen Track mitlaufen, ohne diesen zu stören. Durch das Kürzen des Melodie-Loops und dem Einsatz von Effekten kann dadurch eine Art Live-Remix bzw. Live-Mashup entstehen.

Das musikalische Grundwissen zum „harmonischen Mixen“

Um das harmonische Mixen zu verstehen, müssen die Grundlagen der Harmonielehre verstanden werden. Hier eine kurze Einführung in die Grundzüge der Harmonielehre.

Unser westliches Musiksystem basiert auf 12 Tönen. Diese sind in Halbtonschritte unterteilt. Im Gegensatz dazu wird in anderen Kulturen zum Beispiel mit Vierteltönen gearbeitet.

Die 12 Töne unseres Musiksystems sind folgende:

  • A
  • A# /Bb
  • B
  • C
  • C#/Db
  • D
  • D#/Eb
  • E
  • F
  • F#/Gb
  • G
  • G#/Ab

Einige Töne besitzen zwei Namen. Dies nennt man die „enharmonische Verwechslung“. C# wird Cis ausgesprochen. Db wird Des ausgesprochen.

Das Verhältnis zweier Töne zueinander nennt man Intervall. Es gibt reine und nicht reine Intervalle. Intervalle werden in Halbtönen gezählt:

  • Prim                            0 Halbtonschritte   reines Intervall
  • kleine Sekund           1 Halbtonschritt      nicht reines Intervall
  • große Sekund            2 Halbtonschritte   nicht reines Intervall
  • kleine Terz                 3 Halbtonschritte   nicht reines Intervall
  • große Terz                  4 Halbtonschritte   nicht reines Intervall
  • Quart                           5 Halbtonschritte   reines Intervall
  • übermäßige Quart    6 Halbtonschritte   nicht reines Intervall
  • Quint                           7 Halbtonschritte   reines Intervall
  • kleine Sext                  8 Halbtonschritte   nicht reines Intervall
  • große Sext                   9 Halbtonschritte   nicht reines Intervall
  • kleine Sept                10 Halbtonschritte   nicht reines Intervall
  • große Sept                 11 Halbtonschritte   nicht reines Intervall
  • Oktave                       12 Halbtonschritte   reines Intervall

In der Musiktheorie wird zwischen zwei Tongeschlechtern unterschieden: Dur und Moll.

Dur klingt meistens fröhlicher, spitzer und härter. Moll dagegen klingt eher traurig, melancholisch, tiefer und weicher. Moll wird meistens mit einem kleinen „m“, „-“ oder „minor“ (englisch für Moll) abgekürzt. Bei Dur verzichtet man entweder auf eine weitere Bezeichnung oder hängt das Kürzel „major“ (Englisch für Dur) dazu.

Steht also bei der Track-Analyse ein großes „F“ ist damit „F-Dur“ gemeint. Sieht man ein „Fm“, heißt dies der Track ist in „F-Moll“ produziert.

In der Regel arbeiten Produzenten und Komponisten mit Tonleitern. Eine Tonleiter besteht aus einem Grundton, gefolgt von weiteren Tönen, die in festgelegten Intervallen folgen. Der Grundton ist sozusagen die Heimat. Er birgt am wenigsten Spannung in sich und wird als sehr angenehm empfunden, wenn er in einem Track erklingt.

Die Anordnung der Intervalle wiederum entscheidet, ob die Tonleiter in Dur oder Moll ist. Als Erstes lernt man normalerweise C-Dur und A-Moll, da diese nur aus den weißen Tasten des Klaviers bestehen.

Hier die Töne der C-Dur Tonleiter: C D E F G A B

Hier die Töne der A-Moll Tonleiter: A B C D E F G

C-Dur und A-Moll sind verwandt. Man spricht hier von Dur/Moll-Parallelität.

Anhand von Tonleitern kann man nun die zugehörigen Akkorde einer Tonleiter finden. Akkorde entstehen, indem man mehrere Töne gleichzeitig spielt. Tracks bestehen in der Regel aus Einzeltönen (Melodien), Akkorden und Rhythmen. Normalerweise sind Tracks in einer bestimmten Tonart geschrieben. Hierbei werden überwiegend Töne und Akkorde aus der zugrunde liegenden Tonleiter gespielt.

Der Quintenzirkel

Als gängiges Hilfsmittel für Musiker und Komponisten hat sich der sogenannte Quintenzirkel etabliert. Dieser enthält Informationen über Tonleitern und deren Bezug zu einander.

Musikschüler lernen den Quintenzirkel oft mit Lernsätzen auswendig. Das C wird hierbei als Zentrum angesehen. Dann liest man ihn entweder mit oder gegen den Uhrzeigersinn.

Rechts rum: Geh Du Alter Esel Besorg Fische

Links rum: Frische B(b)raune Esskastanien Ass Desmund Gestern

DJs arbeiten bei der Track-Analyse oft im Camelot- oder Open-Key System. Hier sind die Tonarten durch Zahlen ersetzt. Dies vereinfacht anfangs das Finden passender Tonarten, da man erstmal auf die lästige Harmonielehre verzichten kann. Normalerweise lässt sich in jeder Software einstellen, mit welchem System die Tonarten der Songs angezeigt werden sollen.

 

Allerdings schränken diese Systeme ein, wenn man über den Beginner-Status hinaus kommen will. Und sollte einmal ein Musiker das DJ-Set begleiten, braucht dieser die Tonarten ebenso in der klassischen Schreibweise. Mit dem Camelot- oder Open-Keys-System kann dieser nicht viel anfangen. Viele DJs fangen auch früher oder später mit dem Produzieren von Tracks an. Auch hierfür ist es hilfreich, wenn Musiktheorie in den Grundzügen verstanden ist.

Somit sind die Grundlagen geklärt.

Die praktischen Tipps zum harmonischen Mixen folgen im zweiten Teil des Workshops.

Forum
  1. Profilbild
    visionaire

    Ein Hinweis darauf, dass hier englische Notennamen verwendet werden, wäre wichtig. Du sagst ja hier auch z.B. Des und Cis und nicht „D flat“ und „C sharp“. Die Unterschiede sind trivial, aber gerade für Anfänger wäre es gut darauf einzugehen.
    Im deutschsprachigen Raum ist Bb B und B H. DerMerkspruch heißt dann auch „Geh du alter Esel HOLE Fische“.
    Oder gab’s hier auch eine “ Rechtschreibreform“, die ich evtl. verpasst habe?

    • Profilbild
      Ingo Rieber  RED

      Da DJ Programme kein „H“ sondern „B“ und auch das „Bb“ statt dem deutschen „B“ verwenden habe ich die englische Version der Notennamen verwendet. Nach jahrelanger Unterrichtserfahrung habe ich festgestellt, dass hier die deutsche Version mehr verwirrt als die englische. Ausserdem ist der Unterschied in der deutschen Sprache nur auf einen Abschreibfehler aus dem 17. Jahrhundert oder 18. Jahrhundert zurückzuführen und macht auch wenn man genau darüber nachdenkt wenig Sinn.
      Allerdings hast du Recht, ich hätte es in einem kurzen Satz erklären sollen.
      Die Notennamen sind hier somit eine vereinfachte Version aus deutsch und englisch. Und wie in dem Text deutlich gesagt: Die ganze Harmonielehre ist hier vereinfacht dargestellt um Anfänger nicht zu verschrecken und zu verwirren.

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