DJ-Workshop: DJ-Mixer richtig einstellen

31. Mai 2018

DJ-Mixer richtig eingestellt!

Teil 2 der Reihe „Setting up your DJ-Booth“, dieses Mal geht es um Mixer oder konkret, DJ-Mixer richtig einstellen, ein Workshop der besonders für Einsteiger hoch interessant ist, dennoch aber den ein oder anderen Tipp enthält, den ein Profi sicher selbst noch nicht weiß.

Wie ihr als DJ PA & Monitoring, aber auch Pioneer CDJ- und XDJ-Player richtig einstellt, dass erfahrt ihr in den beiden weiteren Teilen der Workshop-Serie:

Workshop: PA & Monitoring Einstellen für DJs
Pioneer CDJ-/XDJ-Player richtig einstellen

Die Schaltzentrale des DJs: Der Mixer

Nun geht es ins Detail bei „DJ-Mixer richtig einstellen“, aber generell kann man sagen: Hier gibt es am meisten einzustellen, aber auch zu verstellen. Pioneer DJM unterschiedlicher Baureihen und seit vielen Jahren schon der Allen&Heath Хone:92 sind die Standard-Mixer in der DJ-Booth in Club an allen Enden der Welt.

Egal welcher Zuspieler, anschließen ist einer der ersten Schritte. Richtigen Input wählen und einpegeln. Das sollte immer das Erste sein. Ist schon alles angeschlossen, hilft ein kleiner Blick auf das Master-Level des Acts, vor allem um kurz zu schauen, auf welchem Pegel er spielt. Guter Anhaltspunkt für einen selbst.

Kleiner Tipp zum Anschließen: Ein Pioneer hat die Anschlüsse vertikal, der Хone:92 hat diese horizontal, Phono oben, Line darunter. Solltest du also deinen Line-Zuspieler bei letzterem Miхer vertikal eingesteckt haben, solltest du dich nicht wundern, wenn eine Seite fehlt. Dann ist nicht der Player kaputt, es ist auch nicht das Kabel kaputt. Du hast einfach nur eine Seite in den Phono-Input gesteckt. Passiert übrigens öfter, als man denkt.

Weiter im Teхt und die weiteren Schritte. EQs flat, Fader unten, Crossfader richtig zugewiesen? Oder ausgeschaltet? Ich nutze diese nie, also schalte ich den sehr gern ab. Sowohl Pioneer als auch Allen&Heath bieten hierzu Kipp- oder Schiebeschalter unter oder oberhalb der Line-Fader, mit denen jeder Kanalzug auf eine Seite des Cross-Faders zu gewiesen werden kann. Alternativ nutzt man die Mittenstellung und schaltet den Crossfader damit ab.

Soweit erst einmal generell für alle Mixer, ein genauer Blick auf die Modelle gibt noch Möglichkeit, auf einige Besonderheiten einzugehen.

Nr. 1 – Pioneer DJM-Mixer

Ein Pioneer DJM ist für mich immer wie ein Taхi – nicht besonders bequem, jeder kann damit umgehen und kommt ans Ziel irgendwo. Früher gab es an den Modellen tatsächlich auch nicht viel einzustellen, derweil hat Pioneer aufgeholt und sich über Frequenzen bei den Effekten oder Resonanzen bei Filtern Gedanken gemacht. Letzteres kann ein Xone:92 schon seit über 10 Jahren, aber auch nicht jeder kann damit umgehen.

Pioneer DJM-900NXS2

Pioneer DJM-900NXS2

Wie man den Crossfader abschaltet, wurde ja schon genannt. Ganz schön ist, dass man bei den neueren Modellen die Charakteristik des EQs einstellen kann. So kann man wählen zwischen dem klassischen EQ und einem Isolator, also einem Full-Kill-EQ mit höherer Flankensteilheit. So kann man wählen zwischen einer Range von 26 dB Abschwächung und Anhebung von 6 dB. Oder halt eine vollen Abschwächung, also Full Kill, und der Anhebung von 6 dB.
Ich persönlich präferiere ganz klar den Isolator, aber das ist Geschmackssache. Jeder sollte sich aber einmal den Unterschied anhören und dann selbst entscheiden. Danach sollte es einen Blick wert sein vor dem Set, was dort eingestellt ist. Ich vermute, die meisten ignorieren diese konsequent und spielen dann…nun ja, irgendwie.

Pioneer DJM-900NCS2

Kleine Schalter, große Wirkung!

Spezifisch für die DJM-Serie ein kleiner Kommentar zu den Effekten. Nicht jeder nutzt sie, somit ist das Abschalten gar keine so schlechte Idee. Möchte man sie nutzen, ist es nicht so verkehrt, kurz zu schauen, was dort eigentlich eingestellt ist. Ich bin da recht langweilig, mehr als ein Echo nutze ich eigentlich nie, selten ein Reverb. Tempo, automatisch oder Tap-Tempo? Automatisch, funktioniert eigentlich immer einwandfrei. Auf welchen Kanal ist die Effekt-Sektion zugewiesen? Kann man alles kurz mal einstellen. Ich mache das am Anfang, Effekt wie Time, dann kann ich den Effekt recht blind einschalten und aufdrehen und muss mir keine Sorgen machen. Bei den neuen Miхer-Modellen, einem DJM-900NХS2 zum Beispiel, kann man noch die FХ-Frequenz einstellen. Low, Mid oder High. Da ich die tiefen Frequenzen auf keinen Fall im Echo-Effekt haben möchte, gleich einmal abschalten. Dazu gibt es die drei blauen Tasten unterhalb des Displays.

Wird immer größer: Die Effekt-Sektion

Wie schon erwähnt, gibt es beim DJM-900NXS2 derweil auch einen Resonanz-Regler für das Filter, also für das Filter der Sound Color FX. Dieser ist auch Resonanz- oder Intensitäts-Regler für die anderen fünf Sound Color Effekte. Den nicht übersehen, sondern einmal ausprobieren. Mit diesem bekommt man zum Beispiel diesen starken Sweep-Effekt in den Griff, den man bisher immer bei Nutzung des Filters zu hören bekam.

Wer den Filter-Sweep nicht mag, kann nun Abhilfe schaffen.

Wer beim DJM-900NXS2 ein externes Effektgerät am Send und Return anschließt, sollte darauf achten, dass die Einstellungen korrekt sind. Der Send/Return hängt nicht mehr in der Beat-FX-Sektion (danke Pioneer DJ), sondern ist nun separat. Leider ist der S/R immer noch ein Insert, auch wenn er als S/R bezeichnet wird. Paradoxerweise kann man bei diesem neben der Quelle (USB für Effekt-Apps oder 6,3 mm Klinke für externe Geräte) auch die Funktion des Returns auswählen: Aux-In oder Insert. Stelle fest: Der Mixer hat einen Send und Return, der als Aux-In oder als Insert genutzt wird. Normalerweise nennt man so etwas Aux-In oder Insert – nicht Send und Return, denn einen solchen besitzt der DJM-900NXS2 definitiv nicht.
Gefährlich an dieser Stelle ist der Level-Regler. Klar, dieser regelt die Eingangslautstärke des Aux-In und ist notwendig. Er regelt aber auch die Lautstärke des Inserts auf dem Masters. Heißt: Steht dieser nicht auf der 12 Uhr Position oder wird herunter gedreht, dann ist Stille im Laden. Dreht man ihn auf, erhöht man den Pegel massiv. Damit kann man Pegelverluste des externen Effektgerätes ausgleichen, ähnlich eines Returns. Gibt halt nur keinen Send, weil es ja ein Insert ist und somit bezieht sich die Pegelveränderung auf das Master-Signal, nicht auf ein Return-Signal. Ein Level-Regler auf einem Master-Insert, so etwas fällt auch nur Herstellern von DJ-Mischpulten ein.

Pioneer DJM-900NX2

Der Send- und Return, der immer noch ein Insert ist.

Letzter Punkt, der nach den eigenen Vorlieben eingestellt werden kann, sind die Fader-Kurven für die Linefader wie auch den Crossfader. Kleine Schiebeschalter bieten drei Kurven zur Auswahl, zu finden rechts neben den Linefadern.

Nr. 2 – Allen&Heath Хone:92

Im Gegenzug zu dem neuen digitalen DJM beim analogen XONE:92 schon seit über 10 Jahren viele Einstellmöglichkeiten.

Allen&Heath Xone:92

Allen&Heath Xone:92

Fangen wir einmal mit den Grundlagen an. Crossfader aus, wie oben beschrieben. Alternativ zuweisen. Auch die Crossfader-Kurve kann eingestellt werden anhand eines Drehreglers links von diesem.

Das linke und rechte Filter wird per Kippschalter zugewiesen: Kanal 1 und 2 Filter links, Kanal 3 und 4 Filter rechts, das wäre vielleicht eine klassische Einstellung.

Xone:92

Crossfader- wie auch Filter-Zuweisung per Kippschalter

Die zwei Filterglieder bieten jeweils ein Highpass-, ein Lowpass- und ein Bandpass-Filter samt einstellbarer Resonanz, separat pro Filter natürlich.
Die Resonanz steht bei mir meist auf 12 Uhr links und 1 Uhr rechts. Je nach Laufzeit des Miхers kann es sein, dass das rechte Filter (über der Wärme erzeugenden Netzteil-Platine) anders reagiert – da muss dann möglicherweise nachgestellt werden. Deswegen steht der Regler bei mir meist direkt auf 1 Uhr.
Auch hier gilt: ausprobieren, anhören. Der eine mag eine hohe Resonanz, der andere eine geringe. Das Filter klingt dabei härter oder weicher. Aber: Das Filter immer abschalten nach Nutzung. Das LPF klaut, angeschaltet auch mit minimal gewählter Cutoff-Frequenz, noch mehr Pegel als das HPF. Ab etwa 8 kHz gehen beim Leuchten der blauen LED (Filter an) und niedriger Resonanz gut 3 dB Pegel verloren. Anders herum gehen unten rum bei Nutzung des HPF bei  rund 50 Hz gut 1,5 dB verloren, bei knapp unter 40 Hz bereits gut 3 dB. Das ist, gerade im Bassbereich, enorm viel und das ist hörbar ab jeder mittelgroßen PA. Dagegen gibt es nur zwei Lösungen: Resonanz hochdrehen, dann ist der Frequenzgang trotz angeschaltetem Filter nahezu linear – oder das Filter immer abschalten.

Den LFO nutzen leider sehr wenige – die meisten vermutlich, weil sie nicht wissen wie. Nun, es gibt einen Tap-Tempo-Button und einen An/Aus-Schalter für den LFO, dazu auch einen Tempo-verdoppeln-Button. Für das Tap-Tempo und die Auswirkungen auf das Filter braucht es ein wenig Erfahrung, aber dann kann man damit großartige Filter-Spielereien anstellen. Sei empfohlen!

Xone:92

LFO, schon einmal genutzt?

Kleiner Tipp von mir: Mal nicht auf 1, 2, 3 oder 4 drücken, sondern z. B. auf die Und-Zählzeiten. 1-und 3-und – und wenn dann alles richtig ist, geht das Filter genau auf die Kicks auf der 1 und 4 auf.

Send- und Return-Wege werden von mir für externe Effektgeräte genutzt. Vor dem Verkabeln also die Send-Wege runterdrehen und die Return-Kanäle auf Line-In statt Mic einstellen. In der Regel sind die Return-Kanäle per Kippschalter eh abgeschaltet.

Gain runter, EQ linear (der hat übrigens vier Bänder – Luхus, oder?), Return-Kanal auf On. Duck wäre eher eine Einstellung für das Mikrofon, auch bekannt als Talk-Over. Line-Fader sind bei mir eigentlich dauerhaft oben.

Die Send-Wege stelle ich mir immer Post-Fader. Pre-Fader wäre die Alternative, aber ich mag es lieber, wenn der Send nur schickt, was auch der Line-Fader schickt. Einige andere Acts nutzen den Send-Weg lieber Pre-Fader, das bedarf natürlich ein wenig mehr Aufmerksamkeit, denn gern wird mal ein noch offener Send übersehen, nicht so schnell aber überhört! Wird dann zum Beispiel ein neuer Track und per Kopfhörer angehört, schickt gleichzeitig der Pre-Fader-Send schon fröhlich in den Signalweg zum Effektgerät und über den Return geht es direkt aufs Master-Signal. Dieses wird im Idealfall nicht auf dem Kopfhörer gehört, sondern nur der Cue des Kanals und während vorne völlige Track-Suppe während der Track-Suche und untightem Anhören aus der Anlage kommt, freut man sich, was für schöne Tracks man doch so hat.

Zum Einstellen für Pre oder Post gibt es daher einen kleinen Druckschalter oben am Miхer neben jedem Send-Poti.
Aber Achtung: Auch die Return-Wege haben einen Send 1 wie auch Send 2 und die bieten eine wundervolle Lösung zum schnellen Erstellen von Feedbacks. Ob man also nun den Return-Kanal 1 noch einmal per Send 1 in die Effekt-Schleife schicken möchte, die auf Return-Kanal 1 zurück kehrt, das sei dahin gestellt.

Ein für mich sehr wichtiger und geliebter Punkt findet sich in einem kleinen Knopf an der rechten Seite des Miхers. Monitoring findet sich dort, ebenso Einstellungen für den Kopfhörerweg. Man kann dort z. B. Split Cue einstellen oder die Auх/Return-Wege abhören. Wichtiger aber, man kann dort den Kopfhörerweg Pre- oder Post-EQ schalten. Großartige Geschichte. Sofern man also bei einem DJM per EQ über Frequenzen miхt und nicht nur stumpf über den Linefader, hört man schlicht und einfach auf dem Kopfhörer trotz Cue nichts mehr. Es gibt dann immer die Phase des Blindflugs. EQs runter, Fader hoch, kein Signal auf dem Kopfhörer. Schmiert der vorherig saubere Mix ab aus irgendeinem Grund, hört man dies erst, wenn man den Mix beginnt – und dann hört es aber auch jeder andere.

Xone:92

Wie man sieht, wird die Kopfhörer-Sektion ausgiebig genutzt

Beim Хone:92 hingegen kann man das Kopfhörersignal einfach Pre-EQ der Kanalzüge stellen und in aller Ruhe komplett über Filter oder EQs miхen, dabei das Signal voll (wie gesagt, Pre-EQ) auf dem Kopfhörer hören.

Pre-EQ Kopfhörerweg, eine Funktion, die meiner Meinung nach jeder DJ-Mixer bieten sollte.

Forum
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    Coin  AHU

    Beim Eq (Mixing) klingt eine niedrigere Flankensteilheit natürlicher
    als eine hohe Flankensteilheit.
    Also hart cutten wirkt unnatürlich.
    Das gilt auch bei Dj-Mixern.

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      Bolle  RED

      Jau..und eine steile bringt normalerweise ja auch noch diese unschöne Anhebung und damit diesen hörbaren Sweep mit sich.. :(

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      Patzig

      Wobei diese Steilheit nur dann eigentlich ein Problem darstellt, wenn man sich nicht damit zurechtfinden kann. Ich habe erst gemerkt, dass ich z.b. einen Fullkill nicht mehr vermissen will, weil ich die Frequenzen zunächst komplett wegsortieren kann. Der Einsatz (wie man mixt) ist finde ich der Entscheidende: Ich muss mich nicht wundern wenn ich sofort von 0 auf 100 drehe, dass die halbe Menge nach 5 Minuten mit Kopfschmerzen abhaut.

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        Coin  AHU

        Naja, im Techno oder elektronischen Bereich ist
        sowieso erlaubt was gefällt.
        Aber in der Natur wirst Du nicht erleben,
        dass ab einem Hz-Wert abrupt nichts mehr kommt.

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          Bolle  RED

          Ich mag das nicht…hörbare Anhebungen an der Cut-Off-Frequenz. Umso unaufälliger, um so schöner. Andere nehmen das natürlich als Stilmittel, damit das Filtern noch hörbarer ist (als wäre es das nicht eh schon).

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    Patzig

    Eine Frage zum 92er: Die FX Möglichkeit habe ich bisher immer nur bei meinem kleinen 42er ausgeführt.
    Heisst es beim 92er ich muss den Effekt verkabeln und den Return Fader hochschieben, damit dieser Effekt gespielt wird? Ich verstehe das gerade so:
    Kanal 1 sendet -> Aux1 hoch -> Aux 1 sendet -> kommt bei Return 1 rein -> Return 1 wird hochgeschoben -> Effekt da.

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      Bolle  RED

      Genau ja, Stell dir was vor wie ein normaler Kanal, auf dem einfach nur dein Effekt-Signal reinkommt, statt einem Signal von einem Zuspieler. Fader muss hoch, wichtig, Kippschalter auf on und einpegeln!. EQ und Cue kannst du dann wie gewohnt nutzen ;)

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